Schon gewusst?
- Bis zu 9 Wärmenetze sollen in den kommenden Jahren auf dem Konstanzer Stadtgebiet entstehen. Sie könnten ca. 45 Prozent des Wärmebedarfs decken.
- Die Stadt Konstanz fördert einen Anschluss an ein Wärmenetz mit 2.000 Euro.
- 2025 war deutschlandweit jede zweite neu verkaufte Heizungsanlage eine Wärmepumpe.
- Rund 100 EigentümerInnen haben sich bereits ihre Wärmepumpe von der Stadt Konstanz finanziell fördern lassen.
- Die Stadt Konstanz fördert Wärmepumpen, PV-Anlagen, Fenstertausch und andere Maßnahmen zur energetischen Sanierung mit bis zu 50.000 Euro pro Gebäude.
Die aktuelle Situation in Konstanz
Die Wärmeversorgung basiert in Konstanz noch zu über 90 % auf fossilen Energieträgern, insbesondere Erdgas und Erdöl.
Etwa ein Drittel aller Gebäude in Konstanz könnte künftig über Wärmenetze versorgt werden, was aufgrund der überdurchschnittlichen Größe dieser Gebäude fast der Hälfte des Wärmebedarfs entspricht. Zur Wärmeerzeugung gibt es verschiedene mögliche Wärmequellen. Zum Beispiel kann Wasser aus dem Bodensee (Seethermie) oder Abwärme aus der Kläranlage genutzt werden. Die Vorteile dieser Art der Wärmeerzeugung und -verteilung: Lokale Wertschöpfung wird gestärkt und Konstanzer Quartiere werden unabhängiger von kostspieligen Importen fossiler Energieträger.
Etwa 70 % aller Gebäude in Konstanz werden nicht über Wärmenetze versorgt werden können, da die Netze nicht in allen Stadtgebieten wirtschaftlich zu betreiben sind. Hier benötigt es gebäudespezifische Lösungen, z. B. Wärmepumpen. Damit EigentümerInnen ihre Handlungsoptionen kennen und von Förderungen profitieren können, führt die Stadt Konstanz quartiersspezifische Beratungskampagnen durch.
Der rechtliche Rahmen
Für Sommer 2026 wird eine Neufassung des Gebäudeenergiegesetzes unter dem Titel „Gebäudemodernisierungsgesetz“ erwartet. Bislang gilt die Novelle des Gebäudeenergiegesetzes vom 01.01.2024. So müssen z. B. Neubauten in Neubaugebieten seit Januar 2024 mit Heizungen ausgestattet werden, die zu mindestens 65 Prozent erneuerbare Energien nutzen. Wer seine bestehende Heizung tauschen möchte, hat noch etwas mehr Zeit, um auf erneuerbare Energien umzustellen.
Künftige Kosten der Nutzung fossiler Energien
Zur Gesetzeslage in Deutschland und Baden-Württemberg (z. B. Erneuerbare-Wärme-Gesetz BW) kommt ab 2028 die Ausweitung des EU-Emissionshandels auf die Sektoren Verkehr und Gebäude hinzu. Die CO2-Bepreisung wird dann an endliche Treibhausgasbudgets gekoppelt erfolgen, und je höher die verbliebenen Treibhausgasemissionen, desto höher auch der Preis für die Nutzung fossiler Brennstoffe. Es ist daher aus wirtschaftlichen und sozialen Gründen klug, sich frühzeitig mit Wärmelösungen aus erneuerbaren Quellen zu beschäftigen.
Fragen und Antworten zu Wärmenetzen in Konstanz
Wie funktioniert ein Wärmenetz?
Ein Wärmenetz ist – einfach gesagt – lediglich ein isoliertes Heizungsrohr, welches in der Straße verlegt und mit einer Flüssigkeit durchflossen wird. Ein Wärmenetz selbst ist an sich kein erneuerbarer Energieträger und wer an ein Wärmenetz angeschlossen ist, wird nicht zwangsweise mit erneuerbarer Wärme versorgt. Ausschlaggebend dafür ist, wie die Wärme für das Wärmenetz erzeugt bzw. bereitgestellt wird. Für die neu entstehenden Wärmenetze soll die Wärme aus erneuerbaren Energien und Abwärme gewonnen werden. Dazu zählen:
- die thermische Nutzung des Bodensees und des Seerheins mittels Wärmepumpen
- die thermische Nutzung der Abwärme des Klärwerks mittels Wärmepumpen
- die Einbindung von unvermeidbarer Abwärme aus dem produzierenden Gewerbe
- die Einbindung von unvermeidbarer Abwärme aus dem in Planung befindlichen Ersatzneubau der Kehrrichtverbrennungsanlage (KVA) Thurgau in Weinfelden
Die Übergabe der Wärme aus dem Wärmenetz an das Gebäude erfolgt mittels einer sogenannten Haus- oder Wärme-Übergabestation.
Gemäß den derzeitigen Planungen wird eine nennenswerte Zahl der Konstanzer GebäudeeigentümerInnen innerhalb der nächsten 10 Jahre die Möglichkeit haben, sich für einen Wärmenetzanschluss zu entscheiden. Außerhalb der aktuellen Planungsgebiete müssen dagegen gebäudespezifische Lösungen gefunden werden. Dazu können Sie sich mit einem/r EnergieberaterIn in Verbindung setzen.
Woher weiß ich, ob in meinem Gebiet ein Wärmenetz kommt?
Die Stadtwerke Konstanz und die solarcomplex AG planen derzeit mit weiteren Partnern Wärmenetze für folgende Gebiete:
Die Stadtwerke stellen eine automatisierte Abfrage bereit, über die für alle Gebäude im Stadtgebiet Konstanz abgefragt werden kann, ob das Gebäude innerhalb oder außerhalb eines Wärmenetzgebiets liegt. Über diese Abfrage wird auch ein grober Realisierungszeitrahmen für die jeweiligen Wärmenetze benannt.
Ich wohne direkt neben einem Gebiet für ein Wärmenetz, mein Gebäude befindet sich aber nicht direkt im Projektgebiet. Was soll ich tun?
Die Stadtwerke haben für viele Projektgebiete bereits Machbarkeitsstudien durchgeführt und abgeschlossen. Die grobe Planung dazu finden Sie hier. Die Projektgebiete können allenfalls auch noch um einzelne Straßen erweitert werden. Das Onlinetool zur Verfügbarkeitsabfrage für den Anschluss an die geplanten Wärmenetze der Stadtwerke Konstanz bildet auch solche „Unsicherheitsbereiche“ ab. Sollten EigentümerInnen in der Verfügbarkeitsabfrage feststellen, dass ihr Gebäude definitiv außerhalb eines Projektgebiets liegt, wird empfohlen, gemeinsam mit einem/r Energieberater/in alternative Lösungen zu erarbeiten.
Folgende Anbieter führen Energieberatungen durch:
Energieagentur Kreis Konstanz:
Kostenlose Gebäudechecks, Vor-Ort-Solarchecks, Energie-Checks
www.energieagentur-kreis-konstanz.de
Mail: info@energieagentur-kreis-konstanz.de
Tel. :07732 939-1234
Stadtwerke Konstanz:
Kostenlose Erst-Energie- und Sanierungsberatung
www.stadtwerke-konstanz.de
Mail: energieberatung@stadtwerke-konstanz.de
Tel.: 07531 803-4050
Energieeffizienzexperten Konstanz:
Eine Übersicht der in Konstanz von der deutschen Energieagentur (dena) gelisteten Energieeffizienzexperten finden Sie hier: www.energie-effizienz-experten.de
Wenn jetzt eine Wärmepumpe eingebaut wird und in wenigen Jahren im Gebiet (doch) Wärmenetze ausgebaut werden, wird dann ein Anschlusszwang bestehen?
Die Stadt plant, Fernwärme aus der Kehrrichtverbrennung in Weinfelden zu beziehen. Wie passen die CO2-Emissionen daraus zu den Konstanzer Klimaschutzzielen?
Zunächst ist festzuhalten, dass diese Emissionen ohnehin entstehen, solange Müll produziert wird, der nicht anderweitig verwertet werden kann. Der Umstieg auf eine Kreislaufwirtschaft muss im Sinne des Klimaschutzes erfolgen, bislang sind leider jedoch noch keine rückläufigen Restmüllquoten zu beobachten. Für die Kehrrichtverbrennungsanlage Weinfelden wird sogar noch ein steigendes Aufkommen prognostiziert. Anstatt die entstehende Abwärme nicht vollständig zu nutzen, ist nach derzeitigem Planungsstand eine Kombination aus Abwärmenutzung und Seewasserwärmenutzung vorgesehen. Die Kehrrichtverbrennungsanlage soll zudem in der Perspektive mit Technologie zur CO2-Abscheidung ausgerüstet werden.
Schadet eine gewisse Abkühlung durch die thermische Nutzung dem See?
Gibt es Konflikte zwischen der Errichtung von Wärmenetzinfrastruktur und Naturschutz?
Bei der eigentlichen Errichtung der Wärmenetze sind keine größeren Konflikte mit dem Naturschutz zu erwarten. Die Netze kommen ohnehin in Bereiche unter Straßen, in denen bereits ein hoher Versiegelungsgrad besteht und wo bereits Leitungen verlegt sind. Der Wasserschutz wird unter anderem durch getrennte Kreisläufe berücksichtigt – es wird also kein Seewasser durch die Wärmenetze geleitet.
Wieso taucht in der Wärmenetzplanung die Erdwärme nicht auf? Wo darf in Konstanz überhaupt für Erdwärme gebohrt werden? Wer ist für Genehmigungen zuständig?
Typischerweise ist bei der oberflächennahen Geothermienutzung (bis 400 Meter) das Landratsamt als genehmigende Stelle einzubeziehen (Amt für Baurecht und Umwelt). Die Erdwärme stellt für die dezentrale Wärmeversorgung eine gute Option dar, wenn genug Platz für Erdwärme-Bohrungen (z. B. im Garten) vorhanden ist.
Für größere zentrale Wärmenetze stellen oberflächennahe Erdwärmesonden kein nutzbares Potenzial für die Wärmewende dar. Anders verhält es sich bei Neubauquartieren oder kleineren Wärmenetzen, wo diese Technologie zum Einsatz kommen kann. Zur Einschätzung des geothermischen Potenzials für die Tiefengeothermie (ab 400 Meter) stehen derzeit nicht genügend Informationen zur Verfügung. Hierfür wären umfangreiche und kostenintensive Studien sowie Prospektions- und Explorationsmaßnahmen notwendig, die aufgrund anderer bekannter Potenziale, wie z. B. bei der Seethermie, keine Alternative darstellen.
Wieso ist das Altparadies aus der Wärmenetzplanung Paradies und Altstadt ausgeschlossen?
Fragen und Antworten für GebäudeeigentümerInnen
Welche Verpflichtungen bringt das novellierte Gebäudeenergiegesetz für GebäudeeigentümerInnen?
Das zum 01.01.2024 in Kraft getretene novellierte Gebäudeenergiegesetz sieht in Verbindung mit einem Heizungstausch unter folgenden Bedingungen eine 65 %-Quote zur Nutzung erneuerbarer Wärme vor:
- generell für Städte unter 100.000 EinwohnerInnen ab dem Stichtag 30.06.2028
Trotzdem gilt es seit dem 01.01.2024 einige Punkte bei einem Heizungstausch in Bestandsgebäuden zu beachten. Heizungen, die mit Öl oder Gas betrieben werden, dürfen zwar bis zum Ablauf der oben genannten Frist neu eingebaut werden. Dabei gilt es jedoch in Baden-Württemberg auch das Erneuerbare-Wärme-Gesetz des Landes im Blick zu behalten. Wenn Sie sich für eine neue Heizung entscheiden, dann prüfen Sie bitte, ob diese nicht nur kurzfristig das Erneuerbare-Wärme-Gesetz, sondern auch langfristig das Gebäudeenergiegesetz erfüllt. Lassen Sie sich von einem/r unabhängigen EnergieberaterIn oder der Energieagentur Kreis Konstanz beraten.
Update vom März 2026: Die aktuelle Bundesregierung hat angekündigt, das Gebäudeenergiegesetz durch ein „Gebäudemodernisierungsgesetz“ zu ersetzen. Die genauen Modalitäten dieses Gesetzes sind noch Gegenstand intensiver politischer Diskussionen und werden an dieser Stelle erst beschrieben, wenn der entsprechende Gesetzesentwurf den Bundestag passiert hat.
Welche Fördermöglichkeiten und Beratungsangebote gibt es?
Für den Einbau einer Wärmepumpe:
- Bundesförderung für effiziente Gebäude – Einzelmaßnahmen (BEG EM): für Heizungen, die zu mindestens 65 % mit erneuerbaren Energien betrieben werden (30 % Grundförderung plus verschiedene Boni).
- Förderprogramm der Stadt Konstanz: Pauschal 1.000 € für den Heizungstausch.
Für den Anschluss an ein Nahwärmenetz:
- Bundesförderung für effiziente Gebäude – Einzelmaßnahmen (BEG EM): Gebäudeeigentümerinnen können sich die Kosten für den Anschluss an ein Wärmenetz fördern lassen. Das BEG bietet – Stand Mai 2026 – einen Zuschuss in Höhe von 30 % (plus ggf. verschiedene Boni) auf die Kosten zum Anschluss an ein Wärmenetz. Weitere Infos dazu bei der KfW.
- Förderprogramm der Stadt Konstanz: Pauschal 2.000 € pro Anschluss an ein Wärmenetz.
Sanierungsförderprogramm der Stadt Konstanz
Die Stadt Konstanz stellt derzeit jährlich bis zu 500.000 Euro als zusätzlichen Anreiz für die Sanierung von privaten Gebäuden bereit, ein Schwerpunkt liegt auf Wohngebäuden. Zusätzlich zu den bereits genannten Förderungen gibt es bspw. Zuschüsse zur Sanierung der Gebäudehülle oder zu Balkon-PV-Anlagen. Weitere Infos unter www.konstanz.de/stadtwandel/foerderprogramme
Energieberatung der Stadtwerke Konstanz
Telefon: 07531 803-4050 oder ganz einfach online anfragen
Was mache ich, wenn meine jetzige Heizung kaputt geht, bevor es in meinem Stadtteil ein Wärmenetz gibt?
Können die Förderprogramme, z.B. der KfW, auch für die Maßnahmen zum Anschluss der Fernwärme genutzt werden?
Die KfW fördert den Anschluss an ein Wärmenetz mit einem Fördersatz von 30 % und förderfähigen Kosten von 30.000 € für die erste Wohneinheit (15.000 € für die zweite bis sechste Wohneinheit, 8.000 € ab der 7. Wohneinheit). Ggf. können zusätzlich der Klimageschwindigkeitsbonus oder der Einkommensbonus ausbezahlt werden.
Die Stadt Konstanz fördert einen Wärmnetz-Anschluss mit pauschal 2.000 €. Informationen dazu finden Sie hier.
Was mache ich, wenn ich eine Gasetagenheizung habe? Welche Vorkehrungen sollte ich treffen, um mich später an ein Wärmenetz anschließen zu können?
Eine Möglichkeit besteht in der kompletten Zentralisierung der Heizanlage, was jedoch teuer und aufwendig ist. Alternativ lassen sich bestehende Mediankanäle (z.B. der Kaminschacht) im Haus nutzen, um Wärmeleitungen nachzurüsten und etagenweise Wärmeübergabestationen bzw. Wohnungsstationen zu installieren.
Fragen und Antworten für Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG)
Was empfiehlt die Stadt, wenn eine Mehrheit der Wohnungseigentümergemeinschaft lieber auf später teure Gas- und Ölheizungen setzt?
Es empfiehlt sich, zunächst eine Energieberatung einzuholen und dabei eine neue fossile Heizung mit unterschiedlichen Szenarien zur CO2-Preisentwicklung darzustellen. Fossil zu heizen, wird schrittweise teurer und die CO2-Bepreisung wird im Falle einer Vermietung umso stärker vom Eigentümer zu tragen sein, je schlechter der energetische Zustand des Gebäudes ist. Vergleiche hierzu: https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/tipps-fuer-verbraucher/aufteilung-co2-kosten-2043728
Darüber hinaus sollte der Hinweis auf steigende Quoten für erneuerbare Wärme auch im Gebäudebestand gegeben werden: Anstatt alle paar Jahre nachbessern zu müssen, ist häufig eine von vornherein überwiegend regenerative Lösung die bessere Wahl.
Was betreibt die Stadt an Aufklärung, damit nicht eine Mehrheit der EigentümerInnen – gerade in Wohnungseigentümergemeinschaften – jetzt noch schnell auf die teure Falle Gas-/Ölheizung setzt?
- Es gibt eine kostenlose Energie- und Sanierungsberatung über die Energieberatung der Stadtwerke Konstanz: https://www.stadtwerke-konstanz.de/energie/energieberatung/
- Es existiert ein Förderprogramm zur energetischen Bestandssanierung: https://www.konstanz.de/stadtwandel/foerderprogramme
- Es erfolgt Aufklärung über die städtischen Kommunikationskanäle.
Infoveranstaltung vom 19. März 2024
Die Vorträge der ReferentInnen können in den Videos noch einmal angeschaut werden. Auch die dazugehörigen Präsentationen stehen als Pdf zur Verfügung.
Die kommunale Wärmeplanung der Stadt Konstanz
Präsentation zum Vortrag als Pdf (3,1 MB)
Projektentwicklung Wärmeverbünde – von der Strategie zum Hausanschluss
Präsentation zum Vortrag als Pdf (1,4 MB)
Dezentrale Wärmelösungen – Gebiete ohne Wärmeverbund
Präsentation zum Vortrag als Pdf (1,6 MB)
