Spiegel der Malerei

Die druckgraphische Sammlung des Freiherrn von Wessenberg.

14. September bis 17. November 2019

Cover des Flyers Spiegel der Malerei

Eröffnung am Freitag, den 13. September um 19 Uhr im Wolkensteinsaal im Kulturzentrum am Münster

Es sprechen:

Dr. Barbara Stark, Leiterin der Städtischen Wessenberg-Galerie

Dr. Perdita Rösch, Kuratorin der Ausstellung und Mitherausgeberin des Bestandskatalogs

Musikalische Umrahmung: Constanze Brahn

Ignaz Heinrich von Wessenberg (1774-1860), zunächst Generalvikar, dann Verweser des Bistums Konstanz, war nicht nur ein reformerisch eingestellter Kirchenmann, sondern auch ein großer Freund und Förderer der Kunst. Neben seiner Gemäldesammlung besaß Wessenberg eine umfangreiche Kollektion reproduktionsgraphischer Werke aus fünf Jahrhunderten, das heißt Stiche, die bekannte Werke der Bildenden Kunst in Schwarzweiß-Abbildungen wiedergeben.

Angelo Campanella(1746-1811) nach Bernardino Luini (1480/1485-1532) - früher Leonardo da Vinci zugeschrieben Ohne Titel (Bescheidenheit und Eitelkeit) Kupferstich; ohne Jahr (1760-1811) Bildmaß (beschnitten): 31 x 35,5 cm Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz, Kupferstich-Sammlung
Angelo Campanella(1746-1811) nach Bernardino Luini (1480/1485-1532) - früher Leonardo da Vinci zugeschrieben Ohne Titel (Bescheidenheit und Eitelkeit); Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz, Kupferstich-Sammlung
Raffaello Morghen nach Raffaello Santi, genannt Raffael; Ohne Titel (Madonna della seggiola/Madonna della sedia)  Kupferstich; ohne Jahr (1793); Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz, Kupferstich-Sammlung
Raffaello Morghen nach Raffaello Santi, genannt Raffael; Ohne Titel (Madonna della seggiola/Madonna della sedia)
Kupferstich; ohne Jahr (1793); Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz, Kupferstich-Sammlung
Josef Wagner nach Nicolaes Pieterszoon Berchem; Rozzo é il mio suon, ma pur alletta, e piace; Radierung; o.J. (um 1726-1780); Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz, Kupferstich-Sammlung
Josef Wagner nach Nicolaes Pieterszoon Berchem; Rozzo é il mio suon, ma pur alletta, e piace; Radierung; o.J. (um 1726-1780); Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz, Kupferstich-Sammlung
Schelte a Bolswert nach Jacob Jordaens; o.T. (Pan); Kupferstich; o.J. (ca. 1630-1659); Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz, Kupferstich-Sammlung
Schelte a Bolswert nach Jacob Jordaens; o.T. (Pan); Kupferstich; o.J. (ca. 1630-1659); Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz, Kupferstich-Sammlung

Die Hoch-Zeit der Reproduktionsgraphik war zwischen dem 17. und dem beginnenden 19. Jahrhundert. Die Reproduktionsstecher versuchten, ein im Original farbiges Gemälde eines berühmten Künstlers allein mithilfe von Linien und Helldunkel möglichst genau abzubilden, so dass im Idealfall nicht nur das Motiv und die Komposition, sondern auch die unterschiedlichen Oberflächen und „Farben“ deutlich werden. Für uns heute schwer vorstellbar, die wir in der allgegenwärtigen Bilderflut schier untergehen: Damals war ein Reproduktionsstich oft die einzige Möglichkeit der Vergegenwärtigung eines Werkes, es sei denn, man beauftragte einen Maler, eine Kopie eines Gemäldes zu fertigen, was jedoch ungleich teurer war.
 
Als Kirchenmann interessierte sich Wessenberg primär für religiöse Themen. Als gebildeter Mensch sammelte er aber auch Graphiken mit Motiven aus der antiken Mythologie, sowie Darstellungen historischer Ereignisse. Niederländische, deutsche und italienische Genre- und Landschaftsdarstellungen, Architekturen und Portraitstiche mit Wessenberg bekannter und befreundeter Männer und Frauen ergänzen die Kollektion.
Wessenbergs druckgraphische Sammlung besticht aber nicht nur durch die Fülle der Themen und Motive, sondern belegt auch die ungeheure Kunstfertigkeit der Stecher, die im wahrsten Sinne des Wortes „gestochen scharf“ arbeiteten und oftmals Jahre für die Herstellung einer Druckplatte aufwendeten. Zudem sind einige Druckgraphiken selbst kostbare, heute hoch gehandelte Kunstwerke, und mancher Stich kommentiert und interpretiert das reproduzierte Werk auf eigene Weise.

Wessenbergs sogenannte Kupferstichsammlung ist nahezu vollständig erhalten. Sie stellt in dieser Ganzheit ein bedeutendes zeitgeschichtliches Dokument dar, das Einblick gewährt in die Sammlungsstrategien und die Kunstrezeption des frühen 19. Jahrhunderts.

In den vergangenen Jahren wurde Wessenbergs Kupferstichsammlung erfasst und wissenschaftlich bearbeitet. Die Ausstellung versammelt rund 80 der schönsten und interessantesten Blätter. Es erscheint ein von der Ernst von Siemens Kunststiftung geförderter Bestandskatalog.

Öffentliche Führungen

Sonntag, 22. September, 29. September, 13. Oktober, 20. Oktober, 3. November, 10. November und 17. November 2019 jeweils 11 Uhr

Donnerstag, 3. Oktober  2019 um 11 Uhr

Mittwoch, 25. September, 9. Oktober, 23. Oktober und 6. November 2019 jeweils 15 Uhr

Happy Hour

Wir bieten Ihnen eine Abendführung durch die Ausstellung und servieren zur Einstimmung einen Apéritif.

Eine verbindliche Anmeldung zu dieser Veranstaltung ist erforderlich!
Telefon +49 7531 900-913 oder Mail an Katharina.Schlude@konstanz.de

Kostenbeitrag: 5,- Euro

Dienstag, 24. September, 8. Oktober, 29. Oktober und 14. November 2019 jeweils 19 Uhr

Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts

Kabinettausstellung im 2. OG
Seit 10. November 2018

Johann Jakob Biedermann (1763 - 1830); o.T. (Landschaft am Thunersee, Schadau); ohne Jahr; Öl auf Leinwand © Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz

Ignaz Heinrich von Wessenberg sammelte nicht nur religiöse Kunst, sondern auch Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts. Vor allem Werke von Johann Jakob Biedermann, Joseph Mosbrugger und Johann Georg Volmar, mit denen er zum Teil persönlich bekannt war, gelangten in seine Kollektion. Biedermann und Mosbrugger scheint er durch Ankäufe und gezielte Aufträge regelmäßig unterstützt zu haben. Joseph Mosbrugger war gebürtiger Konstanzer und kehrte nach einem längeren Studienaufenthalt in München in seine Heimatstadt zurück. Biedermann stammte aus Winterthur, zog 1802 an den Bodensee, wo er bis 1807 und nochmals von 1814 bis 1824 in unmittelbarer Nachbarschaft von Wessenberg lebte.

Biedermann war ein Meister des kleinen Formats. In seinen Darstellungen verzichtete er auf Pathos und Hintergründigkeit. Seine Landschaftsbilder zeigen eine weitgehend unberührte, durchsonnte Natur, die von Kühen, Schafen und Hirten bevölkert wird. Auffallendes Merkmal seiner Bilder sind die glatte Maltechnik, eine gewisse Buntfarbigkeit und die klar umrissene Erscheinung der Landschaft.

Joseph Mosbruggers Gemälde folgen wiederkehrenden Schemata. Entweder eröffnet sich dem Blick von erhöhtem Standpunkt die weite Landschaft oder aber er nähert sich flach vom Wasser kommend dem Ufer. Auch in seinen Bildern dominiert die Naturidylle, doch die Staffageelemente wie ans Ufer gezogene Kähne, Frauen im Gespräch oder Bäume und Gesträuch sind letztlich austauschbar. Das „Hexenhäuschen bei Bregenz" ist zweifellos eine seiner spektakulärsten Kompositionen.

Mosbrugger besorgte nach Wessenbergs Tod 1860 die Inventarisierung von dessen Sammlung und erstellte einen ersten Führer durch die Galerie, der 1863 erschien.
Erworben mit Mitteln der Baden-Württemberg Stiftung gGmbH (Logo)

Bild: Eigentum des Landes Baden-Württemberg. Erworben mit Mitteln der Baden-Württemberg Stiftung gGmbH.

Gestiefelt und gespornt

Hans Meid und die Pferde

Kabinettausstellung im 2. Stock
Seit 7. Mai 2018

Hans Meid (1883 - 1957); Circus IV; 1912; Radierung © Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz

Hans Meid (1883 Pforzheim - 1957 Ludwigsburg) zählt zu den herausragenden deutschen Graphikern der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Im Bereich der Druckgraphik, vor allem der Radierung, und der Buchillustration entwickelte er einen eigenen impressionistischen Stil und kann auf diesem Gebiet gleichberechtigt neben Lovis Corinth, Max Liebermann und Max Slevogt genannt werden.

Hans Meids erzählerische Bildwelten entführen den Betrachter in Gegenwelten, er ist ein virtuoser Schilderer tagheller Heiterkeit und nächtlichen Schattendaseins. Er entführt uns an Orte und Zeiten, die vom expressiven Pathos des Barocks bestimmt sind, von der überschwänglichen Lebensfreude des Rokoko oder der existentiellen Abgründigkeit der Romantik. Galante Herren und schöne Damen in Schleifenkleidern bevölkern seine rückwärts gewandten Szenerien, aber auch immer wieder - Pferde.

Seit Urzeiten war das Pferd enger Partner des Menschen. Es war unverzichtbar in der Landwirtschaft, verband Städte und Länder und entschied Kriege. Hans Meid lässt das edle Tier im schwungvollen Trab Kutschen durch sonnige Landschaften ziehen, Pferde galoppieren durch Zirkusarenen und dienen als vierbeiniges Turngerät flinker Artistinnen. Pferde werden bei amourösen Abenteuern zu Komplizen, im Krieg sind sie treue Kameraden und last but not least avancieren sie zum stolzen Sinnbild der herausragenden Stellung ihres Reiters, der gestiefelt und gespornt vom hohen Ross herab die Welt beherrscht.

Spätestens mit dem Ende des Ersten Weltkriegs endete in Europa der kentaurische Pakt zwischen Pferd und Mensch. Hans Meid jedoch hielt dem Pferd in seiner Kunst bis zuletzt die Treue. Eine kleine Auswahl seiner Pferdebilder finden Sie in unserer Kabinettausstellung.