3. Philharmonisches Konzert: Tödliche Augenblicke & Himmlische Längen

Wenn Musik zu weit geht: Die Bodensee Philharmonie verbindet Berlioz’ musikalischen Wagemut mit Werken von Schumann und Schubert

Das Orchester der Bodensee Philharmonie auf einem Boot.
Bodensee Philharmonie © Ilja Mess

Manchmal beginnt die Geschichte eines Musikwerks mit einer Niederlage. Als Hector Berlioz 1829 am Wettbewerb um den angesehenen Rom-Preis teilnahm, war er von seiner Komposition überzeugt. Doch seine musikalische Darstellung der sterbenden Kleopatra verstörte die Jury. Statt der erhofften Auszeichnung erhielt der junge Komponist eine Absage. Seine Musik hatte offenbar die Grenzen dessen überschritten, was die Preisrichter für angemessen hielten.

Fast 200 Jahre später ist „La mort de Cléopâtre“ im dritten Philharmonischen Konzert der Bodensee Philharmonie zu hören. Unter dem Titel „Tödliche Augenblicke & Himmlische Längen“ verbindet das Orchester am 4., 6. und 8. November im Konstanzer Konzil Werke von Hector Berlioz, Robert Schumann und Franz Schubert. Die musikalische Leitung hat der Erste Gastdirigent Marcus Bosch.

Berlioz erzählt von Kleopatras letzten Stunden nach dem Verlust ihrer Macht. Zwischen Verzweiflung, Erinnerung und Todesangst sucht die ägyptische Königin nach einem Ausweg, den es nicht mehr gibt. Der Komponist übersetzt diese Extremsituation in eine Musik voller abrupter Veränderungen, ungewöhnlicher Harmonien und dramatischer Zuspitzungen. Die deutsch-italienische Mezzosopranistin Julia Rutigliano, die unter anderem durch ihre Wagner-Partien bei den Bayreuther Festspielen bekannt wurde, übernimmt den Solopart.

Auch Robert Schumanns Konzertouvertüre „Julius Cäsar“ beschäftigt sich mit menschlichen Konflikten im Angesicht politischer Macht. Angeregt durch Shakespeares Tragödie entwirft Schumann eine musikalische Welt zwischen Bedrohung und Entschlossenheit.

Einen Gegenpol bildet Franz Schuberts „Große C-Dur-Sinfonie“. Ihre ungewöhnliche Ausdehnung stellte vertraute Vorstellungen von sinfonischer Form infrage. Schumann sprach bewundernd von ihrer „himmlischen Länge“. Hier entfaltet Musik ihre Wirkung nicht durch dramatische Verdichtung, sondern durch Zeit, Wiederholung und Entwicklung.

Die Konzerte finden am Mittwoch, 4. November, und Freitag, 6. November 2026, jeweils um 19.30 Uhr, sowie am Sonntag, 8. November, um 18 Uhr im Konzil Konstanz statt. Karten sind über die Bodensee Philharmonie erhältlich.

Die Konzerteinführung mit Dr. Hans-Georg Hofmann findet jeweils eine Stunde vor Konzertbeginn im Studio, Fischmarkt 2 statt.

Die öffentliche Generalprobe findet am Mittwoch, den 4. November um 10 Uhr statt. Tickets können an der Tageskasse erworben werden.

Julia Rutigliano ist eine deutsch-italienische Mezzosopranistin mit besonderer Nähe zum Wagner-Fach. Bei den Bayreuther Festspielen war sie als Wellgunde und Siegrune zu erleben, weitere Engagements führten sie unter anderem an die Semperoper Dresden, die Staatsoper Unter den Linden, die Opéra Bastille und das Teatro di San Carlo. Neben Wagner gehören auch Rollen von Bizet, Strauss, Puccini und Verdi zu ihrem Repertoire. Im Konzertfach widmet sie sich besonders den großen romantischen Werken und Oratorien, darunter Verdis Requiem, Dvořáks Stabat Mater und Berlioz’ Les nuits d’été. 2014 wurde sie mit dem Kulturpreis der Stadt Würzburg ausgezeichnet.

Marcus Bosch steht für ein breites Repertoire, klare künstlerische Handschrift und die Lust an neuen Konzertformaten. Seit 2010 leitet er die Opernfestspiele Heidenheim, die 2025 mit dem OPER! AWARD als „Best Festival“ ausgezeichnet wurden. Daneben ist er künstlerischer Leiter der Cappella Aquileia und Professor für Dirigieren in München. Zuvor war er Generalmusikdirektor in Aachen und Nürnberg sowie von 2018 bis 2026 Chefdirigent der Norddeutschen Philharmonie Rostock und 1. Gastdirigent der Bodensee Philharmonie. Als Gast arbeitete er mit mehr als 100 Orchestern und Opernhäusern weltweit. Sein Repertoire reicht vom Barock bis zur Moderne und umfasst auch große Musiktheaterwerke wie Wagners Ring und Berlioz’ Les Troyens. Für seine Einspielungen wurde er mehrfach ausgezeichnet, darunter zweimal mit dem Opus Klassik.

(Erstellt am 03. November 2026 10:52 Uhr / geändert am 03. November 2026 11:13 Uhr)