Heinrich Schmidt-Pecht. 1854-1945

Kunst, Keramik & Konflikte

19. Januar bis 28. April 2019 

Eröffnung am Freitag, den 18. Januar um 19 Uhr im Wolkensteinsaal im Kulturzentrum am Münster

Es sprechen:

Dr. Barbara Stark, Leiterin der Städtischen Wessenberg-Galerie

Janina Burandt B.A., Mitherausgeberin der "Lebenserinnerungen" von Heinrich Schmidt-Pecht

Heinrich Schmidt-Pecht, 1854 in Konstanz geboren und dort 1945 gestorben, stellte sein Leben ganz in den Dienst der Kunst. Über ein halbes Jahrhundert zählte er zu den Persönlichkeiten, die das kulturelle Geschehen in der Bodenseestadt dominierten.

Nach einem Kunststudium in München, Nürnberg, Paris und Karlsruhe übernahm Schmidt-Pecht 1883 die lithographische Anstalt seines Vaters, gab diese jedoch 1906 auf und wandte sich mit seiner kunsthandwerklich begabten Frau Elisabeth der Herstellung von Kunstkeramik zu, mit der sie seit 1898 internationale Erfolge feierten. Der Erste Weltkrieg zwang sie zur Einstellung des Betriebs. Bereits 1887 war Schmidt-Pecht zum Ersten Vorsitzenden des Konstanzer Kunstvereins gewählt worden, 1889 übernahm er zudem die ehrenamtliche Leitung der Wessenberg-Galerie. In dieser Doppelfunktion kam ihm großer Einfluss zu: Er hatte nicht nur maßgeblichen Anteil an der kommunalen Ausstellungspolitik, sondern sollte auch die inhaltliche Ausrichtung der Sammlung der Wessenberg-Galerie über lange Zeit nahezu allein bestimmen.

56 Jahre stand Heinrich Schmidt-Pecht der Wessenberg-Galerie vor. Seine künstlerische Sozialisation war unter dem Eindruck von Historismus und Jugendstil erfolgt und dementsprechend setzte er auch die Schwerpunkte seiner Ankäufe. Seit seiner Studienzeit war er mit zahlreichen Künstlern bekannt und befreundet, unter anderem mit Julius Diez, Hans Garnjobst, Peter Halm, Ferdinand Keller, Ernst Kreidolf, Carl Theodor Meyer-Basel, Emil Strauß, Hans Thoma, Wilhelm Volz, Albert Welti und Ernst Würtenberger. Werke dieser Künstler suchte er für die ihm anvertraute Galerie zu gewinnen. Daneben kaufte er Gemälde vom am Bodensee ansässigen Künstlern wie Elise Brunner, Karl Einhart, Bruno Goldschmitt, Heinrich Lotter, Alexander Rihm oder Robert Weise. Der damals modernen Kunst wie Expressionismus oder Neuer Sachlichkeit stand er weitgehend ablehnend gegenüber. Nur zögernd erwarb er, seit den 1920er-Jahren durch die Einrichtung einer städtischen Ankaufkommission mehr gezwungen als freiwillig, Werke dieser Richtung verbundener Künstler wie Adolf Dietrich, Waldemar Flaig, Heinrich Herzig, Karl Hofer, Hans Purrmann, Rudolf Wacker oder Walter Waentig. Auch in der Zeit des „Dritten Reiches" blieb Heinrich Schmidt-Pecht seinem konservativen Kunstgeschmack treu, setzte sich aber zur Wehr, als die Nationalsozialisten 1937 sieben Werke aus der städtischen Sammlung als „entartete Kunst" beschlagnahmten. Da das Ehepaar Schmidt-Pecht kinderlos blieb, vermachte es seine eigene Sammlung der Stadt Konstanz und sollte damit die inhaltliche Schwerpunktsetzung auf der Kunst der Jahrhundertwende nochmals verstärken.

Unter dem Titel „Kunst, Keramik und Konflikte" stellt die Ausstellung nicht nur Heinrich Schmidt-Pechts vielfältiges Wirken dar, sondern zeichnet auch seine Beziehungen zu Künstlern nach und erforscht erstmals der Inhalt seiner eigenen Sammlung. Eine wichtige Quelle stellten Schmidt-Pechts Lebenserinnerungen dar, die bisher nur als Typoskript in wenigen Exemplaren existierten und nun in einer kommentierten und reich bebilderten Ausgabe neu herausgegeben werden. Diese „Erinnerungen aus einem langen Leben in der Heimatstadt Konstanz" zeichnen das facettenreiche Bild eines kunstbegeisterten und engagierten, aber keineswegs unumstrittenen Mannes und lassen zugleich ein interessantes Kapitel Konstanzer Stadt- und Kunstgeschichte lebendig werden.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Öffentliche Führungen

Sonntag, 27. Januar, 3. Februar, 17. Februar, 10. März, 24. März, 7. April und 28. April 2019 jeweils 11 Uhr

Mittwoch, 6. Februar, 27. Februar, 13. März, 27. März, 10. April und 24. April 2019 jeweils 15 Uhr

Happy Hour

Wir bieten Ihnen eine Abendführung durch die Ausstellung und servieren zur Einstimmung einen Apéritif.

Eine verbindliche Anmeldung zu dieser Veranstaltung ist erforderlich!
Telefon +49 7531 900-913 oder Mail an Katharina.Schlude@konstanz.de

Kostenbeitrag: 5,- Euro

Dienstag, 29. Januar, 19. Februar, 12. März und 2. April und 23. April jeweils 19 Uhr

Lesung

Heinrich Schmidt-Pecht. Ein streibarer Geist im Dienst der Kunst.

Mittwoch, 20. Februar, 19 Uhr

Lesung aus Briefen von und an Heinrich Schmidt-Pecht sowie aus nicht veröffentlichten Teilen seiner Lebenserinnerungen. Vorgestellt und gelesen von Janina Burandt, Laura Feurle, Martin Henze und Barbara Stark.

Vortrag

Auspacken oder Wegschließen? Bemerkungen zum Umgang mit NS-Kunst 

Mittwoch, 20. März, 19 Uhr mit Dr. Christmut Präger, Heidelberg

Die museale Auseinandersetzung mit der künstlerischen Produktion während der Zeit des Nationalsozialismus setzte in der BRD Mitte der 1970er-Jahre ein und dauert bis heute an. Rückblickend ist festzustellen, dass sich die Betrachtung dieses heiklen Themas zunehmend differenzierter gestaltet. Der Vortrag zeichnet diese historische Entwicklung nach und fragt nach den Kriterien zum Umgang mit NS-Kunst.

Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts

Kabinettausstellung im 2. OG
Seit 10. November 2018

Ignaz Heinrich von Wessenberg sammelte nicht nur religiöse Kunst, sondern auch Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts. Vor allem Werke von Johann Jakob Biedermann, Joseph Mosbrugger und Johann Georg Volmar, mit denen er zum Teil persönlich bekannt war, gelangten in seine Kollektion. Biedermann und Mosbrugger scheint er durch Ankäufe und gezielte Aufträge regelmäßig unterstützt zu haben. Joseph Mosbrugger war gebürtiger Konstanzer und kehrte nach einem längeren Studienaufenthalt in München in seine Heimatstadt zurück. Biedermann stammte aus Winterthur, zog 1802 an den Bodensee, wo er bis 1807 und nochmals von 1814 bis 1824 in unmittelbarer Nachbarschaft von Wessenberg lebte.

Biedermann war ein Meister des kleinen Formats. In seinen Darstellungen verzichtete er auf Pathos und Hintergründigkeit. Seine Landschaftsbilder zeigen eine weitgehend unberührte, durchsonnte Natur, die von Kühen, Schafen und Hirten bevölkert wird. Auffallendes Merkmal seiner Bilder sind die glatte Maltechnik, eine gewisse Buntfarbigkeit und die klar umrissene Erscheinung der Landschaft.

Joseph Mosbruggers Gemälde folgen wiederkehrenden Schemata. Entweder eröffnet sich dem Blick von erhöhtem Standpunkt die weite Landschaft oder aber er nähert sich flach vom Wasser kommend dem Ufer. Auch in seinen Bildern dominiert die Naturidylle, doch die Staffageelemente wie ans Ufer gezogene Kähne, Frauen im Gespräch oder Bäume und Gesträuch sind letztlich austauschbar. Das „Hexenhäuschen bei Bregenz" ist zweifellos eine seiner spektakulärsten Kompositionen.

Mosbrugger besorgte nach Wessenbergs Tod 1860 die Inventarisierung von dessen Sammlung und erstellte einen ersten Führer durch die Galerie, der 1863 erschien.
Erworben mit Mitteln der Baden-Württemberg Stiftung gGmbH (Logo)

Bild: Eigentum des Landes Baden-Württemberg. Erworben mit Mitteln der Baden-Württemberg Stiftung gGmbH.

Gestiefelt und gespornt

Hans Meid und die Pferde

Kabinettausstellung im 2. Stock
Seit 7. Mai 2018

Hans Meid (1883 Pforzheim - 1957 Ludwigsburg) zählt zu den herausragenden deutschen Graphikern der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Im Bereich der Druckgraphik, vor allem der Radierung, und der Buchillustration entwickelte er einen eigenen impressionistischen Stil und kann auf diesem Gebiet gleichberechtigt neben Lovis Corinth, Max Liebermann und Max Slevogt genannt werden.

Hans Meids erzählerische Bildwelten entführen den Betrachter in Gegenwelten, er ist ein virtuoser Schilderer tagheller Heiterkeit und nächtlichen Schattendaseins. Er entführt uns an Orte und Zeiten, die vom expressiven Pathos des Barocks bestimmt sind, von der überschwänglichen Lebensfreude des Rokoko oder der existentiellen Abgründigkeit der Romantik. Galante Herren und schöne Damen in Schleifenkleidern bevölkern seine rückwärts gewandten Szenerien, aber auch immer wieder - Pferde.

Seit Urzeiten war das Pferd enger Partner des Menschen. Es war unverzichtbar in der Landwirtschaft, verband Städte und Länder und entschied Kriege. Hans Meid lässt das edle Tier im schwungvollen Trab Kutschen durch sonnige Landschaften ziehen, Pferde galoppieren durch Zirkusarenen und dienen als vierbeiniges Turngerät flinker Artistinnen. Pferde werden bei amourösen Abenteuern zu Komplizen, im Krieg sind sie treue Kameraden und last but not least avancieren sie zum stolzen Sinnbild der herausragenden Stellung ihres Reiters, der gestiefelt und gespornt vom hohen Ross herab die Welt beherrscht.

Spätestens mit dem Ende des Ersten Weltkriegs endete in Europa der kentaurische Pakt zwischen Pferd und Mensch. Hans Meid jedoch hielt dem Pferd in seiner Kunst bis zuletzt die Treue. Eine kleine Auswahl seiner Pferdebilder finden Sie in unserer Kabinettausstellung.

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Die Stadt Konstanz gehört zu den Städten mit dem höchsten Radverkehrsanteil in Deutschland. Hier finden Sie ausführliche Informationen zur Radstadt Konstanz.

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Konstanz wächst. Die Stadt möchte mit diesem Wachstum Schritt halten und entsprechend Wohnraum bieten können. Als größtes Projekt im Handlungsprogramm Wohnen soll deshalb ein neuer Stadtteil entstehen: der Hafner.

Verkehrsplanung

Kurzfristige, mittelfristige und langfristige Maßnahmen zur Verkehrsentwicklung in Konstanz.