Wohngeld – eine wichtige staatliche Sozialleistung

Das sind wir: Die Stadtverwaltung Konstanz stellt sich vor

Portrait von Petra Paulweber
Petra Paulweber

Bürgerinnen und Bürger, deren Einkommen nicht ausreicht, die Mietkosten zu tragen, können Wohngeld beantragen. Petra Paulweber bearbeitet im Sozialamt gemeinsam mit drei Kolleginnen die Anträge.
 
Nach dem Wohngeldgesetz können BürgerInnen mit geringem Einkommen einen staatlichen Zuschuss zur Miete oder zu den Kosten selbst genutzten Wohneigentums als Sozialleistung erhalten. Da sich das Mietniveau in den Städten und Gemeinden stark unterscheidet, gibt es sechs unterschiedliche Mietstufen, nach denen die Zuschüsse neben der Haushaltsgröße und dem vorhandenen Einkommen berechnet werden. „Konstanz ist beim Wohngeld aktuell in Mietstufe 6, das ist die höchste, eingestuft. Zum Vergleich: Singen ist in Stufe 4, Engen und Stockach in Mietstufe 3“, erklärt Petra Paulweber, die seit 2008 im Sozial- und Jugendamt Anträge auf Wohngeld und Wohnberechtigung bearbeitet. Diese Mietstufen-Einordnung hat Auswirkungen auf die Wohngeld-Berechnung. So wird bei einem Drei-Personenhaushalt in Konstanz eine maximale Miete bis zu 753 Euro berücksichtigt.
 
1.519 Anträge auf Wohngeld sind 2018 im Sozial- und Jugendamt eingegangen. Davon wurden 937 Anträge genehmigt. Die Wohngeldausgaben betrugen vergangenes Jahr insgesamt 1.067.959 Millionen Euro. „Chancen auf Wohngeld hätte zum Beispiel eine Einzelperson, die weniger als 1.010 Euro Einkommen und eine Miete von mehr als 522 Euro hat“, sagt Petra Paulweber. Ob jemand berechtigt ist, prüft sie genau. Die Höhe des Gesamteinkommens des Haushalts wird erfasst, ebenso die Zahl der Haushaltsmitglieder und die Miethöhe. Ein Programm rechnet dann individuell auf die Einkommenssituation bezogen die Höhe des Wohngelds aus. Grundsätzlich wird das Wohngeld für eine Dauer von zwölf Monaten bewilligt, dieser Zeitraum kann auch im Einzelfall sowohl kürzer als auch länger ausfallen. Das hängt zum Beispiel von Änderungen des Einkommens oder der Zahl der Haushaltsmitglieder ab. „Wenn ein Kind in die Ausbildung wechselt und Geld verdient, steigt das Gesamteinkommen des Haushalts und muss neu bewertet werden“, sagt Petra Paulweber. Sie warnt eindringlich davor, Änderungen nicht zu melden, denn „man ist gesetzlich zur Meldung von Änderungen verpflichtet.“ Im schlimmsten Fall kann es zu einer Strafanzeige wegen Betrugs führen, wenn man schon bei der Antragstellung unwahre Angaben gemacht hat. Wenn dies während des Bewilligungszeitraums geschieht, kann es zur Einleitung eines Bußgeldverfahrens führen. Außerdem gibt es einen Rückforderungsbescheid. „Wir bekommen viermal im Jahr einen Datenabgleich vom Bundesamt für Finanzen und können so sehen, wenn sich die Einkommensverhältnisse geändert haben.“ Das ist zum Beispiel bei Renten, geringfügigen und sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen, Leistungen vom Jobcenter, Zinsen u.a. der Fall.
 
Keine Berechtigung auf Wohngeld haben Personen, die vom Jobcenter Arbeitslosengeld II und Sozialgeld oder vom Sozial- und Jugendamt Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung erhalten. Wer unsicher ist, ob er für Wohngeld infrage kommt, kann bei den jeweils zuständigen Sachbearbeiterinnen eine fiktive Wohngeldprüfung anfragen.
 
Ein weiteres Werkzeug, einkommensschwache Menschen in Sachen Wohnraum staatlich zu unterstützen, ist die Wohnberechtigung. Sie wird benötigt, um eine geförderte und gebundene Sozialmietwohnung beziehen zu können. Ein Anspruch auf eine Wohnung wird damit aber nicht hergestellt. Ob man einen Wohnberechtigungsschein bekommt, hängt von der Höhe des Einkommens ab. „Schwangere, Alleinerziehende mit einem oder mehreren Kindern, Rentner, Familien mit mehr als drei Kindern, Bezieher von Sozialhilfe oder Rollstuhlfahrer gehören unter anderem zu dem Personenkreis, der unterstützt werden soll“, erklärt Petra Paulweber. 2018 sind 1011 Anträge eingegangen, 853 wurden bewilligt. „Wir prüfen die Höhe des Einkommens und auch, ob in Zukunft Einnahmen zu erwarten sind.“ Ihre Arbeit übt Petra Paulweber auch nach über zehn Jahren immer noch gerne aus. „Es macht Spaß, den Menschen zu helfen und sie in ihrer Lebenssituation zu unterstützen.“
 
Anträge auf Wohngeld und Wohnberechtigung findet man online unter https://service.konstanz.de oder direkt bei der Informations- und Servicestelle im Sozial- und Jugendamt, Benediktinerplatz 2. Auf Anfrage schicken sie Petra Paulweber und ihre Kolleginnen gern auch zu.