Was bedeutet das Klima-Plus-Szenario?

Der Konstanzer Weg zur Klimaneutralität

Grafik zum CO2-Absenkpfad des Klima- und des Klima-Plus-Szenarios
Die Grafik zeigt das CO2-Budget von Deutschland in Relation zu den Zielen der Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs. Bei einer linearen Absenkung der Treibhausgasemissionen bis 2050 würde Deutschland rund 10 Gigatonnen CO2 ausstoßen – zu viel, um das Pariser Klimaziel noch einhalten zu können. Daher ist ein Vorziehen der Klimaschutzziele auf die frühen 2030er-Jahre notwendig.

In der Frage, bis wann die Stadt Konstanz klimaneutral werden soll, hat der Gemeinderat am 11. März beschlossen, das vom Heidelberger ifeu-Institut (Institut für Energie- und Umweltforschung) erarbeitete und empfohlene „Klima-Plus-Szenario“ zu verfolgen. Ziel ist eine überaus schnelle Absenkung der Treibhausgasemissionen im Stadtgebiet bis 2035.

Wie kam es zum Beschluss?

In seiner Sitzung vom 23. Juli 2020 hatte der Gemeinderat den Beschluss gefasst, das Ziel der Klimaneutralität für die Stadt Konstanz schnellstmöglich erreichen zu wollen. Das ifeu-Institut wurde mit der Erarbeitung einer umfassenden Klimaschutzstrategie beauftragt. Diese wird aufzeigen, welche Maßnahmen seitens der Stadt und der Gesellschaft bis 2035 realisiert werden müssen, um einen ambitionierten und mit den Pariser Klimazielen (Begrenzung der globalen Erwärmung auf deutlich unter 2 °C) in Einklang stehenden Beitrag zur Reduktion der Treibhausgasemissionen zu leisten.

Drei Szenarien im Vergleich

Erarbeitet wurden als Grundlage für das lokale Handeln und das Hinwirken auf die übergeordneten Ebenen wie Land und Bund drei untereinander vergleichbare Szenarien zur weiteren Entwicklung der Konstanzer Treibhausgasemissionen. Das „Trend-Szenario“ zeigt auf, was ohne weitere Intensivierung der Klimaschutzbemühungen passieren würde: Die Absenkung der Emissionen würde viel zu langsam verlaufen, eine Einhaltung der Pariser Klimaziele würde klar verfehlt.

Das „Klima-Szenario“ wiederum legt dar, wie der Weg aussähe, wenn Konstanz sich dem bundesweiten verfolgten „Klimaneutralitätsziel 2050“ anschlösse. Bei einer linear verlaufenden Absenkung der Emissionen um etwa 95 Prozent bis zum Jahr 2050 zeigt sich jedoch auch hier: Die Einhaltung des Paris-Abkommens ist voraussichtlich nicht möglich, weil in diesem Szenario bis 2050 mehr CO2 ausgestoßen wird als er zur Einhaltung der Ziele zulässig wäre. Der Klimawissenschaftlicher Stefan Rahmstorf hat dargestellt, dass Deutschland ab 2019 noch etwa 7,3 Gigatonnen CO2 ausstoßen „darf“, um das Ziel einer Begrenzung des globalen Anstiegs der Temperaturen auf deutlich unter 2 °C zu erreichen. Im Klima-Szenario läge das bundesweit ausgestoßene Treibhausgasbudget von 2020 bis 2050, hochgerechnet auf alle Kommunen, jedoch bei knapp 10 Gigatonnen – und damit deutlich zu hoch.

Wesentlicher Faktor: das „CO2-Budget“

Der Weltklimarat (IPCC) hat berechnet, welche Menge Treibhausgasausstoß jeweils noch zulässig wäre, um die globale Erwärmung auf 1,5 °C bzw. auf 1,75 °C begrenzen zu können. Die Grafik zeigt: Vereinbar mit dem 1,5°-Ziel wäre das bis 2026 abgebildete Budget (Pastell; „vereinbar nach IPCC“ mit 50 %-Wahrscheinlichkeit). Ein 1,75°-Ziel könnte voraussichtlich noch erreicht werden, wenn das Budget von 2020 bis 2032 (Pastell und Rot) aufgebraucht wäre.

Da wir in der Vergangenheit weltweit und auch in Deutschland noch so hohe Treibhausgasemissionen verursacht haben, dass das „Restbudget“ viel schneller als in den bisherigen Klima-Zielsetzungen vorgesehen dezimiert wurde, ist ein „Vorziehen“ von Klimaschutzzielen von 2050 auf die frühen 2030er-Jahre notwendig. Daher wurde für Konstanz das „Klima-Plus-Szenario“ entwickelt, das bzgl. des verbrauchten Budgets etwa zwischen dem 1,5°- und dem 1,75°-Grad-Ziel liegt.

Im Klima-Plus-Szenario wird dargelegt, wie ein Absenkpfad aussieht, der davon ausgeht, dass Konstanz deutlich ambitionierter voranschreitet und dabei letztlich auch Bund und Land „mitzieht“. Dieser Pfad sieht eine überaus schnelle Absenkung der Emissionen im Stadtgebiet bis 2035 vor, wobei Maßnahmen außerhalb des Territoriums nicht angerechnet werden. Daher endet auch dieses Szenario im Gegensatz zu Städten, die beispielsweise bestimmte Kompensationsmechanismen anrechnen, nicht 2035 bei Null. Im Rahmen des Szenarios werden jedoch „Plus-Maßnahmen“ im Bereich der Kohlenstoffsenken ergriffen und Nachhaltigkeitsprojekte unterstützt. Diese schlagen sich zwar nicht direkt in der kommunalen CO2-Bilanz nieder, werden aber dennoch als förderlich für den Klimaschutz erachtet.