Konstanz legt 13. Klimaschutzbericht vor
Fortschritte sichtbar – Geschwindigkeit weiterhin unzureichend
Die Verwaltung legte in der Ratssitzung am 29. Januar 2026 den inzwischen 13. Klimaschutzbericht vor. Es handelt sich um einen Jahresbericht in ausführlicher Textform, der unter anderem aktualisierte CO<sub>2</sub>-Bilanzen enthält. Der Bericht zeigt deutliche Fortschritte in zentralen Bereichen des Klimaschutzes, macht jedoch auch klar, dass das derzeitige Tempo nicht ausreicht, um die selbst gesetzten Ziele zu erreichen. Der aktuelle sowie die vorangegangenen Berichte sind online abrufbar unter www.konstanz.de/stadtwandel/klimaschutzbericht.
Positive Entwicklungen im Jahr 2025
Zu den wichtigsten Erfolgen zählt der Aufbau der klimafreundlichen Wärmeversorgung. Die Stadtwerke Konstanz konnten zwei neue Projektgesellschaften für Wärmenetze („Bodensee‑Therme“ und „Hafner“) gründen; weitere Gebiete befinden sich in Planung. Auch das geplante Nahwärmenetz Dingelsdorf‑Wallhausen steht seitens der solarcomplex AG kurz vor der Umsetzung.
Im Mobilitätsbereich wurden mit dem Förderprojekt „E‑Zone“ zusätzliche öffentliche Ladesäulen sowie E‑Carsharing-Fahrzeuge bereitgestellt. Der Ausbau der Ladeinfrastruktur liegt mit derzeit 210 von bis 2035 angestrebten 430 Ladepunkten gut im Zeitplan.
Erstmals wurde zudem der Klima-Haushalt in die Haushaltsplanung 2025/26 integriert – ein weiterer Schritt zu einer systematischeren Steuerung kommunaler Klimaschutzmaßnahmen.
Herausforderungen bleiben groß
Gleichzeitig zeigt der Bericht deutliche Probleme auf. Die Treibhausgasemissionen im Stadtgebiet stagnierten von 2023 auf 2024 – trotz eines langfristigen Trends sinkender Werte in den Vorjahren. Im Jahr 2024 wurden rund 130.000 Tonnen CO₂ mehr ausgestoßen, als es für einen fairen Konstanzer Beitrag zu deutlich unter 2 Grad menschengemachter Erderwärmung erforderlich wäre.
Auch politische Verzögerungen erschweren die Umsetzung der Klimaschutzstrategie. Mehrere wichtige Beschlüsse – darunter zu Parkgebühren, Kommunikationskampagnen und dem Klimamobilitätsplan – konnten 2025 nicht oder nur mit deutlicher zeitlicher Verzögerung getroffen werden.
Im städtischen Gebäudebestand zeigt der Bericht ebenfalls Handlungsdruck: Nur etwa 7 % der Gebäude im direkten städtischen Eigentum werden erneuerbar beheizt; im gesamtstädtischen Vergleich liegt der Anteil bei rund 10 %. Der Zubau von Photovoltaik bleibt stabil, aber zu gering, um die laut Klimaschutzstrategie angestrebten 150 MWp bis 2035 zu erreichen. Auch mit 150 MWp Erzeugungsleistung im Stadtgebiet müsste noch etwa die Hälfte des Stroms von außerhalb importiert werden.
Investitionen müssen steigen
Der Bericht verweist darauf, dass sich rund 80 % der Konstanzer Bevölkerung laut BürgerInnen-Befragung gleich viel oder mehr Klimaschutz wünschen. Dennoch stehen der Stadtverwaltung derzeit zu wenig Mittel zur Verfügung: Von angestrebten 20 Mio. Euro für 2025 wurden nur rund 11 Mio. Euro eingeplant; tatsächlich umgesetzt wurden aufgrund der Haushaltssperre weniger als 7 Mio. Euro.
European Energy Award bestätigt weiterhin hohes Engagement
Im European Energy Award konnte Konstanz seine bereits starken Vorjahreswerte erneut erreichen. Beim internen Audit 2025 erreichte die Stadt 76,4 Prozent der möglichen Punkte und überschritt damit weiterhin die Goldschwelle von 75 Prozent.
Positiv hervorgehoben wurden durch die eea-Beraterin Effizienzsteigerungen bei städtischen Gebäuden, die konsequente Umsetzung der Beschaffungsrichtlinie sowie das etablierte Klimaschutz‑Management in der Verwaltung.
Gleichzeitig mahnt der Award‑Prozess an, zentrale Maßnahmen – etwa den Ausbau erneuerbarer Energien und von Wärmenetzen oder die Umsetzung des Klimamobilitätsplans – deutlich zu beschleunigen, um die Klimaschutzziele zu erreichen.
Ausblick auf 2026
Für das Jahr 2026 setzt die Stadt klare Prioritäten: Die Schaffung von Rahmenbedingungen für den erfolgreichen Ausbau von Wärmenetzen, die Umsetzung des Klimamobilitätsplans sowie zusätzliche Maßnahmen für Gebäude in Gebieten ohne Wärmenetzanschluss. Der Klimaschutzbericht betont die Chancen, die ambitionierter Klimaschutz für Wirtschaft, Stadtentwicklung und Lebensqualität bietet.
Trotz aller Herausforderungen bleibt die Richtung klar: Konstanz macht Fortschritte – aber der Weg zur weitgehenden Klimaneutralität bis 2035 erfordert eine deutliche Beschleunigung.
Hintergrund zum Klimaschutzbericht
Der erste Klimaschutzbericht wurde dem Gemeinderat und der Öffentlichkeit am 23.01.2020 vorgestellt. Seitdem erfolgte die Berichterstattung gemäß den Konstanzer Klimanotstandsbeschlüssen halbjährlich, wobei für den Jahresbeginn ein umfangreicherer Bericht vorgesehen ist, der unterjährig durch einen Zwischenbericht ergänzt wird. Nun liegt der elfte Bericht vor. Seit dem fünften Bericht wird auf den Bearbeitungsstand der 61 Maßnahmen aus der Konstanzer Klimaschutzstrategie Bezug genommen, die im November 2021 vom Gemeinderat beschlossen wurde.
Stand jeder Maßnahme online einsehbar
Der jeweilige Bearbeitungsstatus der einzelnen Maßnahmen ist online unter https://klimaschutzbericht.konstanz.de einsehbar. Um den Status im Vergleich zum vorangegangenen Bericht anzuzeigen, muss man innerhalb der jeweiligen Maßnahme auf „Klimaschutzbericht öffnen“ klicken, der Status wird dann ausgeklappt. Mit der Plattform soll die Transparenz gegenüber Öffentlichkeit und Politik erhöht werden.
