Der International Solar Energy Research Center Konstanz, ISC Konstanz e.V., entwickelt Siliziumsolarzellen, -solarmodule und Gesamtenergiesysteme. Für seine Forschungsarbeit wurde im Industriegebiet eine Bootslagerhalle aus dem Jahr 1965 zum Laborgebäude umgestaltet.
Große Teile der bestehenden Bausubstanz konnten bei der Sanierung und Umnutzung erhalten bleiben. Die bestehende Lagerhalle wurde erhalten. In einem gut gedämmten Raum-in-Raum-System befindet sich mittlerweile innen ein modernes Forschungslabor. Die Klimatisierung der Räumlichkeiten erfolgt durch ein Lüftungssystem mit mehrfachem Luftaustausch pro Stunde und Wärmerückgewinnung.
Die notwendige Kälteerzeugung im Sommer geschieht durch Energie aus der PV-Anlage, einen Chiller und ein Kälteregister in der Lüftungsanlage. Die Bereitstellung von Wärme geschieht über Wärmerückgewinnung aus dem Kühlwasser der Forschungsmaschinen und, soweit überhaupt notwendig, auch einer Wärmepumpe.
Die 270 kWp PV-Anlage schöpft das gesamte solare Flächenpotenzial des Dachs und Teile der Fassade aus und wird in Zukunft doppelt so viel Strom erzeugen, wie das Labor des ISC verbraucht. Mit dem Überschuss kann das Bestandsgebäude des ISC mit Solarstrom mitversorgt werden. Ein 240 kWh Stromspeicher hilft dabei, Lastspitzen und damit Netzbelastung bei Erzeugung sowie Verbrauch zu reduzieren und den solaren Deckungsgrad zu erhöhen.
Die Sanierung der alten Bootslagerhalle schafft ein hochmodernes Laborgebäude für die Solarforschung in Konstanz. Themen wie Ausnutzung des solaren Flächenpotenzials, regenerative Deckung des hohen Prozessstromverbrauchs, Nutzung von Prozesswärme zur Wärmeversorgung, Optimierung des solaren Deckungsgrads und der Netzdienlichkeit sowie die gebäudeübergreifende Versorgung von Nachbargebäuden mit PV-Strom wurden beispielhaft umgesetzt. Ein Projekt, an dem sich andere Gewerbebauten orientieren können!
Unser Ansatz, ein Bestandsgebäude umzubauen, hat sich aus mehreren Gründen gelohnt. Neben der Nachhaltigkeit durch den Erhalt der Bausubstanz lagen die Kosten bezogen auf die Forschungsfläche nicht einmal bei der Hälfte eines Neubaus! Zudem konnte das Projekt im Wesentlichen innerhalb eines Jahres umgesetzt werden.
Jedes Unternehmen, das ein Gebäude mit einem geeigneten Dach nutzt, kann einen großen Teil seines Stroms über Photovoltaik und Speicher selbst erzeugen und direkt verbrauchen. Selbst wenn sich das Einspeisen ins öffentliche Stromnetz am Wochenende aufgrund bürokratischer Hürden, Abgaben und Gebühren eventuell nicht lohnt, kommt am Ende des Monats eine wesentlich niedrigere Stromrechnung zustande als ohne PV-Unterstützung.
Kristian Peter




