Neue Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie startet mit ersten Herzoperationen
Mit den ersten herzchirurgischen Eingriffen ist die neue Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie am Klinikum Konstanz in die operative Phase gestartet. Der Gesundheitsverbund Landkreis Konstanz (GLKN) stärkt damit die regionale Versorgung von Patientinnen und Patienten mit komplexen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die neue Klinik bündelt die neu aufgebaute Herzchirurgie standortübergreifend mit den vorhandenen Kompetenzen der Kardiologie und Gefäßchirurgie am Klinikum Konstanz. Zugleich ist sie ein wichtiger Baustein für den Aufbau eines herzmedizinischen Zentrums.
Start der neuen Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie
Anfang April wurden die ersten herzchirurgischen Operationen durchgeführt. Zu den ersten Meilensteinen gehörten am 7. April eine erste Bypass-Operation am schlagenden Herzen sowie am 9. April die erste Operation unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine.
„Mit dem Start der Herzchirurgie machen wir einen weiteren wichtigen Schritt für die medizinische Versorgung in unserer Region“, sagt Bernd Sieber, Geschäftsführer des GLKN. „Menschen aus dem Landkreis Konstanz und darüber hinaus können auch bei schweren Herzerkrankungen, die einer Operation bedürfen, wieder auf ein leistungsfähiges Angebot vertrauen. Dass wir diesen Schritt jetzt gehen können, verdanken wir auch der Unterstützung des Landes Baden-Württemberg und der Krankenkassen.“
Die Herzchirurgie am Klinikum Konstanz wurde durch die Zuweisung von zehn Planbetten durch das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg ermöglicht. Dem GLKN ist es hierbei gelungen, mit Unterstützung des Ministeriums und der Krankenkassen erstmalig seit 20 Jahren in Deutschland außeruniversitär wieder eine Klinik für Herzchirurgie neu zu etablieren. Die zehn Planbetten sind dabei für den GLKN ein klarer Versorgungsauftrag, die Herzchirurgie in Konstanz nachhaltig weiterzuentwickeln.
Aufbau und Leistungsspektrum
„Wir bauen die Herzchirurgie nicht isoliert auf, sondern integrieren sie in bestehende leistungsfähige Strukturen des Gesundheitsverbunds Landkreis Konstanz“, erklärt Thomas Beringer, Kaufmännischer Direktor des Klinikums Konstanz. „Genau darin liegt eine wesentliche Voraussetzung dafür, diese Leistung dauerhaft tragfähig und verlässlich für die Region zu etablieren.“
Die neue Klinik wurde in wenigen Monaten strukturiert aufgebaut. Neben Geräten und klinischen Abläufen standen dabei vor allem der Teamaufbau und die Einbindung in bestehende Versorgungsstrukturen im Mittelpunkt.
„Wir gehen diesen Aufbau Schritt für Schritt und mit klarem Fokus auf Qualität und Patientensicherheit an“, betont PD Dr. Anas Aboud, Chefarzt der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie. „Die ersten Eingriffe markieren einen wichtigen Beginn. Jetzt geht es darum, das Angebot weiter kontrolliert auszubauen und die Herzchirurgie als verlässlichen Bestandteil der regionalen Versorgung zu etablieren.“
Zum herzchirurgischen Leistungsspektrum gehören Bypass-Operationen, Herzklappenoperationen, kombinierte herzchirurgische Eingriffe, Operationen an der Hauptschlagader im Brustkorb sowie moderne, minimalinvasive Verfahren. Ein besonderer Schwerpunkt ist dabei auch die Ross-Operation. Dabei wird die erkrankte Herzklappe nicht durch eine künstliche Klappe ersetzt, sondern durch die körpereigene Pulmonalklappe. Diese wird anschließend wiederum durch eine Spenderklappe ersetzt. Das Verfahren eignet sich besonders für jüngere Patientinnen und Patienten bis 65 Jahre und ermöglicht sehr gute Langzeitergebnisse. Die Sektion Gefäßchirurgie unter Leitung von Doctor-medic Aurel-Victor Dumitru war bislang Teil der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Kinder-, Gefäß- und Endovaskuläre Chirurgie am Klinikum Konstanz und wird nun in die neue Struktur integriert. Patientinnen und Patienten profitieren künftig von noch besser abgestimmten Behandlungen am Herzen und an großen herznahen Gefäßen.
Prof. Wolfgang Krüger, Ärztlicher Direktor am Klinikum Konstanz, erklärt: „Die Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie ist medizinisch und organisatorisch ein wichtiger Schritt für unser Klinikum. Sie erweitert die Herzmedizin am Standort Konstanz um einen operativen Baustein und bündelt zugleich gefäßchirurgische Kompetenz in einer neuen Struktur. Im Mittelpunkt unseres Handelns stehen die Patientinnen und Patienten, die wir zusammen mit unserer intensivmedizinischen Kompetenz optimal und wohnortnah versorgen können.“
Perspektive: Herzmedizinisches Zentrum
Mit dem Start der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie ist ein bedeutender Meilenstein erreicht. Zugleich geht die Entwicklung der Herzmedizin im GLKN weiter. Die neue Klinik ist ein zentraler Baustein für den Aufbau eines herzmedizinischen Zentrums, in dem operative, interventionelle und diagnostische Leistungen künftig noch enger zusammengeführt werden sollen.
Die Herzchirurgie wird dabei eng mit den bestehenden kardiologischen Fachabteilungen am Hegau-Bodensee-Klinikum in Singen und am Klinikum Konstanz verzahnt. Die kardiologischen Leistungen an beiden Standorten bleiben erhalten und werden durch die operative Kompetenz ergänzt. Dazu zählen unter anderem Herzkatheterdiagnostik, die Behandlung akuter Herzinfarkte, elektrophysiologische Untersuchungen und Behandlungen bei Erwachsenen und bei Kindern sowie eine spezialisierte Intensivmedizin.
Perspektivisch soll das herzmedizinische Angebot im Verbund weiter ausgebaut werden. Dazu gehören zusätzliche Behandlungsmöglichkeiten an den Schnittstellen zwischen Kardiologie und Herzchirurgie, etwa im Bereich moderner kathetergestützter Klappentherapien. Ziel ist es, die vorhandenen Kompetenzen innerhalb des GLKN sowie interdisziplinär weiter zu vernetzen und die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen weiter zu stärken.
Vor dem Hintergrund der laufenden Krankenhausreform gewinnen klare Leistungsstrukturen und nachgewiesene Qualität zunehmend an Bedeutung. Mit dem Aufbau der Herzchirurgie und der Weiterentwicklung zu einem herzmedizinischen Zentrum schafft der GLKN die Voraussetzungen, wichtige herzmedizinische Leistungen dauerhaft in kommunaler Verantwortung für die Region zu sichern.
