Erneuerbare Energien bei den EBK
Klärgas, PV-Anlagen und Wärmeversorgung
Auf dem EBK Betriebsgebäude ist es nicht zu übersehen: Die Entsorgungsbetriebe Stadt Konstanz (EBK) stehen für den Ausbau und Einsatz erneuerbarer Energien. Bereits 1997 wurde das markante Schrägdach mit Photovoltaik-Anlagen der ersten Generationen ausgestattet.
Der Betrieb der Kläranlage am Rande des Konstanzer Industriegebiets ermöglicht den Einsatz und Ausbau verschiedener erneuerbarer Energie: Der wichtigste Energieträger ist Klärgas, das sichtbarste sind die PV-Anlagen. Die Kläranlage ist zudem ein wichtiger Baustein der Wärmenetzplanung der Stadt Konstanz.
Klärgas: Größter Energieträger der EBK
In der biologischen Stufe der Kläranlage übernehmen Mikroorganismen die Reinigung des Abwassers: Im Wasser gelöste Stoffe werden abgebaut, dabei entsteht sogenannter Klärschlamm. Dieser Klärschlamm ist zu großen Teilen organischer Natur und wird im Faulturm gesammelt. Der Faulturm funktioniert wie eine Biogasanlage: Der Klärschlamm mineralisiert – „fault“ – unter kontrollierten Bedingungen. Dabei entsteht Klärgas, mehrheitlich Methan. Das Klärgas wird in den EBK eigenen Blockheizkraftwerken zu Strom und Wärme. 2.600 MWh Strom wurden so im Jahr 2023 produziert. Genug Strom für den Durchschnittsverbrauch von etwa 650 vierköpfigen Familien, aber noch nicht genug Strom für die Kläranlage.
Aktuell können rund 60 % des Strombedarfs durch die EBK eigene Stromproduktion gedeckt werden. Die Klärgasproduktion wird kontinuierlich ausgebaut: Der Neubau der Klärschlammfaulung und der Gasspeicheranlage sowie damit einhergehende Prozessoptimierungen sollen mittelfristig eine Eigendeckungsrate von bis zu 70 %, langfristig mit den PV Anlagen sogar 100 % ermöglichen.
Solarstrom: Weiterer Ausbau der PV-Anlagen
Die EBK verfügen über viele Flächen und Dächer, die perspektivisch mit PV-Anlagen belegt werden sollen. Aus einer im Jahr 2025 abgeschlossenen Potentialanalyse ergeben sich die nächsten Schritte: Zunächst werden die Solarmodule installiert, für die es keine größeren Hürden gibt. Dabei handelt es sich um verschiedene Gebäude und Lager auf dem Betriebsgelände, deren Dächer ohne große Aufwand mit PV-Anlagen ausgestattet werden können.
Anschließend werden Standorte und Flächen in den Fokus genommen, für die es mehr Vorarbeiten benötigt. So muss manch ein Dach zunächst saniert oder die Statik geklärt werden, bevor PV-Module angebracht werden können. Der große Vorteil des Solarausbaus auf dem Betriebsgelände: Der produzierte Strom kann direkt in das EBK Netz eingespeist und genutzt werden.
Frühjahr 2026: Erste Ausbaustufe abgeschlossen
813 Module: 365 kWp neu erschlossenes Potential
Die erste Ausbaustufe erforderte keine großen Planungen oder vorbereitenden Arbeiten. Sie konnte direkt umgesetzt werden. 813 PV Module wurden im Zuge dieser Ausbaustufe im Jahr 2025 auf dem Betriebsgelände der EBK installiert. Die Dächer von Schüttgut- und Salzlager wurden neu mit Modulen belegt, ebenso die Dächer von Zwischenpumpwerk und Umladestation. Am eindrücklichsten ist jedoch das lange Dach der Medienbrücke: Diese Brücke führt Kabel und Leitungen beinahe über die gesamte Länge der Kläranlage: 322 Module wurden auf dieser Brücke installiert.
Zeitgleich Ausbau der Netzinfrastruktur
Neben den PV Modulen wurde in der ersten Ausbaustufe auch die notwendige Infrastruktur auf dem EBK Betriebsgelände geschaffen: Zusätzliche Einspeisepunkte und Leitungen wurden verlegt. Die neu geschaffene Netzinfrastruktur ist gleichzeitig Voraussetzung für die Umsetzung der weiteren Ausbaustufen. Diese langfristige Planung ist ein wichtiger Baustein der Solarstrategie.
Anschluss der Module im Februar 2026
Die neuen Module wurden schließlich Ende Februar 2026 an das Netz angeschlossen. Seitdem produzieren sie erneuerbare Energie für den Betrieb der EBK. Zeitlich passend zum Ende der „Nebelsaison“ wurde somit ein zusätzliches Potential von 365 kWp für das EBK Netz erschlossen.
Die EBK sind ein energieintensiver Betrieb: Vor allem die Sauerstoffzufuhr der Kläranlage ist ein „Energiefresser“, aber auch das Laden des E-Fuhrparks erfordert mit jedem weiteren E-Fahrzeug mehr Strom. Daher wird der Solarstrom in das Netz der EBK eingespeist und direkt umgesetzt. Der Ausbau der EBK eigenen Energieproduktion ist eine nachhaltige Investition: Der vollständige Eigenverbrauch der produzierten Energie ermöglicht eine schnelle Amortisation der Anlagen.
Ausblick: Wärmeversorgung Berchengebiet
In der Wärmenetzplanung hat die Kläranlage langfristig eine wichtige Rolle inne: Aus dem gereinigten Abwasser kann Wärme gewonnen werden, die das nahegelegene Berchengebiet versorgen soll. Die Entsorgungsbetriebe stehen also für weitaus mehr als nur Abfall und Abwasser: Als operativer Betrieb bietet vor allem die Kläranlage großes Potenzial für den Ausbau und Einsatz erneuerbarer Energien, egal ob es sich dabei um die Produktionssteigerung von Klärgas, den Ausbau von PV-Anlagen oder die Wärmeversorgung über die Kläranlage handelt. Die EBK leisten schon jetzt einen wichtigen Beitrag für eine klimaneutrale Stadtentwicklung.
Mehr Infos
- EBK Umweltbericht 2024, Pressenotiz vom 26.06.2024
- Einweihung Fassadenteststand, Pressenotiz vom 03.05.2024
- Klimaschutz bei den EBK, Zurück zur Übersicht



