Emissionsfrei zur Vorlesung: HTWG entwickelt Ideen zur nachhaltigen Mobilität

Wie kommen „die HTWGler“ von ihrem Zuhause zum Campus? Warum kommen manche mit dem Auto statt mit der Bahn? Wie kann der Weg zur Partnerhochschule im Ausland umweltfreundlich zurückgelegt werden? Ein vom Land gefördertes Forschungsprojekt untersucht, wie die nachhaltige Mobilität von Studierenden, Lehrenden sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der HTWG gefördert werden kann.

Studierende und Lehrende der HTWG arbeiten zusammen, um die nachhaltige Mobiltät zu fördern (von links): Prof. Dr. Maike Sippel, Catalina Wild, Prof. Dr. Andreas Großmann, Franco Rose, Christina Friedrich, Lukas Steigerwald, Theresa Schmuker und Chiara Diegelmann. Bildquelle: HTWG

Nicht erst seit der Konstanzer Gemeinderat einstimmig den Klimanotstand ausgerufen hat ist das Thema nachhaltige Mobilität auf dem HTWG-Campus von Relevanz. Seit November vergangenen Jahres arbeitet ein Projektteam an der nachhaltigen Verbesserung der Mobilitätssituation an der Hochschule und damit in der Stadt Konstanz. Ziel ist die Entwicklung und Umsetzung von Ideen, die Studierende, Lehrende sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern motivieren, nachhaltige Fortbewegungsstrategien zu kultivieren. Das Besondere: Studierendenteams verschiedener Fakultäten sind bei der Konzeption eingebunden.  

Prof. Dr. Andreas Großmann, Professor für Verkehrswesen, und Prof. Dr. Maike Sippel, Professorin für nachhaltige Ökonomie und Senatsbeauftragte für Nachhaltigkeit, hatten sich erfolgreich für die Teilnahme an einem Ideenwettbewerb für den „emissionsfreien Campus“ des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst beworben. Das Ministerium fördert die Entwicklung eines Mobilitätskonzeptes unter dem Titel „mprove“ (angelehnt an das englische Verb improve – verbessern) mit 200.000 Euro. „Wir sehen in dem Projekt die Chance, den Campus und damit unser Lebensumfeld und den Alltag schöner zu gestalten und die Lebensqualität zu erhöhen“, sagt Prof. Dr. Maike Sippel. Noch dazu lasse sich über die Änderung alltäglicher Verhaltensweisen in Sachen Klimaschutz viel bewegen. Denn: „Wir wollen die Verkehrswende“, sagt Prof. Dr. Andreas Großmann. Ansatz des Landes-Projekts ist es schließlich, die Mobilität in Baden-Württemberg voranzubringen: „Sie soll möglichst emissionsfrei sein und das Klima schonen. Die Verkehrswende soll einen Beitrag zur gesünderen Luft, weniger Lärm und mehr Lebensqualität in den Städten leisten“, heißt es in der Projektausschreibung.
Ein Team aus Lehrenden, Mitarbeitenden und Studierenden koordiniert verschiedene Projekte innerhalb des Wettbewerbs. Zum Start hat das Projektteam mittels einer Online-Umfrage sowie einer Erhebung auf den Parkplätzen der HTWG Daten dazu gesammelt, mit welchem Verkehrsmittel „die HTWGler“ den Weg zum Campus zurücklegen.

Ein Ergebnis: Durchschnittlich verursacht jeder Hochschulangehörige 0,25 Tonnen CO2 im Jahr durch den Weg zum und vom Campus. Ein weiteres Ergebnis: Rund ein Viertel der Beschäftigten kommt meistens mit dem Auto. 40 Prozent der Autopendler leben im Umkreis von nur fünf Kilometern von der Hochschule entfernt. Für drei Viertel der Autopendler liegt eine Haltestelle des öffentlichen Nahverkehrs in weniger als einem Kilometer vom Zuhause entfernt. Warum nutzen sie dennoch das Auto an Stelle von Fahrrad, Zug, Bahn oder Bus? „Wir denken, dass der sogenannte letzte Kilometer eine große Rolle bei der Entscheidung spielt“, sagt Projektmitarbeiterin Christina Friedrich. Das heißt: Wer von Singen mit dem Zug an die HTWG kommen möchte, muss vom Bahnhof Petershausen oder vom Hauptbahnhof noch einmal das Verkehrsmittel wechseln oder zu Fuß gehen. „Hier könnte ein Ansatz sein, mit den Stadtwerken ein vergünstigtes Angebot für die Nutzung der Mietfahrräder „konrad“ und der Lastenfahrräder TINK sowie die Optimierung des Busliniennetzes ins Paradies zu erreichen“, sagt Christina Friedrich. Dafür, dass das Fahrrad als Verkehrsmittel aufgewertet wird, soll die Erhöhung der Anzahl sicherer Stellplätze und der E-Bike-Ladestationen angestrebt werden. Zum Beispiel beteiligen sich Studierende der Architektur an einem Ideenwettbewerb für einen Fahrradturm als Parkplatz, ein anderes Studierendenteam erarbeitet ein Konzept für eine „Mitfahr-App“ speziell für Hochschulangehörige, eine andere das Konzept zum Einrichten einer Fahrradreparaturwerkstatt.


Alle Hochschulangehörigen sind derzeit dazu aufgerufen, sich an der „Academic Bicycle Challenge“ teilzunehmen, einem internationalen Fahrrad-Wettbewerb für Hochschulen. Ziel ist es, innerhalb eines Monats, so viele Fahrradkilometer wie möglich zurückzulegen. Die Motivation ist groß: Trotz des bisher eher fahrradfahrerunfreundlichen Maiwetters steht die HTWG mit 18.800 gefahrenen Kilometern auf dem ersten Platz.


Auch Dienstreisen haben die Projektmitarbeiter unter die Lupe genommen – genauso wie die Reisen der Studierenden, die ein Semester im Ausland verbringen. Um sie zur Nutzung klimafreundlicherer Verkehrsmittel als das Flugzeug zu bewegen, sollen Reisestipendien vergeben werden. So könnten zum Beispiel Interrailtickets oder Übernachtungskosten bei einer verlängerten Anreisezeit finanziert werden. Bei Dienstreisen könnte eine CO2-Abgabe eine Hilfe sein, bei der Auswahl des Verkehrsmittels bewusster vorzugehen. Auch das Thema Parkraumbewirtschaftung, das ohnehin im vergangenen Jahr von der baden-württembergischen Landesregierung für Stellplätze im Landesbesitz beschlossen worden ist, wird im Zuge des Mobilitätskonzeptes der HTWG näher betrachtet.


Im Juni steht ein ganzer Tag im Zeichen der nachhaltigen Mobilität: Am 5. Juni wird auf dem HTWG-Campus ein vielseitiges Programm über Maßnahmen zu umweltfreundlichen Fortbewegungsstrategien informieren – von Informations- und Aktionsständen über E-Scooter-Testfahrten bis zum Science-Slam.
https://www.htwg-konstanz.de/hochschule/projekte/mprove/tag-der-nachhaltigen-mobilitaet/