Intelligentes Verkehrsmanagement
Digitales System soll manuelle Steuerung ersetzen
Eine digitale Steuerung des Verkehrs soll rund um die Uhr einen Mehrwert für alle Verkehrsteilnehmenden bieten – an 365 Tagen im Jahr.
Wer samstags oder an Schweizer Feiertagen mit dem Auto nach Konstanz fährt, kennt die Situation: volle Parkhäuser, stockender Verkehr, Rückstau bis in die Hauptstraßen. Bisher begegnet die Stadt diesen Hochlasttagen mit dem manuellen Verkehrsmanagement: Verkehrskadetten regeln an neuralgischen Punkten den Verkehrsfluss, sperren Zufahrten und leiten Autos zu freien Parkplätzen um. Das funktioniert, ist aber aufwändig und kostenintensiv. Und es hat eine entscheidende Schwäche: Es greift nur an den Tagen, an denen Personal geplant im Einsatz ist.
Die Ursache für die Verkehrsprobleme liegt dabei nicht im Verkehrskonzept selbst, sondern in den strukturellen Gegebenheiten der Stadt: Die Zufahrtsstraßen in die Innenstadt sind räumlich begrenzt, einzelne Parkmöglichkeiten wie das Lago oder das Parkhaus Marktstätte in der Dammgasse liegen seenah und ziehen zusätzlichen Parksuchverkehr in die Innenstadt. Dazu kommen die Zollkontrollstellen an der Schweizer Grenze, die bei hohem Verkehrsaufkommen zu langen Rückstaus bis ins Hauptverkehrsnetz führen können. Wenn es an solchen Tagen hakt, sind auch Busse und Einsatzfahrzeuge betroffen. Das soll sich grundlegend ändern.
Was ist konkret geplant?
Die Stadt plant, das manuelle System weitgehend durch ein digitales Verkehrsmanagement zu ersetzen und deutlich zu erweitern. Der Technische und Umweltausschuss befasst sich im April 2026 damit, der Gemeinderat soll dann anschließend den Projektbeschluss fassen.
Das neue System arbeitet vollautomatisch – rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr. Es erfasst die Verkehrslage über Sensoren, KI-Kameras und Zähleinrichtungen und reagiert in Echtzeit. Das Herzstück: 28 großformatige LED-Informationstafeln an Stadteinfahrten und wichtigen Entscheidungspunkten im Straßennetz. Sie zeigen frühzeitig, wie voll die Parkhäuser sind, welche Routen frei sind und wo Park-and-Ride Plätze zur Verfügung stehen. Wer bereits auf der Zufahrt sieht, dass die Innenstadt ausgelastet ist, kann frühzeitig umplanen – das entlastet das gesamte Netz.
Ergänzt werden die Informationstafeln durch 25 elektronische Wechselverkehrszeichen, die bei Bedarf Zufahrten sperren oder den Verkehr umleiten. An besonders kritischen Stellen – etwa an der Europastraße oder an der Unteren Laube – kommen zusätzlich automatisierte Schranken und Polleranlagen zum Einsatz. All das wird über eine zentrale Steuereinheit koordiniert, die das System als lernendes System weiterentwickelt.
Kein reines Hochlasttag-System
Der Vorteil gegenüber dem bisherigen manuellen Betrieb: Das digitale Verkehrsmanagement ist nicht auf Spitzenzeiten beschränkt. Es informiert künftig das ganze Jahr über Baustellen, Veranstaltungen und aktuelle Verkehrsereignisse – automatisch, ohne Personaleinsatz in Form von Verkehrskadetten. Auch die Datenerfassung auf bislang nicht systematisch überwachten Streckenabschnitten, etwa der Europastraße und der B33, wird möglich. Diese hilft der Stadt langfristig bei der Planung von Straßenräumen und der Beurteilung von Verkehrsentwicklungen.
Wie geht es weiter?
Die Gesamtinvestition beläuft sich auf rund fünf Millionen Euro. Für einen Großteil der Maßnahmen kann die Stadt Fördermittel nach dem Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz von bis zu 75 Prozent beantragen – der städtische Eigenanteil läge damit voraussichtlich bei rund 1,5 Millionen Euro, auf zwei bis drei Jahre verteilt. Hinzu kommen Betriebskosten von rund 173.000 Euro jährlich. Mit dem Bau soll Anfang 2028 begonnen werden; die Fertigstellung ist für Ende 2029 geplant.
Bis dahin bleibt das manuelle Verkehrsmanagement an Hochlasttagen im Einsatz. Auch nach der Einführung des digitalen Systems werden an besonders stark belasteten Tagen ergänzend einzelne manuelle Maßnahmen nötig bleiben – dort, wo eine unmittelbare physische Verkehrslenkung vor Ort gefragt ist.