Smartes Licht auf der Europabrücke
Intelligente LED-Straßenbeleuchtung spart Energie und schützt die Umwelt
Wer abends über die Europabrücke fährt oder zu Fuß unterwegs ist, bemerkt es vielleicht gar nicht direkt: Dort leuchten besonders smarte Straßenlaternen. Sie passen sich automatisch an Verkehr, Wetter und Umgebungsbedingungen an und helfen so, Energie zu sparen und die Umwelt zu schonen.
Im Rahmen eines Smart Green City-Projekts haben die Stadtwerke Konstanz im Herbst 2025 insgesamt 52 alte Leuchten durch moderne LED-Systeme ersetzt. Zusätzlich wurden Verkehrs- und Wettersensoren installiert, die rund um die Uhr Echtzeitdaten aufzeichnen. Sie erfassen das Verkehrsaufkommen auf jeder der Auto-Fahrbahnen und für die beiden Fuß- und Radwege sowie die Wetterbedingungen.
Die neue Technik beleuchtet nach Bedarf
Mit diesen Daten kann die Beleuchtung dynamisch gesteuert werden und Licht genau dann und dort eingesetzt werden, wo es gebraucht wird: Ist eine Fahrbahn leer, wird das Licht in diesem Bereich automatisch gedimmt. Regnet es, passt das System die Helligkeit an, damit die reflektierende Fahrbahn gut sichtbar bleibt, ohne dass Verkehrsteilnehmende geblendet werden.
Damit ist auf der Europabrücke ein bedarfsgerechtes Beleuchtungssystem im Einsatz. Damit lassen sich im Vergleich zur alten Technik rund 40 bis 60 Prozent Energie einsparen, im besten Fall sogar bis zu 75 Prozent. Trotz des geringeren Verbrauchs verbessert sich die Lichtqualität deutlich: LED-Leuchten verteilen das Licht gezielter und erhöhen die Sichtbarkeit von Personen und Gegenständen im Straßenverkehr.
Über eine Schnittstelle stehen die mit Hilfe der Sensorik gewonnenen Daten auch anderen Smart-City-Anwendungen der Stadtwerke Konstanz zur Verfügung – beispielsweise in den Bereichen Mobilität, Umweltmonitoring oder Parkraummanagement.
Schutz für Tiere und Insekten
Auch für die vielfältige Tier- und Insektenwelt am Seerhein bringt die neue Beleuchtungstechnik deutliche Vorteile. Sie trägt dazu bei, Lichtverschmutzung zu reduzieren und schützt so die natürlichen Lebensräume vieler Arten.
Unter Lichtverschmutzung versteht man die künstliche Aufhellung des Nachthimmels durch elektrische Beleuchtung. Sie entsteht vor allem durch falsch ausgerichtete oder zu helle Leuchten, deren Licht in den Himmel oder in die Umgebung streut, anstatt gezielt dorthin zu leuchten, wo es tatsächlich gebraucht wird. Besonders von Lichtverschmutzung betroffen sind nachtaktive Insekten, die von Lichtquellen angezogen werden. Sie umkreisen Straßenlaternen bis zur Erschöpfung, verbrennen an heißen Leuchtmitteln oder werden leichte Beute. Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge können pro Straßenlaterne in einer Sommernacht bis zu 150 Insekten sterben – mit gravierenden Folgen für ganze Ökosysteme. Denn Insekten sind nicht nur wichtige Bestäuber, sondern auch eine zentrale Nahrungsquelle für Vögel und Fledermäuse.
Auch entlang von Gewässern wie dem Rhein wirkt sich übermäßige Beleuchtung negativ aus: Sie stört den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus vieler Wasserorganismen und Fische. Zudem werden Insekten von ihren Eiablageplätzen ferngehalten, was die Nahrungskette aus dem Gleichgewicht bringt und die Wasserökologie beeinträchtigt.
Dark-sky-gerechte Beleuchtung
Das neue Beleuchtungssystem setzt hier an: Die Leuchten sind so gestaltet, dass kein Licht mehr oberhalb der Horizontalen austritt. Man spricht dabei von einer „Dark-Sky-gerechten Beleuchtung“, also einer Beleuchtung, die den Nachthimmel schützt. Die LED-Leuchten erlauben zudem eine Anpassung der Lichtfarbe: Warmweißes Licht mit einer Farbtemperatur unter 3.000 Kelvin wird von Insekten schlechter wahrgenommen und sie reagieren weniger stark darauf.
Durch die Abblendung und exakte Ausrichtung der Beleuchtung auf die Brücke fällt zudem weniger Licht auf die Wasseroberfläche des Rheins.
Smarte LED-Straßenbeleuchtung: Die Vorteile im Überblick
·Klimaschutz: Die neue Beleuchtung braucht bis zu 70 Prozent weniger Energie
·Umweltschutz: Warmweiße Lichtfarbe und wenig Lichtaustritt ziehen weniger Insekten an
·Bessere Sicht durch weniger Blendung und bessere Lichtverteilung
Konstanz ist Vorreiterin bei Beleuchtung
Die Stadtwerke setzen schon seit Jahren auf möglichst umweltverträgliche und energieeffiziente Straßenbeleuchtung. Immer bedacht werden dabei die gesetzlichen Erfordernisse und das Sicherheitsbedürfnis der KonstanzerInnen. Angefangen von der durch eine Taste anschaltbare Beleuchtung auf dem Fahrrad- und Fußweg zwischen Hockgraben und Egg, die 2009 installiert wurde, bis über die sukzessive Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED.
Mit dem Smart Green City-Projekt Smarte LED-Beleuchtung auf der Europabrücke gehen die Stadtwerke und die Stadt gemeinsam den nächsten Schritt. Sie erproben intelligente Technologien, die noch mehr Energieeinsparungen und Umweltschutz ermöglichen. Bewähren sich die neuen Straßenleuchten, werden sie mittel- bis langfristig auf das Stadtgebiet ausgeweitet. Eine erste Erweiterung - stadteinwärts bis zum Kreuzungspunkt an der Grenzbachstraße, stadtauswärts bis zur Kreuzung Reichenaustraße/Opelstraße – ist bereits für 2026 geplant.
Mit diesem modernen, vernetzten und zukunftsfähigen Beleuchtungskonzept unterstreicht Konstanz seine Vorreiterrolle auf dem Weg zur grünen, smarten Stadt von morgen.
Smart Green City ermöglicht Innovation und Wissensaufbau
Durch die Förderung des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen kann die Stadtverwaltung die Entwicklung neuer Technologien und passgenauer Lösungen für Konstanz vorantreiben.
Das Programm Smart Green City stellt grundlegende Fragen: Wie wird Konstanz als Verwaltung, Wohnort und Wirtschaftsstandort besser? Welchen Beitrag leisten Daten und Technologie dazu? Gemeinsam mit zahlreichen Projektpartner lernt und erprobt die Stadtverwaltung, welche Ansätze, Daten und Strukturen dafür braucht – oder nicht braucht.
„Gleichzeitig“, unterstreicht der Leiter des Programms, Damian Wagner-Herold, „baut das Programm die notwendige Kompetenz und Dateninfrastruktur auf, die Voraussetzungen für eine moderne Verwaltung, den Einsatz von KI für einen leistungsstarken Innovationsstandort und lebenswerten Wohnort schafft.“
Beleuchtung ist mehr als Infrastruktur
Interview mit Pancho Westfeld (Stadtwerke):
Herr Westfeld, Sie sind Experte für Straßenbeleuchtung bei den Stadtwerken. Welche Bedeutung hat Beleuchtung in einer Stadt wie Konstanz?
Pancho Westfeld: „Beleuchtung ist aus meiner Sicht weit mehr als reine Infrastruktur. Sie prägt das Stadtbild, beeinflusst das Sicherheitsgefühl und hat direkte Auswirkungen auf unsere Umwelt und Lebensqualität. In einer Stadt wie Konstanz, die von Natur, Wasser und Geschichte gleichermaßen geprägt ist, kommt es darauf an, Funktionalität und Umweltverträglichkeit in Einklang zu bringen. Wir wollen, dass sich Menschen nachts sicher fühlen, aber ohne, dass dabei die Natur unter ständigem Licht leidet. Moderne Beleuchtungssysteme ermöglichen uns genau diesen Ausgleich: Sie sorgen für Licht, wo und wann es gebraucht wird, sparen Energie und reduzieren gleichzeitig die Lichtverschmutzung.“
Was ist das Besondere an dem Smart Green City-Projekt auf der Europabrücke?
Pancho Westfeld: „Wir bemühen uns in Konstanz schon seit Jahren, Straßenbeleuchtung besonders sicher, aber auch energieeffizient und umweltschonend zu gestalten. Dafür gehen wir technisch oft neue Wege. So haben wir z.B. bereits seit 2022 dynamisch gesteuerte LED-Leuchten am Webersteig im Einsatz. Mit dem Projekt auf der Europabrücke gehen wir einen Schritt weiter: Das Zusammenspiel von modernster Leuchttechnik, Sensorik und vernetzter Steuerung ermöglicht Einsparungen im Energieverbrauch und bei der Lichtverschmutzung, die mit herkömmlicher Straßenbeleuchtung undenkbar wären.
Das Förderprogramm „Modellprojekte Smart Cities" des Bundes beinhaltet zudem, dass wir unsere Ergebnisse und Erfahrungen mit anderen Städten bundesweit teilen.“
Wie zufrieden sind Sie bisher mit der neuen Technologie?
Pancho Westfeld: „Aus meiner Sicht läuft es sehr gut. Der Mehrwert liegt in der intelligenten Verbindung von Energieeffizienz und Umweltschutz. Die alte Anlage verbrauchte 61.000 Kilowattstunden jährlich, künftig sparen wir 46.000 Kilowattstunden ein – das sind 75 Prozent weniger! Ein wichtiger Beitrag auf dem Weg zur Klimaneutralität bis 2035.
Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts sind begleitende Messungen, die die Auswirkungen der Umrüstung auf moderne LED-Technik dokumentieren. Dabei steht insbesondere die Reduzierung der Lichtverschmutzung im Fokus. Sichtbare Lichtreflexionen, etwa auf dem Seerhein, sollen künftig deutlich minimiert werden, um Umwelt und Natur nachhaltig zu schützen.“
Wie geht es weiter? Werden bald alle Straßenlaternen in Konstanz auf die neue Technik umgestellt?
Pancho Westfeld: „Ziel ist ganz klar, diese moderne Beleuchtungstechnik langfristig in Konstanz zu etablieren. Perspektivisch sollen weitere Straßenzüge mit besonders hohem Einsparpotenzial identifiziert und schrittweise auf die neue Technologie umgestellt werden. Ein sukzessiver Ausbau ist ausdrücklich vorgesehen, hierzu stehen wir in engem und konstruktivem Austausch mit den zuständigen Fachämtern der Stadt Konstanz.
Gleichzeitig braucht es die Unterstützung der Industrie, insbesondere der Leuchtenhersteller. Entscheidend ist, dass sich die Sensorik und die intelligente Steuerungstechnik weiterentwickeln und künftig wirtschaftlich breiter verfügbar werden. Wenn diese Technologien in größerem Umfang zu günstigeren Konditionen angeboten werden können, wird ihre Umsetzung auch für Städte und Gemeinden finanziell realistisch und schnell umsetzbar.
Durch die Kombination aus erheblichen Energieeinsparungen, wirtschaftlicher Tragfähigkeit und positiven Effekten für Umwelt und Klimaschutz können öffentliche Haushalte spürbar entlastet werden. Damit kommen wir unserem gemeinsamen Ziel einer nachhaltigen, klimafreundlichen Stadtentwicklung einen entscheidenden Schritt näher.“
Mehr Informationen zum Projekt gibt es unter smart-green-city-konstanz.de/straßenbeleuchtung.


