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Spielzeugautos (Foto: Stadt Konstanz)

Lärmaktionsplan Konstanz

Lärm ist eine der größten und gleichzeitig am meisten unterschätzten Umweltbelastungen für die Menschen. Straßen- und Schienenlärm zählen dabei zu den Hauptquellen des Lärms in Deutschland. Hier setzt das Instrument des Lärmaktionsplan an, den die EU für Kommunen vorschreibt. In einem Lärmaktionsplan entwickelt eine Kommune gezielt Maßnahmen gegen Verkehrslärm. Er muss von den Kommunen verpflichtend für alle Hauptverkehrsstraßen mit mindestens 8.200 Fahrzeugen pro Tag erstellt werden. Ebenso ist er regelmäßig zu aktualisieren.
 
Der Konstanz Lärmaktionsplan, der in den kommenden Tagen zur Beratung in die Gremien geht, erhält eine dritte Aktualisierung. Dazu fand im Zeitraum vom 17.06. bis 16.07.2023 eine Beteiligung der Öffentlichkeit statt. Schon heute gilt auf einem Großteil der Straßen im Konstanzer Stadtgebiet Tempo 30 – mit ein paar wenigen Ausnahmen. Und genau hier würde sich mit positivem Beschluss des Gemeinderates noch einmal einiges tun.
 
Die Beratungen starten am 16. und 17.4. in den Ortschaftsräten, gefolgt vom Technischen und Umweltausschuss am 30.4. und einer abschließenden Entscheidung im Gemeinderat am 16.5. Die Umsetzung könnte noch im Herbst dieses Jahres erfolgen.

Diese Übersichtskarte (5,1 MB) zeigt als Grundlage für die Beratungen, welche Regelung in der dritten Aktualisierung des Lärmaktionsplans in Konstanz gelten können. 

Hier finden Sie die Unterlagen der Stufe 3 des Lärmaktionsplans zum Download:

  

TypNameDatumGröße
pdf 20230602-LAP Stufe 3 Konstanz ENTWURF.pdf (123,4 MB) 16.06.2023 123,4 MB

Antworten auf häufige Fragen zum Lärmaktionsplan Stufe 3 (FAQ)

Was ist Lärm?

Geräusche sind für die Menschen eine große Hilfe, da der Mensch sich dadurch besser orientieren, seine Tätigkeiten kontrollieren und Gefahren besser erkennen kann. Weiterhin braucht der Mensch Geräusche, damit er mit seiner sozialen Umwelt kommunizieren und sich seine Persönlichkeit entfalten kann. Wenn die Geräusche störend, belästigend oder negativ wahrgenommen werden, verwandeln sie sich in Lärm. Lärmempfinden ist subjektiv und hängt von den jeweiligen Vorlieben, der Verfassung und den Stimmungen eines Menschen ab. So regt beispielsweise laute Musik den einen an, für den anderen ist sie störender Lärm und den Dritten lässt sie völlig kalt. Unstreitig ist jedoch, dass dauerhafte Geräuscheinwirkungen, egal ob wir diese als störend wahrnehmen oder nicht, gesundheitsschädliche Folgen haben können.

Was ist ein Lärmaktionsplan?

In einem Lärmaktionsplan entwickelt eine Kommune gezielt Maßnahmen gegen Verkehrslärm. Der Lärmaktionsplan ist ein Instrument der EU. Er muss verpflichtend für alle Hauptverkehrsstraßen mit mindestens 8.200 Fahrzeugen pro Tag ausgestellt werden.

Weshalb braucht es einen Lärmaktionsplan?

Lärm ist eine der größten und gleichzeitig am meisten unterschätzten Umweltbelastungen für die Menschen. Lärm bedeutet für den Körper Stress und kann zu gesundheitlichen Schäden und Beeinträchtigungen wie Gehörschäden, vegetativen Störungen, Schlafstörungen und psychischen Beeinträchtigungen führen. Lärm steht auch im Verdacht, die Entstehung von Herz-Kreislauferkrankungen zu fördern und das Herzinfarktrisiko zu erhöhen. Straßen- und Schienenlärm zählen zu den Hauptquellen des Lärms in Deutschland. Hier setzt der Lärmaktionsplan an.

Was bedeutet Stufe 3?

Die Lärmaktionspläne sind alle fünf Jahre zu aktualisieren. Damit die einzelnen Lärmaktionspläne unterscheidbar sind, wird in der Bezeichnung jeweils die Stufe angehängt. Zudem ergeben sich zwischen den einzelnen Stufen zum Teil Änderungen an den Vorgaben.

Weshalb hilft Tempo 30 gegen Lärm? Ist es nicht lauter, wenn die Autos dort langsam, aber im niedrigen Gang vorbeifahren?

Bei sehr niedrigen Geschwindigkeiten wird die Lautstärke des Verkehrs durch die Motorengeräusche bestimmt. Steigt die Geschwindigkeit, so wird das Abrollgeräusch der Reifen immer lauter, bis es den Motor übertönt. Dies ist im Bereich von 30 km/h der Fall. Wird die Geschwindigkeit bei der gleichen Anzahl an Fahrzeugen von 50 km/h auf 30 km/h reduziert, ist die Auswirkung auf die Lautstärke so groß, als wenn die Anzahl der Fahrzeuge bei 50 km/h halbiert wird.

Führt das nicht zu noch mehr Stau in der Stadt?

Staus entstehen, wenn die maximale Anzahl an Autos überschritten wird, die auf einer Straße fahren können. Diese Anzahl liegt unabhängig von der zulässigen Geschwindigkeit bei ca. 2000 Fahrzeugen. Der Mindestabstand zwischen zwei Fahrzeugen beträgt bei 50 km/h 25 Meter. Bei 30 km/h sinkt dieser Wert auf 15 Meter. In beiden Fällen benötigt ein Auto ca. 1,8 Sekunden, um diese Strecke zurückzulegen.

Brauche ich dann länger von A nach B?

Bei konstanter Fahrt benötigt ein Fahrzeug bei 50 km/h für einen 100 Meter langen Abschnitt 7,2 Sekunden. Mit 30 km/h wird dieselbe Strecke in 12 Sekunden zurückgelegt. Der theoretische Fahrzeitverlust beträgt also knapp 5 Sekunden. In der Praxis werden diese Werte allerdings nicht erreicht, da die Fahrzeuge aufgrund von Ampeln, Parkvorgängen etc. immer wieder bremsen und anschließend beschleunigen müssen. Dies zeigt auch ein Vergleich zwischen einer Berechnung und der Abfrage bei Google Maps. Die Strecke von Wollmatingen bis zum Sternenplatz kann bei konstanter Geschwindigkeit mit 7 Minuten berechnet werden. Google Maps gibt für einen Wochentag um ca. 15:30 Uhr eine Fahrtzeit von etwa 13 Minuten an.

Werden die Ampelschaltungen entsprechend angepasst?

Bei hintereinander liegenden Ampeln werden die Schaltungen so aufeinander abgestimmt, dass sich ein möglichst kontinuierlicher Verkehrsfluss ergibt. Diese sogenannte Koordinierung wird auf die neuen Fahrtzeiten zwischen den Ampeln angepasst.

Hat das Auswirkungen auf die Busfahrpläne?

Ob die Reduzierung der Geschwindigkeit auf 30 km/h Auswirkungen auf die Busfahrpläne hat, hängt mit dem Abstand der Haltestellen zusammen. Bei geringen Haltestellenabständen werden nur selten Geschwindigkeiten von mehr als 30 km/h erreicht. Dann sind die Fahrzeitverlängerungen auch eher unbedeutend.

Hat das Auswirkungen auf die Rettungszeiten der Hilfsdienste?

Die Hilfsdienste sind im Einsatzfall von den Vorschriften der Straßenverkehrsordnung befreit. Das heißt, dass sie schneller fahren dürfen oder das Rotlicht an Ampeln nicht beachten müssen. Diese Sonderrechte müssen allerdings mit einer gebührenden Vorsicht ausgeübt werden. Die Fahrweise ist also an die jeweilige Verkehrssituation anzupassen. Bei der Einführung von Tempo 30 können sich Auswirkungen auf die Rettungszeiten ergeben. Diese werden z.B. im Feuerwehrbedarfsplan berücksichtigt.

Gab es eine Bürgerbeteiligung?

Im Zeitraum vom 17.06. bis 16.07.2023 fand die Beteiligung der Öffentlichkeit statt. Der Entwurf des Lärmaktionsplanes war auf der Homepage der Stadt Konstanz veröffentlicht und im Verwaltungsgebäude an der Laube sowie in den Ortsverwaltungen ausgelegt. Es gingen 75 Stellungnahmen ein. Eine große Mehrheit (75%) begrüßt die Maßnahmen zum Lärmschutz. Einige Stellungnahmen (13%) wünschen sich Lärmschutzmaßnahmen in weiteren Straßen. Nur einige wenige Stellungnahmen (4%) lehnen den Lärmaktionsplan grundsätzlich ab.

Warum ist ein Teilstück der Konzilstraße mit Tempo 50 ausgenommen?

In diesem Teilstück der Konzilstraße befinden sich überwiegend Verwaltungs- und Betriebsgebäude. Die wenigen Wohnungen in diesem Bereich rechtfertigen keine Reduzierung der Geschwindigkeit aus Gründen des Lärmschutzes.

Warum ist das Teilstück der Eichhornstraße mit Tempo 50 ausgenommen?

In der Eichhornstraße liegen die Pegelwerte überwiegend nicht im gesundheitskritischen Bereich. Dies hängt unter anderem mit der geringeren Verkehrsbelastung und dem größeren Abstand der Gebäude zur Straße zusammen.

Warum ist das Teilstück der Schwaketenstraße mit Tempo 50 ausgenommen?

In der Schwaketenstraße befinden sich über weite Strecken nur auf einer Straßenseite Wohngebäude. Diese stehen zudem häufig mit der Stirnseite zur Straße. Dadurch ergebt sich nur eine geringe Anzahl an von Lärm Betroffenen. Dies rechtfertigt leider keine Geschwindigkeitsreduzierungen.

Wann soll die Änderung nach Beschluss im Gemeinderat umgesetzt werden?

Nach dem Beschluss des Lärmaktionsplanes im Gemeinderat am 16. Mai 2024 müssen die Maßnahmen straßenverkehrsrechtlich angeordnet werden. Die Schilder müssen besorgt und von den Technischen Betrieben angebracht werden. Aufgrund der großen Gesamtlänge der Straßenabschnitte, die neu beschildert werden müssen, dauern die Arbeiten voraussichtlich bis Ende Oktober. Dies setzt auch voraus, dass es keine Lieferengpässe bei den notwendigen Verkehrsschildern gibt.