Wachsen – Blühen – Welken. Ernst Kreidolf und die Pflanzen

29. Januar bis 17. April 2022

Ernst Kreidolf: April. Zu: Die 12 Blumen Monate; 1930 Kreide und Gouache auf schwarzem Papier; 17,5 x 12 cm  Kunstmuseum Bern, Depositum Verein Ernst Kreidolf
Ernst Kreidolf: April. Zu: Die 12 Blumen Monate; 1930Kreide und Gouache auf schwarzem Papier; 17,5 x 12 cm Kunstmuseum Bern, Depositum Verein Ernst Kreidolf

Ernst Kreidolf (1863 Bern-1956 Bern) ist in der Schweiz, aber auch in Deutschland, wo er mehr als dreiβig Jahre lang lebte und arbeitete, als Maler und vor allem als Bilderbuchkünstler bis heute unvergessen. Mit seinen an der Wende zum 20. Jahrhundert erschienenen Büchern Blumen-Märchen (1898), Die schlafenden Bäume (1901) und Gartentraum (1911) setzte er neue Maβstäbe in der Bilderbuchgestaltung. Aber auch später entstandene Werke zählen zu den unvergessenen Bilderbuchklassikern. Die Gedichte und Geschichten für seine Bücher verfasste Kreidolf selbst, er war jedoch auch als einfühlsamer Illustrator tätig, so für die Blumengedichte von Adolf Frey (1920, 1932) oder das Lesebuch Roti Rösli im Garte (1925).

Ernst Kreidolf wuchs auf dem Hof der Großeltern in Tägerwilen, Thurgau, auf und war von Kindheit an mit der heimischen Flora eng vertraut. Bereits die Zeichnungen des Dreizehnjährigen zeugen von genauer Beobachtungsgabe und seinem Einfühlungsvermögen in das jeweilige Wesen einer Pflanze. Dieses Wissen war der Ausgangspunkt für die spätere «Vermenschlichung» seiner Bilderbuchgestalten. Daneben bildete das akribische Studium der Natur zeitlebens die Grundlage von Ernst Kreidolfs reichem künstlerischen Schaffen.

Die Ausstellung Wachsen – Blühen – Welken bietet einen Einblick in die facettenreiche Pflanzenwelt von Ernst Kreidolf. Sie zeigt von wissenschaftlicher Neugier geprägte Studien, Blumendarstellungen, die das Wesen der Pflanze erfassen, und Originalillustrationen zu seinen Büchern, in denen die Verschmelzung von Naturbeobachtung und Phantasie gelingt.

Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Verein und der Stiftung Ernst Kreidolf sowie dem Kunstmuseum Bern.
Es erscheint ein Katalog.

Wir danken dem Lotteriefonds des Kantons Thurgau für die Unterstützung.
 
Parallel zur Konstanzer Ausstellung zeigt das Museum Rosenegg vom 23. Januar bis 17. April 2022 die Ausstellung „Ernst Kreidolf. Queerbeet“.
 

Zeit-Bilder. Kunst in Konstanz 1945 bis 1965

14. Mai bis 4. September 2022

Paul Dietrich: Plakatentwurf „Bodensee“; 1948; Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz
Paul Dietrich: Plakatentwurf „Bodensee“; 1948; Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz

Die beiden ersten Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg waren in Deutschland von vielfältigen Um- und Aufbrüchen geprägt. Im Mai 1945 hatte das nationalsozialistische Regime kapitulieren müssen, weite Teile des Landes waren verwüstet, die Infrastruktur zerstört, und die alliierten Besatzungsmächte hatten die Kontrolle übernommen. Die Menschen ersehnten die Rückkehr zur Normalität, doch die vielbeschworene „Stunde Null“ ist ein Mythos, denn das fatale Erbe des Faschismus sollte – nicht nur unterschwellig – weiterwirken.

Konstanz war im Krieg von Zerstörungen verschont geblieben, hatte aber zahlreiche Flüchtlinge aufnehmen müssen, und die Grenze zur Schweiz war geschlossen. Unter den französischen Besatzern kehrten jedoch Kunst und Kultur bald zurück. Bereits an Pfingsten 1946 fand mit den Konstanzer Kunstwochen das erste „Kulturfestival“ im Nachkriegsdeutschland statt. Die einheimischen Maler:innen engagierten sich bei der 1948 wieder aufgenommenen Fasnacht, beteiligten sich seit den 1950er-Jahren an Kunst-am-Bau-Projekten, profitierten als Plakatgestalter vom Wiederaufkommen des Tourismus und betätigten sich als Designer von Stoffen und Mosaiktischen. Das alles vollzog sich vor dem Hintergrund einer weltpolitisch aufgeheizten Stimmung, in der der „Kalte Krieg“ die Kunst erneut ideologisch zu vereinnahmen suchte.

Unsere Sommerausstellung beleuchtet das Kunstschaffen in Konstanz in den Jahren 1945 bis 1965 und ordnet es vor dem historischen Hintergrund ein. Man begegnet den Werken bekannter Künstler:innen wie Otto Adam, Hans Breinlinger, Sepp Biehler, Peter Diederichs, Karl Einhart, Elisabeth Mühlenweg und Hans Sauerbruch, aber auch zahlreiche heute eher weniger geläufige oder vergessene Maler:innen und Kunsthandwerker:innen wie Paul Dietrich, Anneliese Güllering, Wolfgang Schmidt-Ernst, Anneliese Stiegeler oder Barbara Weyl sind zu entdecken. Eine Zeitung zum Mitnehmen dokumentiert das Konstanzer Kunstgeschehen vor dem Hintergrund der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Ereignissen dieser wechselhaften Zeit.
 

Cornelia Simon Bach. 1941-2018. In den Träumen wohnen

17. September 2022 bis 8. Januar 2023

Cornelia Simon-Bach: ohne Titel; ohne Jahr; Öl und Harz auf Holz; 78,5 x 65 cm; Privatbesitz
Cornelia Simon-Bach: ohne Titel; ohne Jahr; Öl und Harz auf Holz; 78,5 x 65 cm; Privatbesitz

Das Werk der Künstlerin Cornelia Simon-Bach beruht auf der intensiven Auseinandersetzung mit ihren Träumen. Ihre Bilder schöpften aus den Botschaften, die aus den Tiefen der Seele ins Bewusstsein gehoben werden. Träume waren für Simon-Bach eine wichtige Inspirationsquelle für ihre Gemälde, die das Wirkliche mit dem Phantastischen spannungsvoll verbinden.
Cornelia Bach, die 1941 in Konstanz geboren wurde und 2018 in Wien starb, fand als Autodidaktin zur Kunst. Eine Reise führte sie nach dem Abitur nach Wien, wo sie den Grafiker Manfred Simon kennenlernte, den sie 1964 heiratete. Nach Jahren, in denen sie ihren Wohnsitz häufig wechselte und unter anderem als Hirtin auf Schweizer Alpen tätig war, ließ sich die Künstlerin Mitte der 1980er-Jahre dauerhaft in der österreichischen Hauptstadt nieder. Hier begegnete sie, mittlerweile geschieden, dem Maler Ernst Steiner, mit dem sie bis zu ihrem Lebensende eine enge Freundschaft und zeitweise auch Ateliergemeinschaft verband.
Cornelia Simon-Bachs frühes Schaffen stand zunächst der naiven Malerei nah, doch schon bald beherrschte sie die malerischen Mittel souverän und entwickelte eine unverwechselbare Bildsprache. Vorbilder waren die surrealen Gemälde des niederländischen Malers Hieronymus Bosch und die Werke der Wiener Phantastischen Realisten. Aber auch Einflüsse der italienischen Renaissance, der persischen Miniaturmalerei oder fernöstlicher Bildwelten klingen an.
Simon-Bachs bis Mitte der 1980er-Jahre entstandenen Bilder loten die Grenzen zwischen dem Realen und dem Phantastischen aus, sie rücken das Alltagsleben ebenso in den Blick wie die Geheimnisse und Rätsel jenseits der sichtbaren Welt. Religiöses und Mythisches wird einbezogen, Interieurs und Landschaften erscheinen symbolisch aufgeladen, immer wieder spielen Tiere, Blumen aber auch Maschinen vieldeutige Rollen. Im Mittelpunkt von Cornelia Simon-Bachs Werk steht jedoch das Selbstbildnis, in dem sie ihre Rollen als Frau und Künstlerin reflektiert. Leben und Tod, Revolte und Ergebung, die Visualisierung von Beklemmung und Verletzung und die sich daraus erhoffte Befreiung und Heilung ziehen sich als Leitmotive durch ihre berührenden Bilder. Um 1986 wandte sich Simon-Bach der Abstraktion zu; es entstanden farblich zurückhaltende und in ihrer Textur fragile Arbeiten auf Leinwand und Papier, aber auch Objekte.
 
Cornelia Simon-Bach, die in den 1970er- und 80er-Jahren im In- und Ausland ausgestellt hatte, lebte seit ihrer Scheidung zurückgezogen und trat mit ihrem Schaffen nur noch selten an die Öffentlichkeit. Die Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz stellt das faszinierende Werk dieser unterschätzten Künstlerin erstmals umfassend vor: eine Entdeckung!
 
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.