Beruf: Künstlerin! Zehn deutsche Malerinnen am Bodensee

9. Mai – 30. August 2020

Cover des Flyers Beruf - Künstlerin!
Cover des Flyers Beruf - Künstlerin!

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie erlauben es nicht, die Ausstellung mit einer feierlichen Eröffnung zu beginnen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Am Montag, den 15. Juni 2020 kehrt das Kulturzentrum am Münster weitgehend zu seinem »Normalbetrieb« zurück. Die Städtischen Wessenberg-Galerie ist nun wieder von Dienstag bis Freitag von 10 Uhr bis 18 Uhr und an Sonn- und Feiertagen von 10 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. 

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Mit der Gründung der Weimarer Republik wurde erstmals die rechtliche Gleichstellung von Männern und Frauen festgeschrieben. Von nun an mussten nicht nur Universitäten, sondern auch Kunsthochschulen Frauen zum Studium zulassen. Seit dem 19. Jahrhundert war die Zahl professionell arbeitender Künstlerinnen stetig gestiegen, doch sie hatten mit vielfältigen gesellschaftlichen und privaten Widerständen zu kämpfen. Auch an den deutschen Ufern des damals noch weitgehend ländlichen Bodensees waren zahlreiche talentierte Künstlerinnen tätig. In ihrer Sommerausstellung rückt die Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz zehn von ihnen in den Fokus – sie alle folgten entschlossen ihrer Berufung und machten die Kunst zu ihrem Beruf.

Elisabeth Mühlenweg (1910 - 1961); Selbstbildnis; 1940; Öl auf Leinwand; Privatbesitz
Elisabeth Mühlenweg (1910 - 1961); Selbstbildnis; 1940; Öl auf Leinwand; Privatbesitz
Katharina A.W. Weissenborn (1884 - 1978); Markt in Luxor - Suk; ohne Jahr; Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz (Depositum Kunstverein)
Katharina A.W. Weissenborn (1884 - 1978); Markt in Luxor - Suk; ohne Jahr; Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz (Depositum Kunstverein)
Ilna Ewers-Wunderwald (1875 - 1957); Seeschlange; 1930; Privatbesitz
Ilna Ewers-Wunderwald (1875 - 1957); Seeschlange; 1930; Privatbesitz
Amalie Vanotti (1853 - 1936); Bauernhof im Wald; ohne Jahr; Rosgartenmuseum Konstanz
Amalie Vanotti (1853 - 1936); Bauernhof im Wald; ohne Jahr; Rosgartenmuseum Konstanz

Die 1791 in Konstanz geborene Marie Ellenrieder ist die älteste der vorgestellten Künstlerinnen. Sie war als Portraitistin und Malerin religiöser Bilder erfolgreich. Im Gegensatz zu ihren Kolleginnen Elise Brunner, Berta Dietsche und Amalie Vanotti, die in den 1850er-Jahren ebenfalls in Konstanz geboren wurden und deren Bildnisse, Landschaften und Stillleben von solidem Können zeugen, ist Marie Ellenrieder bis heute unvergessen.
 
Über Agnes Susanne Scheurmann, die 1904 den Schriftsteller und Maler Erich Scheurmann geheiratet hatte und mit ihm auf die entlegene Bodenseehalbinsel Höri gezogen war, ist wenig bekannt. Sie kam, wie auch Ilna Ewers-Wunderwald, als Autodidaktin zur Kunst. Ihre kleinformatigen Aquarelle bestechen durch ihre märchenhaften Inhalte. Das Werk der weitgereisten, vielseitigen Künstlerin Ilna Ewers-Wunderwald wurde erst vor kurzem wiederentdeckt. Sie hatte sich 1939 an den Bodensee zurückgezogen, wo im Stillen ihr eindrückliches abstraktes Spätwerk entstand.
 
Auch Gertraud Herzger von Harlessem verschlugen die Wirren des Krieges 1942 an den See. Die u.a. an der Itten-Schule in Berlin Ausgebildete hatte den Maler Walter Herzger geheiratet, der die künstlerische Tätigkeit seiner Frau nicht gern sah und zeitweilig sogar zu unterbinden suchte.
 
Die stets auf ihre Unabhängigkeit bedachte Katharina Weissenborn zog es bereits vor dem Ersten Weltkrieg in ferne Länder. Ihre exotischen Erlebnisse hielt sie in Bildern und Büchern fest. Auch Elisabeth Mühlenweg und Nelly Dix waren vielseitig tätig. Trotz ihrer sieben Kinder malte die an der Wiener Kunstakademie ausgebildete Elisabeth Mühlenweg unermüdlich, arbeitete als Illustratorin, bastelte Spielzeug, stickte und webte. Enge Freundschaft verband sie mit der dreizehn Jahre jüngeren Nelly Dix, Tochter des Malers Otto Dix. Die Autodidaktin schuf kleinformatige, von überschäumender Erzählfreude inspirierte Bilder, daneben verfasste sie Geschichten und Theaterstücke.
 
Zur Ausstellung erscheint eine Zeitung.

Pressestimmen

Öffentliche Führungen

Sonntag, 28. Juni, 5. Juli, 19. Juli, 2. August, 16. August und 30. August jeweils 11 Uhr

Mittwoch, 24. Juni, 1. Juli, 15. Juli, 29. Juli, 12. August und 26. August jeweils 15 Uhr

Aufgrund der Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie können nur Kurzführungen angeboten werden und es dürfen pro Führung nur maximal 9 Personen teilnehmen bzw. maximal 10 Personen aus einem Haushalt. Wir bitten um Ihr Verständnis. Eine Anmeldung zur Führung ist dringend erforderlich unter Katharina.Schlude@konstanz.de oder per Telefon 07531/9002913.

Veranstaltungen

Die im Flyer zur Ausstellung angekündigten Vorträge "Solange ich mich zurückerinnern kann, habe ich gezeichnet, und zwar immer Menschen..." am 13. Mai 2020 und "Die Künstlerinnen gibt es nicht" am 26. Mai 2020 finden leider nicht statt.

Die HappyHour-Führungen durch die aktuelle Ausstellung finden bis auf Weiters leider nicht statt.

Stadtrundgang - Künstlerinnen entdecken

Stadtrundgang zu Kunstwerken im öffentlichen Raum, die von Künstlerinnen geschaffen wurden.

Treffpunkt: Vor dem Eingang des Rosgartenmuseums

Donnerstag, 4. Juni, 16. Juli und 27. August jeweils 15 Uhr

Aufgrund der Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie dürfen pro Führung nur maximal 10 Personen teilnehmen. Eine Anmeldung zur Führung ist dringend erforderlich unter Katharina.Schlude@konstanz.de oder per Telefon 07531/9002913.

Familien-Zeit und Familien-Führungen

Spielerische Werkbetrachtung mit anschließender praktischer Arbeit für Kinder ab 5 Jahren und ihre Begleitung. Dauer 1,5 bis 2 Stunden.

Familienkarte 7,- Euro

Sonntag, 19. Juli und 30. August um 14.30 Uhr

Aufgrund der Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie dürfen pro Führung nur maximal 9 Personen bzw. maximal 10 Personen (wenn aus einem Haushalt) teilnehmen. Eine Anmeldung zur Führung ist dringend erforderlich unter Katharina.Schlude@konstanz.de oder per Telefon 07531/9002913.

Familien-Führungen

Spielerische Führung durch die Ausstellung für Kinder ab 5 Jahren und ihre Begleitung. Dauer 45  bis 60 Minuten.

Familienkarte 4,- Euro

Sonntag, 7. Juni und 23. August um 14.30 Uhr

Aufgrund der Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie dürfen pro Führung nur maximal 9 Personen bzw.  maximal 10 Personen (wenn aus einem Haushalt) teilnehmen. Eine Anmeldung zur Führung ist dringend erforderlich unter Katharina.Schlude@konstanz.de oder per Telefon 07531/9002913.

Das Frauenbild im Spiegel von Wessenbergs Sammlung

Kabinettausstellung im 2. OG
Ab 9. Mai 2020

Kopie nach Hans Holbein der Jüngere: ohne Tite (Familienbildnis), ohne Jahr; Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz. Erworben mit Mitteln der Baden-Württemberg Stiftung gGmbH.
Kopie nach Hans Holbein der Jüngere: ohne Tite (Familienbildnis), ohne Jahr; Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz. Erworben mit Mitteln der Baden-Württemberg Stiftung gGmbH.

In Wessenbergs Gemäldesammlung, wie sie sich erhalten hat (1924 wurden leider 65 Bilder als vermeintlich „wertlos“ verkauft) befinden sich zahlreiche Werke, in denen Frauen dargestellt sind. Als Theologe und Kirchenmann interessierte sich Ignaz Heinrich von Wessenberg besonders für religiöse Darstellungen, unter denen das Motiv der Maria mit dem Jesuskind häufig vertreten ist. Kunst hatte, so Wessenbergs Auffassung, eine sittlich-didaktische Funktion, da Bilder unmittelbarer und emotionaler wirken als Sprache. In der Figur der Madonna mit dem Kind verbindet sich, so legte er in seiner Schrift „Die christlichen Bilder“ dar, in vorbildlicher Weise sittliche Grazie mütterlicher Liebe mit jungfräulicher Unschuld. Auch eine Kopie nach Holbeins berühmtem Familienbildnis – das Original befindet sich im Kunstmuseum Basel – lässt sich diesem Bildtypus zuordnen.

Frauenfiguren in Wessenbergs Sammlung erscheinen zum größten Teil still und introvertiert, aufbegehrende religiöse oder mythologische Gestalten sind nicht vertreten. Mit sanftmütiger Anmut blickt eine junge Frau auf einige Rosen in ihrer Hand – handelt es sich um eine Allegorie der Liebe? Auch Marie Ellenrieders „Mädchen mit Gebetbuch in der Hand“ übt sich in frommer Bescheidenheit. Gesittet geht es in einer niederländischen Konzertszene zu. Einträchtig musizieren Frauen und Männer gemeinsam, was in früheren Zeiten nicht selbstverständlich war, sagt man der Musik doch eine dionysische Wirkung nach.

Einige Bilder in Wessenbergs Sammlung zeigen Frauen als Hirtinnen oder Bäuerinnen im harmonischen Einklang mit der Natur. In ihnen spiegelt sich die alte menschliche Sehnsucht nach einem unentfremdeten Leben. Zugleich klingt aber auch die traditionelle Vorstellung von der unbewussten, natürlichen Verbundenheit des Weiblichen mit allem Kreatürlichen an – das lange Zeit im Gegensatz zur reflektierten geistigen Ausrichtung des Männlichen begriffen wurde.

Bild: Eigentum des Landes Baden-Württemberg. Erworben mit Mitteln der Baden-Württemberg Stiftung gGmbH.

Unbeschreiblich weiblich

Das Frauenbild bei Hans Meid

Kabinettausstellung im 2. Stock
Ab 9. Mai 2020

Hans Meid; Florentiner Halbakt, 1911; Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz
Hans Meid; Florentiner Halbakt, 1911; Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz

Hans Meid (1883 Pforzheim-1957 Ludwigsburg) zählt zu den herausragenden deutschen Graphikern der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Im Bereich der Druckgraphik und der Buchillustration entwickelte er eine ganz eigene impressionistische Handschrift; sein breit gefächertes Werk fasziniert durch romantische Welten, die er der Wirklichkeit seiner Zeit gegenüberstellte.
 
In Meids Schaffen kommt dem Motiv der Frau zentrale Bedeutung zu. Das weibliche Geschlecht inspirierte ihn immer wieder zu erzählerischen Szenen, die ins Erotisch-Sinnliche oder ins Dramatische spielen. Heimliche Rendezvous (Paar vor einem Parktor bei Nacht; Liebepaar am Steg), sinnliches Verlangen (Leda; Liebespaar in nächtlichem Zimmer; Badende), aber auch aus dem Trieb erwachsende brutale Gewalt (Susanne im Bad) waren immer wieder Thema seiner Radierungen und Lithographien.
Daneben entstanden seit den 1930er-Jahren zahlreiche Aquarelle. Der duftigen Technik der Pinselzeichnung haftet etwas Weiches, Traumverlorenes an, das den Darstellungen einen melancholischen Unterton verleiht. Eine Frau hat sich zum Klavierspiel in ein dämmriges Zimmer zurückgezogen, während in dem Blatt „Italienische Hochzeitsreise“ die zum Fenster herausschauende Braut ernüchtert zu begreifen scheint, dass „die Einsamkeit zu zweit“ (Erich Kästner) besonders schwer zu ertragen ist. Wer die junge Frau mit dem lockigen Bubikopf ist, die Meid 1930 zeichnete, ist nicht bekannt. Sie zählt zu einer Reihe von lebensnahen Portraits, die seit den 1920er-Jahren entstanden.
 
Hans Meids Einfühlungsvermögen in literarische Stoffe machte ihn zu einem gefragten Buchillustrator. In den ersten Jahren der Weimarer Republik schuf er Originalgraphik für künstlerisch gestaltete Bücher in kleiner Auflage. Nach 1925 wurden bibliophile Objekte dieser Art kaum noch hergestellt. Stattdessen lieferte Meid nun Federzeichnungen und Aquarelle, die als Vorlage für Gebrauchsbücher dienten, in denen sie auf technischem Wege reproduziert wurden.
 
 
Seit 2013 zeigt die Städt. Wessenberg-Galerie im Meid-Kabinett wechselnde Präsentationen seines Werks. Wir danken Herrn Prof. F.H. Franken (†) und Dr. Paul Franken, Bad Soden, für ihre umfangreichen Schenkungen und der Meid-Stiftung für ihre Unterstützung.