Zeitinsel: Anderen eine Auszeit ermöglichen

Infoabend und Vorbereitungskurs im Oktober

Drei Frauen beim Spazieren

Damit Menschen, die einen älteren Menschen betreuen und pflegen, eine Auszeit nehmen können, engagieren sich einige Konstanzer Frauen im Projekt „Zeitinsel“. Die Frauen vertreten die Angehörigen, wenn sie beispielsweise ein Wochenende lang verreisen möchten oder endlich einmal die Einladung zu einem Familienfest annehmen wollen. In dieser Zeit wohnt die Betreuerin der Zeitinsel bei dem älteren Menschen.
 
Organisiert und begleitet werden die Einsätze seit über 15 Jahren von der Abteilung Altenhilfe der Stadt Konstanz und dem Betreuungsverein des Sozialdienstes katholischer Frauen. Nun möchte sich die Zeitinsel-Gruppe vergrößern und sucht Frauen und Männer, die Zeit und Lust haben, sich in diesem Projekt zu engagieren.
„Aktuell gibt es sechs Zeitinsel-Frauen, die – abhängig von ihren persönlichen zeitlichen Möglichkeiten – insgesamt zwei bis drei Wochen über das Jahr verteilt im Einsatz sind“, erklärt Claudia Richter, Leiterin der Abteilung Altenhilfe. Sie hat das Projekt vor rund 15 Jahren initiiert, damals noch unter dem Namen „UrlaubsGastfamilien-Projekt“.
 
Bis jetzt war der Einsatz der Zeitinsel-Frauen immer ein Tag- und Nacht-Einsatz. Nun ist geplant, das Angebot zu erweitern, sodass die Familien auch nur einen Nachteinsatz nutzen können. Wichtig ist Claudia Richter vor allem eines: „Nein heißt Nein. Wenn eine der Frauen keine Kapazitäten hat, den Einsatz zu übernehmen, dann ist das in Ordnung. Jede soll sich wohlfühlen und nur das tun, wozu sie bereit ist.“ Das umfasst auch die Aufgaben bei dem jeweiligen älteren Menschen. Die Grundpflege (Waschen und Intimpflege) und den Haushalt müssen die Zeitinsel-Frauen nicht übernehmen. Es geht vor allem darum, den älteren Menschen durch den Tag zu begleiten und seine Versorgung in Vertretung des pflegenden Angehörigen sicherzustellen. Dazu gehören auch gemeinsame Spaziergänge, Spiele zu spielen oder bei einer Tasse Kaffee miteinander zu plaudern.
 
Was sollte eine Zeitinsel-Frau oder ein Zeitinsel-Mann mitbringen? Offenheit, Empathie, Flexibilität, aber auch Gelassenheit und Humor sind wichtige Eigenschaften. „Es ist eine Herausforderung, aber zugleich auch spannend, für eine kurze Zeitspanne das Leben eines anderen Menschen zu begleiten“, sagt Claudia Richter. „Wer sich darauf einlässt, für den ist dieses Projekt bereichernd und lebendig.“
 
Wer sich bereit erklärt hat, beim Projekt Zeitinsel mitzumachen, wird fortwährend begleitet. Nach einem ersten Treffen zwischen der Abteilung Altenhilfe und der Familie, die Unterstützung sucht, lernen sich bei einem weiteren Treffen die Zeitinsel-Frau / der Zeitinsel-Mann und die Familie kennen. Wenn sich beide sympathisch sind, steht dem Einsatz nichts mehr im Wege. Die jeweiligen Aufgaben und eventuellen Besonderheiten werden besprochen und der/die Zeitinsel-Mitarbeitende bestmöglich vorbereitet. Während der Zeit bei der Familie ist der/die Zeitinsel-Mitarbeitende versichert und wird anschließend für ihr bürgerschaftliches Engagement entlohnt. Nach dem Einsatz führt Claudia Richter sowohl mit der Familie, als auch mit dem/der Zeitinsel-Mitarbeitenden ein Feedback-Gespräch.
 
Wer beim Zeitinsel-Projekt mitmachen möchte, ist herzlich zum Vorbereitungskurs im Oktober bzw. November eingeladen. Erste Informationen dazu bekommen Interessierte beim Infoabend am Donnerstag, 14. Oktober um 18 Uhr im Seniorenzentrum für Bildung + Kultur oder telefonisch unter 07531/900-2472.
Der Vorbereitungskurs selbst wird von Marion Götz von der Abteilung Altenhilfe geleitet und findet an fünf Terminen statt: am 28. Oktober, 4., 18. und 25. November jeweils von 18 bis 20 Uhr sowie am 13. November von 10 bis ca. 14 Uhr. Der Kurs behandelt u.a. Älterwerden, Kommunikation und Demenz.

(Erstellt am 07. Oktober 2021 14:11 Uhr / geändert am 15. Oktober 2021 11:33 Uhr)