Abfallstatistik 2020

Abfallmengen, Abweichungen und Trends

Abfallstatstik 2020

Über 400 Millionen Tonnen Abfälle fallen jährlich in Deutschland an. Darunter fallen auch die Abfälle, die von den Entsorgungsbetrieben Konstanz (EBK) gesammelt werden. Die EBK sind für die Sammlung der sogenannten Siedlungsabfälle in Konstanz verantwortlich: Rest- und Biomüll, Altpapier, Gelber Sack, Altglas, Grünabfälle, Wertstoffe und Sperrmüll.
War das Jahr 2020, das in vielerlei Hinsicht besonders war, auch im Hinblick auf die in Konstanz angefallenen Abfälle ein besonderes Jahr? Die Abfallstatistik der EBK gibt darauf mehrere Antworten.

Im Jahr 2020: 429 kg Abfall pro Person
Im Jahr 2020 haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der EBK insgesamt 36.431 Tonnen Abfälle gesammelt. Das sind rund 450 Tonnen mehr als im Vorjahr. Im Durchschnitt hat jede Konstanzerin und jeder Konstanzer 429 Kilogramm Abfälle produziert – im Vergleich mit 2019 rund 5 Kilogramm mehr. Ist das eine besondere Schwankung? Eher nicht, denn die gesammelte Abfallmenge bewegt sich in Konstanz seit 2016 zwischen 420 und 430 Kilogramm pro Person. Der Zuwachs bezogen auf die Gesamtmenge entspricht nur 1% der Vorjahresabfälle.

Leicht unter dem deutschen Durchschnitt
Im deutschlandweiten Vergleich fallen in Konstanz etwas weniger Abfälle an, als vom statistischen Bundesamt angegeben werden: Die 429 Kilogramm Abfälle pro Person liegen unter der durchschnittlichen Abfallmenge der Deutschen, die im Jahr 2019 mit rund 457 Kilogramm Abfall pro Person verzeichnet wurde. Für das Jahr 2020 liegen die bundesweiten Zahlen noch nicht vor.
Die Ankündigung eines deutlichen Anstiegs der Abfallmengen im Corona-Jahr 2020 ist in Konstanz also nicht so eindeutig zu erkennen. Das fällt vor allem auf, wenn man die einzelnen Abfallmengen genauer in den Blick nimmt.

Abfallmengen: Zusammensetzung
Wie genannt, sammeln die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die EBK die sogenannten Siedlungsabfälle. Im Sinne der kommunalen Daseinsvorsorge sind die EBK für die fachgerechte Sammlung von Restmüll, Biomüll, Grünabfällen, Sperrmüll und Wertstoffen verantwortlich. Als privatrechtlicher Dienstleister übernehmen sie im Auftrag der Dualen Systeme die Sammlung der Gelben Säcke und den Betrieb der über sechzig Altglascontainer im Stadtgebiet. Das Altpapier nimmt an der Schnittstelle von Verpackungs- und Haushaltsabfällen eine Doppelrolle ein.

Restmüll: Nur 30% sind hier richtig
Die Restmüllmenge ist in den letzten Jahren so auch 2020 relativ konstant geblieben. Ein leichter Trend ist jedoch auszumachen und zwar ein leichter Zuwachs. 2020 wurden insgesamt 11.165 Tonnen Restmüll gesammelt, das sind 131 Kilogramm pro Person. 2014 waren es noch 127 kg pro Person.
Untersuchungen zeigen, dass in der Regel zwei Drittel dessen, was in der Restmülltonne landet, gar nicht dorthin gehört. Das sollte beim nächsten Gang zur Restmülltonne zum Nachdenken anregen: Ist wirklich alles, was in die Tonne geworfen wird, nicht mehr für den Wertstoffkreislauf zu gebrauchen? Im Fall von Windeln, Taschentüchern und Kehricht ist die Frage klar mit „Ja, das muss zur Verbrennungsanlage.“ zu beantworten. Bei Gläsern, Biomüll, Papier, Holz und anderen Wertstoffen ist eine andere Tonne oder der Wertstoffhof der richtige Entsorgungsweg.

Vermehrtes Koch- und Backvergnügen: Mehr Biomüll
Die gesammelte Menge Biomüll ist im Vergleich zu den Vorjahren um rund 400 Tonnen gestiegen. Das entspricht einer Gesamtmenge von 7.349 Tonnen beziehungsweise 87 Kilogramm Biomüll pro Kopf. Das sind pro Kopf 5 Kilogramm, das entspricht 6% mehr Biomüll als 2019. Der Anstieg des Biomülls lässt sich durch kaum etwas anderes als die Corona-Pandemie erklären: Die Schließungen der Gastronomie, das Homeoffice und die Kontaktbeschränkungen haben unmittelbar dazu gehört, dass vermehrt selbst gekocht und gebacken wurde. Dabei fallen natürlich auch mehr organische Abfälle an. Es kann auch gut sein, dass die Unsicherheiten, die zu mehr Lebensmitteileinkäufen geführt haben, dann doch überwunden, die gekauften Lebensmittel jedoch nicht rechtzeitig vor dem Verderben gegessen wurden.

Gelber Sack: Gegen den Bundestrend
Zahlreiche Schlagzeilen haben darauf hingewiesen, dass Corona zu mehr Verpackungsabfällen aus Plastik geführt habe. Die EBK können das für Konstanz nicht bestätigen. Entgegen dem bundesweiten Trend sind die Verpackungsabfälle, also die Gesamtmenge der Gelben Säcke in Konstanz nicht merklich gestiegen. Im Durchschnitt hat jeder Konstanzer und jede Konstanzerin etwa 25 kg sogenannter Leichtverpackungen – Verpackungen aus Plastik, Metall und Verbundstoffen – im Gelben Sack entsorgt. Das entspricht der Vorjahresmenge von 2019.
Die EBK erklären sich das mit der zeitweisen Schließung von Gewerbe und Gastronomie. Die Zunahme von Verpackungsabfällen im Privaten ist also eine Verlagerung. Sind die Verpackungen zuvor im Büro, im Gewerbe oder der Gastronomie und damit weitgehend unbemerkt angefallen, so wurden sie 2020 zu Hause in den Gelben Sack geworfen. Der eigene Gelbe Sack wird häufiger gewechselt, so werden die Verpackungsabfälle sichtbarer. Die Zunahme der Gelben Säcke im privaten Bereich hat aber bereits viele Konstanzerinnen und Konstanzer dazu angeregt, über Strategien zur Reduzierung und Vermeidung von Verpackungsabfällen nachzudenken.

Altpapier: Weniger Gewicht bei mehr Volumen
Die gesammelte Altpapiermenge beträgt für das Jahr 2020 rund 6.361 Tonnen. Das entspricht einer Menge von 72 Kilogramm pro Person und liegt 3 Kilogramm unter der gesammelten Menge pro Kopf 2019. Die EBK erfassen jedoch nur das Gewicht, nicht das Volumen des Altpapiers. Das Volumen stieg 2020 nämlich erneut merklich an, was vor allem durch die Zunahme des Onlinehandels zu erklären ist. Ein Versandkarton ist wesentlich leichter, dabei aber wesentlich größer als ein Stapel aussortierter Dokumente. Die Anzahl der Printprodukte wie Kataloge, Zeitungen und Prospekte ist weiterhin rückläufig, was den Rückgang des Gewichts erklärt. Die Zunahme an Versandkartons im Altpapier lässt sich an den häufigeren Fahrten der Müllfahrzeuge zum Ausladen gut nachvollziehen.

Altglas: Mehr Durst in der Pandemie?
Neben dem Biomüll verzeichnen die EBK vor allem bei der Menge des Altglas einen zweiten spürbaren Anstieg: 2.634 Tonnen Altglas wurden im Jahr 2020 gesammelt! Das sind im Vorjahresvergleich 117 Tonnen mehr. Auf die pro Kopf Menge bezogen hat jede und jeder Konstanzer damit 1 Kilogramm Altglas mehr in den Container geworfen als noch im Jahr zuvor. Beim Schmunzeln über den eigenen Durst zu Zeiten der Pandemie sei jedoch angemerkt, dass auch das Koch- und Essverhalten einen Einfluss hat auf das Altglas: Gemüse und Obst, Hülsenfrüchte, Soßen, Marmelade und Brotaufstriche werden ebenso in Gläsern gekauft und entsprechend in den Altglascontainern entsorgt.

Grünabfälle: Gartenabfälle in Grüncontainern
Grünabfälle, die bei der Gartenarbeit entstehen, werden in den im Stadtgebiet in zu bestimmten Terminen aufgestellten Grüncontainern und auf den Wertstoffhöfen gesammelt. Außerdem bieten die EBK auch einen Grünabfalltonnen-Service an, in denen Gartenabfälle gesammelt und zur regelmäßigen Abfuhr zwischen Mai und November bereitgestellt werden können. Die Menge an Grünabfällen hat sich im Jahr 2020 konstant bei 33 Kilogramm pro Kopf, beziehungsweise 2.792 Tonnen gesamt gehalten.

Wertstoffhöfe: Schließung und Besucheransturm
Die Zeit der Pandemie haben viele genutzt, um zu Hause auszumisten und etliche Dinge auf den Wertstoffhöfen zu entsorgen. An Spitzentagen haben die EBK Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bis zu 700 Besucherinnen und Besucher auf den Wertstoffhöfen dabei unterstützt. Andererseits waren die Wertstoffhöfe zu Beginn der Pandemie auch einige Wochen geschlossen, um Kontakte zu beschränken und den Betrieb der Müllabfuhr jederzeit aufrechterhalten zu können.
Wie hat sich das auf die Menge der auf den Wertstoffhöfen entsorgen Abfälle ausgewirkt? Die Menge an Sperrmüll liegt 2020 mit 1.141 Tonnen knapp 20 Tonnen unter der gesammelten Menge Sperrmüll von 2019. Die Menge an gesammelten Wertstoffen, das sind Holz, Metall, Elektroschrott, Kühlschränke, mineralische Stoffe und Hartkunststoffe, ist dagegen um 54 Tonnen auf 3.164 Tonnen gestiegen. Das erhöhte Besucheraufkommen nach der Schließung der Wertstoffhöfe hat also zu einem über das Jahr ausgeglichenen Wert bei der gesammelten Abfallmenge geführt.

Mehr Nachhaltigkeit: Abfallvermeidung und Abfalltrennung
Die Siedlungsabfälle, wie sie die EBK in Konstanz sammeln, machen nur etwa 15% aller Abfälle in Deutschland aus. Der Rest verteilt sich auf Gewerbe, Industrie, der Gewinnung von Bodenschätzen und den Bausektor.
Bei der angefallenen Menge von Siedlungsabfällen liegt Konstanz leicht unter dem bundesdeutschen Durchschnitt. Vor allem die prognostizierte Zunahme von Verpackungsabfällen während Corona ist in Konstanz nicht zu erkennen. Dagegen gibt es eine deutliche Zunahme bei Biomüll und Altglas. Die Konstanzerinnen und Konstanzer haben im Jahr 2020 also vermehrt zu Hause gekocht, gebacken, gegessen und getrunken.
Für Interessierte sind die Abfallstatistiken der EBK jederzeit im Open Data Portal der Stadt Konstanz (https://offenedaten-konstanz.de/) zu finden und bis ins Jahr 2014 zurück zu verfolgen.
Dass wir auf einem Planeten mit endlichen Ressourcen leben, wird bei der Entsorgung mehr als deutlich. Um nachhaltiger mit diesen Ressourcen umzugehen, ist die Abfallvermeidung ein wichtiger Beitrag. Denn nicht nur die Produktion unserer Konsumgüter, sondern auch deren Entsorgung erfordert einen hohen Energieaufwand.
Ist die Abfallvermeidung nicht möglich, so ist der Wurf in die richtige Tonne oder der Gang zum Wertstoffhof ein essenzieller Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit. Besteht Unsicherheit, wie ein bestimmtes Produkt korrekt entsorgt wird, hilft das Abfall ABC im Web (www.ebk-konstanz.de) oder die Abfallberatung der EBK persönlich. Denn nur gemeinsam kann Konstanz es schaffen, weniger Abfälle zu produzieren, die anfallenden Abfälle richtig zu entsorgen und so nachhaltig mit den endlichen Ressourcen unserer Erde umzugehen.