Psychiatrie und Nationalsozialismus im deutschen Südwesten am Beispiel Zwiefalten 1933 – 1945
Ausstellung der Initiative Stolpersteine in Kooperation mit dem Kulturamt Konstanz
Die Ausstellung „Psychiatrie und Nationalsozialismus im deutschen Südwesten“ wurde vom Forschungsbereich Geschichte und Ethik in der Medizin des ZfP Südwürttemberg / Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie I der Universität Ulm, für das Württembergische Psychiatriemuseum erarbeitet und beinhaltet die Ergebnisse vieler Jahre der Forschung. Im Mittelpunkt steht die Geschichte der ehemaligen Heilanstalt Zwiefalten. Sie wurde im Rahmen der NS-„Euthanasie“ zu einer sogenannten „Zwischenanstalt“ für die bei Münsingen gelegene Tötungsanstalt Grafeneck. Zugleich bekam die ehemalige Heilanstalt Zwiefalten seitens des Stuttgarter Innenministeriums ab 1939 mehrere unterschiedliche Funktionen zugeordnet: Beispielsweise wurde sie zur Sammeleinrichtung für jüdische Psychiatriepatient*innen aus Württemberg. Die Ausstellung fokussiert deutlich auf lokale und regionale Aspekte des Nationalsozialismus, auch um die Geschichte vor Ort greifbarer zu machen.
Die Geschichte der Zwiefalter Heilanstalt im Nationalsozialismus ist auch eng mit derjenigen der badischen Psychiatrie verflochten. Dies betrifft nicht nur die „Aktion T4“ und die Tötungsanstalt Grafeneck. Zwiefalten wurde auch für mehrere badische Anstalten, unter diesen die Heil- und Pflegeanstalt bei Konstanz, zur „Zwische
nanstalt“. Im September 1939 wurde die badische Pflegeanstalt Rastatt mit rund 600 Patient*innen und mitsamt Personal nach Zwiefalten „evakuiert“. Sie wurden ab Februar 1940 die ersten Menschen, die von Zwiefalten aus nach Grafeneck deportiert und ermordet wurden.“
Die Initiative „Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz“ steuert lokal vorhandene Informationen zu Menschen aus Konstanz bei, die über die „Zwischenanstalt“ Zwiefalten nach Grafeneck deportiert wurden.
Ausstellungszeitraum: 21. Januar – 1. März 2026
Öffnungszeiten: Di. – Fr. 10 – 18 Uhr / Sa., So. und Feiertag: 10 – 17 Uhr
Ort: Kulturzentrum am Münster – Gewölbekeller, Wessenbergstraße 43, 78462 Konstanz
Eintritt: frei
Vortrag im Rahmen der Eröffnung am 21. Januar 2026 mit Prof. Dr. Thomas Müller und Dr. Bernd Reichelt:
Die mehrfache Funktionalität der Heilanstalt Zwiefalten im Kontext der »Aktion T4« und der weiteren Verfolgungs- und Vernichtungspolitik im Nationalsozialismus
Die ehemalige Heilanstalt Zwiefalten am Fuß der Schwäbischen Alb besaß aufgrund ihrer räumlichen Nähe zu der bei Münsingen gelegenen „Euthanasie“-Tötungsanstalt Grafeneck eine Schlüsselrolle. Die damalige Anstalt diente nicht allein als regionale psychiatrische Einrichtung, sondern war faktisch für etwa 1 500 Patient*innen und Pfleglinge staatlicher, kirchlicher oder privater Institutionen auch Zwischenanstalt auf ihrem Weg in den Tod in Grafeneck. Auch nach dem Ende der NS-Morde in Grafeneck im Dezember 1940 kam es noch zu weiteren Deportationen ins hessische Hadamar. Die Funktion Zwiefaltens ging jedoch über die Umsetzung der zentralen Euthanasie hinaus: Im April 1939 war die Anstalt vom württembergischen Innenministerium unter anderem zur Sammeleinrichtung für jüdische Psychiatriepatient*innen bestimmt worden. Nach dem Ende der >Aktion T4< wurde die Anstalt Zwiefalten vom Innenministerium zugleich zur Pflegeanstalt ernannt und hatte damit bis Kriegsende diese und weitere Funktionen inne.
Im Anschluss: Eröffnung der Ausstellung „Psychiatrie und Nationalsozialismus im deutschen Südwesten am Beispiel Zwiefalten 1933 – 1945“ mit einer Einführung durch Prof. Dr. Thomas Müller und Dr. Bernd Reichelt (Kulturzentrum am Münster – Gewölbekeller)
Termin: Mittwoch, 21. Januar 2026
Zeit: 18:30 – 20:00 Uhr
Ort: Volkshochschule Konstanz, Katzgasse 7, 78462 Konstanz
Eintritt: frei
