Die Krise gemeinsam überwinden

Wirtschaftlicher Neustart nach dem Lockdown

Luftbild Innenstadt

Der Gemeinderat hat ein Maßnah­menpaket in Höhe von 205.000 Euro beschlossen. Es soll nach Ende des Lockdowns den wirtschaftlichen Neustart in Konstanz ankurbeln.
 
Die Corona-Krise hat das Wirtschaftsgeschehen in Konstanz heftig getroffen. Der seit November bestehende zweite Lockdown hat existenzbedrohende Ausmaße für Gastronomie, Handel, Gewerbe, die Kultur- und Freizeitbranche, Hotellerie und die damit verbundenen Berufszweige angenommen. Kunden, Gäste und Touristen fehlen, bestehende Geschäftsmodelle funktionieren im Lockdown nicht mehr. Aufgrund dessen hatte der „Arbeitskreis Zukunftsfitte Innenstadt“ bereits im Januar 2021 die Resolution „Unsere Innenstadt braucht Hilfe“ verabschiedet. Seitdem hat sich die Situation für die Unternehmen weiter verschlechtert. „Wir sind im Gespräch mit vielen Firmen und wissen, dass die Notlage immens hoch ist“, erklärt Beate Behrens, Leiterin der städtischen Wirtschaftsförderung. „Das wahre Ausmaß werden wir sehen, wenn die Geschäfte nach dem Lockdown öffnen, beziehungsweise nicht mehr öffnen.“
 
Die Wirtschaftsförderung der Stadt Konstanz schätzt, dass Umsatzverluste von 200 bis 250 Millionen Euro zu verzeichnen sind. Infolgedessen haben sich die Gewerbesteuereinnahmen reduziert. Arbeitsplätze sind bereits verloren oder bedroht. Negativ ist auch die Tatsache, dass Überbrückungshilfen nur schleppend bei den Gewerbetreibenden ankommen. „Die Innenstadt ist der wirtschaftliche Motor für die Gesamtstadt. Wenn er stottert, hat das weitreichende Folgen. Konstanz lebt von der außergewöhnlichen Vielfalt des Angebots, die nun gefährdet ist“, betont Beate Behrens.
 
Gemeinsam mit der Stadtverwaltung, der Marketing und Tourismus Konstanz GmbH (MTK) sowie Vertretern des Treffpunkts e.V. und des Wirtekreises hat die Wirtschaftsförderung deshalb ein Maßnahmenpaket geschnürt, welches den Wirtschaftsstandort stärken und langfristig sichern soll. Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung vom 25. März 2021 die vorgeschlagenen Unterstützungsmaßnahmen einstimmig beschlossen. Sie sollen nach Ende des Lockdowns und gemäß der Corona-Verordnung umgesetzt werden.
 
Modularer Maßnahmenkatalog
 
Der Maßnahmenkatalog umfasst insgesamt sechs Module. Ineinandergreifend sollen sie die betroffenen Branchen unterstützen und Konstanzer Kunden für den stationären Handel und das Gewerbe zurückgewinnen. „Wir wollen eine Solidaritätskampagne starten, die Bürger und Bürgerinnen bewegen soll, vor Ort zu konsumieren, um den einheimischen Handel und das Gewerbe zu stärken“, erklärt Beate Behrens. Gleichzeitig soll die Innenstadt für Einheimische und Auswärtige durch verschiedene Aktionen wieder attraktiv gemacht werden.
 
Eine zentrale Rolle spielt dabei der Stadtgutschein „Konstanzer Kiesel“. Der Gegenwert des Gutscheins beträgt 25 Euro, an die Bürgerinnen und Bürger wird er für 20 Euro verkauft. Die Differenz von fünf Euro für die ersten 20.000 Stück trägt die Stadt, als kleines Dankeschön an die Bürger für ein Jahr Verzicht. Der Verkauf sowie die Abwicklung der Gutschein-Aktion erfolgen über den Treffpunkt e.V. Die Stadt übernimmt den Druck der Gutscheine. Der Gutschein kann in allen von den behördlichen Schließungen betroffenen Betrieben wie Einzelhandel, Gastronomie, Dienstleistungsbetriebe, Hotellerie, Bäder, Kulturstätten etc. eingelöst werden. Dafür nimmt die Stadt 100.000 Euro in die Hand. 25.000 Euro kommen davon aus dem Budget der Wirtschaftsförderung, 50.000 aus der Deckungsreserve. Die übrigen 25.000 Euro werden aus dem Budget der MTK vorbehaltlich der Gremienbeschlüsse der Gesellschaft erbracht.
 
Als Instrument direkter Wirtschaftsförderung dienen auch die weiteren Maßnahmen wie Sachleistungen und Gebührenverzicht in Höhe von 105.000 Euro, die die Stadtverwaltung plant. Die Aktion „Mobilitätspaket“ wendet sich explizit an die Bevölkerung. Konstanzer und Konstanzerinnen können an Wochentagen mit niedriger Besucherfrequenz verbilligt mit dem Bus in die Innenstadt fahren und Einkäufe etc. erledigen. Nach Ende des Lockdowns soll die Re-Opening-Kampagne „Konstanz blüht auf“ mit verschiedenen Aktionen den Bürgerinnen und Bürgern die Vorteile des stationären Handels spielerisch aufzeigen. Kernbestandteil ist dabei der „Konstanzer Kiesel“. Die MTK und das städtische Pressereferat werden die Innenstadt u.a. über Social-Media-Aktionen und Gewinnspiele bewerben.
 
Im Außenbereich sollen Handel und Gastronomie gestärkt werden, indem sie zusätzliche Flächen nutzen dürfen. Die Stadt verzichtet dabei auf einen Teil der Sondernutzungsgebühren für diese Zusatzflächen. Dadurch können Kundenströme entzerrt werden, die Aufenthaltsqualität für Gäste und Kunden steigt. Letzterer Punkt soll durch zwei weitere Maßnahmen gestärkt werden. So wurde ein Gebührenerlass für Märkte, wie den Feierabend- oder den Biomarkt, und kleine Veranstaltungsformate im öffentlichen Raum sowie Schausteller in der Innenstadt beschlossen. „Solche Veranstaltungen sorgen für eine zusätzliche Belebung der Innenstadt und bieten ersehnte Freizeitmöglichkeiten. So sollen Schausteller zum Beispiel Fahrgeschäfte über die Innenstadt verteilt betreiben können, um Menschenansammlungen zu vermeiden“, erklärt Beate Behrens. Einen ähnlichen Effekt soll der Gebührenerlass zur Kulturförderung in der Innenstadt erzeugen. Pop-Up-Konzerte, Theater und Veranstaltungen im kleinen Format sollen das Zentrum beleben.
 
Die Umsetzung des Maßnahmenpakets setzt das Ende des Lockdowns voraus. Um diesem näher zu kommen, setzt die Stadt neben dem Impfen auch auf den Ausbau der Testoptionen. So kann man sich umsonst am Testzentrum am Klinikum, beim Berry's und neu auch am kommunalen Testzentrum in privater Trägerschaft am Bodenseeforum testen lassen. In Zukunft werden auch an zentralen Orten im Innenstadtbereich Teststationen aufgebaut werden, so Behrens. Alle Testmöglichkeiten unter www.konstanz.de/coronatest.