Kostenloser Stream des Theaters Konstanz: „Jeder stirbt für sich allein“ von Hans Fallada

von 19.2. bis 21.2.21

Foto: Theater Konstanz/Ilja Mess

Das Eröffnungsstück der Spielzeit 2020/2021 am Theater Konstanz wurde sowohl von der Presse als auch vom Publikum hochgelobt. Nun gibt es die Gelegenheit „Jeder stirbt für sich allein“ von Hans Fallada als kostenlosen Stream zu erleben - für alle, die die Aufführung nicht sehen konnten und für alle, die nicht genug davon bekommen können.

Aufgerüttelt durch den Fronttod ihres Sohnes „für Führer und Vaterland“ schreibt das Ehepaar Quangel einfache Botschaften auf Postkarten, mit denen sie zum Widerstand aufrufen. Schon bald geraten sie ins Visier des Kriminalkommissars Escherich, der unter dem Druck seiner Vorgesetzten in Zugzwang gerät. Denn, so Fallada: "Das Groteske geschieht: der Elefant fühlt sich von der Maus bedroht." Falladas Roman geht auf die wahre Geschichte des Berliner Arbeiterehepaars Otto und Elise Hampel zurück, die 1943 von den Nazis hingerichtet wurden und deren Karten bis heute überliefert sind. 1945 soll der Schriftsteller anhand der Prozessakten darüber schreiben. Fallada zögert, er selbst war nicht im Widerstand und will jetzt nicht besser erscheinen, als er gewesen ist. Dann aber verfasst er manisch die 899 Manuskriptseiten in kaum vier Wochen; drei Monate später stirbt er an Herzversagen.

Die kraftvoll gezeichneten Figuren versuchen in einer Gesellschaft zu überleben, in der Argwohn und Angst jedwede soziale Beziehung bestimmen. Viele als Mitläufer*innen oder Täter*innen. Einige beweisen, dass man sogar in diesem System seine Freiheiten behaupten und seinem Gewissen folgen kann. Für uns Nachgeborene stellt sich die Frage: Wie weit reicht der eigene Mut, sich gegen Ungerechtigkeit und Unmenschlichkeit zu stellen? Wann genügt es nicht mehr, im privaten Umfeld „anständig“ zu bleiben, wann ist Zeit für tätigen Widerstand?

Pressestimmen:
Bodo Blitz schreibt in Theater der Zeit u.a.: „Zur Stärke der Konstanzer Inszenierung gehört, dass an Falladas Sockel lehrreicher Epik durch vielfältige Differenzierung gerüttelt wird.“
In seiner Kulturkolumne in der Schwäbischen Zeitung schreibt Wolfram Frommlet: „Den bewegenden Tönen des Widerstands und der Angst setzt Shirin Khodadadian in ihrer oft provokant grellen Regie die fünf Schergen und Karrieristen des Regimes entgegen. Sie vermeidet jeden Nazi-Realismus, nimmt den „autoritären Charakteren“ (Theodor Adorno) das „Deutsche“, das Streotyp. Hans Fallada wird zur Parabel auf Macht und Widerstand.“ Und Johannes Bruggaier konstatiert im Südkurier: „Es ist eine ernüchternde Wahrheit, die Khodadadian da in so wunderbarer Klarheit wie beklemmender Ironie nach und nach entfaltet. Sie verstört, weil sie politische Widerständigkeit in Zweifel zieht, statt sie im üblichen Brustton der Überzeugung einzufordern. Und sie beglückt, weil sie ein neues Licht auf altbekannte Fragen wirft.“

19.2./ 20.2./21.2. jeweils 18 Uhr - Auf der Homepage des Theater Konstanz in Zusammenarbeit mit SPECTYOU: www.theaterkonstanz.de

(Erstellt am 16. Februar 2021)