Begegnung schafft Inklusion

Im Rahmen der Reihe „Forum Inklusion“ sprach der städtische Beauftragte für Menschen mit Behinderung, Stephan Grumbt, mit KonstanzerInnen über das Thema „Begegnungen – der menschliche Umgang miteinander“.

Stephan Grumbt, Simon Finkbeiner, Vassilios Koutoulas, Juliane Winter, Thomas Keck, Yasin Amin und Klaus Nitz (von links) sprachen über Begegnungen und Respekt beim „Forum Inklusion“. (Bild: Stadt Konstanz/ Stei)

Wie können das Miteinander und der Austausch von Menschen mit und ohne Behinderung gelingen? Welche Voraussetzungen sind notwendig? Und was können die Stadt und die BürgerInnen dafür tun? Antworten darauf sucht Stephan Grumbt, der städtische Beauftragte für Menschen mit Behinderung, regelmäßig in der Reihe „Forum Inklusion“ mit seinen Gästen. In der Eingangshalle im Rathaus diskutierten die Teilnehmer am Mittwoch, 11. September 2019, über das Thema „Begegnungen – der menschliche Umgang miteinander“. Stephan Grumbt hattean diesem Abend den Vorsitzenden des Stadtsportverbandes Thomas Keck, die Schülerin Juliane Winter, Simon Finkbeiner vom Amt für Stadtplanung und Umwelt (ASU), Yasin Amin, Ergotherapeut und Rapper, sowie Klaus Nitz und Vassilios Koutoulas vom Kommunalen Ordnungsdienst (KOD) eingeladen.
 
Respekt ist grundlegend für einen guten Umgang miteinander. Dies wurde auf vielfältige Weise in der Talkrunde deutlich. Yasin Amin berichtete, dass er zu Beginn des neuen Schuljahres seinen Vertrag als Ergotherapeut an einer sonderpädagogischen Bildungseinrichtung immer noch nicht erhalten habe. Von mangelnder Rücksicht gegenüber dem Wohlbefinden und Eigentum anderer Menschen berichteten Klaus Nitz und Vassilios Koutoulas vom KOD. Von April bis jetzt haben sie 650 Ansprachen wegen Ruhestörungen, Müll, aggressiver Bettelei etc. getätigt. 30 Mal wurden die Mitarbeiter des KOD beleidigt, fünfmal davon auf aggressive Weise. Nitz und Koutoulas sprachen sich für mehr Fingerspitzengefühl im zwischenmenschlichen Kontakt aus.
 
Der respektvolle Umgang miteinander sollte schon von Klein an gefördert werden, betonte Yasin Amin, der auch von respektlosen Umgang im Berufsleben berichtete. Er selbst kam erst in seinem Freiwilligen Sozialen Jahr mit Menschen mit Behinderung in Berührung. „Es muss für Kinder ganz normal sein, etwas mit Menschen mit Behinderung zu unternehmen. Dafür muss man Möglichkeiten schaffen.“
 
Ein gutes Beispiel für Inklusion sei das Buddy-Sportabzeichen des Deutschen Olympischen Sportbundes für Menschen mit Behinderung, das Stephan Grumbt mit dem Turnverein Konstanz vor Ort initiiert hat. Ein Mensch mit und ein Mensch ohne Behinderung machten gemeinsam die Prüfung für das Deutsche Sport-Abzeichen. Die Schülerin Juliane Winter hat vier Wochen lang dafür mit ihrem Partner mit Behinderung trainiert. „Das war am Anfang komisch, aber es hat sehr viel Spaß gemacht“, erzählte die Schülerin. Sie schlug vor, diese Veranstaltung auch im Mannschaftssport durchzuführen. „Der Sport bietet viele Möglichkeiten, damit sich Menschen begegnen. Sport schafft Inklusion“, betonte Thomas Keck vom Stadtsportverband. Er wies jedoch darauf hin, dass man qualifizierte Übungsleiter und Trainer brauche, damit Vereine Inklusion auch leisten können. Als Beispiel führte Grumbt den Verein der Konstanzer Fahnenschwinger an, die 2016 mit dem Konstanzer Sport Award für ihre Inklusionsarbeit ausgezeichnet wurden. „Je mehr Verantwortung Vereine übernehmen, desto mehr Inklusion können wir erreichen“, sagte Thomas Keck. Er regte an, eine Liste mit Vereinsangeboten im Internet zu veröffentlichen.
 
Zur Sprache kamen auch die Räume, in denen Begegnungen stattfinden sollen. „Es ist eine Herausforderung barrierefreie Räume zu planen, die für alle eine gleichberechtigte, selbstständige Teilhabe am öffentlichen Leben bieten“, sagte Simon Finkbeiner vom ASU. „Der Teufel steckt hier oft im Detail. Deshalb ist es wichtig, die Nutzer so früh wie möglich zu beteiligen.“ Stephan Grumbt wies jedoch auch darauf hin, dass nicht immer alle Wünsche an die Freiräume erfüllt werden könnten. „Hier muss die Verwaltung auch offen erklären, warum es nicht geht.“
 
Als Abschluss der Talkrunde gab es noch eine musikalische Überraschung. Das Rap-Song „Kleine Stadt“ von Yasin Amin, das die Liebe zu Konstanz thematisiert, wurde als Video gezeigt. Bei Häppchen und Getränken konnten sich die Besucher im Anschluss austauschen.

(Erstellt am 12. September 2019)