Regelmäßige Kontrollen
Bei der jährlichen Sichtkontrolle werden die Stadtbäume visuell auf ihren Zustand hinsichtlich Vitalität, Anzeichen von Krankheiten, Schädlingen, mechanischen Schäden und strukturellen Problemen geprüft und beurteilt.
Solche Regelkontrollen sind nicht nur rechtlich verpflichtend sondern notwendig um Schäden und Schadsymptome an Bäumen frühzeitig zu erkennen und zielgerichtete Maßnahmen einleiten zu können, die sowohl den Anforderungen an die Verkehrssicherheit genügen als auch der Gesunderhaltung der Bäume dienen.
Dazu gehören z.B.
- Baumpflegemaßnahmen nach dem anerkannten Stand der Technik gemäß ZTV-Baumpflege, FLL 2017
- eingehende technische Untersuchungen von erhaltenswerten Bäumen mit gravierenden Defektsymptomen gemäß Baumuntersuchungsrichtlinie, FLL 2024
- gezielte Nachpflanzungen unter Berücksichtigung standortgeeigneter und stadtklimagerechter Baumarten
- Festlegung bedarfsgerechter Wässerungen der Jungbäume
Info: Was ist die ZTV-Baumpflege? Die ZTV-Baumpflege (Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen und Richtlinien für Baumpflege) ist das maßgebliche deutsche Regelwerk für fachgerechte Baumpflegearbeiten. Sie definiert Standards für Schnittmaßnahmen, Baumumfeldverbesserung und Verkehrssicherung, die oft als Basis für Ausschreibungen dienen. Als „anerkannte Regeln der Technik“ entspricht sie auch dem aktuellen Stand der Wissenschaft und den Erfahrungen aus der Praxis und gilt damit als Maßstab für fachgerechtes Arbeiten.
Für das Aufgabengebiet der Baumkontrolle beschäftigen die TBK speziell ausgebildete Fachkräfte mit langjähriger Erfahrung in der Baumpflege.
Bei der Kontrolle festgelegte Baumpflegemaßnahmen werden priorisiert und zeitlich gestaffelt vom Baumpflegeteam der TBK oder von externen Fachfirmen abgearbeitet. Diese Prozesse werden nahtlos und digital über eine zentrale und serverbasierte Cloud gesteuert und können über mobile Tablets von den ausführenden Teams abgerufen werden. Die Qualität der Arbeit wird durch den engen und wechselseitigen Austausch zwischen Administration, Baumkontrolle und Baumpflege sichergestellt.
Schon gewusst?: Alle städtischen Bäume sind in einem digitalen Baumkataster erfasst und einem Geoinformationssystem (GIS) verortet. Dort werden die Ergebnisse der turnusgemäßen Baumkontrollen sowie alle durchgeführten Maßnahmen einzelbaumbezogen dokumentiert.
Fachgerechte Baumpflege
Der Schwerpunkt der Baumpflege liegt für uns auf einem fachgerechten und schonenden Umgang mit dem Lebewesen Baum. Aus baumbiologischer Sicht stellt jeder Schnitt eine Verletzung für den Baum dar. Je nach Schwere des Eingriffs ist meist auch mit Folgen wie starker Neuaustrieb, Einbußen in der Vitalität oder dem Eintritt von holzzersetzenden Pilzen über die Schnittwunden zu rechnen. Deshalb werden Schnittmaßnahmen nur aus zwingenden Gründen ausgeführt, wie z.B. zur Herstellung der Verkehrssicherheit, der Erziehungspflege an Jungbäumen oder baumerhaltende Formschnitte an Kopf-Platanen oder –Weiden.
Unser Baumpflegeteam aus qualifizierten Baumpflegefachkräften verfügt über umfangreiche Kenntnisse in der Baumbiologie und langjährige Erfahrung im Umgang mit Stadtbäumen. Jeder Eingriff in die Baumsubstanz wird bezogen auf die physiologischen Anforderungen der Baumart und des Baumalters bewertet und entsprechend baumschonend ausgeführt.
Ein Großteil der Baumpflegemaßnahmen werden in Seilklettertechnik und mit einfachen Handsägen oder motorgestützten Akkusägen durchgeführt. Dadurch werden auch die äußeren Kronenpartien erreicht, so dass der Schnitt auf das jeweils notwendige Maß begrenzt werden kann. Außerdem beansprucht die Seilklettertechnik weniger Verkehrsraum, da keine Hebebühnen gestellt werden müssen.
Schon gewusst?: Jährlich führen die TBK rund 2.000 baumpflegerische Maßnahmen durch. Der größte Anteil fällt auf verkehrssichernde Maßnahmen wie z.B. Totholzentfernung, Lichtraumprofilschnitte zur Freihaltung des Verkehrsraumes, Teileinkürzungen zur Entlastung bruchgefährderter Kronen sowie Jungbaumpflege.

Baumschutz - Prävention statt Reaktion
Aufgrund der Zunahme an Stressoren wie Extremwetterereignisse, anhaltende Dürreperioden sowie ungünstige Standortbedingungen auf stark frequentierten Flächen ist zukünftig mit höheren Ausfallquoten und einer reduzierten Lebenserwartung von Stadtbäumen zu rechnen. Umso wichtiger ist es den Schutz von vitalen Bestandsbäumen sicherzustellen.
Wurzelschutz
Besondere Bedeutung kommt dem Wurzelsystem zu. Diese versorgen den Baum mit Wasser und Nährstoffen. Der Schutz des Wurzelbereichs vor Bodenverdichtung und bei Abgrabungen sind elementare Maßnahmen um die Gesundheit des Baumes zu gewährleisten. Dabei gilt die Faustregel: Je näher der Eingriff am Stamm liegt desto größer der Wurzelverlust und umso gravierender die negativen Folgen für den Baum. Schon bei oberflächigen Abgrabungen in einem Abstand von ca. 5 m zum Stamm können maßgeblich zur Wasser- und Nährstoffversorgung beitragende Wurzeln verloren gehen oder verletzt werden. Vitalitätseinbußen und erhöhter Pflegeaufwand sind dann vorprogrammiert (z.B. die Entfernung von Totholz über mehrere Jahre). Bei Starkwurzelverlust in einem Abstand von weniger als 2 m zum Stamm besteht darüber hinaus die Gefahr, dass der Baum nicht mehr ausreichend standsicher ist und aus der Verankerung kippen kann.
Info: Was ist eine Starkwurzel? Eine Starkwurzel ist eine verholzte Baumwurzel mit einem Durchmesser von mehr als 5 cm. In Stammnähe dienen Starkwurzeln primär der Verankerung des Baumes im Boden (Standsicherheit). Gleichzeitig dient sie dem Wasser- und Nährstofftransport und fungiert als Speicher für Reservestoffe. Starkwurzeln sind somit essenziel für die Stabilität und die Vitalität von Bäumen.
Sondermaßnahmen
Neben allgemeinen Standard-Pflegemaßnahmen führen die TBK fortlaufend Sondermaßnahmen zum Erhalt von stadtbildprägenden Groß- und Altbäumen durch, wie z.B.:
- Durchführung von Zugversuchen (Elast-Inclino-Methode, LINK) zur Überprüfung der Stand- und Bruchsicherheit von stark geschädigten Bäumen
- Durchführung von schalltomografischen Untersuchungen in Kombination mit einer Windlastanalyse zur Überprüfung des Höhlungsgrades im Stamm und Ermittlung der Bruchsicherheit von Bäumen
- Einbau spezieller Kronensicherungen und Rückverankerungssysteme zur Sicherung bruch- und kippgefährdeter Altbäume
- Jährliche Impfung der Alt-Ulmen zum Schutz gegen die Ulmenwelke
- Sonderkontrollen von stärker geschädigten Bäumen
- Zusatzkontrollen der Platanenbestände unter Einsatz von Hebebühnen oder Seilklettertechnik im Hinblick auf Massaria-Befall ->LINK auf https://www.julius-kuehn.de/media/Veroeffentlichungen/Flyer/Massaria-Krankheit.pdf
Info: Was ist ein Zugversuch? Ein Zugversuch an Bäumen ist ein zerstörungsfreies, ingenieurtechnisches Verfahren zur präzisen Überprüfung der Verankerungsfähigkeit eines Baumes im Boden und seiner Bruchsicherheit am Stamm. Dabei wird mittels eines Stahlseils und einer Winde eine kontrollierte Windlast simuliert, während Sensoren am Stamm die Dehnung und am Stammfuß die Neigung messen. Ziel ist es, über die gemessenen Reaktionen und die Windlast am Standort das Sicherheitsrisiko bei fragwürdigen Bäumen objektiv zu bestimmen.
Schon gewusst?: Allein durch baumstatische Untersuchung und baumsichernde Maßnahmen können in Konstanz jedes Jahr mehr als 30 Groß- und Altbäume erhalten werden, die ohne solche Maßnahmen aus Gründen der Verkehrssicherheit gefällt werden müssten.
Fachliche Unterstützung in behördlichen Belangen
Die TBK unterstützen die Stadtverwaltung baumfachlich bei der Organisation und Umsetzung behördlicher Aufgaben wie z.B.:
- Vorgaben zu Baumschutz auf Baustellen
- Beurteilung der Erhaltungsfähigkeit von Bäumen im Rahmen von Bauvorhaben
- Erkennen und Beurteilung von Problemstandorten mit Sanierungsbedarf
- Planung und Umsetzung von entwicklungsfähigen Baumquartieren in Verkehrsflächen