Denkmalschutz trifft Klimaschutz
Historische Gebäude prägen das Stadtbild von Konstanz. Gleichzeitig stehen ihre Eigentümerinnen und Eigentümer vor der Aufgabe, die Gebäude energetisch zu verbessern und langfristig zu erhalten. Dass Denkmalschutz und Klimaschutz dabei zusammengehen können, zeigen die Sanierungen der Villa Rosenau an der Mainaustraße und des Gebäudes Tulengasse 3 in der Niederburg. Beide Projekte wurden von der Stadt Konstanz im Rahmen der Leuchtturmförderung mit jeweils 10.000 Euro unterstützt.
Villa Rosenau: Historische Bausubstanz nachhaltig erhalten
Die Villa Rosenau liegt an der Mainaustraße und ist schon von außen ein Blickfang. Das Gebäude aus der Gründerzeit vereint typische Merkmale dieser Epoche: eine stuckierte Fassade, verzierte Gauben und zahlreiche Kastenfenster. Sie verleihen der Villa ihren besonderen Charakter und machen sie zu einem schützenswerten Zeugnis der Baugeschichte.
Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass die Villa nicht nur ihre historische Seite bewahrt, sondern auch energetisch für die Zukunft gerüstet wurde. Im Hinterhof befindet sich nun eine Wärmepumpe, die das Gebäude mit Wärme versorgt und für ein angenehmes Raumklima sorgt. Den benötigten Strom liefert die Photovoltaikanlage auf dem Dach. So wird selbst erzeugte Solarenergie für den Gebäudebetrieb genutzt.
Die energetische Sanierung beschränkte sich jedoch nicht auf den Wechsel des Energieträgers. Im Verlauf der Arbeiten zeigte sich, dass Teile der Bausubstanz dringend instandgesetzt werden mussten. „Während der Sanierungsarbeiten wurde deutlich, dass Teile der Bausubstanz kurz vor dem Versagen standen. Daher bin ich heute umso dankbarer, das Projekt rechtzeitig umgesetzt zu haben“, sagt Bauherr Nico Mörsch.
Durch die Sanierung konnte die historische Bausubstanz nachhaltig ertüchtigt und die Zukunftsfähigkeit des Gebäudes gesichert werden. Für andere Eigentümerinnen und Eigentümer, die eine Sanierung planen, hat Nico Mörsch einen konkreten Rat: „Fangt früh an und unterschätzt die Vorlaufzeit nicht. Und sucht euch ein starkes, verlässliches Team – ein gutes Zusammenspiel der Gewerke macht am Ende den entscheidenden Unterschied.“
Tulengasse 3: Energetische Sanierung in der Niederburg
Auch in der Konstanzer Altstadt gibt es zahlreiche Gebäude, die unter Denkmalschutz stehen. Das Projekt in der Tulengasse 3 zeigt, wie eine energetische Sanierung unter den besonderen Bedingungen der historischen Niederburg umgesetzt werden kann.
Die engen Gassen und die wertvolle historische Bausubstanz stellten alle Beteiligten vor besondere Herausforderungen. Gemeinsam mit Energieberatung und Architektur wurde deshalb nach einer Lösung gesucht, die sowohl den energetischen Anforderungen als auch den Vorgaben des Denkmalschutzes gerecht wird.
Entschieden wurde sich für eine Luft-Luft-Wärmepumpe mit einer Leistung von 7 Kilowatt. Sie wurde innerhalb der Garage untergebracht. Ergänzt wurde die Maßnahme durch Dämmarbeiten und eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. Der dort erzeugte Solarstrom kann für den Betrieb der Wärmepumpe genutzt werden. „Die Lösung, die Wärmepumpe in der Garage und die gebäudeintegrierte PV-Anlage auf dem Dach zu platzieren, hat mich sehr überzeugt“, berichtet Bauherrin Barbara Auer.
Bei Sanierungen in der Altstadt kommt neben den baulichen Gegebenheiten eine weitere Frage hinzu: Wie lassen sich energetische Verbesserungen umsetzen, ohne das historische Erscheinungsbild zu beeinträchtigen? Für Photovoltaikanlagen gelten deshalb je nach Gebäude und Lage besondere Anforderungen. Das Baurechts- und Denkmalamt hat ein Solarkataster erstellt, in dem Bürgerinnen und Bürger nachsehen können, unter welchen Voraussetzungen Photovoltaikanlagen auf den Dächern der Altstadt grundsätzlich möglich sind. Das Solarkataster ist online unter konstanz.de/denkmalpflege zu finden.
Auch bei der Sanierung in der Tulengasse 3 waren Vorgaben des Denkmalschutzes zu berücksichtigen. Für Barbara Auer war das kein Widerspruch zu ihrem Anliegen, das Gebäude energetisch zu verbessern: „Ich bin glücklich, dass ich mit der Sanierung auch den Vorgaben des Denkmalschutzes gerecht werden konnte, da auch mir sehr viel daran liegt, das Bild der Niederburg als ältester Stadtteil von Konstanz als Ensemble zu erhalten.“
Förderung für energetische Sanierungen
Die beiden Beispiele zeigen: Auch bei denkmalgeschützten Gebäuden können Maßnahmen für mehr Energieeffizienz und einen geringeren Einsatz fossiler Energieträger möglich sein. Entscheidend sind eine frühzeitige Planung, eine gute Abstimmung aller Beteiligten und eine individuelle Lösung für jedes Gebäude.
Beide Projekte wurden im Rahmen der Leuchtturmförderung der Stadt Konstanz mit jeweils 10.000 Euro gefördert. Ausführliche Porträts der umgesetzten Maßnahmen finden sich unter konstanz.de/leuchtturmprojekte. Wer als Privatperson oder Verein eine energetische Sanierung plant, findet die vollständigen Informationen zum Förderprogramm für die energetische Bestandssanierung unter konstanz.de/stadtwandel/foerderprogramme.