Tag des offenen Denkmals 2026

  
Die Infrastruktur unserer Region wird maßgeblich vom Bodensee bestimmt. Konkret der sog. "Grün-Blauen Infrastruktur" zugesprochen, ist der größte See am nördlichen Alpenrand seit alters her Wasserstraße innerhalb transalpiner Verkehrsverbindungen. Über den Austausch von Ideen und Erfahrungen, Handelswaren und Baumaterialien prägt er eine grenzüberschreitende Kultur und schafft eine gemeinsame Identität der Menschen rund um den See. Seine Gemeinden, egal ob in Deutschland, Österreich, der Schweiz oder auch Liechtenstein gelegen, sind Teil einer internationalen Bodenseeregion. Der See dient der Wasserversorgung für weit über die Region ausgreifende Großräume. Verstärkt seit dem Mittealter bestimmt er das Wirtschaftsleben und befördert seit dem 19. Jahrhundert ganz maßgeblich den Tourismus.

Stadtansicht von Nordwesten, Federzeichung, laviert, von J.B.Lob, 1806

  
Auch Konstanz als geographische und kulturelle Mitte der Bodenseeregion ist seit jeher auf das Wasser bezogen. Bereits ihre Gründung und frühe Prosperität verdankt die Stadt ihrer Lagegunst. Denn am Ausfluss des Rheins aus dem Obersee bot sich die Möglichkeit der komfortablen Rheinquerung.

Hafenhallen 1995, Foto: Jantzer

  
In Konstanz stehen Bauten und Anlagen direkt am Bodensee und am Seerhein im Mittelpunkt des diesjährigen Tags des offenen Denkmals. Bereits die Entwicklung der mittelalterlichen Stadt war auf die ausgedehnten Hafenanlagen mit Blick nach Osten über den weiten Obersee bezogen, wodurch der Ufersaum mehrfach verändert wurde. Der Seerhein, der den Ober- mit dem Untersee verbindet und über Jahrhunderte jenseits der Altstadt kaum befestigt war, gerät erst kurz vor 1800 so richtig in den Blick der Stadtentwicklung, wurde er doch Keimzelle einer insgesamt eher zurückhaltenden Konstanzer Industrialisierung.

  
Überhaupt: Am Seerhein ist der Wandel Prinzip.

Textilfabrik Herosé von Südosten, nach 1912
Bleiche und Wasserturm Foto: Stadt Konstanz

Wohl kein anderes Areal auf Konstanzer und angrenzender Wollmatinger Gemarkung hat in den vergangenen 250 Jahren vergleichbare Metamorphosen erfahren. Und so ist auch die Epoche rauchender Schlote textiler und chemischer Industrien, die am rechten Seerheinufer über 200 Jahre währte, lange schon zu Ende.

Wo früher Stoffe bedruckt, Zeltplanen gewoben und Holzessige destilliert wurden, finden sich heute Wohn- und „saubere“ Gewerbequartiere.

  
In zweiter Reihe entsteht derzeit das Europaquartier. Der kurz vor der Fertigstellung stehende Assisiturm ist Ausdruck aktueller Entwicklungsdynamik.

Schneckenburg neue Hofgärten, Stadt Konstanz
Ehem. Gasthaus Rheingarten, Foto: Stadt Konstanz

  
  
Innerhalb dieser Dynamik kommt den erhaltenen historischen Relikten, die mit der Schneckenburg bis in die Zeit barocker Landpartien zurückreichen oder mit Stromeyersdorf Schlaglichter auf die Konstanzer Industriegeschichte werfen, die Aufgabe wichtiger Identifikationsanker zu.

  
Längst als Kulturdenkmale erkannt, beherbergen sie gleichwohl zeitgemäße Nutzungen und führen die grundsätzliche Anpassungsfähigkeit historischer, auf Langlebigkeit angelegter Bauwerke vor Augen. 

Wessenbergschule nach der Fertigstellung 1968 mit Studentenwohnheimen und Schlachthof, Stadt Konstanz

  
  
Bei der am linken Seerheinufer gelegenen Wessenbergschule, Abschluss einer Folge von Verwaltungs- und Bildungsbauten der frühen Nachkriegsmoderne, ist die Zukunft hingegen offen. Nutzungsperspektiven für den bald schon leergezogenen Schulbau werden seit Jahren diskutiert, unter Beteiligung einer zunehmend breiten Öffentlichkeit.

  
Über die Denkmalpflege hinaus drehen sich die Diskussionen in Architektur und Städtebau seit Längerem um Begriffe wie Re-Use, Recycling und Upcycling

Dabei soll der bauliche Bestand im Bewusstsein der Ressourcenschonung umgenutzt, in Wert gesetzt, weitergebaut werden - auch als Antwort auf die ökologischen Krisen unserer Gegenwart.

  
In diesem Zusammenhang ist das Bodenseeforum Beispiel für die Umnutzung eines sehr jungen Gebäudes. Aus der nur kurzlebigen Produktionsstätte für Solarmodule wurde im Jahr 2016 ein städtisches Kongress- und Veranstaltungshaus sowie der Sitz der IHK Hochrhein-Bodensee. Die Aktivitäten rund um den Tag des offenen Denkmals treffen sich hier mit dem Sommerfest aus Anlass des 10jährigen Jubiläums.

Um 12.00 Uhr findet eine gemeinsame Eröffnung mit Oberbürgermeister Uli Burchardt statt und um 16.00 Uhr eine Podiumsdiskussion u.a. mit Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn - zu Kontinuitäten und Wandlungen am Seerhein.

    
Der Konstanzer Wasserbus verbindet das Bodenseeforum am Seerhein mit dem Hafenareal am Obersee, dem zweiten Hotspot des diesjährigen Tags des offenen Denkmals.

Kaufhaus am Hafen (Konzil), Stadt Konstanz
Gondelhafen mit Fähre KONSTANZ, Stadt Konstanz

  
Mittelalterlicher Stapelplatz vor dem großen Fernhandels-Kaufhaus, dem heutigen "Konzil", Verkehrsdrehscheibe und Trajekthafen des Industriezeitalters, BSB-Hafen und Flaniermeile der Gegenwart - mit diesen Begriffen lassen sich die Wandlungen des Konstanzer Stadthafens umreißen. Die älteste Binnensee-Automobilfähre, die den Sommer über im Stadthafen vor Anker liegt, erzählt uns vom maritimen Brückenschlag ans Nordufer des Bodensee im Jahr 1928 und der langen Tradition der tagtäglich von zahllosen Pendlern und Touristen genutzten Autofähre Konstanz-Meersburg.

 

Bethalle der Lorettokapelle, Stadt Konstanz
Krypta des Konstanzer Münsters, Foto: Ulrich Knapp

  

Tatsächlich lässt sich schon für das Mittelalter eine Fährverbindung zwischen Meersburg und Allmannsdorf-Staad belegen. Jakobspilger nutzen sie seit alters her auf ihrem Weg vom oberschwäbischen Ulm ins schweizerische Einsiedeln. Die Lorettokapelle auf dem Staaderberg mit ihrer kürzlich behutsam restaurierten Bethalle ist wichtige Wegmarke, das Konstanzer Münster mit seinen Heiligengräbern eine der Hauptstationen auf dem Pilgerweg, dem sog. Schwabenweg. Dieser ist Teil des länderübergreifenden Jakobsweges, der letztlich ein Netzwerk von Verbindungen mit dem Zielort Santiago di Compostela beschreibt. Und so passt es gut ins Jahresmotto, dass der Tag des offenen Denkmals mit einer musikalisch begleiteten Abendführung durch die Krypta und die Mauritiusrotunde des Münsters seinen Abschluss findet.
 

  
HINWEIS:
Ergänzend zum Programm bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ist auch das Konzil am Hafen (Hafenstraße 2) im Rahmen von Führungen geöffnet. Die Führungen finden um 15.30 und 17.00 Uhr statt. Treffpunkt ist am Haupteingang (Vorplatz beim Bahnübergang).

Lageplan für den Tag des offenen Denkmals in Konstanz

Hier finden Sie unseren Lageplan mit den geöffneten Denkmälern bzw. den Treffpunkten. 
  
  

pdfLageplan.pdf (938 KB)

Plakat

  
  
  
Hier finden Sie das Plakat zum Konstanzer Tag des offenen Denkmals zum Download.
  
  

Anmeldungen sind nur für folgende Besichtigungen erforderlich:

  
-  Reichenaustraße 13

-  Otto-Adam-Straße 5

-  Stromeyersdorfstraße 3 (Landesamt für Denkmalpflege, Osteologie)


Voranmeldungen bitte bis 11.09.2026
per E-Mail Carmen.Senn@konstanz.de oder telefonisch unter 07531/900-2767