Ein Fährschiff in Winterkur

Normalerweise bringt sie unermüdlich Autos, Pendler und Touristen auf die andere Seeseite, immer im Einsatz, von Konstanz nach Meersburg und wieder zurück. Doch Fährschiff FS „Meersburg“ befindet sich momentan im Winterurlaub – oder vielmehr in Kur.

Michael Müllner vom Fährebetrieb neben dem riesigen Voith-Schneider-Propeller, der das Fährschiff auch quer fahren lassen kann.(Bild: SWK)

Denn jeden Winter werden alle Fährschiffe der Stadtwerke Konstanz nacheinander in die Winterüberholung geschickt. Das ist auch notwendig: 24 Stunden am Tag sind die Schiffe unterwegs, 365 Tage im Jahr. Zudem pausieren die Schiffe jeweils 15 Minuten zwischen den Fahrten von Konstanz nach Meersburg und wieder zurück, bevor der Motor wieder auf Touren gebracht wird – das beansprucht die Schiffe sehr.

Sicherheit ist das A und O
Michael Müllner vom Fährebetrieb der Stadtwerke erklärt: „Alles bis zum kleinsten Schräubchen wird auf Herz und Nieren geprüft, damit wir die Fahrgäste sicher und schnell über den See transportieren können.“ Dazu gehören der Motor, die Maschinentechnik, die Mechanik, die Hydraulik und die Elektrik. Rußpartikelfilter und Batterien müssen ausgetauscht, Feuerlöschpumpe und Klemmen kontrolliert werden. Diese Maßnahmen dauern circa drei bis vier Wochen pro Schiff.

Der einmal im Jahr stattfindende Kur-Aufenthalt ist aber nicht alles: Ungefähr alle acht Jahre werden die Fährschiffe zur Schiffswerft in Romanshorn (Schweiz) oder Fußach (Österreich) transportiert, wo das Unterwasserschiff begutachtet und gewartet wird. „Eine Landrevision kann dann schon mal länger dauern, ungefähr ein bis zwei Monate“, so Müllner.

Ohne Planung läuft nichts
Bevor es losgeht mit der Überholung eines Fährschiffs, steht die sorgfältige Planung auf der Tagesordnung. „Wenn wir anfangen zu arbeiten, müssen alle Ersatzteile da sein. Wir können nicht mittendrin feststellen, dass etwas fehlt, und dann Pause machen, bis das Ersatzteil da ist“, erklärt Müllner. Voith-Schneider-Propeller und Motor werden bei Ablauf der vorgesehenen Fristen zur Überholung ausgebaut und nach umfassender Revision wieder auf dem Schiff installiert.

„Wir kümmern uns fast komplett selbst um die Wartung unserer Fährschiffe“, sagt Michael Müllner. „Nur bei manchen Teilen, wie zum Beispiel beim Schiffspropeller, kommt ein Monteur von der Herstellerfirma und prüft, ob alles in Ordnung ist.“ Wenn der Propeller wieder voll einsatzfähig ist, wird er mit einem in der Halle installierten Kran hochgehoben und in den Boden des Schiffes eingesetzt. Anschließend schrauben die Mechaniker den Propeller fest. Das
Besondere an diesen Schiffspropellern ist, dass sie das Fährschiff in alle Richtungen fahren lassen können, also auch quer. Das macht einen zunächst stutzig – bis man sich die Einfahrt in den Meersburger Hafen in Erinnerung ruft: Um hineinzufahren, müssen die Fährschiffe um 90 Grad abdrehen können – mit den Propellern kein Problem.

Im Maschinenraum von FS „Meersburg“
Nach der Winterüberholung von FS „Meersburg“ ist FS „Kreuzlingen“ an der Reihe. Für dieses liegen schon alle neuen Materialien in Kartons auf Transportpaletten bereit: Batterien, Rußpartikelfilter, ein neuer Schaltschrank. „Im Prinzip wie in einer Wohnung, nur ein bisschen größer“, schmunzelt Müllner.

„Ein bisschen größer“ – ungefähr so groß wie ein Kleinwagen – ist auch der mächtige Motor im Schiffsbauch der Meersburg, an dem zwei Mitarbeiter des Fährebetriebs arbeiten. Ursprünglich haben die beiden den Beruf des Schlossers beziehungsweise des Werkzeugmachers gelernt, denn früher gab es den Beruf des Binnenschiffers noch nicht. Im engen Maschinenraum tauschen sie fachmännisch den Rußpartikelfilter am Schiffsmotor aus. „Die Fährschiffe waren die ersten mit diesen Filtern auf dem Bodensee“, erzählt Müllner stolz. „Heute ist das fast Standard.“ Nach einigen Schönheitskorrekturen zum Schluss ist es geschafft: Die Winterüberholung ist abgeschlossen. Für FS „Meersburg“ bedeutet das: Endlich wieder Leinen los und volle Kraft voraus!

(Erstellt am 18. Dezember 2020)