150 Jahre Gasbelieferung

1869 bezog Kreuzlingen erstmals Gas aus Konstanz. An die spannende Geschichte der Geschäftsbeziehungen erinnerten die Technischen Betriebe Kreuzlingen (TBK) und die Stadtwerke Konstanz bei einem Treffen in Konstanz.

Gemeinsam stark: Vor 150 Jahren wurde erstmals Gas von Konstanz nach Kreuzlingen geliefert. An diesen Anlass erinnerten von den Technischen Betrieben Kreuzlingen (TBK) und den Stadtwerken Konstanz (von links) Maurizio Ditaranto (Technischer Leiter TBK), Dr. Norbert Reuter (Geschäftsführer Stadtwerke), Guido Gross (Direktor TBK), Michael Müller (Leiter Energienetze Stadtwerke), Andrea Ibach (Leiterin Vertrieb Stadtwerke) und Roland Haerle (Leiter Energiemarkt TBK). © Stadtwerke Konstanz

Es ist eine sehr gute, langjährige Geschäftsbeziehung: Vor 150 Jahren bezog Kreuzlingen erstmals Gas aus Konstanz. An diese stolze Jahreszahl erinnerten die Geschäftsführungen der Technischen Betriebe Kreuzlingen (TBK) und der Stadtwerke Konstanz bei einem Treffen an der Gas-Übergabestation in Konstanz. „Es ist wunderbar, wenn über eine Landesgrenze hinweg solche partnerschaftlichen Lösungen möglich sind“, freute sich Guido Gross, Direktor der Technischen Betriebe. Dem schloss sich Dr. Norbert Reuter, Geschäftsführer der Stadtwerke, an: „Wir nehmen dieses Jubiläum gerne zum Anlass, herzlich Dankeschön zu sagen für Ihre Treue zu den Stadtwerken.“

Es gibt vielfältige Beziehungen über die Grenze hinweg, so bei der Not-Wasserversorgung, beim Busverkehr und bei der Stromlieferung. Dennoch ist die erstmalige Gaslieferung vor 150 Jahren sehr bemerkenswert. Im Sommer 1869 begannen die geschäftlichen Beziehungen. In der Chronik der Stadtwerke Konstanz ist der Vertragsabschluss mit der Gemeinde Egelshofen-Kreuzlingen vermerkt. Dazu gibt es eine kleine Vorgeschichte, die Daniel Wilhelm in seinem Buch „Energie aus dem Paradies. Gasversorgung in Konstanz seit 1861“ vermerkt hat. Als in Konstanz darüber nachgedacht wurde, eine Gasanlage zu bauen, wurde die nahe Schweiz in die Überlegungen einbezogen. Am 6. Dezember 1860 schrieb Dr. Ludwig Binswanger von der Gemeinde Kreuzlingen an die Stadt Konstanz: „Das aus dem Schoße Ihres verehrlichen Rathes angehende Project der Einrichtung einer Gasbeleuchtung in Constanz hat auch die Bewohner unseres Nachbarortes Kreuzlingen aufgemuntert, an dieser neuen Schöpfung zu partizipieren…“ Er fragte daher, ob eine Beteiligung der Schweizer Seite erwünscht sei. Er versicherte, Kreuzlingen werde mindestens 80 Flammen abnehmen. Das Resultat war neun Jahre später der genannte Vertrag. 1875 gab es einen weiteren Vertrag mit den Schweizer Nationalbahnen. Später folgte die Gemeinde Emmishofen. „Die Schweizer Gemeinden wurden damit zu einem wichtigen Teil der Konstanzer Gasversorgung“, schreibt Daniel Wilhelm.

In den folgenden Jahren wurde die Gasleitung verlängert. Selbst durch den ersten Weltkrieg (1914-1918) wurden die Beziehungen nicht unterbrochen. Nach dem Krieg wurde die Zusammenarbeit sogar intensiviert. Beide Seiten profitierten, wie Daniel Wilhelm ausführt: „Die Schweiz bezahlte das von Konstanz erzeugte Gas in Schweizer Franken. Damit war es wiederum der Konstanzer Seite möglich, in der Zeit der Inflation nach dem Krieg über diese Deviseneinfuhr amerikanische Kohle einzukaufen und den Betrieb des Gaswerks aufrechtzuerhalten.“ Neben Geld floss zudem Milch: Mit den Milchlieferungen wurde die wirtschaftliche Not der Konstanzer Bevölkerung teilweise gemildert. Die Gasversorgung ist damit ein schönes Beispiel für die sehr engen Beziehungen zwischen den Menschen beider Grenzstädte.

In den 1920er-Jahren ging der Ausbau des Gasnetzes weiter. 1921 wurden Verträge über eine Ferngasversorgung mit Tägerwilen und Gottlieben geschlossen. Durch eine neue Hochdruckleitung wurden die Gemeinden am Untersee nach und nach erschlossen. „In Stein am Rhein wurden am Ende der Ferngasleitung zwei moderne Gashochdruckbehälter errichtet. Damit war Konstanz das erste städtische Gaswerk in Deutschland, das eine Stadtgas-Hochdruck-Speicheranlage besaß“, schreibt Wilhelm.

Dennoch wurde die Gaslieferung nach Kreuzlingen 1937 unterbrochen. Die Stadt verlängerte den Liefervertrag nicht mehr und bezog das Gas ab diesem Zeitpunkt aus Romanshorn. 1982 wurde aber ein neuer Vertrag mit den Stadtwerken Konstanz geschlossen. Seither kommt das Gas in Kreuzlingen wieder aus der Nachbarstadt. 2008 wurde der Vertrag mit den Schweizer Gemeinden den geänderten Rahmenbedingungen angepasst.

„Die TBK hatten über all die Jahre beim Gas keinen Versorgungsengpass zu verzeichnen. Die Gasversorgung von den Stadtwerken über die Grenze nach Kreuzlingen war immer zuverlässig“, berichtete Guido Gross. Für die TBK als größter Gasbezieher der Stadtwerke Konstanz spiele Gas auch zukünftig eine wichtige Rolle bei der Energieversorgung in Kreuzlingen. „gazenergie“ – der neue Auftritt der Schweizer Gasbranche – unterstreicht die Zukunftsfähigkeit von Gas. Erdgas, Biogas, Power-to-Gas, Gasleitungen als Energiespeicher, all dies sind Schlüsselelemente für eine nachhaltige und erneuerbare Energieversorgung in der Schweiz.