Bückleareal wird zum nachhaltigen Quartier entwickelt

Wohnen, Gewerbe, Dienstleistungen und öffentliche Flächen auf rund 70.000 Quadratmetern

Eine Visualisierung, die zeigt, wie Quartier in Zukunft aussehen könnte
Im Stadtteil Petershausen-West in Konstanz entsteht am ehemaligen Siemens-Areal an der Bücklestraße ein Quartier mit urbaner, gemischter Nutzung zum Leben und Arbeiten. (Visualisierung: i+R)

Im Stadtteil Petershausen-West entsteht am ehemaligen Siemens-Areal an der Bücklestraße ein Quartier mit urbaner, gemischter Nutzung: Wohnen, Gewerbe, Dienstleistungen und öffentliche Flächen mit Vernetzung mit den benachbarten Quartieren sowie ein attraktives Mobilitätskonzept sind die Basis für die Neuentwicklung der rund 70.000 Quadratmeter.

Mit den Beschlüssen für die Aufstellung des Bebauungsplans „Bücklestraße Süd, 1. Änderung“, der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit und des Energiekonzepts brachte der Konstanzer Gemeinderat die Quartiersentwicklung Bücklepark in der Sitzung vom 25. März 2021 auf den Weg. Für das nachhaltige Quartier sind insgesamt ca. 700 Wohnungen, gewerbliche Nutzungen und ein großzügiges Freiraumkonzept mit öffentlichen Wegen vorgesehen. Alle drei Anträge wurden vom Gemeinderat mit 37 Ja- zu 2 Nein-Stimmen beschlossen. Nach der Bürgerinformation vom 13. bis 16. Mai hatten die Konstanzerinnen und Konstanzer sowie die Träger der öffentlichen Belange vom 26. Mai bis zum 4. Juni im Rahmen der frühzeitigen Bürgerbeteiligung die Möglichkeit, Anregungen und Bedenken in Form einer Stellungnahme abzugeben. Nach Abwägung der Stellungnahmen und Ausarbeitung des Bebauungsplanentwurfs erfolgt im Herbst dieses Jahres der Billigungs- und Auslegungsbeschluss. Im Anschluss daran gibt es im Rahmen der Auslegung erneut die Möglichkeit zur Stellungnahme. Für die erste Jahreshälfte 2022 ist der Satzungsbeschluss vorgesehen, womit dann Baurecht für den Wohnungsneubau besteht.
 
Wohnungen, gewerbliche und öffentliche Nutzungen
Am Bücklepark sieht der Bebauungsplan insgesamt 700 Wohnungen vor: rund 500 Neubauwohneinheiten, davon etwa 310 frei finanzierte Eigentumswohnungen, 165 geförderte Wohnungen sowie ein Gebäude für eine Baugruppe. Die restlichen Einheiten verteilen sich auf Wohnungen für Studenten und Auszubildende sowie Businesswohnungen in Bestandsgebäuden. Bei der Nutzung der Shedhalle stehen Co-Working, kleinflächige Geschäfte für die Nahversorgung und Flächen für Kulturveranstaltungen sowie Vorträge im Vordergrund. Die Bestandsgebäude beherbergen künftig Büros, Praxen und nicht störende Produktionen. Im Turm sind Büros, Flächen für die Forschung sowie Businesswohnungen vorgesehen. Dort soll auch eine Kindertagesstätte mit attraktivem Außenbereich in enger Kooperation mit der Stadt Konstanz entstehen.
Grün- und Freiflächen
Das Anliegen der Stadt, bei der Entwicklung des Areals an der Bücklestraße auch für ein ausreichendes, grüngeprägtes Freiraumangebot zu sorgen, welches nicht nur dem neuen Quartier dient, sondern mit einem hohen Freiraumanteil eine Bedeutung darüber hinaus für den gesamten Stadtteil entfaltet, wurde in die Planung miteinbezogen. Rund 23.900 m² inkl. öffentliche Erschließung (ca. 34 Prozent der Gesamtfläche) stehen als öffentlicher Freiraum zur Verfügung.
 
Modernes Mobilitätskonzept
Das Mobilitätskonzept setzt auf ein attraktives Angebot an Mobilitätsalternativen zur Pkw-Nutzung. Die bereits vorhandene gute ÖPNV-Anbindung durch die Nähe zum Bahnhaltepunkt Fürstenberg und Zugang zu mehreren Buslinien an der Wollmatinger Straße wird durch mehrere kleinere Mobilitätshubs mit Carsharingstellplätzen und Leihfahrradangebot ergänzt.
 
Durch die Schaffung neuer Fuß- und Radwegeverbindungen in Ost-West- und Nord-Süd-Verbindungen wird das Gebiet mit der Umgebung vernetzt. So werden bestehende Infrastrukturen wie Kitas, Schulen und Einkaufsmöglichkeit für die Bewohner des neuen Quartiers attraktiv angebunden und umgekehrt auch die neuen Nutzungen auf dem Areal (z. B. Gastronomie, Kita, Arbeitsplätze) auch ohne Auto gut erreichbar.
 
Eine Paketstation direkt an der Bücklestraße bietet zudem die Möglichkeit, sich Paketsendungen direkt an den Wohn- bzw. Arbeitsort senden zu lassen, ohne vor Ort sein zu müssen und ohne weite Wege z. B. zur nächsten Postfiliale in Kauf nehmen zu müssen, welche dann evtl. sogar mit dem Pkw zurückgelegt werden würden. Zudem kann durch die mögliche Bündelung der Zustellung am Quartierseingang die Zustellungsfahrt des Paketboten reduziert werden.
 
Da insbesondere Formen gemeinsam genutzter Mobilität privilegiert werden (ÖPNV, Carsharing usw.), soll die Stellplatzzahl pro Wohnung auf deutlich unter im Durchschnitt 1 reduziert werden. Dies erscheint insbesondere aufgrund der Zentrumsnähe des Quartiers als realistisches Ziel.
 
Nachhaltiges Energiekonzept
Das Konzept sieht eine gemeinsame Wärmeversorgung des Wohnungsneubaus und der gewerblichen Bestandumnutzung vor, um die sich daraus ergebenden Synergieeffekte optimal nutzen zu können. Für die Wärmeversorgung ist ein Energieträgermix aus Holzpellets und Erdgas, sowie Abwärme aus dem Abwasserkanal und Umweltwärme (Geothermie) vorgesehen. Beim Bezug der Holzpellets wird angestrebt, diese von regionalen Pelletwerken zu beziehen, die zur Pelletherstellung ausschließlich Rohstoffe (Sägespäne) verwenden, die aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern und möglichst regionalem Holz stammen (Nachweis zum Beispiel durch das „PEFC-Siegel“ oder transparenter Nachweis, dass die Rohstoffe aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammen). Für die Ergänzung der Versorgung mit Strom werden die Dachflächen der Neubauten mit Photovoltaikanlagen zur Stromerzeugung genutzt.
 
Teil des Handlungsprogramms Wohnen
Die Fläche des Bückleparks ist Teil des städtischen Handlungsprogramms Wohnen. Grundlegendes Ziel des Handlungsprogramms ist es, langfristig bezahlbaren Wohnraum für Konstanz zu schaffen und die soziale Stabilität und Durchmischung innerhalb der neu entstehenden Quartiere zu sichern sowie die bauliche Qualität zu gewährleisten. Unterschiedliche Wohnformen für unterschiedlichste Zielgruppen fördern die angestrebte Generationenvielfalt und Mischung der Bewohnerstruktur für ein lebendiges Quartier. Neben mind. 30 Prozent gefördertem Wohnungsbau ist zum Erreichen dieser Vielfalt zwischen der Stadt Konstanz und der Vorhabenträgerin vereinbart, 5 bis 7 Prozent der im Neubau entstehenden Wohnflächen für Baugemeinschaften/Baugruppen zur Verfügung zu stellen.
 
Insgesamt entstehen 500 Wohnungen im Neubau, davon sind 165 Wohnungen im Cluster D. Von diesen sind ca. 140 gefördert und ca. 25 freie Mietwohnungen. Ein Gebäude im Cluster B ist für Baugruppen vorgesehen.

Der illustrierte Lageplan zeigt den Bebauungsplan im Detail als Grafik
Der illustrierte Lageplan zeigt den Bebauungsplan im Detail: Informationen zu Gebäuden, Grünflächen, öffentlichen Wegen, Tiefgaragen und Parkplätzen, Sharing-Angeboten für Bike und Auto. Insgesamt entstehen 700 neue Wohnungen, davon im Cluster B, C und D 500 Wohnungen incl. 1a. Das Areal ist gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden. In West-Ost-Richtung (von der Cherisy über die Rieterwerke Richtung Bahnhof / Zentrum Peterhausen) und Nord-Süd-Richtung (von Wollmatingen Richtung Seerhein mit geplanter Bahnunterführung) werden neue Fuß- und Radwegeverbindungen geschaffen und an die bestehenden Infrastrukturen wie Kitas, Schulen und Einkaufsmöglichkeiten angebunden. Alle Einrichtungen auf dem Areal werden gut ohne eigenes Auto erreichbar sein, wozu Car- und Bike-Sharing-Angebote zusätzlich beitragen. Fahrradabstellanlagen an den Wohngebäuden sorgen für kurze Wege innerhalb des Quartiers.

Ergebnis des städtebaulichen Wettbewerbs

In Abstimmung mit der Stadtverwaltung lobte die i+R einen städtebaulichen Wettbewerb aus, aus dem am 21.09.2018 der Entwurf der Arbeitsgemeinschaft Innauer/Matt, Gohm/ Hiessberger und Planstatt Senner als Sieger hervorging und zur Weiterbearbeitung vorgeschlagen wurde. Der Entwurf wurde entsprechend der Vorschläge aus dem Gestaltungsbeirat mehrmals überarbeitet. Zuletzt am 12.05.2021 zur Weiterentwicklung der Freiraumplanung und zur Fassadengestaltung. Die Entwicklung des Areals setzt sich aus den drei Bausteinen öffentliche Grün- und Freiflächen, Wohnen/Neubau und Gewerbe/Bestandsumnutzung zusammen. Während für die geplante Wohnnutzung im Neubaubereich eine Änderung des Planungsrechts notwendig ist, ist die größtenteils gewerbliche Umnutzung auf Grundlage der Planungen des Architekturbüros Johannes Kaufmann aus Dornbirn der zum Erhalt vorgesehenen, zum Teil denkmalgeschützten Bestandsgebäude auf Grundlage des aktuell gültigen Bebauungsplan schon teilweise in Umsetzung.