Das geplante Fahrradparkhaus

Alle Infos rund um Planung, Standort, Mobilität und Kosten

Das geplante Gebäude

Grundriss mit farblich eingezeichneten Flächen
Grundriss Obergeschoss des geplanten Fahrradparkhauses

Nach der derzeitigen Planung soll die eingeschossige Ladenzeile zwischen der Unterführung Marktstätte und dem Fürstenpavillon am Bahnhof durch einen zweigeschossigen Neubau ersetzt werden. Das Gebäude soll im Erdgeschoss gewerbliche Nutzungen sowie eine Fahrradwerkstatt mit Fahrradvermietung aufnehmen. Das Erdgeschoss wird eigenständig durch den Projektpartner Deutsche Bahn (DB InfraGO AG) geplant und finanziert. Von der Stadt Konstanz bzw. der Stadtwerke Konstanz Mobil GmbH soll das Fahrradparkhaus im Obergeschoss finanziert und betrieben werden.

Fahrradstellplätze und Ausstattung

Im Obergeschoss sind 691 Fahrradstellplätze vorgesehen:

  • 404 Stellplätze in einem kostenlosen, frei zugänglichen Bereich (inkl. Stellplätze für Lastenräder, Fahrradanhänger, Sonderfahrräder, etc.)
  • 260 Stellplätze im zugangsgesicherten, kostenpflichtigen Bereich (inkl. Stellplätze für Lastenräder, Fahrradanhänger, Sonderfahrräder, etc.)
  • 17 Stellplätze im VIP-Bereich (zugangsgesichert, kostenpflichtig)
  • 10 Stellplätze in Einzelboxen
Grundriss mit farblich eingezeichneten Flächen
Grundriss Erdgeschoss des geplanten Fahrradparkhauses


Ein Teil der Stellplätze soll für Lastenräder zur Verfügung stehen. Zusätzlich sind 48 Schließfächer, eine Fahrradreparaturstation und Videoüberwachung vorgesehen. Eine mit dem Fahrrad befahrbare Rampe soll an der Vorderseite des Gebäudes vom Bahnhofplatz in das Obergeschoss führen.

Standort und Ausgangslage

Dutzende geparkte Fahrräder auf einem Bahnhofplatz
Die aktuelle Situation: Zahlreiche abgestellte Fahrräder auf dem Bahnhofplatz

Fahrradparken im Bahnhofsumfeld

Im Umfeld des Bahnhofs gibt es zwischen LAGO und Marktstätte derzeit Fahrradstellplätze an nicht überdachten Anlehnbügeln für rund 350 Fahrräder. Im gleichen Bereich werden deutlich mehr Fahrräder abgestellt, sodass diese auch außerhalb der vorgesehenen Flächen stehen. Zu den Hauptzeiten ist es schwierig, einen freien Platz zu finden, um das eigene Fahrrad anzuschließen. Fahrräder außerhalb ausgewiesener Stellplätze können Wege einengen, Rettungswege und Barrierefreiheit beeinträchtigen sowie das Queren des Platzes erschweren. Nicht überdachte Anlehnbügel bieten außerdem keinen Wetter- und nur einen begrenzten Diebstahlschutz. Das macht das Fahrradparken insbesondere für Menschen mit teuren Fahrrädern unattraktiv.

Warum ist die Ladenzeile als Standort vorgesehen?

Der Bahnhof ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt mit Bahn-, Bus-, Katamaran- und Schiffsverbindungen. Im Umfeld des Bahnhofs werden sehr viele Fahrräder abgestellt. Gemäß den Aufträgen des Gemeinderates wurde daher im Umfeld des Bahnhofs nach Standorten für eine große Fahrradabstellanlage gesucht, bevorzugt in Form eines Fahrradparkhauses mit Service.

Zu Beginn der Planungen hat die Stadt gemeinsam mit der DB als Eigentümerin vieler Flächen am Bahnhof ein Workshopverfahren durchgeführt. Im Rahmen dieser Workshops wurden verschiedene Standorte für ein Fahrradparkhaus am Bahnhof geprüft, bewertet und verglichen. Im Ergebnis ist der jetzt ausgewählte Standort der Ladenzeile am besten geeignet. 

Wesentliche Kriterien für einen geeigneten Standort sind:

  • Hat die Stadt Zugriff auf die Fläche? (entweder, weil sie der Stadt gehört oder weil der jeweilige Grundstückseigentümer der Stadt Zugriff gewährt)
  • Wie hoch sind die Kosten?
  • Kann die notwendige Zahl Fahrradstellplätze realisiert werden? 
  • Kann der angestrebte Standard (witterungsgeschützt und zugangsgesichert) erreicht werden?
  • Lässt die Entfernung zu den Bahnsteigzugängen eine ausreichende Akzeptanz erwarten?
  • Wird die städtebauliche Einbindung als verträglich eingestuft?
  • Wie wird die erwartbare Entlastung für Bahnhofplatz und Marktstätte eingestuft?


Folgende Alternativen wurden geprüft:

Anmietung von Flächen im Parkhaus Marktstätte und Umwandlung von Kfz-Stellplätzen in Fahrradstellplätze

Vor einigen Jahren hatte der Gemeinderat der Verwaltung bereits den Auftrag erteilt, diese Option zu prüfen. Seinerzeit lagen die jährlichen Kosten für die Anmietung von Flächen im Fahrradparkhaus bei über 700 €/Jahr für einen Fahrradstellplatz. Daraus ergäbe sich ein laufendes Defizit, das deutlich größer wäre als dies für das jetzt geplante Fahrradparkhaus vorhergesagt wird. Hinzu kommt, dass der Eigentümer des Parkhaus Marktstätte bei der letzten Anfrage zum Thema signalisiert hat, dass eine Bereitschaft zur Vermietung von Flächen für das Fahrradparken derzeit nicht besteht.

Nutzung von Flächen am Schweizer Bahnhof

Der Deutschen Bahn gehört sowohl die Fläche der Ladenzeile als auch die des Schweizer Bahnhofs. Eine Zusammenarbeit mit der Bahn ist daher Voraussetzung für ein Fahrradparkhaus auf diesen Flächen. Zu Beginn des Planungsprozesses wurden gemeinsam mit der Deutschen Bahn verschiedene Varianten für ein Fahrradparkhaus erarbeitet und verglichen. Ergebnis war, dass der gewählte Standort an der Ladenzeile besser geeignet ist als am Schweizer Bahnhof.

Kleine, verteilte Lösungen auf dem Bahnhofplatz

Beim Umbau des Bahnhofplatzes wurden bereits alle Flächen mit Fahrradständern ausgestattet, die nicht durch eine andere Nutzung belegt sind. Die Zahl der Fahrradstellplätze reicht nicht aus, um den Bedarf zu decken. Hinzu kommt, dass zugangsgesicherte, überdachte Abstellanlagen anstelle der jetzt installierten Anlehnbügel aus gestalterischen Gesichtspunkten auf dem Bahnhofplatz verteilt nicht in Frage kommen.

Flächen in größerer Entfernung zum Bahnhof, zum Beispiel auf der Laube

Diese Flächen sind ungeeignet als Ersatz für ein Fahrradparkhaus am Bahnhof, da PendlerInnen die Hauptzielgruppe des Fahrradparkhauses sind und die meisten derzeit am Bahnhof abgestellten Fahrräder PendlerInnen gehören. Wer mit der Bahn weiterfahren möchte oder mit der Bahn in Konstanz ankommt, möchte einen Stellplatz möglichst nah am Bahnhof. Größere Entfernungen werden nicht akzeptiert.

Nachhaltigkeit und Mobilität

Visualisierung Fahrradparkhaus
Visualisierung des geplanten Fahrradparkhauses. © Stadt Konstanz, DB InfraGO AG; mit KI bearbeitet

Material, Energie und Dach

Nach der derzeitigen Planung soll das Gebäude so weit wie möglich in Holzbauweise realisiert werden. Wo dies aus bautechnischen oder statischen Gründen nicht möglich ist, soll Beton eingesetzt werden. Holz soll unter anderem an der Holzlamellenfassade sowie in der Fahrradparkebene sichtbar bleiben.
Für die Wärmeversorgung sind Luftwärmepumpen vorgesehen. Das Dach soll so weit wie möglich begrünt und mit einer Photovoltaikanlage belegt werden.

Einordnung in die Mobilitätsplanung

Der Gemeinderat hat mit dem Masterplan Mobilität und mit der Klimaschutzstrategie beschlossen, dass die umweltfreundlichen Verkehrsarten Fuß-, Rad- und öffentlicher Verkehr gefördert werden sollen mit dem Ziel, dass weniger Wege mit dem eigenen Kraftfahrzeug zurückgelegt werden. Von 2007 bis 2023 ist der Radverkehrsanteil im Binnenverkehr von 24 % auf 41 % gestiegen. Das sind die Wege, die KonstanzerInnen innerhalb des Stadtgebiets zurücklegen. Diese deutliche Steigerung hat zu einer Reduktion des Anteils der mit dem Pkw zurückgelegten Wege auf 18 % im Binnenverkehr geführt.

Während bei den Wegen innerhalb des Stadtgebiets schon deutliche Fortschritte erzielt werden konnten, bestehen bei den Wegen über die Stadtgrenze hinaus noch große Potentiale zur Verlagerung hin zur umweltfreundlichen Mobilität. Bei den Wegen, die die KonstanzerInnen über die Stadtgrenze hinaus zurücklegen, liegt der Anteil des Motorisierten Individualverkehrs noch immer bei 48 %. Hier setzt das Fahrradparkhaus an: Das Vorhaben soll die Verknüpfung von Fahrrad und öffentlichem Verkehr am Bahnhof unterstützen. Stehen am Bahnhof ausreichend attraktive Fahrradstellplätze zur Verfügung, steigt die Bereitschaft, auf längeren Distanzen Fahrrad und Zug zu kombinieren und nicht das Auto zu nutzen. Das städtische und regionale Straßennetz wird entlastet, die Lebensqualität in der Stadt steigt und der Treibhausgasausstoß wird reduziert.

KonstanzerInnen können vom Fahrradparkhaus profitieren, egal ob sie regelmäßig aus der Stadt heraus pendeln oder ab und zu einen Ausflug machen oder eine Reise unternehmen. Im direkten Umfeld des Fahrradparkhauses profitieren außerdem Menschen zu Fuß und Mobilitätseingeschränkte von großzügigeren Gehwegbreiten und Aufenthaltsflächen und freien Blindenleitsystemen. FahrradtouristInnen hätten künftig einen Ort, an dem sie ihr Fahrrad ggf. inklusive Gepäck während des Aufenthalts in der Stadt sicher parken können. Wer die Innenstadt besucht, ohne das Fahrradparkhaus zu nutzen, profitiert von freieren Plätzen im Umfeld des Fahrradparkhauses.

Kosten für Bau und Betrieb

Investitionskosten

Die errechneten einmaligen Projektkosten betragen rund 8,7 Mio. €. Darin sind Grundstückskauf, Planungs- und Baukosten sowie ein Risikozuschlag für eventuelle Kostensteigerungen enthalten. Diese sollen so finanziert werden:

  • 0,8 Mio. € wurden von der Stadt bereits für Planungen ausgegeben. Davon konnten 0,7 Mio. € durch Fördermittel finanziert werden.
  • 4,3 Mio. € Fördermittel werden von Bund und Land für die Konstanz Mobil GmbH (KMG) erwartet.
  • 3,6 Mio. € Eigenanteil der KMG, der über einen Kredit zu finanzieren ist.

Betriebskosten

Fahrradparkhäuser benötigen im Betrieb fast immer einen Zuschuss. Beim Konstanzer Projekt wird mit einem Defizit von ca. 374.000 € im ersten Betriebsjahr gerechnet. In den Folgejahren sinkt das Defizit voraussichtlich.

In die Summe eingerechnet sind Abschreibungen, Kreditzinsen, Gebäude­instandhaltung und das Defizit aus dem laufenden Betrieb. Grundlage für die Zahlen ist eine Wirtschaftlichkeitsrechnung, in die Annahmen zu Kosten und Einnahmen auf Basis von Erfahrungswerten aus anderen Fahrradparkhäusern eingeflossen sind.

Es ist vorgesehen, dass das bei der KMG entstehende Defizit über eine Eigenkapitalzuführung an die Stadtwerke Konstanz GmbH aus dem städtischen Haushalt ausgeglichen wird.

Visualisierungen zum geplanten Fahrradparkhaus