Klimawandel in Konstanz

Das Wollmatinger Ried im November 2018 – in Rot die übliche Wassergrenze.  © MTK / Achim Mende

Seit Beginn der Aufzeichnungen stieg die Mitteltemperatur in Baden-Württemberg laut Landesanstalt für Umwelt bereits um 1,4 Grad. 2018 war dies besonders stark zu spüren: Die Temperatur lag sogar um 2,3 Grad über dem langjährigen Mittel (1961 – 1990) und während der Vegetationsperiode fielen nur gut 60 % des üblichen Niederschlags. Der Klimawandel ist somit längst bei uns angekommen – ob mit überwiegend negativen wirtschaftlichen und ökologischen Auswirkungen oder in der zuletzt durch die „Fridays for Future“ geprägten öffentlichen Wahrnehmung. Doch welche Ziele hat sich die Stadt im Klimaschutz gesteckt, wo handelt sie bereits und wie soll es weitergehen?

Klimaschutzziele in Konstanz

Konstanz ist 2012 der Charta der „2000-Watt-Städte in der Bodenseeregion“ beigetreten. Dadurch erfolgte eine quantifizierbare Zielsetzung: Bis 2050 sollen nur noch maximal 2000 Watt Dauerleistung pro Person bezogen werden, für deren Bereitstellung in Übereinstimmung mit den Landes- und Bundeszielen kaum noch fossile Energieträger zum Einsatz kommen sollen. Dies bedeutet eine Reduktion des Ausstoßes von Kohlendioxid-Äquivalenten von derzeit knapp 11 Tonnen pro Person und Jahr (deutscher Durchschnitt 2017) auf etwa 1 Tonne pro Person und Jahr. Bekräftigt wurden diese Ziele unter anderem durch den 2016 erfolgten Beschluss des städtischen Klimaschutzkonzepts. Von den genannten 11 Tonnen pro Person und Jahr werden vor Ort in Konstanz etwa 40 Prozent verursacht, beispielsweise durch die Beheizung von Gebäuden, den Verkehr oder den Stromverbrauch. Der Rest fällt überwiegend durch Ernährungs- und Konsumentscheidungen sowie überregionale Mobilität und Infrastruktur an.

Städtische Klimaschutzaktivitäten

Die Klimaschutzanstrengungen der Stadt werden mithilfe des European Energy Awards alle zwei Jahre in Audits überprüft. Hauptansatzpunkte sind Gebäude, Mobilität und Lebensstile, da hier auf kommunaler Ebene die unmittelbarsten Einflussmöglichkeiten bestehen. Für den Bereich der Gebäude wurde 2018 ein „Energienutzungsplan“ fertiggestellt, der Aussagen zur jetzigen und künftigen Energieversorgung im Stadtgebiet trifft. Darauf aufbauend schlägt die Verwaltung in verschiedenen Bereichen neue klimafreundliche Wege ein: Vorbereitung einer Solarpflicht für Neubauten, die energetische Optimierung des Stadtteils „Industriegebiet“ und eine angestrebte klimaneutrale Energieversorgung des Neubaustadtteils „Hafner“.


Beim Strom gehen die Stadtwerke beispielhaft voran: Die Kunden bekommen 100 % Ökostrom. Seit Jahresbeginn sind zudem die „Energie-Checks“ der Energieagentur Kreis Konstanz für alle BürgerInnen kostenlos (Terminvereinbarung unter 07732-9391234). 

Im Bereich Mobilität wurden wiederum Maßnahmen wie die beiden Fahrradmietsysteme TINK und KonRad, die Fahrradstraße, der Wasserbus zwischen dem Bodenseeforum und der Innenstadt sowie zahlreiche neue Fahrradabstellanlagen realisiert. Ziel ist die Motivation zum Umstieg vom Auto auf umweltfreundlichere Alternativen

Auch die Konstanzer Bürgerschaft wird beim Thema Klimaschutz miteinbezogen: Wie klimafreundliche Lebensstile aussehen und welche Möglichkeiten es dazu im Stadtgebiet bereits gibt, konnte 2018 im Rahmen des Projekts „Wir im Quartier“ ausprobiert werden. Die daraus hervorgegangene Broschüre bietet Tipps, wie man klimafreundlicher leben kann.

Klimanotstand – was bedeutet das?

Fragen und Antworten zur Ausrufung des Klimanotstands

Ausblick

Klimaschutz ist die gesamtgesellschaftliche Herausforderung dieses Jahrhunderts. Sie erfordert auf Bundesebene die Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen; beispielsweise durch eine sozial gerechte CO2-Bepreisung. Sie kann aber nur unter tatkräftiger Mitwirkung aller – darunter auch die kommunale Ebene – bewältigt werden.

Auch in Konstanz gibt es noch viel zu tun: vom Energiemanagement für die kommunalen Liegenschaften über Gebäudesanierungen und konsequent klimaneutral ausgerichtete Neubauquartiere bis hin zur Beeinflussung des individuellen Mobilitätsverhaltens über das „Mobilitätsmanagement“.