Hohe Aufenthaltsqualität mit Verbesserungspotenzial

Die Konstanzer Innenstadt stand im Fokus der Bürgerbefragung 2023

Eine Wolke aus verschiedenen Begriffen
Begriffe, die Befragte im Rahmen der Konstanzer Bürgerbefragung 2023 nannten, auf die Frage, was ihnen als erstes einfällt, wenn sie an die Konstanzer Innenstadt denken.

Die jährlich stattfindende Konstanzer Bürgerbefragung bietet BürgerInnen die Chance, sich zu bestimmten Themen und Entwicklungen der Stadtgesellschaft und ihrer Lebenssituation zu äußern. Sie wird seit 2008 von der Universität Konstanz in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung durchgeführt. Gemeinderat und Verwaltung erhalten damit wichtige Informationen, was die BürgerInnen bewegt. Die Ergebnisse der Befragung fließen direkt in die kommunale Planung ein. Die Stadt unterstützt das Kooperationsprojekt, das jetzt zum 16. Mal stattfand, finanziell und organisatorisch.
 
Im Mittelpunkt der Studie stand 2023 die Frage, wie die BürgerInnen die Konstanzer Innenstadt wahrnehmen, wie sie sie nutzen und wie oft sie sie besuchen. Untersucht wurde auch, mit welchen Verkehrsmitteln die Innenstadt erreicht wird. Zusätzlich konnten Befragte ihre eigenen Themen der Stadtentwicklung formulieren. Angaben zur Lebenszufriedenheit und Lebensqualität in Konstanz rundeten die Studie ab. „Der Fokus auf die Innenstadt ergab sich diesmal aus dem Smart Green City-Programm“, erklärt Monika Köhler vom Amt für Digitalisierung und IT. „Da die Konstanzer Bürgerbefragung langfristig angelegt ist, ist es nicht nur eine Momentaufnahme. Fragen aus vorigen Befragungen werden zum Beispiel wiederholt, um Entwicklungen herauszuarbeiten.“
 
Wahrnehmung der Innenstadt
Was kommt den KonstanzerInnen als erstes in den Sinn, wenn sie an die Innenstadt denken, die in der Studie als Bereich innerhalb des Altstadtrings (Obere und Untere Laube, Bodanstraße, Hafen) inklusive des Stadtviertels Stadelhofen definiert wird. Verschiedene Antwortvarianten ergeben ein gemischtes Bild: Viele Befragte denken positiv an die historische Altstadt und ihre Sehenswürdigkeiten wie die Marktstätte, das Münster oder den Stadtgarten, Einkaufsmöglichkeiten, den Hafen und den See. Aber auch negative Assoziationen wie Verkehrschaos, Überfüllung, Baustellen und Stau sind vertreten. Besonders die Menschenmengen und die Verkehrslage sind Themen, welche die Befragten negativ mit der Innenstadt verbinden.
 
Häufigkeit des Aufenthalts
Hat die Pandemie das Besuchsverhalten in puncto Häufigkeit verändert? Unabhängig vom Alter gibt die Mehrheit an, dass sich dies nicht verändert habe. Gerade die über 59-Jährigen besuchen die Innenstadt wie vor der Pandemie. Bei der mittleren und älteren Altersgruppe geben 30 % an, die Innenstadt seltener als zuvor zu besuchen, und 2 % geben an, die Innenstadt gar nicht mehr zu besuchen. Über alle Altersklassen hinweg halten sich die Befragten lieber im Winter als im Sommer in der Innenstadt auf. Ganzjährig sind die beliebtesten Aktivitäten in der Innenstadt das Einkaufen in Geschäften, das Bummeln und der Besuch von Restaurants und Cafés.
 
Qualität des Aufenthalts
Getreu dem alten Motto „Sauberer isch’s Konstanzerischer“ ist den Befragten (96 %) vor allem eine saubere Innenstadt wichtig. Auch eine ansprechende Gestaltung mit Pflanzen und Bäumen (92 %) und die Fußgängerfreundlichkeit (94 %) stehen hoch im Kurs. Und wie bewerten die Befragten die aktuellen Verhältnisse? 63 % sind mit der Fußgängerfreundlichkeit eher oder sehr zufrieden. Eher oder sehr unzufrieden schätzen die Befragten die Gestaltung der Innenstadt mit Pflanzen und Bäumen (44 %) sowie die Begrünung von Gebäuden ein. Über alle Altersstufen hinweg wird die Überfüllung der Innenstadt bemängelt. Sie hält auch eine Mehrheit vom Besuch ab. Sicherheitsbedenken spielten dagegen mit 1 % keine Rolle.
 
Infrastruktur
In Sachen digitale Infrastruktur sehen die Befragten Verbesserungsbedarf: Mit 78 % am häufigsten wird ein Bedarf an Echtzeitinformationen über den öffentlichen Nahverkehr und optimierte Verbindungsmöglichkeiten genannt. 63 bzw. 57 % nennen als Bedarf intelligente Verkehrsleitsysteme zur Optimierung des Verkehrsflusses und der Parkplatzsuche und flächendeckendes, öffentliches WLAN. Die Verfügbarkeit von öffentlichen Toiletten in der Innenstadt wird eher schlecht bewertet. Spiel-, Bewegungs-, Beschäftigungs- und Aufenthaltsmöglichkeiten für verschiedene Altersgruppen werden unterschiedlich bewertet. 42 % der Eltern geben zum Beispiel an, dass die Spielmöglichkeiten eher schlecht bis sehr schlecht sind.
 
Beliebte Plätze und Grünanlagen
Der Stadtgarten in der Konstanzer Innenstadt ist mit Abstand der beliebteste Platz, gefolgt vom Münsterplatz und Marktstätte. Eindeutig ist bei den Befragten ein Wunsch nach mehr Grünflächen sowie Sitz- und Ruhemöglichkeiten. Wenige Plätze werden von den Befragten gemieden, darunter vor allem der Bahnhofsplatz. Zu viel Verkehr, fehlende Naturelemente und Überfüllung werden als Gründe dafür angeführt. Der Bahnhofplatz erhält mit der laufenden Sanierung eine höhere Aufenthaltsqualität. Verbesserungspotenzial sehen die Befragten bei der Gestaltung und Nutzung der Laube und Klein Venedig. Mehr Sitz- und Ruhemöglichkeiten auch ohne Konsumzwang sowie Naturelemente und öffentliche Toiletten sind hier gewünscht. Grüne Freiräume um die Innenstadt werden altersübergreifend als sehr wichtig erachtet.
 
Erreichbarkeit der Innenstadt
Das Fahrrad ist ganzjährig das bevorzugte Verkehrsmittel für einen Innenstadtbesuch. An zweiter Stelle liegt der Fußverkehr. Je weiter entfernt die Befragten von der Innenstadt leben, desto mehr werden Auto und ÖPNV genutzt. Jüngere nutzen den Pkw sommers wie winters zu Besuchszwecken unterdurchschnittlich, die mittlere Altersgruppe nutzt den öffentlichen Nahverkehr weniger als die anderen Altersgruppen. Anreize, das Auto stehen zu lassen, wären für die Befragten günstigere Nahverkehrspreise und eine bessere Anbindung. Für die Umwandlung von Parkflächen werden am meisten Grünflächen befürwortet. Die Einstellung zur Stellplatzflächenumwandlung ist stark abhängig davon, ob der Pkw das bevorzugte Fortbewegungsmittel ist.
 
Handel, Gastronomie und Kultur
In der Innenstadt wird immer noch viel eingekauft – insbesondere Bekleidung sowie Bücher/Zeitschriften und Schreibwaren. Es stellt sich jedoch auch heraus, dass auch in Konstanz Onlineshopping das Einkaufverhalten in der Innenstadt maßgeblich beeinflusst. Bei der mittleren Altersgruppe geben zum Beispiel über die Hälfte (54 %) an, entweder die Innenstadt aufgrund von Onlineshopping seltener oder gar nicht mehr für Einkäufe zu besuchen. Mit den bestehenden Angeboten und Dienstleistungen sind die Befragten überwiegend zufrieden – außer in Bezug auf das Angebot von Clubs, Diskotheken und Bars. Auf die inflationsbedingt gestiegenen Preise reagieren viele Befragte durch Anpassungen im Konsumverhalten. Die KonstanzerInnen zeigen allgemein eine eher große Zufriedenheit mit dem kulturellen Angebot. Besonders beliebt sind der Gassenfreitag, das Stadtgartenfest, der Weihnachtsmarkt und die Fasnacht. Die meisten kritischen Bewertungen gibt es beim Seenachtfest. Von einem Teil der Befragten werden mehr Veranstaltungen im Stadtgarten, auf Klein Venedig und dem Münsterplatz gewünscht.
 
„All unsere Ideen“ – Wünsche der Befragten
In der Bürgerbefragung konnten die TeilnehmerInnen auch persönliche Vorstellungen für die Stadtentwicklung formulieren. Im interaktiven Wettbewerb der Ideen und Ziele ergibt sich, dass die Befragten vor allem günstigen Wohnraum und mehr sozialen Wohnungsbau für Konstanz wünschen. Danach folgen der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs mit besserer Verkehrsanbindung sowie das Schaffen von Grünflächen und Parks.
 
Lebenszufriedenheit
Die Lebenszufriedenheit in Konstanz ist weiterhin hoch. Nach einem Rückgang in den letzten Jahren ist sie jetzt konstant geblieben. Mehr als 80 % der Befragten sind voll und ganz zufrieden (30 %) oder eher zufrieden (52 %), in der Stadt Konstanz zu leben. Nur 12 % der Befragten geben „teils, teils“ und 5 % der Befragten „eher nicht“ oder „gar nicht zufrieden“ (4 bzw. 1 %) an. Die Lebensqualität in Konstanz wird von der überwiegenden Mehrheit der Befragten aus allen Stadtteilen als sehr gut bis überwiegend gut bewertet. Besonders hoch wird sie von Befragten aus Litzelstetten, Allmannsdorf, Dingelsdorf und Petershausen-Ost beurteilt. Am niedrigsten wird die Lebensqualität im Industriegebiet bewertet.
 
Eine digitale Version des Berichts gibt es unter www.statistik.konstanz.de.
 
 
 
Die Konstanzer Bürgerbefragung
Die Konstanzer Bürgerbefragung ist ein wissenschaftliches Projekt des Arbeitsbereichs „Empirische Sozialforschung mit Schwerpunkt Surveymethodologie“ und wird von Prof. Dr. Thomas Hinz geleitet. Sie wird seit 2008 im jährlichen Rhythmus durchgeführt und fand jetzt zum 16. Mal im Zeitraum vom 06.11.2023 bis zum 14.01.2024 statt. Die Ergebnisse beruhen auf der Online-Befragung von 1.845 Personen, die die Konstanzer Stadtgesellschaft repräsentieren. Die TeilnehmerInnen setzen sich aus online registrierten Personen aus früheren Befragungen zusammen (1.226) und neuen TeilnehmerInnen (619), die per Zufallsstichprobe aus dem Einwohnermelderegister eingeladen wurden, um Verluste im Panel der vorangehenden Befragungswellen auszugleichen. Um der bisherigen Unterrepräsentation von BürgerInnen mit ausländischer Staatsangehörigkeit entgegenzuwirken, wurden diese verstärkt in die Zufallsauswahl aufgenommen. Die Auswertungen werden hinsichtlich möglicher Unterschiede nach drei Altersgruppen (18–30 Jahre, 31–59 Jahre und 60 Jahre und älter) und nach Nachbarschaften (Stadtviertel) geprüft.

(Erstellt am 19. April 2024 11:18 Uhr / geändert am 17. Mai 2024 17:48 Uhr)