Mehr und langfristig bezahlbarer Wohnraum
Wohnraum ist in Konstanz weiterhin knapp und teuer. Gleichzeitig ist es in den letzten Jahren deutlich schwieriger geworden, neue Wohnungen zu bauen. Daher hat die Stadtverwaltung das Handlungsprogramm Wohnen evaluiert und weiterentwickelt. Der Gemeinderat hat die Überarbeitungen im März 2026 abgesegnet.
Mit der Fortschreibung werden die wohnungspolitischen Leitlinien der Stadt Konstanz an die aktuellen Rahmenbedingungen angepasst. Das Ziel bleibt, ausreichend Wohnraum zu schaffen. Künftig steht dabei aber nicht nur die Menge an Wohnungen im Fokus, sondern vor allem, für wen diese Wohnungen bezahlbar sind.
Bauen ist deutlich schwieriger geworden
In den vergangenen Jahren sind die Baukosten stark gestiegen. Auch Kredite sind deutlich teurer geworden als noch vor wenigen Jahren. Für viele Bauvorhaben bedeutet das: Projekte, die früher wirtschaftlich waren, lassen sich heute oft nur noch schwer oder gar nicht umsetzen. Hinzu kommen steigende Anforderungen. Dadurch können neue Wohnungen häufig nur noch im hochpreisigen Bereich entstehen.
Wohnungen für den mittleren Einkommensbereich fehlen
Gleichzeitig bleibt die Nachfrage nach Wohnraum von verschiedenen Nutzungsgruppen hoch, etwa von Familien, Berufstätigen, Studierenden und älteren Menschen. Besonders schwierig ist die Situation für Haushalte mit mittlerem Einkommen. Gerade in diesem Bereich gibt es derzeit zu wenig Angebote, da klassische Förderprogramme vor allem sehr niedrige Einkommen adressieren, während der frei finanzierte Neubau in der Regel zu teuer ist.
So schafft die Stadt weiterhin neue Wohnungen
Trotz dieser schwierigen Rahmenbedingungen hält die Stadt an ihrem Ziel fest, neuen Wohnraum zu schaffen: Die Zahl von rund 7.900 zusätzlichen Wohnungen bis 2038 beschreibt den langfristigen Bedarf und gibt Orientierung für die Stadtentwicklung, für die Flächenplanung und für konkrete Wohnbauprojekte.
Gleichzeitig wurde bei der Fortschreibung berücksichtigt, dass die Umsetzung heute deutlich schwieriger ist als noch vor einigen Jahren. Hohe Baukosten, gestiegene Zinsen, Förderbedingungen, Planungsrecht und Klageverfahren können dazu führen, dass Projekte später, anders oder nur unter bestimmten Voraussetzungen realisiert werden können.
Die Stadt setzt daher verstärkt auf umsetzbare, wirtschaftlich tragfähige Projekte – vor dem Hintergrund, Verzögerungen oder Projektabbrüche zu vermeiden.
Große Entwicklungsgebiete wie der neue Stadtteil Hafner spielen dabei eine zentrale Rolle. Dort entstehen in den kommenden Jahren neue Quartiere mit einer Mischung aus unterschiedlichen Wohnformen, die einen wichtigen Beitrag zur Entlastung des Wohnungsmarktes leisten.
Die Fortschreibung 2026 im Überblick – das ist neu
Bezahlbarer Wohnraum per Zielgruppenbindung:
Ein zentraler Beschluss des Gemeinderats ist die stärkere Ausrichtung auf bezahlbaren Wohnraum. Künftig sollen bei neuen Bauprojekten, die die Stadt aktiv steuern kann, rund 50 Prozent der Wohnungen einer sogenannten Zielgruppenbindung unterliegen.
Das bedeutet: Etwa die Hälfte der neu entstehenden Wohnungen ist gezielt für Bevölkerungsgruppen vorgesehen, die auf bezahlbaren Wohnraum angewiesen sind. Zu diesen Zielgruppen zählen unter anderem:
· geförderte Wohnungen mit dauerhaft reduzierten Mieten,
· Wohnangebote für Auszubildende und Studierende,
· Wohnungen für Mitarbeitende, beispielsweise für Beschäftigte lokaler Unternehmen,
· gemeinschaftliche Wohnprojekte, Genossenschaften oder Baugemeinschaften,
· Wohnformen für Menschen mit spezifischen Bedarfen.
Wichtig ist dabei: Diese 50 Prozent beziehen sich nicht ausschließlich auf klassische Sozialwohnungen, sondern auf ein breiteres Spektrum an gebundenem Wohnraum. Ziel ist eine soziale Durchmischung, die sowohl Haushalte mit geringem als auch mit mittlerem Einkommen berücksichtigt.
Soziale Durchmischung durch gebundenen Wohnraum:
Der Hintergrund ist: Neue Wohnungen helfen dem Wohnungsmarkt nur dann effektiv, wenn sie nicht ausschließlich im hochpreisigen Segment entstehen. Das fortgeschriebene Handlungsprogramm Wohnen verbindet deshalb zwei Ziele miteinander: Konstanz braucht weiterhin mehr Wohnungen. Gleichzeitig muss stärker darauf geachtet werden, welche Wohnungen entstehen und für wen sie bezahlbar sind.
Die Wohnungen bleiben langfristig bezahlbar:
Wichtig ist nicht nur, dass neue Wohnungen entstehen, sondern auch, dass sie langfristig bezahlbar bleiben. Deshalb hat der Gemeinderat entschieden, die Bindungsdauer in der Regel auf mindestens 30 Jahre festzulegen. Das bedeutet: Für diesen Zeitraum sind die Mieten gedeckelt und die Wohnungen bestimmten Zielgruppen vorbehalten. Damit wird verhindert, dass Wohnungen nach kurzer Zeit wieder zu deutlich höheren Preisen auf den Markt kommen.
Die längere Bindungsdauer sorgt dafür, dass die Wirkung der Maßnahmen nachhaltig ist und nicht nur kurzfristig Entlastung schafft. Sie entspricht zudem den Förderbedingungen des Landes und erhöht die Planungssicherheit für alle Beteiligten.
Die Fortschreibung 2026 im Überblick – das bleibt
Die Stadt verfolgt auf eigenen Flächen weiterhin hohe Maßstäbe:
Für städtische Grundstücke gelten weiterhin strengere Vorgaben: Hier bleibt eine Zielgruppenbindung von mindestens 90 Prozent der Wohnungen vorgesehen. Das bedeutet, dass auf diesen Flächen nahezu der gesamte Wohnraum langfristig preislich oder belegungsbezogen gebunden ist und damit gezielt für bezahlbares Wohnen zur Verfügung steht. Damit übernimmt die Stadt auf ihren eigenen Flächen eine besondere Verantwortung und setzt sich bewusst höhere Maßstäbe als im allgemeinen Wohnungsbau.
Mindestens 30 Prozent geförderter Wohnungsbau:
Ein wesentlicher Bestandteil bleibt weiterhin der geförderte Wohnungsbau. In der Regel soll dieser mindestens 30 Prozent der Wohnungen ausmachen. Darüber hinausgehende Anteile sind möglich und ausdrücklich gewünscht, wenn sie wirtschaftlich darstellbar sind.
Die Umsetzung: Förderprogramme und klare Regeln für Bauvorhaben
Zur Umsetzung setzt die Stadt auf eine Kombination aus Förderprogrammen, insbesondere des Landes Baden-Württemberg, sowie auf klare vertragliche Regelungen. Fördermittel können dabei unterstützen, sind jedoch nicht zwingend Voraussetzung, sofern die Zielgruppenbindungen anderweitig gesichert werden.
Klarer Rahmen für die Zukunft
Mit der Überarbeitung des Handlungsprogramms Wohnen reagiert die Stadt auf die aktuellen Entwicklungen am Wohnungsmarkt. Damit Konstanz eine Stadt für Menschen mit unterschiedlichen Einkommen und Lebenssituationen bleibt, schafft das Programm einen klaren Rahmen und sorgt für mehr Verlässlichkeit, sowohl für die Stadt als auch für Bauvorhaben und Projektentwickler. Durch die Kombination aus Zielvorgaben, wirtschaftlicher Realisierbarkeit und langfristigen Bindungen soll bezahlbarer Wohnraum gezielt gestärkt werden.
Alle Informationen zum Handlungsprogramm Wohnen gibt es unter www.konstanz.de/handlungsprogramm-wohnen
Einen Überblick über Bauprojekte im Rahmen des Handlungsprogramms Wohnen geben die Amtsblatt-Ausgaben 02 und 04/2026 unter www.konstanz.de/amtsblatt
Im Fokus: Wohnen für Mitarbeitende
In der Sitzung des Beirats für Wirtschaft, Hochschulen und Standortpolitik bei der IHK am Dienstag, den 28.04.2026, wurde über das Thema „Wohnen für Mitarbeitende“ beraten. Dabei wurde deutlich, wie groß der Handlungsdruck ist. Viele Arbeitgeber berichten, dass sie Fachkräfte nur schwer gewinnen oder halten können, weil diese keine passende Wohnung finden oder sich die aufgerufenen Mieten nicht leisten können. Auch Ausbildungsplätze können dadurch schwerer besetzt werden. Der Wohnraummangel ist damit auch zu einem zentralen Standortfaktor geworden.
Wohnen für Mitarbeitende bedeutet nicht nur klassische Werkswohnungen: Gemeint sind auch Modelle, mit denen Beschäftigte leichter Zugang zu bezahlbarem Wohnraum bekommen können. Das kann durch eigene Wohnbauprojekte von Unternehmen geschehen, durch Kooperationen mehrerer Arbeitgeber, durch Beteiligungen an bestehenden Projekten oder durch die gezielte Einbindung von Wohnen für Mitarbeitende in neue Bauvorhaben.
Die Stadt geht dieses Thema gemeinsam mit den Unternehmen an. Dabei übernimmt sie vor allem eine koordinierende Rolle. Das Ziel ist, Bedarfe zu bündeln, AkteurInnen zusammenzubringen und mögliche Ansätze für konkrete Projekte vorzubereiten.
In einem ersten Schritt sollen die konkreten Bedarfe der Konstanzer Unternehmen erhoben und ausgewertet werden. Dabei geht es unter anderem um die Frage, für welche Beschäftigtengruppen Wohnraum besonders dringend benötigt wird, welche Wohnformen geeignet sind und welche Unternehmen Interesse an einer Zusammenarbeit haben.
Auf Grundlage dieser Ergebnisse ist anschließend ein Bilanzgespräch beziehungsweise ein Workshop mit interessierten Unternehmen vorgesehen. Dort sollen mögliche nächste Schritte besprochen und aus den ermittelten Bedarfen konkrete Ansätze entwickelt werden, die mittel- und langfristig zu mehr Wohnungen für Mitarbeitende in Konstanz führen können.
Damit ist Wohnen für Mitarbeitende ein wichtiger Teil der Fortschreibung des Handlungsprogramms Wohnen. Es ergänzt den geförderten Wohnungsbau, das junge Wohnen, gemeinschaftliche Wohnformen und weitere Zielgruppenbindungen. Gleichzeitig stärkt es Konstanz als Arbeits- und Wirtschaftsstandort.
Interessierte Unternehmen können sich unverbindlich unter
handlungsprogramm-wohnen@konstanz.de an die Stadtverwaltung wenden.
Im Fokus: Wohnraum für Familien
Die Stadt beteiligt sich am Landesprogramm „Wohnflächenbonus BW“, das Umzüge aus zu großen in kleinere Wohnungen finanziell belohnt.
Das Ziel ist, bestehenden Wohnraum besser zu nutzen und so Wohnungen für Familien freizugeben. Wer seine Wohnfläche um mindestens 15 Quadratmeter reduziert und innerhalb von Konstanz umzieht, kann eine Prämie von bis zu 6.750 Euro erhalten.
Berücksichtigt werden Umzüge, die nach dem 01.11.2025 erfolgen.
Die Grundprämie beträgt 2.700 Euro. Zusätzlich gibt es 90 Euro pro weiterem Quadratmeter Wohnflächenreduktion.
Das Programm richtet sich an Mieterinnen und Mieter sowie an Wohnungsbaugesellschaften, die Umzüge innerhalb ihres Bestands fördern möchten.
Die Teilnahme ist zunächst befristet bis 31.12.2026 möglich. Weitere Informationen gibt es unter www.konstanz.de/wohnflaechenbonus
