Eine Grenze, die verbindet
20 Jahre, 22 Figuren und zwei Städte - am 16. August 2026 jährt sich die Öffnung der Grenze zwischen Konstanz und Kreuzlingen auf Klein Venedig zum 20. Mal. Wo früher ein Zaun die Städte trennte, sind sie heute eng verbunden. Symbolisch dafür steht die gemeinsame „Kunstgrenze“ mit den weithin sichtbaren, roten Tarot-Figuren des Künstlers Johannes Dörflinger. Zum Jubiläum lassen sich Oberbürgermeister Uli Burchardt und Kreuzlingens Stadtpräsident Thomas Niederberger persönlich in die Karten schauen.
Was „schmuggeln“ Sie regelmäßig von Konstanz nach Kreuzlingen?
Oberbürgermeister Uli Burchardt: „Am ehesten „schmuggle“ ich gute Ideen, schöne Begegnungen und frische Impulse aus Konstanz nach Kreuzlingen - genau wie umgekehrt. Gerade dieser Austausch über die Grenze hinweg macht unsere Nachbarschaft so wertvoll und lebendig.“
Stadtpräsident Thomas Niederberger: „Ich nehme ausschließlich positive Eindrücke und konkrete Resultate aus den Treffen mit Oberbürgermeister Uli Burchardt, dem Ausschuss des Agglomerationsprogramms oder offiziellen Einladungen nach Hause. Von Schmuggeln kann also keine Rede sein!“
Was ist im Zusammenspiel zwischen Konstanz und Kreuzlingen in den vergangenen 20 Jahren besonders gut gelungen?
Oberbürgermeister Uli Burchardt: „Wir Verwaltungen denken und entwickeln Kreuzlingen und Konstanz wie eine einzige Stadt – das ist heute schon sichtbar in Fortschritten bei Verkehr, Stadtentwicklung und gemeinsamen Lebensräumen.“
Stadtpräsident Thomas Niederberger: „Gemeinsam nahmen wir die Stadtentwicklung mittels des Aggloprogramms in Angriff und verbesserten die Infrastruktur für den individuellen und öffentlichen Verkehr. Zudem entwickelten wir auch das Gebiet Klein Venedig gemeinsam weiter.“
Konstanz und Kreuzlingen teilen Seeufer und Geschichte, Alltag und große Feste. Was macht für Sie den unverwechselbaren Charakter Ihrer Stadt aus, und welchen Trumpf würden Sie sich vom Nachbar gern (häufiger) „ausleihen"?
Oberbürgermeister Uli Burchardt: „Die SBB haben wir ja schon 😉 Von Kreuzlingen würde ich mir darüber hinaus gern etwas von der schweizerischen Gelassenheit und dem Pragmatismus ausleihen und manchmal auch die routinierte und unaufgeregte direkte Demokratie.“
Stadtpräsident Thomas Niederberger: „Kreuzlingen ist mit seinen zahlreichen Naherholungsgebieten ein Magnet: Ob Seeburgpark oder Lengwiler Weiher: Im Nu erreichen wir Wasser, Wald oder Wiese. Als Ergänzung würde ich mir ab und an die historische Konstanzer Innenstadt herbeiwünschen.“
Denken Sie weitere 20 Jahre voraus: Wie hat sich das Miteinander von Konstanz und Kreuzlingen bis dahin entwickelt – und was tun Sie heute dafür, dass es so kommt?
Oberbürgermeister Uli Burchardt: „Wir arbeiten jeden Tag daran, dass die Grenze mitten in unserer Stadt in 20 Jahren noch unwichtiger sein wird, als sie es heute schon ist. Auf unsere gute Nachbarschaft!“
Stadtpräsident Thomas Niederberger: „Im Jahr 2046 ist die grenzüberschreitende Seeuferplanung umgesetzt und gilt als Vorbild in ganz Europa, die Agglo-S-Bahn sowie der Wärmeverbund sind in Betrieb: Dank gemeinsamer, grenzüberschreitender Planung und Umsetzung.“
Was empfehlen Sie KonstanzerInnen bzw. KreuzlingerInnen, um ihre Nachbarstadt neu zu erleben – abseits der Hauptrouten? Was ist Ihr persönlicher Tipp für die eigene Stadt?
Oberbürgermeister Uli Burchardt: „Den Uferweg zu nehmen – zu Fuß oder per Rad. Und für das große Erlebnis empfehle ich den Seeweg mit dem Wasserbus, um zum Beispiel das bald eröffnende Asisi-Panorama zu erleben.“
Stadtpräsident Thomas Niederberger: „Starten Sie einen Ausflug im Dorfkern von Kurzrickenbach und wandern Sie dem Chäsbachtobel entlang bis zu den Lengwiler Weihern. Einpacken: Brot und Wurst, Grillstellen inklusive Brennholz stehen zur Verfügung.“
Die Entwicklung der deutsch-schweizerischen Grenze auf Klein Venedig im Überblick
Die deutsch-schweizerische Grenze zwischen Konstanz und Kreuzlingen war über Jahrhunderte unbefestigt - lediglich an Straßenübergängen waren Kontrollen vorhanden.
Lange sicherten ein Zaun und ein Seetor die Grenze zwischen Konstanz und Kreuzlingen. Der Grenzzaun auf Klein Venedig wurde am 16. August 2006 symbolisch von dem damaligen Konstanzer Oberbürgermeister, Horst Frank, und dem damaligen Kreuzlinger Stadtpräsident, Josef Bieri, durchtrennt und anschließend abgebrochen.
Die Kunstgrenze wurde 2007 aufgestellt. Sie steht jeweils zur Hälfte auf Schweizer und deutschem Gebiet. Die Kunstgrenze ist in Zusammenarbeit zwischen Konstanz und Kreuzlingen entstanden und wurde von der Johannes Dörflinger Stiftung finanziert. Weitere Informationen gibt es unter konstanz.de/kunstgrenze+konstanz+kreuzlingen.

