Luftaufnahme von Konstanz
Bild: Achim Mende

Grün in Konstanz

Freiräume und Schutzzonen für eine hohe Lebensqualität

Aufgrund der schönen Landschaft und der Lage am See hat sich in Konstanz schon früh eine Sensibilität für den Schutz der Natur entwickelt.

Zur Schärfung des Bewusstseins trugen allerdings auch schmerzliche Erfahrungen und teure Lernprozesse bei. Vor allem die Zufuhr an Phosphaten belastete den See in den 1960er und 1970er Jahren so stark, dass nur ein konzertiertes und jahrelanges Engagement aller Bodensee-Anrainer das „Umkippen“ des Öko-Systems verhindern konnte.

Älteste Naturschutzgebiete
Dennoch ist unbestreitbar, dass die Vorfahren in Punkto Naturschutz in einigen Bereichen Pionierleistungen erbracht haben, die dann als wertvolles Erbe weiter entwickelt werden konnten. Mit dem Naturschutzgebiet Wollmatinger Ried und mit dem weit weniger beachteten, aber dennoch wichtigen Naturschutzgebiet Mooswiese sind seit über siebzig Jahren Naturschutzgebiete auf der Gemarkung Konstanz ausgewiesen, die zu den ältesten Naturschutzgebieten in ganz Baden-Württemberg gehören. Das Wollmatinger Ried wurde bereits 1930 zunächst für fünf Jahre unter Schutz gestellt, später wurde der Schutz erweitert.
Es handelt sich dabei nicht nur um die bedeutendsten Naturschutzgebiete im Landkreis Konstanz, sondern um Feuchtgebiete mit europaweiter internationaler Bedeutung. Diese kommt beispielsweise dadurch zum Ausdruck, dass dem Wollmatinger Ried seit über 20 Jahren das Europa-Diplom verliehen wird.
 
Rund 60 % geschützte Fläche
Gerade Konstanz konnte in den letzten Jahrzehnten viel von einer größeren Sensibilität für den Naturschutz profitieren. So sind heute 14% der Gemarkungsfläche von insgesamt 5.410 ha als Naturschutzgebiet oder als Naturdenkmal ausgewiesen und 31% als Landschaftsschutzgebiet. Bei 85 Hektar handelt es sich um Geschützten Grünbestand, den die Stadt Konstanz in eigener Zuständigkeit ausgewiesen hat. Dazu kommen die Waldflächen und die sogenannten §24a-Biotope. Mit dem veränderten Naturschutzgesetz seit werden seit 1992 besonders wertvolle und gefährdete sowie besonders geschützte Biotope unter Schutz gestellt. Zählt man diese Zahlen zusammen, so zeigt sich, dass rund 60% der Stadtgemarkung, d.h. rund 3.250 Hektar unter gesetzlichem Schutz stehen.
 
Verbindenes Freiraumkonzept
Aufgrund des hohen Anteils an Schutzgebieten hat der sorgsame Umgang mit Siedlungsflächen für Konstanz traditionell eine hohe Bedeutung. Dabei wurde erkannt, dass eine verdichtete Wohnbebauung nur dann zu einer qualitätsvollen Stadtentwicklung beitragen kann, wenn es um ein entsprechendes Freiraumkonzept ergänzt wird, das durchgehende Grünstrukturen aufweist, die den Innebereich mit dem Außenbereich verbinden. Dazu zählen Grünzüge, die vorwiegend Erholungsfunktion für die Bevölkerung besitzen, aber auch lokalklimatische Ausgleichsfunktionen haben, sowie Grünachsen als Zugänge in die freie Landschaft. Urbane Dichte und attraktive Freiräume schließen sich damit nicht aus, sondern ergänzen sich zu einem Gesamtensemble mit hoher Lebensqualität. Das Ergebnis: Konstanz ist trotz seiner kompakten Strukturen eine überaus grüne Stadt, die über eine gute Versorgung mit Grünflächen und Erholungsräumen verfügt. Die Kernstadt ist gut mit der freien Landschaft und dem Bodenseeufer verzahnt.
 
Kurze Wege ins Grüne
So liegt die maximale Entfernung aus dem innerstädtischen Bereich in die freie Landschaft bzw. zum See bei rund 1.000 Metern, das entspricht einer Gehzeit von lediglich 12 - 15 Minuten. Diese kurzen Wege sind insofern bedeutend, als ein sehr hoher Anteil an der Gemarkungsfläche für die Erholung geeignet ist, angefangen bei den stadtnahen Erholungswäldern Lorettowald, Universitäts- und Mainauwald bis hin zu den Erholungsräumen Hohenegghalde, Tabor, Hafner, Öhmdwiesen, Bettenberg und Tägermoos für die Kernstadt sowie weiteren wichtigen siedlungsnahen Erholungsräumen für die Ortsteile. Die Bedeutung von Erholungswald und Erholungsflur in Stadtnähe liegt auf der Hand: sie stellen ein attraktives Angebot dar und können bei einer engen Verzahnung zwischen Freiraum und Stadt innerstädtische Parkanlagen ergänzen oder sogar kompensieren.
Trotz dieser günstigen Situation für Konstanz hat man auch auf die Pflege innerstädtischer Grünflächen und Parkanlagen als wichtige Bestandteile des Stadtgefüges großen Wert gelegt, denn öffentliches Grün trägt ganz wesentlich zur Lebensqualität und Attraktivität eines Stadtteils bei. Sei es für die Feierabenderholung, für einen kurzen Spaziergang an die frische Luft oder den Ausflug mit Kindern: Sie bieten eine wichtige Aufenthaltsqualität für alle Teile der Bevölkerung. Der Palmenhauspark, der Herosé-Park und die Grünfläche zwischen neuer Rheinbrücke und Europahaus zeigen anschaulich Möglichkeiten einer attraktiven Grünflächengestaltung in der Stadt. Auch Neu- und Nachpflanzungen von Bäumen spielen eine große Rolle: jährlich setzen die Technischen Betriebe 150 bis 200 neue Bäume im Stadtgebiet ein. Allein seit dem Jahr 2000 pflanzten sie 3.540 neue Bäume, 1.840 mussten sie fällen.
 
Promenade mit hoher Qualität
Für die "Stadt zum See" spielt auch die Berücksichtigung des Bodenseeufers eine wichtige Rolle bei der Flächennutzung. Das Seeufer ist eines der meist genutzten Naherholungs- und Freizeitgebiete der Stadt und wird von Bürgern und Touristen gleichermaßen genutzt. Durch die halbinselartige Lage verfügt die Gemarkung Konstanz über eine ca. 31 km lange Uferstrecke. Davon sind 18 km als Promenade für die Öffentlichkeit begehbar. Und auch die Qualität stimmt: Während am gesamten Bodensee nur noch rund ein Drittel des 273 km langen Ufers als "naturnah" bezeichnet werden können, besitzen 46% der Konstanzer Ufer eine "hervorragend bis sehr gute" und 20% eine "gute bis noch gute" Qualität.
Weiter entwickelt wurde auch der Schutz zahlreicher Flachwasserzonen, die als "atmende Seefläche" den wichtigsten und biologisch vielfältigsten Lebensraum des Sees darstellen. Insbesondere mit der Unteren und Oberen Güll im Bereich des Obersees wurden die größten und bedeutendsten Flachwasserzonen des Sees geschützt.
 

Die Pflege der Stadtbäume

Neue Park- und Straßenbäume haben bereits eine Geschichte hinter sich: Die Bäume werden rund zehn Jahre in der Baumschule gezogen und mit einer Höhe von etwa drei bis fünf Meter verpflanzt. Damit diese Bäume auch noch in 100 Jahren stehen, müssen die Standorte sorgfältig gewählt werden. Sie werden bereits bei der Planung eines Baugebietes oder einer Straße in entsprechender Größe festgelegt. Faktoren wie Straßenbau, Leitungs- und Kabelverlegung, hoher Flächendruck, Erwärmung versiegelter Flächen aber auch der Klimawandel macht den Bäumen zu schaffen. Entgegenwirken kann man dem nur mit möglichst guten Standortbedingungen und regelmäßiger Pflege. Dafür investiert die Stadt jährlich über eine halbe Million Euro.

Zahlen, Daten, Fakten

Gesamtfläche ohne Tägermoos (1,7 Quadratkilometer) 54,1 Quadratkilometer, davon:

· 66% Landwirtschafts- und Waldfläche 35,8 Quadratkilometer;
·12% Wohnbaufläche 6,5 Quadratkilometer;
·8% Verkehrsfläche 4,4 Quadratkilometer;
·4% Industrie- und Gewerbefläche 2,2 Quadratkilometer;
·4% Sport- und Erholungsfläche 2,4 Quadratkilometer
·Rund 60 Prozent der Stadtgemarkung stehen unter gesetzlichem Schutz, davon sind 14 Prozent Naturschutzgebiet oder Naturdenkmal und 31 Prozent Landschaftsschutzgebiet
·14.000 Bäume auf öffentlichen Flächen
·1.000 Bäume sind älter als 100 Jahre
·Rund 150 - 200 neue Bäume pflanzen die TBK jährlich im Stadtgebiet.
·46% des Konstanzer Ufers besitzt eine "hervorragend bis sehr gute" Qualität
·45 Hektar öffentliche Rasenfläche
·44 Hektar Kleingärten17 Hektar friedhöfliche Pflegefläche
·Über 3.200 Quadratmeter blühende Fläche
·72 öffentliche Spielplätze
·1.140 Sitzbänke
·Streuobstwiesen bieten 5.000 Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum
·22 Brunnen
·4 Trinkwasserbrunnen