Personen stehen auf einem Luftbild des Gebiets Hafner
Bei einem öffentlichen Infoabend Anfang Juni wurde der aktuelle Zwischenstand in der Planung präsentiert und diskutiert.

Eine neue Heimat entsteht

Ein Zwischenstand auf dem Weg vom Siegerentwurf zum Rahmenplan für den neuen Stadtteil Hafner (Juni 2019)

Anfang Juli hatten die Stadtverwaltung, die Planerbüros KCAP mit dem Büro für Landschaftsplanung Ramboll Studio Dreiseitl und den Verkehrsplanern von ARGUS sowie die STEG Stadtentwicklung GmbH im Rahmen eines Infoabends den aktuellen Zwischenstand der Planungen zur Heimat Hafner präsentiert. Für alle, die es nicht zur Veranstaltung geschafft haben, hier ein Überblick.

Was sind die charakteristischen Merkmale des Siegerentwurfs aus dem Wettbewerb gewesen?

Im Vergleich mit den anderen Entwürfen war es der Entwurf mit dem größten Innovationspotential. Der Stadtteil soll zukunftsfähig, an Veränderungen der nächsten Jahre anpassbar sein.

Wichtigstes Merkmal ist der Hafner-Ring, das "grüne Band" des Stadtteils. Hier stehen den künftigen Bewohnern Freiflächen und Spielflächen zur Verfügung, die – so der Ansatz der Planer – zum Teil auch von den Bewohnern selbst nach deren Wünschen gestaltet werden. Rundherum sind soziale Einrichtungen, wie Schulen, Kindergärten und ein Pflegeheim, angesiedelt. Das "grüne Band" wird durch einen Fahrradweg und die ÖPNV begleitet. Der weitere Verkehr im Gebiet soll zum Parken in Mobilitätsstationen gebündelt werden, die auch Serviceangebote wie beispielsweise Fahrradverleih, Carsharing oder Paketstationen bereitstellen. Für den Autoverkehr soll der Hafner von Norden her, von der L221 angeschlossen werden.

Die Durchmischung der Wohnungsangebote und damit auch der Bewohner entsprechend des Handlungsprogramms Wohnen ist dank unterschiedlicher Wohnformen gut umsetzbar. Rund 2.700 Wohneinheiten sind nach aktuellem Stand bei im Durchschnitt 3 bis 4 Geschossen eingeplant.

Was hat sich im Vergleich zum Siegerentwurf aus dem Wettbewerb bislang getan? Welche Anregungen sind aktuell bereits eingeflossen?

Im Mai 2019 erfolgte die Beauftragung der Planungsteams (KCAP Hamburg, Ramboll Studio Dreiseitl Überlingen, ARGUS Hamburg) mit der Erstellung des Rahmenplans auf Basis ihres Siegerentwurfs. Ein Schritt inklusive vertraglicher Verhandlungen, der rechtlich notwendig war. Seitdem sind die Fachleute mit der Überarbeitung des Entwurfs beschäftigt. Das geschieht anhand der Hinweise und Empfehlungen des Preisgerichts des Wettbewerbs und anhand von Anmerkungen der Teilnehmer von bisherigen Veranstaltungen, bei denen der Entwurf vorgestellt wurde.

 
Mit Blick auf drei Schwerpunktthemen – den Städtebau, die Grün- und Freiräume sowie das Stadtklima und die Mobilität – ergibt sich folgender Zwischenstand:

Städtebau

· Präzisierung und Differenzierung der Lage öffentlicher Einrichtungen sowie zur Nutzung der Erdgeschoss-Zonen am Hafner-Ring
· Kritische Überprüfung der Reihenhausbebauung am Hafner-Fuß und deren Reichweite in den Hang hinein
· Überprüfung der Lage des Quartierstreffs
· Prüfung von Optionen zur Erhöhung der städtebaulichen Dichte und zur Erhöhung der Anzahl von Vollgeschossen
· Schaffung einer höheren Flächeneffizienz

Grün- und Freiraum, Stadtklima

· Anpassung der normierten Sportanlagen an vorhandene Anforderungen
· Überprüfung der Größe des zentralen Grünareals um den Quartierstreff
· Prüfung eventueller Konflikte zwischen Sport- und Wohnnutzung

Mobilität

· Suche nach alternativen Lösungen zu Mobilitätsstationen südlich des Rings und zu Reihenhaus-Tiefgaragen
· Besondere Sorgfalt bei der Planung von Querungen über die Fuß- und Radwege entlang des grünen Rings

Konzeptionelles

Bisher wurden außerdem insbesondere folgende wesentliche Punkte konzeptionell überdacht und geprüft:
 
· Optimierung der Breite des Hafner-Rings und Definition einer Mindestbreite von 30 Metern (vergleichbar mit der Breite der Laube) und Variantenentwicklung hierzu
· Reduzierung der Bebauung am nördlichen Hafnerhang und Abrücken der Bebauung Richtung Hafnerfuß
· Prüfung der Abgrenzung des Gebietes in einigen Randbereichen und städtebaulicher Strukturen in Teilbereichen des Gebietes
· Entwicklung von Varianten für die Anordnung des Sportzentrums
· Stärkerer Einbezug des vorhandenen Baubestands in die Planung und Einbindung dessen in die städtebauliche Struktur
· Erarbeitung weiterer Varianten für eine etappenweise Entwicklung (Bauabschnitte)
· Prüfung von Lage, Dimension und Ausstattung der Mobilitätsstationen
· Entwicklung von weiteren Ideen zur Anordnung und Verteilung von wichtigen sozialen und öffentlichen Infrastrukturen entlang des Hafner-Rings

 
In der Veranstaltung Anfang Juni wurde ein Zwischenstand des Weiterentwicklungsprozesses präsentiert und mit den rund 80 anwesenden Teilnehmern diskutiert. Folgende Punkte waren dabei besonders im Fokus:

Worüber wurde an den Marktständen beim Infoabend am 4. Juni hauptsächlich diskutiert?

· Die Breite des Hafner-Rings: Vielfach wurden Zweifel geäußert, ob eine reduzierte Breite von 30 Metern ausreiche. Es bestand zudem die Befürchtung, dass der Charakter des Entwurfs und dessen Qualität durch einen zu schmalen Ring verloren ginge
· Erhalt möglichst vieler Biotope und Gehölzstrukturen
· Forderung nach weiterer Prüfung der Bebauung im Bereich des Hafner-Fußes
· Die Nutzung des Hafner-Hügels wurde kontrovers diskutiert (Gastronomie ja/nein), Konsens bestand für eine Entwicklung des Hafners als Landschaftsraum
· Kontroverse Diskussion über die passende städtebauliche Dichte und Geschossigkeit: Zum Teil gab es Befürchtungen, dass eine zu hohe Dichte entstünde, teils aber auch die Forderung nach hoher Flächenausnutzung und Dichte
· Energieversorgung und Baustoffe: Forderung nach nachhaltigen Lösungen
· Barrierefreiheit: Berücksichtigung von mobilitätseingeschränkten Personen, generell die Berücksichtigung der Belange von Senioren und Pflegebedürftigen im Entwurf bei Einkaufsmöglichkeiten, Wohnformen und Pflegeeinrichtungen
· Gute Anbindung des neuen Stadtquartiers an die restliche Stadt, insbesondere über den Bus und Radwege
· Überprüfung der Lage und Ausstattung der Mobilitätsstationen und Quartiersgaragen
· Diskussion der Verkehrsproblematik im Ortskern von Wollmatingen
· Anregung zur Berücksichtigung ausreichender Räumlichkeiten zur Begegnung sowie für Veranstaltungen interkultureller und interkonfessioneller Art
· Diskussion der Anteile von gefördertem und preisgedämpftem Wohnraum im Handlungsprogramm Wohnen

 
Für die Planer ist das Feedback aus der Veranstaltung eine wichtige Orientierung für weitere Überlegungen – denn der Planungsprozess ist noch nicht abgeschlossen.
 
Im Juli soll der aktuelle Stand zum Entwurf dem Gemeinderat vorgestellt werden. Am 26. September gibt es in öffentlicher Sitzung das Ergebnis im Gemeinderat, für einen Beschluss des Rahmenplans. Mit Beschluss der Rahmenplanung und den auf dieser Basis ermittelten vorläufigen Grundstücksendwerten gehen die Gespräche mit den EigentümerInnen in eine zweite Runde. Startschuss hierfür wird eine gesonderte Veranstaltung für Eigentümer sein. Für alle anderen Interessierten ist im 4. Quartal 2019 nochmals ein allgemeiner Infoabend mit einer Ergebnispräsentation zum Rahmenplan geplant.