Arbeit am Profil der Wirtschaft

Die Handlungsfelder der städtischen Wirtschaftsförderung

Konstanzer Unternehmensmix aufgegliedert nach der Anzahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter im Jahr 2020

Als Wirtschaftsstandort hat die Stadt seit Jahren in nahezu allen Bereichen zugelegt. Erst Corona bremste in manchen Bereichen die Entwicklung. Mit dem von OB Uli Burchardt initiierten und im Januar 2017 vom Gemeinderat verabschiedeten Entwicklungsprozess für das Handlungsprogramm Wirtschaft will die Stadtverwaltung den Standort auch weiterhin zukunftsfähig aufstellen und die technologischen Herausforderungen meistern. Das Handlungsprogramm Wirtschaft gibt die Ziele der Wirtschaftsentwicklung bis 2030 vor. Koordiniert wird der Gesamtprozess von der städtischen Wirtschaftsförderung. Ein Lenkungskreis mit führenden VertreterInnen von Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung begleitet das Verfahren. Das zentrale Gremium für die Prozessbegleitung ist der Wirtschaftsausschuss, dem regelmäßig berichtet wird.
 
Ökologie, Ökonomie, Soziales
 
Der Fokus des Handlungsprogramms Wirtschaft liegt auf dem Nachhaltigkeitsbegriff. Die langfristige Perspektive orientiert sich am Dreiklang aus Ökonomie, Ökologie und Sozialem. Die Ökonomie bezieht sich auf die dauerhafte Stabilität der Wirtschaft und die Konkurrenzfähigkeit des Standortes, um Gewerbesteuerkraft und Beschäftigung auf lange Sicht zu steigern und so den wachsenden Aufgaben eines Oberzentrums weiterhin gerecht werden zu können. Das Thema Ökologie sieht intelligentes und ressourcenbewusstes Wachstum als Maxime vor. Dritte wichtige Komponente ist der soziale Aspekt. Es sollen weiterhin langfristige sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze entstehen, die zur soziodemografischen Struktur der Stadt passen. Daher werden ansässige und neue Unternehmen bei ihrer Entwicklung gleichermaßen unterstützt.
 
Sieben Handlungsfelder
 
In der konkreten Zielsetzung geht es darum, den Wirtschaftsstandort Konstanz zukunftsfähig zu machen, indem ein innovatives und flächenschonendes Umfeld geschaffen wird, mit dem sich die Unternehmen und die Menschen in der Stadt gleichermaßen identifizieren. Die Einzelziele des Handlungsprogramms Wirtschaft sind in sieben Handlungsfelder unterteilt. Dazu zählen die Verbesserung der Infrastruktur, die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft, die Vernetzung von Unternehmensgründungen mit Wirtschaft und Wissenschaft sowie familiengerechtes Leben und Arbeiten, Ausbildung, Qualifikation und Integration, die Etablierung als Kongress- und Tagungsstandort sowie die Themenfelder Geostrategie & Flächenpolitik. In allen diesen Themenfeldern hat, neben einer Vielzahl weiterer Akteure der Stadtgesellschaft, die städtische Wirtschaftsförderung ihre „Hausaufgaben“ zu leisten.
 
Stabsstellenarbeit Wirtschaftsförderung
 
Obwohl die Wirtschaftsförderung nicht zu den Pflichtaufgaben einer Kommunalverwaltung zählt, ist sie in Deutschland mittlerweile sehr verbreitet. Nahezu jede Kommune beschäftigt Personal in diesem Bereich. In ländlichen Regionen wird diese Arbeit häufig auf Landkreis-Ebene gebündelt. Größere Städte stellen sich oft zusätzlich eigenständig auf. Im Landkreis Konstanz hat sowohl der Kreis selbst eine Wirtschaftsförderung als auch die Städte Konstanz, Engen, Gottmadingen, Radolfzell, Singen und Stockach. Die Wirtschaftsförderung kann innerhalb der Verwaltung als einfache Abteilung, als Stabsstelle oder sogar als eigenes Amt organisiert sein. Die Wirtschaftsförderung der Stadt Konstanz ist als Stabsstelle vollwertiger Teil der Verwaltung und direkt dem Oberbürgermeister unterstellt. So können am Oberzentrum der Region bestmöglich auf die lokale Wirtschaft abgestimmte Maßnahmen umgesetzt werden.
 
Zahlen, Daten, Fakten Handlungsgegenstand der Wirtschaftsförderung ist der „Bestand“. Damit wird die Anzahl der vor Ort ansässigen Unternehmen bezeichnet. In der Stadt Konstanz sind das rund 4.000 (Unternehmensregister 2020: 4.006). Beim Großteil (ca. 88 %) handelt es sich um kleine Unternehmen mit bis zu 9 Mitarbeitenden, die mit ihren ca. 6.300 Beschäftigten aber nur 18% der Arbeiterschaft ausmachen. Der Großteil der Menschen arbeitet in mittelständischen Unternehmen mit bis zu 249 Beschäftigten (ca. 44 %) oder mit 250 oder mehr Beschäftigten (ca. 38 %). Über die Hälfte aller abhängig Beschäftigten in Konstanz arbeiten im verarbeitenden Gewerbe, (Einzel-) Handel, Gesundheits- und Sozialwesen bzw. Erziehung und Unterricht. Umsatz- und personalstärkster Wirtschaftszweig ist in Konstanz das „Verarbeitende Gewerbe“ mit einem Umsatz von 2,1 Mrd. € und ca. 5.500 Beschäftigten. An zweiter Stelle folgt der Handel mit ca. 4.300 Beschäftigten und einem Umsatz von 1,3 Mrd. €. Hierzu zählen der Großhandel (40 %), der Einzelhandel (54 %) sowie der Handel und die Instandhaltung von Kraftfahrzeugen (6 %). Das Umsatzwachstum der Konstanzer Wirtschaft ist seit Jahren stetig positiv. Dies ist laut Unternehmensregister 2020 des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg in direktem Zusammenhang mit der ebenfalls steigenden Zahl an Arbeitsplätzen zu sehen.
 
Die Wirtschaftsförderung hat im Wesentlichen zwei Aufgabenbereiche: Bestandspflege und Bestandsentwicklung. Unter Bestandspflege versteht man die Bindung der ansässigen Unternehmen an den Standort. Damit verbunden ist das Ziel, die Einnahmen aus der Gewerbesteuer sowie die vorhandenen Arbeitsplätze fortlaufend zu sichern. Bei der Bestandsentwicklung wird versucht, neue Unternehmen für den Standort zu gewinnen. Ziel ist es, die Einnahmen aus der Gewerbesteuer zu erhöhen und neue Arbeitsplätze zu schaffen. In den letzten 12 Jahren ist der Bestand in Konstanz um 442 Unternehmen auf 4.280 im Jahr 2019 gestiegen. Im Zuge der Corona-Krise erfuhr dieser Trend einen Halt und die Zahl der Unternehmen sank um 274 auf 4.006. Betroffen waren insbesondere Kleinbetriebe mit bis zu 9 Beschäftigten.
 
Umgekehrt war der Zuwachs beim Gewerbe in den letzten beiden Jahren deutlich höher als in den Jahren zuvor. Über 200 Gewerbe kamen in den letzten beiden Jahren jeweils hinzu. Für das aktuelle Jahr zeichnet sich laut dem städtischen Bürgeramt, Abteilung Gewerbe ein ähnlicher Trend ab. Dies legt die Vermutung nahe, dass Menschen in Krisen vermehrt auf Selbstständigkeit setzen oder dazu gezwungen sind. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und des derzeit schwierigen konjunkturellen Umfelds könnte es allerdings sein, dass in naher Zukunft einige Menschen aus der Selbstständigkeit in ein Angestelltenverhältnis zurückkehren und sich dies in den Gewerbezahlen widerspiegelt. Steigende Zahl an Arbeitsplätzen Konstanz bietet sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze für 32.179 Menschen. In den letzten zehn Jahren ist die Zahl an Arbeitsplätzen mit nur einer Ausnahme, dem Corona-Jahr 2020, stetig und deutlich gestiegen. Auch die Pendlerbewegungen von und nach Konstanz sind historisch gewachsen. 11.594 Menschen, also mehr als ein Drittel der Beschäftigten, wohnt nicht in Konstanz. 9.691 KonstanzerInnen arbeiten außerhalb. So ergibt sich, dass ca. 20.600 Menschen sowohl in Konstanz wohnen als auch arbeiten (Pendlerzahlen ohne Schweiz, Quelle: Bundesagentur Bundesagentur für Arbeit). Die Berufsaus- und -einpendlerInnen nähern sich seit Jahren dem Verhältnis 1:1. In Anbetracht zweier Faktoren lässt sich diese Entwicklung gut erklären. Faktor 1: Konstanz bietet nicht jedem Menschen, der hier leben möchte, einen physischen Arbeitsplatz. Im Zuge des technologischen Wandels können aber immer mehr Menschen ihre Arbeit online erledigen. Faktor 2: In der Region entstehen aufgrund der positiven wirtschaftlichen Entwicklung immer mehr Arbeitsplätze. Außerdem bietet die angrenzende Schweiz ein deutlich höheres Lohnniveau. In der Schweiz arbeiten und in Deutschland wohnen ist finanziell äußerst lukrativ. Aufgrund der hohen Lebensqualität möchten viele Menschen gerne in Konstanz wohnen bleiben. See, Berge und unzählige Freizeitmöglichkeiten liegen direkt vor der Haustüre. Konstanz profitiert einerseits von dieser Entwicklung, weil diese Menschen „woanders“ arbeiten, aber ihr Einkommen hier versteuern und verkonsumieren. Andererseits ergibt sich aus der regionalen Nähe zur Schweiz ein erhöhtes Preisniveau, was vor allem zu Lasten von Menschen mit relativ geringem Einkommen geht. Die Arbeitslosenquote ist mit aktuell 4,5 % im bundesweiten Vergleich recht niedrig. Analog zum Land Baden-Württemberg weist Konstanz hier in der Regel gute Zahlen vor, liegt aber häufig etwas über der Quote des Landes. Dies könnte darin begründet sein, dass Konstanz als Hochschulstadt viele BildungsabgängerInnen und außerdem viele Menschen im Bereich Tourismus und Gastgewerbe beschäftigt sind. Als weltoffene Kommune nimmt Konstanz zudem jährlich viele Geflüchtete auf, die schon aufgrund der Sprachbarriere nicht sofort in den Arbeitsmarkt integriert werden können.
 
Zwiespältige Einnahmesituation
 
Die Einnahmen aus der Gewerbesteuer zeichnen das Bild eines zwar nicht an Gewerbesteuer überdurchschnittlich sprudelnden, aber unterm Strich gesehen resilienten Wirtschaftsstandorts. Zurückführen lässt sich diese Resilienz auf den starken Forschungs- und Innovationsfokus der Konstanzer Unternehmen und die Synergie mit den beiden Hochschulen. Je nach Konjunktur und Erfolg der Konstanzer Unternehmen können um die 40 Mio. € an Gewerbesteuer eingenommen werden. Um die steigenden Aufgaben einer wachsenden Stadt finanzieren zu können, wäre eine Steigerung wünschenswert. Wenngleich die Verlagerung einer Vielzahl an Arbeitsplätzen Mitte des letzten Jahrzehnts einen deutlichen Einschnitt darstellte, so konnte dies mittlerweile kompensiert werden. Begründet ist dies in der ununterbrochen sehr positiven Entwicklung bei der Anzahl an Arbeitsplätzen.
 
Alle Einnahmen zusammengenommen wird Konstanz als finanzschwache Kommune bewertet. Als solche profitiert die Stadt als Sockelgarantiegemeinde von zusätzlichen Schlüsselzuweisungen aus dem Finanzausgleich. So wird sichergestellt, dass die Kommune ihren Pflichtaufgaben nachkommen kann. Um Aufgaben und Projekte darüber hinaus realisieren zu können, ist Konstanz auf die Leistungsfähigkeit seiner Wirtschaft und auf Fördermittel angewiesen.

(Erstellt am 21. Oktober 2022 13:07 Uhr / geändert am 21. Oktober 2022 13:11 Uhr)