Raum für die Entwicklung der Universität

Stadt und Universität informieren am 5. Juni 2019 um 19 Uhr im Audimax über den Bebauungsplan als Basis für Erweiterung

Der Bebauungsplan stellt die überbaubaren Flächen als Sondergebiet dar und definiert neben neben der Art auch das Maß der baulichen Nutzung durch überbaubare Flächen und Gebäudehöhen. Die geschützten Wiesenflächen und der angrenzende Wald werden rechtlich festgesetzt.

Der Grundstein für die Universität Konstanz wurde im Juni 1966 auf dem Gießberg gelegt. 1969 wurde mit dem Bau begonnen. Seitdem wurde die Universität baulich kontinuierlich weiterentwickelt. Der Campus war ursprünglich für 3.000 Studierende vorgesehen. Heute hat sich die Zahl der Studierenden bei rund 11.300 eingependelt. Dies ist eine für die Universität stimmige Studierendenzahl. Gemeinsam mit ihren 2.300 Beschäftigten – die Universität Konstanz ist die größte Arbeitgeberin der Region – nutzen somit derzeit 13.600 Personen sowie zahlreiche Gäste den Campus auf dem Gießberg. Für den wichtigen Ausbau in Forschung und Lehre besteht Raumbedarf. Dazu trägt – neben vielen weiteren Entwicklungen – auch der Erfolg der Universität im Rahmen der Exzellenzinitiative und des Nachfolgewettbewerbs, der Exzellenzstrategie, bei. Im September 2018 hatte die Universität eine Zusage für die Förderung von zwei Exzellenzclustern bekommen und daraufhin einen Vollantrag für die weitere Auszeichnung als Exzellenzuniversität eingereicht. Die Förderentscheidung wird am 19. Juli 2019 bekanntgegeben.
 
Änderung des Bebauungsplans von 1969 erforderlich
Für den Bereich der Universität existiert ein rechtsverbindlicher Bebauungsplan aus dem Jahr 1969. Dieser war Grundlage für die Erstellung der Universität und ihrer Erweiterungsbauten. Das im Bebauungsplan ausgewiesene Baufenster ist inzwischen nahezu vollständig bebaut und lässt weitere bauliche Entwicklungen nur noch sehr eingeschränkt zu. Für den Ausbau der Universität war deshalb eine Änderung des Bebauungsplans, mit Erweiterung der überbaubaren Bauflächen, erforderlich. Das Verfahren für das dafür notwendige Planungsrecht hat 2010 begonnen. Der ursprüngliche Aufstellungsbeschluss zu dem Bebauungsplan wurde im April 2011 gefasst. Aufbauend auf umfangreichen umweltfachlichen Untersuchungen für die notwendige bauliche Entwicklung wurde 2017 ein Masterplan erstellt. Der Masterplan wurde im Gestaltungsbeirat diskutiert und entsprechende Empfehlungen wurden in die Planung aufgenommen. Mit dem Bebauungsplanverfahren ist der Weg für die Erweiterung der Universität nun frei.
 

 

Der Masterplan stellt als städtebauliche Rahmenplanung die bauliche Entwicklung der Universität in drei Baufeldern dar. Die Vorschläge für eine bauliche Ausgestaltung folgt den Typologien des Bestandes. Quelle: Masterplan Universität Ferdinand Heide Architekt mit Die Landschaftsarchitekten Bittkau – Bartfelder + Ing. GbR
In einer so genannten „Raumwiderstandskarte“ ist farblich markiert, welche Flächen von besonderer naturschutzfachlicher Bedeutung sind (rot: sehr hoch, gelb: hoch). Aus dieser Karte wurde abgeleitet, welche Flächen für die bauliche Entwicklung infrage kommen.

Ökologische Aspekte bestimmen Masterplan
Der Uni-Campus ist eingebettet in den Grünzug Lorettowald, Hockgraben und Universitätswald. Diese Umgebung unterliegt unterschiedlichen Schutzkategorien. Wegen des herausragenden naturschutzfachlichen Wertes ist der Umgang damit im Bebauungsplanverfahren entsprechend sensibel, sprich Landschafts und Naturschutz geben die Rahmenbedingungen vor. Unter Beteiligung der Naturschutzverbände wurde bereits frühzeitig eine umfangreiche Bestandserhebung und Bewertung der Flora und Fauna durchgeführt. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse wurde eine Raumwiderstandskarte erstellt, welche die Entwicklungsräume in Einklang mit der Umwelt und dem Artenschutz aufzeigt. Der Geltungsbereich orientiert sich am „Masterplan Universität Konstanz“, der vom Landesbetrieb Vermögen und Bau Baden-Württemberg beauftragt und in Zusammenarbeit mit Stadt und Universität angefertigt wurde. Eine bauliche Entwicklung ist auf den bereits bestehenden Parkflächen Nord und Süd und im nordwestlichen Bereich um das Werkstattgebäude vorgesehen. Im Rahmen des bestehenden Bebauungsplans ist ferner ein Hörsaal, Seminar und Bürogebäude im Westen des Campus geplant. Hinzu kommt, dass die Gesamtheit aus Gebäudegruppe und umgebenden Frei und Grünflächen des Universitätscampus als Kulturdenkmal ausgewiesen ist. Das bedeutet, die Grundformation der denkmalgeschützten Universität und die Bestandsqualität bleiben erhalten. Zudem sind im Masterplan die Leitziele „Einbindung in die Landschaft“ und die „Weiterführung des Konzepts zur sogenannten Universität des Fußgängers“ festgehalten. Die naturschutzfachlichen und forstlichen Belange wurden im Rahmen eines naturschutzrechtlichen Gutachtens überprüft. Primäres Ziel ist, Eingriffe in den hochwertigen Naturraum so gering wie möglich zu halten. Da die erwähnten Parkflächen bereits asphaltiert bzw. bebaut sind, wird ein Großteil der neuen Baufläche auf bereits versiegelter Fläche entstehen
 
Erweiterung in drei Abschnitten
Aktuell hat der Hochschulkomplex auf dem Gießberg eine Nutzfläche von rund 120.000 Quadratmetern. Bis zum Jahr 2060 rechnet die Universität mit einem zusätzlichen Flächenbedarf von 55.000 Quadratmetern Nutzfläche. Dieser Entwicklungsraum ist die Grundlage, um weiterhin zukunftsweisende wissenschaftliche Schwerpunktprojekte in Konstanz verwirklichen zu können – zum Beispiel profilbildende Großprojekte im Rahmen der Exzellenzstrategie, neue Sonderforschungsbereiche und weitere Verbundforschungsprojekte, Forschungsvorhaben mit spezialisierter Infrastruktur sowie auch infrastrukturelle Rahmenbedingungen für moderne Lehre. Die Erweiterung soll in drei Abschnitten realisiert werden. Der erste Abschnitt (Fläche um das Werkstattgebäude) soll in den kommenden Jahren umgesetzt werden. Der zweite Abschnitt (Parkplatz Nord) ist bis zirka 2030 vorgesehen. Der dritte Realisierunsabschnitt (Parkhaus Süd) ist bis etwa zum Jahr 2060 anvisiert. Als erste Maßnahme soll der zentrale Außenbereich als verkehrsberuhigter Platz mit mehr Aufenthaltsqualität gestaltet und die Lage der Bushaltestellen angepasst werden.
 
Mobilitätskonzept wird erstellt
Ein wichtiges Thema ist der Bereich Mobilität, wofür derzeit ein Konzept erstellt wird. Hierzu wurde zunächst über eine Befragung das Mobilitätsverhalten der Studierenden und Beschäftigten der Universität analysiert. Aufbauend auf dem Masterplan werden Maßnahmen erarbeitet, die die Erreichbarkeit der Universität zukünftig auch sicherstellen sollen. Besondere Aufmerksamkeit wird auf die Stärkung des Umweltverbundes aus Fuß/Radverkehr und ÖPNV gelegt.
 
Frühzeitige Beteiligung und Infoabend
Die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit wird in der Zeit vom 20. Mai bis zum 21. Juni 2019 durchgeführt. Die Pläne und Unterlagen können in diesen Zeitraum beim Amt für Stadtplanung und Umwelt (Untere Laube 24, 5. OG, vor den Räumen 5.04/05) oder online unter www.konstanz.de/bauleitplanung eingesehen werden. Stellungnahmen zum laufenden Verfahren können bis zum 21. Juni abgegeben werden. Weitere Hintergrundinformationen (FAQs, Pläne, Zahlen und Fakten) bietet ein Informationsportal auf der Website der Universität unter uni.kn/bebauungsplan.
 
Infoabend am 5. Juni
Am 5. Juni informieren Stadt und Universität in einer Abendveranstaltung über das Planungsverfahren. Im Anschluss an die Öffentlichkeitsbeteiligung wird der Entwurf des Bebauungsplans erarbeitet. Der Billigungs und Auslegungsbeschluss ist für Oktober 2019 vorgesehen. Rechtswirksam wird der Bebauungsplan mit dem Satzungsbeschluss, der im Februar/März 2020 erfolgen soll Öffentliche Informationsveranstaltung zur Erweiterung des Bebauungsplans für die Universität Konstanz am Mittwoch, 5. Juni 2019, um 19 Uhr im Audimax (Raum A 600) der Universität Konstanz, Universitätsstraße 10. Alle interessierten Bürgerinnen und Bürger sind herzlich zu der Veranstaltung eingeladen