Konstanz besiegelt Städtepartnerschaft mit der ukrainischen Stadt Berdytschiw

Gemeinderat beschließt Überführung der Solidaritätspartnerschaft mit der ukrainischen Stadt – klares Zeichen für europäische Solidarität

Pufferbild Konstanz informiert

Der Gemeinderat der Stadt Konstanz hat in seiner Sitzung am 21. Mai 2026 mit großer Mehrheit beschlossen, die seit 2023 bestehende Solidaritätspartnerschaft mit der ukrainischen Stadt Berdytschiw in eine offizielle Städtepartnerschaft zu überführen. Die Zusammenarbeit erhält damit eine dauerhafte, institutionell verankerte Grundlage.
 
Von der Nothilfe zur dauerhaften Partnerschaft
 
Die Verbindung zwischen Konstanz und Berdytschiw reicht bis ins Jahr 2022 zurück. Im Rahmen der Initiative „Städte sicherer Häfen" suchte Konstanz den Kontakt zu einer ukrainischen Kommune – und fand ihn in Berdytschiw, einer Stadt in der Zentralukraine. 2023 beschloss der Gemeinderat die Solidaritätspartnerschaft als direkte Reaktion auf den russischen Angriffskrieg. Was als Akt der Nothilfe begann, entwickelte sich seither zu einer belastbaren, von beiden Seiten aktiv getragenen Zusammenarbeit.
 
„Die Städtepartnerschaft mit Berdytschiw ist keine Selbstverständlichkeit. Sie wird getragen von Menschen, die an ein starkes, friedliches und geeintes Europa glauben. Was Konstanz und Berdytschiw in den vergangenen drei Jahren aufgebaut haben, ist eine tragfähige Grundlage für die Zukunft", hält Martin Schröpel, Leiter des Amts für Stadtgesellschaft und Kommunikation fest, in dessen Team die Konstanzer Städtepartnerschaften koordiniert werden.
 
Im Laufe der Partnerschaft wurden zahlreiche Hilfslieferungen organisiert: zwei Blockheizkraftwerke, ein Feuerwehrfahrzeug, zwei Tiefbrunnenpumpen sowie 40 Laptops, Bildschirme und weiteres Zubehör für den Schulbetrieb. Konstanzer Delegationen besuchten Berdytschiw 2024 und 2025, um sich vor Ort ein Bild der Lage zu machen und die Beziehungen zu vertiefen. Im Mai 2025 nahmen zehn Jugendliche aus Berdytschiw am Europakonzil der Jugend in Konstanz teil – für das Europakonzil 2027 sind sie erneut eingeladen. Seit April 2026 unterstützt eine ukrainische Ehrenamtliche die Übersetzungsarbeit und hält den direkten Kontakt zu den Ansprechpersonen in Berdytschiw.
 
Ein Signal der Zugehörigkeit zur europäischen Wertegemeinschaft
 
Für die Menschen in Berdytschiw ist die offizielle Partnerschaft mehr als ein formaler Akt. Sie erleben darin konkrete Solidarität, Wertschätzung und die Gewissheit, in einer Zeit großer Not nicht allein gelassen zu werden. Besonders für die junge Generation eröffnet die Partnerschaft neue Perspektiven: durch gemeinsame Projekte, Austauschformate und kulturelle Begegnungen, die Europa im Alltag erfahrbar machen.
 
Konstanz erweitert mit Berdytschiw sein Netz aktiver Städtepartnerschaften – neben Fontainebleau (Frankreich), Richmond (Großbritannien), Lodi (Italien) und Tábor (Tschechien). Die neue Verbindung nach Osteuropa schließt eine bewusste Lücke und trägt dazu bei, historische und politische Trennlinien innerhalb Europas weiter zu überwinden.
 
Perspektiven für den Wiederaufbau
 
Mit Blick auf das Ende des Krieges und den künftigen Wiederaufbau der Ukraine gewinnt die Partnerschaft zusätzliche Bedeutung. Gemeinsame Projekte in den Bereichen Bildung, Kultur, Verwaltung und Infrastruktur sind denkbar – unterstützt durch umfangreiche europäische Fördermittel, die deutschen Kommunen für die Zusammenarbeit mit ukrainischen Partnerstädten bereitstehen.
 
Ab dem Doppelhaushalt 2027/2028 stellt die Stadt Konstanz jährlich 5.000 Euro für Reisen, Begegnungen und Projekt-Kofinanzierungen bereit. Die Mittel werden intern durch Umschichtung aus anderen Bereichen gedeckt – ohne zusätzliche Belastung des Haushalts.

(Erstellt am 22. Mai 2026 13:08 Uhr / geändert am 26. Mai 2026 08:38 Uhr)