On the Road

Künstler auf Entdeckungstour

11. Mai bis 1. September 2019

Cover des Flyers On the Road

Eröffnung am Freitag, den 10. Mai um 19 Uhr im Wolkensteinsaal im Kulturzentrum am Münster

Es sprechen:

Dr. Barbara Stark, Leiterin der Städtischen Wessenberg-Galerie

Laura Feurle B.A., Cokuratorin der Ausstellung

Reisen – schon immer waren Menschen unterwegs, um fremde Länder und unbekannte Orte zu erkunden. Vor allem Künstler begaben und begeben sich gern auf Entdeckungstour, und ihre Motivation zum Aufbruch war und ist so vielfältig wie die Kunst selbst. Den einen treibt die Sehnsucht nach einer besseren Welt, den anderen der Wunsch, den idealen Ort für das perfekte Bild zu finden. Neugier und der Hunger nach Inspiration verführen zum Aufbruch ins Unbekannte, aber auch die Suche nach dem eigenen Ich, dem dagegen mancher nur allzu gern entfliehen möchte.

Friedrich Arthur Wittig (1894-1962): o.T. (Blick auf Konstanz von der Seestraße aus), 1946, Öl auf Papier auf Pappelholz, 32,2 x 41,1 cm, Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz.
Katharina A.W. Weissenborn (1884-1978): Die Stufen des Schreitens, o.J., Farbholzschnitt, 21 x 22,2 cm (Plattenmaß), Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz (Depositum Kunstverein).
Jakob August Lorent (1813-1884): Nr. 4 Thurm des Aeolus, 1860/62, Photographie, Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz.
Walter Georgi (1871-1924): Postkutsche (Druck von Voigtländer und Teubner, Nr. 76), 1906, Farblithographie, 71 x 102,7 cm, Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz.

Unsere Ausstellung beginnt im 16. Jahrhundert mit Romansichten von Giovanni Battista Piranesi. Die Popularisierung von Reisezielen durch literarische Schilderungen weckte seit dem 18. Jahrhundert das Bedürfnis, diese fremden Orte selbst zu erkunden. Italien zum Beispiel war für seine Kunstschätze bekannt; für einen Künstler war eine Studienreise in „das Land, wo die Zitronen blühen“ lange Zeit ein Muss. Dank zunehmender Technisierung ließen sich entfernte Ziele bald leichter und schneller erreichen, eine Entwicklung, die bis heute anhält. Doch nicht immer muss man in die Ferne ziehen, um Neues zu entdecken: Auch im Kopf lassen sich wunderbare Streifzüge unternehmen, denn der Phantasie sind bekanntlich keine Grenzen gesetzt. Und ist nicht das Leben selbst ein fortwährendes Aufbrechen zu neuen Ufern mit unbekanntem Ziel?

Unsere Sommerausstellung, die bis auf wenige Leihgaben Werke aus der eigenen Sammlung präsentiert, ergründet das Reisen und Unterwegssein in seinen vielfältigen Facetten und versammelt rund 70 Gemälde, Graphiken und Photographien von bekannten, aber auch weniger berühmten Künstlern aus vier Jahrhunderten.

Öffentliche Führungen

Sonntag, 26. Mai, 9. Juni, 23. Juni, 7. Juli, 21. Juli, 4. August, 18. August und 1. September 2019 jeweils 11 Uhr

Mittwoch, 15. Mai, 29. Mai, 12. Juni, 26. Juni, 10. Juli, 24. Juli, 7. August und 21. August 2019 jeweils 15 Uhr

Happy Hour

Wir bieten Ihnen eine Abendführung durch die Ausstellung und servieren zur Einstimmung einen Apéritif.

Eine verbindliche Anmeldung zu dieser Veranstaltung ist erforderlich!
Telefon +49 7531 900-913 oder Mail an Katharina.Schlude@konstanz.de

Kostenbeitrag: 5,- Euro

Dienstag, 28. Mai, 25. Juni, 23. Juli, 13. August und 27. August 2019 jeweils 19 Uhr

Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts

Kabinettausstellung im 2. OG
Seit 10. November 2018

Johann Jakob Biedermann (1763 - 1830); o.T. (Landschaft am Thunersee, Schadau); ohne Jahr; Öl auf Leinwand © Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz

Ignaz Heinrich von Wessenberg sammelte nicht nur religiöse Kunst, sondern auch Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts. Vor allem Werke von Johann Jakob Biedermann, Joseph Mosbrugger und Johann Georg Volmar, mit denen er zum Teil persönlich bekannt war, gelangten in seine Kollektion. Biedermann und Mosbrugger scheint er durch Ankäufe und gezielte Aufträge regelmäßig unterstützt zu haben. Joseph Mosbrugger war gebürtiger Konstanzer und kehrte nach einem längeren Studienaufenthalt in München in seine Heimatstadt zurück. Biedermann stammte aus Winterthur, zog 1802 an den Bodensee, wo er bis 1807 und nochmals von 1814 bis 1824 in unmittelbarer Nachbarschaft von Wessenberg lebte.

Biedermann war ein Meister des kleinen Formats. In seinen Darstellungen verzichtete er auf Pathos und Hintergründigkeit. Seine Landschaftsbilder zeigen eine weitgehend unberührte, durchsonnte Natur, die von Kühen, Schafen und Hirten bevölkert wird. Auffallendes Merkmal seiner Bilder sind die glatte Maltechnik, eine gewisse Buntfarbigkeit und die klar umrissene Erscheinung der Landschaft.

Joseph Mosbruggers Gemälde folgen wiederkehrenden Schemata. Entweder eröffnet sich dem Blick von erhöhtem Standpunkt die weite Landschaft oder aber er nähert sich flach vom Wasser kommend dem Ufer. Auch in seinen Bildern dominiert die Naturidylle, doch die Staffageelemente wie ans Ufer gezogene Kähne, Frauen im Gespräch oder Bäume und Gesträuch sind letztlich austauschbar. Das „Hexenhäuschen bei Bregenz" ist zweifellos eine seiner spektakulärsten Kompositionen.

Mosbrugger besorgte nach Wessenbergs Tod 1860 die Inventarisierung von dessen Sammlung und erstellte einen ersten Führer durch die Galerie, der 1863 erschien.
Erworben mit Mitteln der Baden-Württemberg Stiftung gGmbH (Logo)

Bild: Eigentum des Landes Baden-Württemberg. Erworben mit Mitteln der Baden-Württemberg Stiftung gGmbH.

Gestiefelt und gespornt

Hans Meid und die Pferde

Kabinettausstellung im 2. Stock
Seit 7. Mai 2018

Hans Meid (1883 - 1957); Circus IV; 1912; Radierung © Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz

Hans Meid (1883 Pforzheim - 1957 Ludwigsburg) zählt zu den herausragenden deutschen Graphikern der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Im Bereich der Druckgraphik, vor allem der Radierung, und der Buchillustration entwickelte er einen eigenen impressionistischen Stil und kann auf diesem Gebiet gleichberechtigt neben Lovis Corinth, Max Liebermann und Max Slevogt genannt werden.

Hans Meids erzählerische Bildwelten entführen den Betrachter in Gegenwelten, er ist ein virtuoser Schilderer tagheller Heiterkeit und nächtlichen Schattendaseins. Er entführt uns an Orte und Zeiten, die vom expressiven Pathos des Barocks bestimmt sind, von der überschwänglichen Lebensfreude des Rokoko oder der existentiellen Abgründigkeit der Romantik. Galante Herren und schöne Damen in Schleifenkleidern bevölkern seine rückwärts gewandten Szenerien, aber auch immer wieder - Pferde.

Seit Urzeiten war das Pferd enger Partner des Menschen. Es war unverzichtbar in der Landwirtschaft, verband Städte und Länder und entschied Kriege. Hans Meid lässt das edle Tier im schwungvollen Trab Kutschen durch sonnige Landschaften ziehen, Pferde galoppieren durch Zirkusarenen und dienen als vierbeiniges Turngerät flinker Artistinnen. Pferde werden bei amourösen Abenteuern zu Komplizen, im Krieg sind sie treue Kameraden und last but not least avancieren sie zum stolzen Sinnbild der herausragenden Stellung ihres Reiters, der gestiefelt und gespornt vom hohen Ross herab die Welt beherrscht.

Spätestens mit dem Ende des Ersten Weltkriegs endete in Europa der kentaurische Pakt zwischen Pferd und Mensch. Hans Meid jedoch hielt dem Pferd in seiner Kunst bis zuletzt die Treue. Eine kleine Auswahl seiner Pferdebilder finden Sie in unserer Kabinettausstellung.