Wie sicher, wie mobil, wie zufrieden?

Konstanzer BürgerInnenbefragung 2025 liefert klare Antworten

(Bild: MTK / Deutschland abgelichtet Medienproduktion)

2.621 Bürgerinnen und Bürger haben sich an der 18. Konstanzer BürgerInnenbefragung beteiligt – einem Kooperationsprojekt der Stadt Konstanz mit der Universität Konstanz. Die Ergebnisse zeigen eine Stadt, die sich im Wandel befindet. Einige Einschätzungen überraschen.

Die Ergebnisse wurden durch Prof. Dr. Thomas Hinz im Rahmen der Sitzung des Gemeinderates am 23. April 2026 der Öffentlichkeit präsentiert – der Tagesordnungspunkt ist über den Video-Podcast auf konstanz.de auch nachträglich abrufbar.
 
Sicherheit: Konstanz bleibt sicher – aber Frauen fühlen sich deutlich unwohler
 
Die große Mehrheit der Befragten fühlt sich in Konstanz sicher. In der eigenen, gut bekannten Wohngegend ist dieses Gefühl jeweils noch ausgeprägter als in der Gesamtstadt. Gleichwohl zeigt sich ein markanter Unterschied zwischen den Geschlechtern: Rund 34 bis 40 Prozent der befragten Frauen geben je nach Altersgruppe an, sich nachts nicht sicher zu fühlen, wenn sie alleine durch die Stadt gehen. Dem gegenüber stehen 15 bis 22 Prozent der Männer. Dieser Unterschied ist der mit Abstand stärkste Erklärungsfaktor für das unterschiedliche Sicherheitsempfinden – weit vor Alter oder Wohnort.
 
Besonders sicher fühlen sich die Menschen in den Vororten, in Dettingen, Dingelsdorf, Litzelstetten oder Wallhausen. Am wenigsten sicher im Randbereich der Innenstadt, in Petershausen-West. Die polizeiliche Kriminalstatistik verzeichnete 2025 zwar einen Rückgang der Straftaten im öffentlichen Raum um fast sechs Prozent, das subjektive Erleben und die objektive Lage klaffen jedoch teilweise auseinander.
 
Verkehr: Konstanz fährt Rad – aber die Wege sind teils zu schmal
 
Konstanz ist eine Fahrradstadt. Das spiegeln sowohl die Zahlen der Fahrradzählstationen als auch die letztjährige BürgerInnenbefragung deutlich wider. Das Fahrrad wurde dort als das am weitesten verbreitete Verkehrsmittel gerankt. Besonders erfreulich: 85 Prozent der Befragten bezeichnen Konstanz in der aktuellen Befragung als fahrradfreundlich. 2016 waren es noch 68 Prozent. Hervorzuheben ist, dass das Radnetz und das Angebot an Abstellanlagen sich in der Einschätzung der Befragten verbessert haben. Kritisch bleibt aber die Breite der Radwege: Hier sehen viele noch Nachholbedarf.
 
Die Befragten nehmen zudem wahr, dass rund 56 Prozent der Straßenfläche dem Auto zugeordnet ist – obwohl das Fahrrad heute das meistgenutzte Verkehrsmittel ist. Eine Umverteilung zugunsten des Radverkehrs findet breite Zustimmung. Überraschend: Diese Zustimmung schwächt sich deutlich ab, sobald konkrete Parkplätze in der eigenen Nachbarschaft wegfallen sollen – ein klassischer „Not in my Backyard“-Effekt, der die Politik vor reale Umsetzungsprobleme stellt.
 
Verpackungssteuer: Preiseffekt erwartet, Mehrweggedanke noch nicht angekommen
 
Seit Januar 2025 gilt in Konstanz die Verpackungssteuer. Als Folge der Verpackungssteuer sehen zwei Drittel der Befragten (66 Prozent) vor allem höhere Preise für Take-away-Angebote. Knapp die Hälfte erwartet eine stärkere Verbreitung von Mehrweglösungen, 39 Prozent eine sauberere Stadt. Auffällig: Bei der Auswahl von Take-away-Angeboten spielt die Nutzung von Mehrwegverpackungen nur für 1 Prozent der Befragten die entscheidende Rolle. Die Qualität des Essens ist mit 68 Prozent Zustimmung das klar wichtigste Kaufkriterium. Erste Ergebnisse aus einer gemeinsamen Evaluation mit der Universität Konstanz zeigen eine Müllreduktion in öffentlichen Mülleimern von um 4,5 Prozent im Vergleich zu den Vorjahren.
 
Kulturleben: Bodensee Philharmonie und Zebra Kino punkten bei Zufriedenheit
 
Konstanz bietet ein vielfältiges Kulturprogramm. In den letzten 12 Monaten am häufigsten besucht werden CineStar, Theater Konstanz und Museen. 79 Prozent der BesucherInnen der Bodensee Philharmonie und des Zebra Kino sind zufrieden mit dem Angebot – ein Wert, der im Vergleich zu den besucherstärkeren Kulturangeboten heraussticht. Als größtes Hindernis für Kulturbesuche nennen 35 Prozent der Befragten Zeitmangel, jeweils 15 Prozent finanzielle Gründe und mangelnde Information zu Veranstaltungen.
Seenachtfest: Schwindendes lokales Interesse, bleibendes Herz fürs Feuerwerk
 
Über die Hälfte der Befragten haben das Seenachtfest in den vergangenen drei Jahren nie besucht. Dies bedeutet einen weiteren Rückgang des Besuchs von Konstanzerinnen und Konstanzern im Vergleich zu 2019. Die Zufriedenheit mit dem Fest hat ebenfalls abgenommen. Und doch: 37 Prozent wünschen sich jedoch auch künftig das klassische Feuerwerk auf dem See – die Zustimmung ist hier höher als bei jeder anderen Attraktion. Ein Wandel steht bevor: Im Sommer 2026 geht das Fest in neuer Ausrichtung an den Start. Auch die KonstanzerInnen dürfen gespannt sein.
 
Lebensqualität: Konstanz ist gut – mit Unterschieden
 
Über alle Stadtteile hinweg beurteilen mindestens 70 Prozent der Befragten die Lebensqualität als sehr gut oder überwiegend gut. Die höchsten Werte erzielt Wallhausen, die niedrigsten Fürstenberg und das Industriegebiet. In der langen Zeitreihe seit 2008 zeigt sich allerdings ein gradueller Rückgang bei jenen, die voll und ganz zufrieden sind – ein Signal, das die Stadt ernst nehmen wird.
 
Zum Hintergrund
 
Die Konstanzer BürgerInnenbefragung wird jährlich von der Universität Konstanz unter Leitung von Prof. Dr. Thomas Hinz in Kooperation mit der Stadt Konstanz durchgeführt. Sie läuft seit 2008 und ist bundesweit eine der am längsten laufenden kommunalen Langzeitstudien. Im Haupt-, Finanz- und Klimaausschuss wird derzeit über die Weiterführung der Studie diskutiert.
 
Der vollständige Bericht zur Befragung 2025 ist unter konstanz.de abrufbar.

(Erstellt am 24. April 2026 14:49 Uhr / geändert am 27. April 2026 09:13 Uhr)