Ein wichtiger Baustein der Konstanzer Strom-Autobahn
Es ist eine aufwändige Operation am Rückgrat des Konstanzer Stromnetzes: Die Stadtwerke Konstanz haben eine 110 kV-Leitung über den Seerhein hinweg erneuert. Diese Hochspannungsleitung, die in einem Umspannwerk im Tägerwilen beginnt, wurde über eine Gesamtlänge von ungefähr 1,6 Kilometern durch die Schänzlebrücke bis hin zum neuen Umspannwerk Weiherhof auf dem Stadtwerke-Gelände gezogen. „Wir sind in drei Etappen vorgegangen: Zunächst haben wir ein Teilstück auf Schweizer Gebiet gezogen, dann bis zur Schänzlebrücke. In einem letzten Schritt haben wir die Leitung dann durch die Schänzlebrücke auf die andere Rheinseite verlegt“, erklärt Projektleiter Bernd Thieser. „Dabei wird die Leitung pro Etappe mechanisch von einer Seilwinde am Anfangsort des jeweiligen Abschnitts durch die Erde gezogen. Die Leitung ist mit Stahl ummantelt, um bei diesem Prozess mögliche Schäden an der Kunststoffummantelung zu vermeiden.“
Die 110 kV-Leitung kann auch als Teil der Konstanzer Stromautobahn bezeichnet werden, wie Michael Müller, Geschäftsbereichsleiter Energienetze bei den Stadtwerken, erklärt: „Der Strom kommt zunächst mit einer Spannung von 220 kV vom Übertragungsnetzbetreiber in Weinfelden an und wird dort auf die Mittelspannungsebene gebracht. Der Strom wird einmal über den Seerhein zum Umspannwerk Weiherhof transportiert, von wo aus er dann im lokalen Verteilnetz an die einzelnen Anschlüsse geht.“ 110 kV-Leitungen sind also das Rückgrat der Stromversorgung.
Stadtwerke investieren allein dieses Jahr 21 Millionen Euro
Dieses Rückgrat weiterzuentwickeln, ist eine der wichtigsten Aufgaben der Stadtwerke. Denn Solarenergie, Wärmepumpen, Elektrofahrzeuge und Wärmenetze sorgen für einen deutlich erhöhten Strombedarf - der Gesamtleistungsbedarf in Konstanz wird sich je nach Szenario bis zum Jahr 2035 beziehungsweise 2045 mit dann circa 150 Megawatt (MW) fast verdreifachen. Dazu ist ein deutlicher Ausbau der Netzkapazitäten notwendig. Die Stadtwerke investieren dafür allein in diesem Jahr 21 Millionen Euro, insgesamt werden es mehr als 150 Millionen Euro in den kommenden Jahren sein.
Eine Zielnetzplanung als strategisches Mittel
Um dieses Vorhaben strategisch angehen zu können, haben die Stadtwerke eine Zielnetzplanung erarbeitet, die zahlreiche Maßnahmen vorsieht: Es wird beispielsweise ein weiteres Umspannwerk im Bereich Wollmatingen benötigt, das künftig das Neubaugebiet Hafner und die Vororte versorgen muss. Alle bestehenden Umspannwerke müssen mittelfristig außerdem bei den Transformatoren hochgerüstet werden. Intensiverer Arbeiten wird es auch bei den Netzen Richtung Vororte bedürfen.
Einen großen Brocken stellen zudem die Ertüchtigungen der Netze im Niederspannungsbereich dar, da dieses Netz die Letztverbraucher und deren erhöhten Energiebedarf einerseits und andererseits auch die dort eingespeisten Energiemengen transportieren muss. Hier werden im Lauf der kommenden 20 Jahre sukzessive die vorhandenen Transformatoren in den Trafostationen erneuert und in der Leistung vergrößert werden. Diese umfangreichen Maßnahmen sind ein elementarer Bestandteil der Klimaschutzstrategie wie auch der Versorgungssicherheit.