Licht, Luft und Farbe. Malerei süddeutscher Impressionisten

Verlängert bis 21. März 2021

Cover des Flyers Licht, Luft und Farbe
Cover des Flyers Licht, Luft und Farbe

Aufgrund der Corona-Sicherheitsregeln ist eine Vernissage der Ausstellung "Licht, Luft und Farbe. Malerei süddeutscher Impressionisten" in der üblichen Form leider nicht möglich.

Stattdessen laden wir Sie ein, die Ausstellung im Rahmen einer offenen Vernissage am Freitag, den 11. September zwischen 18 und 21 Uhr zu besuchen. Der Eintritt ist frei. Der Katalogautor Prof. Dr. Ingobert Schmid, Galerieleiterin Dr. Barbara Stark und Franziska Deinhammer, Volontärin der Städtischen Museen Konstanz, stehen für Auskünfte zu Ihrer Verfügung.  

Zwei Jahrzehnte nach dem Aufkommen des impressionistischen Stils in Frankreich begannen auch deutsche Künstler sich mit der neuen Malerei auseinander zu setzen. Max Liebermann, Lovis Corinth, Max Slevogt und ihre Mitstreiter in der 1898 gegründeten Berliner Secession traten mit ihren Werken gegen den von Kaiser Wilhelm II. geschätzten Akademismus an und zählen heute zu den Hauptvertretern des deutschen Impressionismus.

Albert Kappis (1836-1914), Fischerboote, um 1897, Privatbesitz
Albert Kappis (1836-1914), Fischerboote, um 1897, Privatbesitz
Robert Weise (1870-1923) Frau in Bodenseelandschaft (Walburga Weise), 1904, Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz
Robert Weise (1870-1923) Frau in Bodenseelandschaft (Walburga Weise), 1904, Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz
Bernhard Buttersack (1858-1925), Mädchen in Blumenwiese unter Weiden Zweckverband Dachauer Galerien und Museen
Bernhard Buttersack (1858-1925), Mädchen in Blumenwiese unter Weiden Zweckverband Dachauer Galerien und Museen
Otto Reiniger (1863-1909), Feuerbach im Winter, um 1894, Privatbesitz
Otto Reiniger (1863-1909), Feuerbach im Winter, um 1894, Privatbesitz

Doch auch in anderen Regionen des Landes etablierte sich der neue Stil, denn die zunehmende Industrialisierung führte zu einer allgemein veränderten Haltung gegenüber der Natur, förderte eine differenziertere Wahrnehmung der Umwelt und begründete damit auch ein neues Verständnis von den Aufgaben und Mitteln der Kunst. Im Gegensatz zum hellen, durch lichtvolle Farbnuancierungen geprägten französischen Impressionismus setzt die deutsche Spielart dieser Kunstrichtung vielfach andere Akzente – oftmals bedient sie sich einer weniger lichten Farbpalette und betont stattdessen das Atmosphärische. Für die süddeutschen Maler standen vor allem die Landschaft, Tier und Mensch im Zentrum der Auseinandersetzung.

Die Konstanzer Ausstellung rückt explizit impressionistische Künstler aus dem süddeutschen Raum in den Fokus. Ausgehend von den in dieser Region dominanten Kunststädten München, Karlsruhe und Stuttgart versammelt sie rund 80 Gemälde und zeigt Werke von 33 prominenten und weniger bekannten Künstlern wie Bernhard Buttersack, Maria Caspar-Filser, Lovis Corinth, Ludwig Dill, Carlos Grethe, Adolf Hölzel, Christian Landenberger, Max Liebermann, Leopold von Kalckreuth, Friedrich Kallmorgen, Hans Molfenter, Hermann Pleuer, Leo Putz, Otto Reiniger, Gustav Schönleber, Max Slevogt, Wilhelm Trübner, Robert Weise, Albert Weisgerber, Fritz von Uhde, Heinrich Zügel und anderen.

Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit der Gemäldegalerie Dachau.
Es erscheint ein Katalog.

Öffentliche Führungen

Sonntag, 20. September, 4. Oktober, 18. Oktober, 1. November, 15. November, 29. November, 13. Dezember, 3. Januar, 10. Januar, 24. Januar, 7. Februar, 21. Februar, 7. März, 14. März und 21. März  jeweils 11 Uhr

Mittwoch, 23. September, 30. September, 14. Oktober, 28. Oktober, 11. November, 25. November, 9. Dezember, 30. Dezember, 6. Januar, 20. Januar, 3. Februar, 17. Februar, 24. Februar und 10. März jeweils 15 Uhr

Die Führungen im November entfallen aufgrund der Schließung der Städtischen Wessenberg-Galerie.

Aufgrund der Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie dürfen pro Führung nur maximal 10 Personen teilnehmen. Wir bitten um Ihr Verständnis. Eine Anmeldung zur Führung ist dringend erforderlich unter Katharina.Schlude@konstanz.de oder per Telefon 07531/9002913 (Montag bis Freitag zu den üblichen Bürozeiten).

Happy Hour

Wie bieten Ihnen eine Abendführung durch die Ausstellung und servieren zur Einstimmung einen Apéritif.

Dienstag, 22. September, 13. Oktober, 3. November, 17. November; 24. November, 1. Dezember, 15. Dezember, 22. Dezember, 5. Januar, 12. Januar, 26. Januar, 23. Februar und 9. März jeweils 19 Uhr

Die Abendführungen im November entfallen aufgrund der Schließung der Städtischen Wessenberg-Galerie.

Kostenbeitrag: 5,- Euro

Aufgrund der Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie dürfen pro Führung nur maximal 10 Personen teilnehmen. Wir bitten um Ihr Verständnis. Eine Anmeldung zur Führung ist dringend erforderlich unter Katharina.Schlude@konstanz.de oder per Telefon 07531/9002913 (Montag bis Freitag zu den üblichen Bürozeiten).

Familien-Führungen

Spielerische Führung durch die Ausstellung für Kinder ab 5 Jahren mit Begleitung. 

Familienkarte 7,- Euro

Sonntag, 15. November, 10. Januar und 7. März jeweils um 14.30 Uhr

Die Familien-Führung im November entfällt aufgrund der Schließung der Städtischen Wessenberg-Galerie.

Aufgrund der Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie dürfen pro Führung nur maximal 10 Personen teilnehmen. Wir bitten um Ihr Verständnis. Eine Anmeldung zur Führung ist dringend erforderlich unter Katharina.Schlude@konstanz.de oder per Telefon 07531/9002913 (Montag bis Freitag zu den üblichen Bürozeiten).

Familien-Workshop

Spielerische Werkbetrachtung mit anschließender praktischer Arbeit für Kinder ab 5 Jahren und ihre Begleitung. Dauer 1,5 bis 2 Stunden.

Familienkarte 7,- Euro

Sonntag, 4. Oktober, 29. November und 21. Februar jeweils um 14.30 Uhr

Der Familien-Workshop im November entfällt aufgrund der Schließung der Städtischen Wessenberg-Galerie.

Aufgrund der Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie dürfen pro Führung nur maximal 9 Personen bzw.  maximal 10 Personen (wenn aus einem Haushalt) teilnehmen. Eine Anmeldung zur Führung ist dringend erforderlich unter Katharina.Schlude@konstanz.de oder per Telefon 07531/9002913.

Das Frauenbild im Spiegel von Wessenbergs Sammlung

Kabinettausstellung im 2. OG
Ab 9. Mai 2020

Kopie nach Hans Holbein der Jüngere: ohne Tite (Familienbildnis), ohne Jahr; Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz. Erworben mit Mitteln der Baden-Württemberg Stiftung gGmbH.
Kopie nach Hans Holbein der Jüngere: ohne Tite (Familienbildnis), ohne Jahr; Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz. Erworben mit Mitteln der Baden-Württemberg Stiftung gGmbH.

In Wessenbergs Gemäldesammlung, wie sie sich erhalten hat (1924 wurden leider 65 Bilder als vermeintlich „wertlos“ verkauft) befinden sich zahlreiche Werke, in denen Frauen dargestellt sind. Als Theologe und Kirchenmann interessierte sich Ignaz Heinrich von Wessenberg besonders für religiöse Darstellungen, unter denen das Motiv der Maria mit dem Jesuskind häufig vertreten ist. Kunst hatte, so Wessenbergs Auffassung, eine sittlich-didaktische Funktion, da Bilder unmittelbarer und emotionaler wirken als Sprache. In der Figur der Madonna mit dem Kind verbindet sich, so legte er in seiner Schrift „Die christlichen Bilder“ dar, in vorbildlicher Weise sittliche Grazie mütterlicher Liebe mit jungfräulicher Unschuld. Auch eine Kopie nach Holbeins berühmtem Familienbildnis – das Original befindet sich im Kunstmuseum Basel – lässt sich diesem Bildtypus zuordnen.

Frauenfiguren in Wessenbergs Sammlung erscheinen zum größten Teil still und introvertiert, aufbegehrende religiöse oder mythologische Gestalten sind nicht vertreten. Mit sanftmütiger Anmut blickt eine junge Frau auf einige Rosen in ihrer Hand – handelt es sich um eine Allegorie der Liebe? Auch Marie Ellenrieders „Mädchen mit Gebetbuch in der Hand“ übt sich in frommer Bescheidenheit. Gesittet geht es in einer niederländischen Konzertszene zu. Einträchtig musizieren Frauen und Männer gemeinsam, was in früheren Zeiten nicht selbstverständlich war, sagt man der Musik doch eine dionysische Wirkung nach.

Einige Bilder in Wessenbergs Sammlung zeigen Frauen als Hirtinnen oder Bäuerinnen im harmonischen Einklang mit der Natur. In ihnen spiegelt sich die alte menschliche Sehnsucht nach einem unentfremdeten Leben. Zugleich klingt aber auch die traditionelle Vorstellung von der unbewussten, natürlichen Verbundenheit des Weiblichen mit allem Kreatürlichen an – das lange Zeit im Gegensatz zur reflektierten geistigen Ausrichtung des Männlichen begriffen wurde.

Bild: Eigentum des Landes Baden-Württemberg. Erworben mit Mitteln der Baden-Württemberg Stiftung gGmbH.

Unbeschreiblich weiblich

Das Frauenbild bei Hans Meid

Kabinettausstellung im 2. Stock
Ab 9. Mai 2020

Hans Meid; Florentiner Halbakt, 1911; Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz
Hans Meid; Florentiner Halbakt, 1911; Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz

Hans Meid (1883 Pforzheim-1957 Ludwigsburg) zählt zu den herausragenden deutschen Graphikern der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Im Bereich der Druckgraphik und der Buchillustration entwickelte er eine ganz eigene impressionistische Handschrift; sein breit gefächertes Werk fasziniert durch romantische Welten, die er der Wirklichkeit seiner Zeit gegenüberstellte.
 
In Meids Schaffen kommt dem Motiv der Frau zentrale Bedeutung zu. Das weibliche Geschlecht inspirierte ihn immer wieder zu erzählerischen Szenen, die ins Erotisch-Sinnliche oder ins Dramatische spielen. Heimliche Rendezvous (Paar vor einem Parktor bei Nacht; Liebepaar am Steg), sinnliches Verlangen (Leda; Liebespaar in nächtlichem Zimmer; Badende), aber auch aus dem Trieb erwachsende brutale Gewalt (Susanne im Bad) waren immer wieder Thema seiner Radierungen und Lithographien.
Daneben entstanden seit den 1930er-Jahren zahlreiche Aquarelle. Der duftigen Technik der Pinselzeichnung haftet etwas Weiches, Traumverlorenes an, das den Darstellungen einen melancholischen Unterton verleiht. Eine Frau hat sich zum Klavierspiel in ein dämmriges Zimmer zurückgezogen, während in dem Blatt „Italienische Hochzeitsreise“ die zum Fenster herausschauende Braut ernüchtert zu begreifen scheint, dass „die Einsamkeit zu zweit“ (Erich Kästner) besonders schwer zu ertragen ist. Wer die junge Frau mit dem lockigen Bubikopf ist, die Meid 1930 zeichnete, ist nicht bekannt. Sie zählt zu einer Reihe von lebensnahen Portraits, die seit den 1920er-Jahren entstanden.
 
Hans Meids Einfühlungsvermögen in literarische Stoffe machte ihn zu einem gefragten Buchillustrator. In den ersten Jahren der Weimarer Republik schuf er Originalgraphik für künstlerisch gestaltete Bücher in kleiner Auflage. Nach 1925 wurden bibliophile Objekte dieser Art kaum noch hergestellt. Stattdessen lieferte Meid nun Federzeichnungen und Aquarelle, die als Vorlage für Gebrauchsbücher dienten, in denen sie auf technischem Wege reproduziert wurden.
 
 
Seit 2013 zeigt die Städt. Wessenberg-Galerie im Meid-Kabinett wechselnde Präsentationen seines Werks. Wir danken Herrn Prof. F.H. Franken (†) und Dr. Paul Franken, Bad Soden, für ihre umfangreichen Schenkungen und der Meid-Stiftung für ihre Unterstützung.