Spiegel der Malerei

Die druckgraphische Sammlung des Freiherrn von Wessenberg

14. September - 17. November 2019

Nach Jacob Jordaens (1593 - 1678), Paul(us) Pontius (1603 - 1658), Stecher/Lithograph, Der König trinkt, o.J. (1630-1640), Kupferstich, 38,1 x 58,2 cm© Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz

Ignaz Heinrich von Wessenberg (1774 - 1860), erst Generalvikar, dann Verweser des Bistums Konstanz, war nicht nur ein sozial engagierter und reformerisch eingestellter Kirchenmann, sondern auch ein Dichter sowie ein großer Freund und Förderer der Kunst. Neben seiner Gemäldesammlung besaß Wessenberg eine umfangreiche Kollektion druckgraphischer Werke.

Wessenbergs Kupferstichsammlung umfasst bis auf wenige Ausnahmen sogenannte „Reproduktionsgraphik", d.h. Blätter, die bekannte Werke der Bildenden Kunst in Schwarzweiß-Abbildungen wiedergeben. Die Reproduktionsstecher versuchten, ein im Original farbiges Gemälde eines berühmten Künstlers allein mithilfe von Linien und Helldunkel möglichst genau wiederzugeben, so dass im Idealfall nicht nur das Motiv und die Komposition, sondern auch die unterschiedlichen Oberflächen und „Farben" deutlich werden. Die Hoch-Zeit der Reproduktionsgraphik war zwischen dem 17. und dem beginnenden 19. Jahrhundert. Für uns heute wenig vorstellbar, die wir in der allgegenwärtigen Bilderflut schier untergehen: Damals war ein Reproduktionsstich oft die einzige Möglichkeit der Vergegenwärtigung eines Werkes, es sei denn, man beauftragte einen Maler, eine Kopie eines Gemäldes zu fertigen, was jedoch ungleich teurer war.

Als Kirchenmann interessierte sich Wessenberg grundsätzlich für religiöse Themen. Als gebildeter Mensch sammelte er aber auch Graphiken mit Motiven aus der antiken Mythologie, sowie Darstellungen historischer Ereignisse. Niederländische, deutsche und italienische Genre- und Landschaftsdarstellungen, Architekturen und Portraitstiche mit Wessenberg bekannter und befreundeter Männer und Frauen ergänzen die Kollektion.

Man könnte sich fragen: Was interessiert uns heute diese antiquierte Reproduktionstechnik, allesamt schwarz-weiße Kopien von Gemälden, die man im Internet in Farbe sehen kann? Die Ausstellung beweist eindrücklich das Gegenteil! Wessenbergs druckgraphische Sammlung ist noch vollständig erhalten und stellt damit ein bedeutendes zeitgeschichtliches Dokument dar. Sie gibt aufschlussreiche Einblicke in die Sammlungsstrategien und die Kunstrezeption des 19. Jahrhunderts. Und führt die ungeheure Kunstfertigkeit der Stecher vor Augen, die im wahrsten Sinne des Wortes „gestochen scharf" arbeiteten. Einige der Druckgraphiken sind selbst wiederum kostbare Kunstwerke, und mancher Stich kommentiert und interpretiert das reproduzierte Werk auf eigene Weise.

In den vergangenen Jahren wurde Wessenbergs Kupferstichsammlung erfasst und wissenschaftlich bearbeitet. Die Ausstellung versammelt rund 80 der schönsten und interessantesten Blätter. Es erscheint ein von der Ernst-von-Siemens-Stiftung geförderter Katalog.

August Deusser. 1870 - 1942

Kunst für immer - und immer nur Kunst!

30. November - 19. April 2020

August Deusser (1870 Köln - 1942 Konstanz), Selbstbildnis im blauen Rock (Selbstbildnis 1911, Selbstporträt III), 1911, Öl auf Leinwand, 73,5 cm x 50,0 cm© Antonie Deusser-Stiftung Bad Zurzach

August Deusser wurde 1870 in Köln geborenen und verbrachte mit seiner Familie kriegsbedingt die Jahre 1939 bis zu seinem Tod 1942 im Insel-Hotel in Konstanz. Doch dieser Bezug zum Bodensee ist weniger der Grund, diesen Maler erstmals wieder seit vielen Jahren in einer Ausstellung zu würdigen als sein qualitätvolles künstlerisches Schaffen sowie seine herausragende Rolle als Kunstpolitiker.
 
August Deusser absolviere zunächst eine Lehre zum Dekorationsmaler und studierte von 1890 bis 1897 an der Düsseldorfer Kunstakademie. Ab 1895 war er Meisterschüler des Historienmalers Peter Janssen d. Ä. Schon früh zeigte sich Deussers Vorliebe für das Pferd- beziehungsweise Reiter-Motiv. Insbesondere die Darstellung von Kavallerie-Soldaten bei ihren militärischen Übungen faszinierte ihn. Nachdem sein erster großer Auftrag für ein historisches Wandbild in Kleve mit einem Eklat und der Vernichtung des Werkes endete, wandte sich Deusser einer realistisch ausgerichteten Landschafts- und Portraitmalerei zu.

1902 heiratete er die vermögende Malerin Elisabeth Eugenie Albert. Von nun an war er finanziell unabhängig und konnte sich ganz der Freilichtmalerei zuwenden. Zugleich begann sich Deusser kunstpolitisch zu engagieren. Durch die Mitgliedschaft in Ausstellungsjurys und die Gründung sezessionistischer Künstlervereinigungen setzte er sich entschlossen für eine Erneuerung der Kunst im Rheinland ein. Von zentraler Bedeutung wurde 1908 der Sonderbund, eine Ausstellungsinitiative, die er zusammen mit Julius Bretz, Max Clarenbach, Walter Ophey, Wilhelm Schmurr und anderen ins Leben rief. Bis 1911 fanden die jährlichen Ausstellungen des Sonderbund‘ in Düsseldorf statt und erregten aufgrund der neuartigen Präsentation und durch den Einbezug französischer Avantgardekünstler Aufsehen. Da die Stadt Düsseldorf eine weitere Ausrichtung der Ausstellung verweigerte, wurde die letzte, epochemachende Sonderbund-Ausstellung 1912 in Köln durchgeführt.

1917 wurde August Deusser außerordentlicher Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie, doch 1924 musste er sein Amt aus gesundheitlichen Gründen niederlegen und 1930 die künstlerische Tätigkeit ganz aufgeben.
 
Die Ausstellung, die in Kooperation mit der Antonie Deusser-Stiftung, Bad Zurzach in der Schweiz, und dem Museum Goch am Niederrhein entsteht, zeigt August Deussers künstlerische Entwicklung und legt den Schwerpunkt der Präsentation auf die für den Maler und Kunstpolitiker bedeutsamen Jahre 1908 bis 1912. Werke seiner engsten Weggefährten des Düsseldorfer Sonderbund‘ - Bretz, Clarenbach, Ophey und Schmurr - werden in die Darstellung einbezogen.
 
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.