Von Versammlungen und Wappen

Die Geschichte hinter dem Konstanzer Ratssaal

Wer den Ratssaal über den hinteren Rathaushof und den Treppenaufgang durch die wuchtige, mit Holzschnitzereien verzierte Türe betritt, wähnt sich in das späte Mittelalter zurückversetzt. Doch das ist ein Trugschluss, dem man nicht erliegen sollte: In seiner heutigen Form und Größe ist der imposante Konstanzer Ratssaal erst 1980 geschaffen worden. So kam es dazu – der Reihe nach.

Ein Versammlungsort von Anfang an

Das Haus „Zum Thurgau“ ist der Teil des Rathauses, der der heutigen Wessenbergstraße zugewandt ist. Das Haus wurde 1401 erstmals urkundlich erwähnt und diente der reichsten Zunft der Stadt, nämlich den Kaufleuten, Goldschmieden, Bildhauern, Tuchscherern und Malern als Versammlungsort. Im Kern des Gebäudes befand sich der Zunftsaal, den Kaiser Maximilian 1507 nutzte, um eine Reichsversammlung abzuhalten. Von diesem Zunftsaal ist heute nichts mehr vorhanden – nur eine spätgotische Bretterdecke mit Eichenstützen unter dem heutigen Ratssaal erinnert noch daran.
1911 hatte die Stadt das zuvor als Gasthaus genutzte Anwesen zurückerworben und es im vorderen Teil mit verschiedenen Dienststellen belegt. Bei Renovierungsarbeiten wurde das ehemalige Zunfthaus „Zum Thurgau“ 1935 als Teil des Rathauskomplexes wieder entdeckt. Die gotische Bausubstanz war nicht mehr zu erkennen. Die Rekonstruktion des verlorenen Zunftsaales im Haus „Zum Thurgau“ begann 1937 und wurde durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen.

1947: Der Gemeinderat tagt im neuen Saal

1947 konnte der Gemeinderat erstmals in dem neuen, 10 x 14 Meter großen Saal tagen, obwohl die Arbeiten noch nicht gänzlich abgeschlossen waren und sich letztlich bis 1952 zogen. Die rekonstruierte Balkendecke des Ratsaales wird heute durch eine hölzerne Stützsäule mit Unterzug getragen. Der rekonstruierte Saal wurde mit Glasfenstern ausgestattet, die wiederum mit Wappendarstellungen verziert sind. Insgesamt sind im Ratssaal des Konstanzer Rathauses 22 Wappenscheiben angebracht – ausgerichtet zu den beiden Höfen.

Abschied vom runden Tisch

Bis 1971 tagte der 20-köpfige Stadtrat an einem kreisförmigen Tisch, der über einen Durchmesser von sechs Metern verfügte. Nach Änderung der Gemeindeverfassung in den frühen 1970er Jahren wurde die zweite Kammer, der Bürgerausschuss, aufgelöst und gleichzeitig der Gemeinderat auf 40 Mitglieder erweitert: Es wurde eng im Ratssaal.

Der Ratssaal wird erweitert

Damit der 40-köpfige Gemeinderat genug Platz hat, wurde der Saal nach längeren planerischen Überlegungen erweitert. Der Umbau begann 1979, indem eine Wand des Ratssaales im Norden geöffnet wurde. Dadurch gewann der Raum in der Länge rund neun, in der Tiefe rund 4,5 Meter. Schließlich konnte 1980 der vergrößerte Ratssaal in der heutigen Größe seiner Bestimmung übergeben werden.

Vom Kreis zum U

Seither sitzt der Gemeinderat an U-förmig angeordneten Tischen: Am Kopf der Tischformation sitzen der Oberbürgermeister, die beiden Bürgermeister und der Verwaltungsdezernent. An den Seiten sind die StadträtInnen in ihren jeweiligen Fraktionen platziert. Hinter ihnen sind Sitzplätze für die Verwaltung. Gegenüber – am südlichen Ende des Saales – befinden sich die Sitzplätze für die Öffentlichkeit und die Presse.

Der Ratssaal wird renoviert

Im Sommer 2025 wurde der Ratssaal umfassend für die Installation neuer Medientechnik vorbereitet. Da die technische Infrastruktur vollständig erneuert werden musste, waren Arbeiten an der Bausubstanz und der vorhandenen Ausstattung erforderlich.
Im ersten Schritt wurde die bestehende Medientechnik vollständig zurückgebaut. Anschließend wurde der gesamte Ratssaal ausgeräumt und die Möblierung für die Dauer der Arbeiten zwischengelagert. Um die neue technische Infrastruktur einbauen zu können, wurde das Parkett geöffnet und die bisherigen Bodentanks wurden entfernt. Danach wurden die neuen Bodentanks eingemessen, eingesetzt und stabilisiert. Um neue Leitungen verlegen zu können, wurde die Schüttung zwischen der Holzbalkenlage abgesaugt, sodass ausreichend Platz für die Verkabelung geschaffen werden konnte. Nach Abschluss dieser Arbeiten wurde der historische Holzdielenboden fachgerecht überarbeitet und neu versiegelt.

Diese Maßnahmen bilden die Grundlage für einen zuverlässigen und zukunftsfähigen Sitzungsbetrieb und stellen zugleich sicher, dass der historische Charakter des Ratssaals erhalten bleibt. Alle Informationen zum aktuellen Gemeinderat und die Video-Aufzeichnungen der Sitzungen im Ratssaal gibt es unter konstanz.de/gemeinderat+_+auschuesse

Die Wappen im Konstanzer Ratssaal - Ein Überblick

An beiden Seiten des Ratssaales befinden sich Glasfenster, in die insgesamt 22 Wappenscheiben ein­gelassen sind: 12 Geschlechterwap­pen, drei Wappen der Ortsteile, drei Wappen von Nachbarstädten, zwei Wappen von Partnerstädten sowie je ein Wappen mit dem Emblem der Handwerkskammer Konstanz und der Narrengesellschaft Niederburg.

Dingelsdorf (links), Dettingen (rechts)

Der Ortsteil Dingesldorf entschied sich 1904 für ein gradarmiges schwarzes Tatzen­kreuz mit blauem Herzschild und drei goldenen Kugeln. Das Kreuz verweist auf den Deutschen Orden. Die drei Kugeln stellen die Brote des Kirchen­patrons St. Nikolaus dar.
Der Ortsteil Dettingen hat das Wappen der Her­ren von Dettingen angenommen, die als Verwalter des Hochstifts Konstanz und der Abtei Reichenau im Mittelalter im Ort eingesetzt waren.

Fontainebleau (links), Richmond upon Thames (rechts)

Das Wappen der Part­nerstadt Fontainebleau zeigt im oberen Ab­schnitt einen schwarzen Adler auf goldenem Hin­tergrund, in der Mitte auf silbernem Hintergrund einen feuer­speienden Salamander und über ihm ein Linienband in Azur, von silbernen Flusswellen unterbrochen. Ein golde­nes N verweist auf Napoleon III.

Das Wappen der Part­nerstadt Richmond Upon Thames zeigt im oberen Drittel ein weißen Schwan, um­wickelt von einem Zweig roter Rosen, der sich auf einer roten Mauerkrone befindet. Darunter ist das Wappen der Stadt abgebildet.

Singen (links), Friedrichshafen (rechts)

Das Wappen der Nachbarstadt Sin­gen besteht aus einem aufgerichte­ten, rotbezungten und rotbewehrten schwarzen (St. Galler) Bären, der in seinen Vordertatzen ein von Gold und Blau im Spit­zenschnitt gespaltenes Wappen hält.


Die neu gegründete Nachbarstadt Friedrichshafen über­nahm 1811 das Wappen der alten Reichsstadt Buchhorn, das als „re­dende“ Figuren Buche und Horn geführt hatte: Gespalten in Gold und Rot, vorne eine bewurzel­te grüne Buche, hinten ein silbernes Signalhorn.

Handwerkskammer Konstanz (links), Niederburg (rechts)

Beim Wappen der Handwerkskammer handelt es sich um das allgemeine, bis in die 1990er Jahre ver­wendete Handwerkszei­chen. Es zeigt die Symbole Hammer, Eichenblatt und Eichel.
Das Emblem der Narren­gesellschaft Nieder­burg ist eine Adaption des großen Konstan­zer Stadtsiegels, das in dieser Form erstmals in einer Urkunde aus dem Jahr 1294 im Stadtarchiv erhalten ist: Eine Burg mit drei Türmen, mittig im Tor das Stadt­wappen.

Muntprat (links), Schwarzach (rechts)

Die Familie Muntprat stammt aus Oberitalien und betrieb Geldwech­selgeschäfte. Das Wap­pen besteht aus drei Lilien in Schwarz und Silber.


Die Familie Schwarzach ist seit dem späten 14. Jahrhundert in Konstanz nachweisbar. Sie erlosch Anfang des 18. Jahrhun­derts. Im Wappen befinden sich drei silberne Fische.

Litzelstetten (links), Konstanz (rechts)

Das Wappen des Ortsteils Litzelstetten zeigt ein gradarmiges schwarzes Tatzen­kreuz, das mit einem blauen Herz­schild belegt ist. Der schräg ge­kreuzte silberne Schlüssel und das goldene Schwert verweisen auf die Kirchenpatrone, die Heiligen Petrus und Paulus.



Das Konstanzer Wappen ist abgelei­tet vom Wappen des Hochstifts Kon­stanz. Die Wappenfarben – schwarz, rot und weiß – sind seit 1405 be­zeugt. Das rote Schildhaupt ist aus dem 1417 von König Siegmund ver­liehenen roten Zagel entstanden.

Kreuzlingen

Das Wappen der Nachbarstadt zeigt ein Schild mit rotem Kreuz und weißem Abtsstab. Die Hin­tergrundfarben sind weiß-rot. Der das Wappen Kreuzlingens haltende Löwe stammt aus dem Wappen des Kantons Thurgau. Das Kantonswap­pens ist schräg geteilt, links unten grün und rechts oben weiß, und weist einen gelben Löwen mit roter Zunge auf.

Grünenberg (links), Ehinger (Mitte), von Menlishofen (rechts)

Die Familie Grünenberg haben im 15. Jahrhundert in Konstanz gelebt. Der bedeutendste Vertreter war Konrad Grünenberg, Bürgermeister von 1466 bis 1470. Das Wappen ist ein goldener Sechsberg.


Das bedeutende Pa­triziergeschlecht Ehinger war seit dem späten 14. Jahrhundert in Konstanz ansässig und wanderte in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhun­derts von hier ab. Das Wappen zeigt ein mit drei roten Rosen belegter Schrägrechtsbalken vor silbernem Hintergrund.


Das bedeutende Pa­triziergeschlecht von Menlishofen war seit dem späten 14. Jahrhundert in Konstanz ansässig und wanderte in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhun­derts von hier ab. Das Wappen zeigt ein mit drei roten Rosen belegter Schrägrechtsbalken vor silbernem Hintergrund.
 

Zeppelin

Die ursprünglich aus Mecklenburg stam­mende, dann in Würt­temberg ansässige Adelsfamilie, deren Wap­pen einen Eselskopf zeigt, kam über Heirat an den Bodensee. Ihr wich­tigster Vertreter war der 1838 in Konstanz geborene Ferdinand Graf von Zeppelin, der als Be­gründer des Luftschiffbaus zu Weltruhm gelangte. An ihn erin­nert das Zeppelindenkmal am Hafen.

Blarer (links), Zollikofer (Mitte links), Tettikoven (Mitte rechts), Labhart (rechts)

Das aus St. Gallen stam­mende Geschlecht Blarer, in dessen Wappen sich ein roter Hahn befindet, ist seit Anfang des 13. Jahr­hunderts in Konstanz nachweisbar. Bedeutend ist Ambrosius Blarer, der als Reformator für Konstanz und Süd­deutschland Kirchengeschichte mit­geschrieben hat.


Zollikofer ist ein bedeutendes St. Gal­ler Patriziergeschlecht, dessen Wurzeln auf ei­nen Konstanzer Zunft­meister gleichen Namens in der ersten Hälfte des 15. Jahr­hunderts zurückweisen und dessen Wappen ein goldener Schild mit einem blauen, rechten Freiviertel zeigt.

Mitglieder der Fami­lie Tettikoven sind als Ministerialen der Kon­stanzer Bischöfe seit dem 13. Jahrhundert in Konstanz im Amt des Bürgermeisters und Stadt­ammanns nachweisbar. Im Wappen ist ein weißer Schwan auf rotem Grund zu sehen.

Das ursprünglich in der Schweiz beheimatete und weit verzweigte Geschlecht ist seit dem späten 15. Jahrhundert in Konstanz nachweisbar. Die im 19. Jahrhundert in Konstanz ausge­storbene, ursprünglich Schweizer Familie weist mehrere Bürgermeis­ter und Reichsvögte in Konstanz auf. Das Wappen besteht aus zwei geschrägten, unten einwärts gebo­genen Krückstöcken vor goldenem Hintergrund.  

Rosenlächer (links), Wech von Schroffen (rechts)

Die Familie Rosenlächer machte sich ab dem 17. Jahrhundert in Konstanz einen Na­men als Glockengießer – Glocken aus ihrer Gie­ßerei finden sich noch heute in der ehemaligen Diözese Konstanz. Das Familienwappen zeigt einen nach links schreitenden Greif in Gold vor hellrotem Hintergrund, der drei sil­berne Rosen mit den beiden Vorder­füßen hält.

Die Kaufmannsfamilie Wech von Schroffen war seit dem 16. Jahr­hundert in Konstanz ansässig und besetz­te hochrangige Ämter in der Stadt. Das Wappen zeigt vor hellblauem Hintergrund über einer goldenen Lilie einen goldenen Berg („Schroffen“), oben links und rechts davon je ein goldener Stern.

(Erstellt am 03. September 2026 16:29 Uhr / geändert am 03. September 2026 17:04 Uhr)