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Ausstellungen 2016

Aufstand der Mauerblümchen

Verborgenes aus der Sammlung

 

Eröffnung am Freitag, den 1. Juli um 19 Uhr

 

2. Juli - 4. September 2016

 

Mauerblümchen nennt man Pflanzen, die an entlegenen, schwer zugänglichen Stellen wachsen und weitgehend ein Leben im Abseits führen. Zu Unrecht werden sie kaum beachtet, denn auch sie verfügen über ganz eigene Vorzüge und Qualitäten.

Die Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz legt seit ihrer Wiedereröffnung 1998 den Schwerpunkt bewusst auf die Arbeit mit dem eigenen, reichen Sammlungsbestand, der seitdem unter verschiedenen thematischen Ansätzen gezeigt und zugleich wissenschaftlich erschlossen wird. Dennoch gibt es zahlreiche Werke, die seit den 1990er-Jahren nicht ausgestellt wurden. Diese sprichwörtlichen „Mauerblümchen" drängen in diesem Sommer nun mit Vehemenz ans Licht und überraschen einheimische wie externe Besucher in ihrer künstlerischen Vielfalt. Werke von bekannten Künstlern wie Max Beckmann, Wilhelm Gerstel oder Ingeborg Lüscher gilt es ebenso zu entdecken wie Arbeiten unbekannterer Künstler, die jedoch nicht weniger qualitätvoll sind. Zeitlich spannt sich der Bogen vom 16. Jahrhundert bis ins Heute, neben Arbeiten auf Papier und Gemälden werden auch Plastiken und Materialbilder vorgestellt.

 

Öffentliche Führungen:
Sonntag, 17. Juli, 7. August und 4. September, jeweils um 11 Uhr
Mittwoch, 20. Juli, 10. August, 24. August und 31. August, jeweils um 15 Uhr

 

Happy Hour:
Dienstag, 12. Juli, 2. August und 30. August, jeweils um 19 Uhr
Wir bieten Ihnen eine Abendführung durch die Ausstellung und servieren zur Einstimmung einen Apéritif.
Eine verbindliche Anmeldung zu dieser Veranstaltung ist erforderlich! Tel. +49 (0)7531/900 913 oder Mail an: ursula.benkoe@konstanz.de
Kostenbeitrag: 5,-€

 

"Sie gehören alle zueinander ..."

Helmuth Macke im Dialog mit seinen expressionistischen Künstlerfreunden

 

Eröffnung am Freitag, den 16. September um 19 Uhr

 

17. September 2016 - 15. Januar 2017

 

„Sie gehören alle zueinander, Franz, August und Helmuth, und wenn man an den Einen denkt, denkt man an sie Alle, an ihre Freundschaft und Gemeinschaft, an ihre Wünsche und Ziele" - das schrieb Elisabeth Erdmann-Macke, die Witwe August Mackes, von der Zeit des künstlerischen Aufbruchs am Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Namen von Franz Marc und August Macke sind heute jedem geläufig, und ihre Kunst hat Weltgeltung erlangt. Helmuth Macke, der jüngste der drei, ist jedoch in Vergessenheit geraten und stand bereits zu Lebzeiten im Schatten seines berühmten Vetters August Macke.

 

Dabei zählte Helmuth Macke zur wegweisenden Generation der so genannten „Rheinischen Expressionisten" und damit zur damaligen Avantgarde. Mit Franz Marc, Mitbegründer des „Blauen Reiter", war er ebenso freundschaftlich verbunden wie mit dem auf Schloss Dilborn lebenden Heinrich Nauen und den „Brücke"-Malern Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff. Macke entwickelte einen eigenständigen Stil, schuf eindrucksvolle expressive Landschaften, Portraits und Stillleben und beteiligte sich an bedeutenden Ausstellungen.

 

Eine zentrale Rolle sollte Helmuth Macke bei der Entstehung jener Kunstlandschaft spielen, die sich seit den 1930er-Jahren auf der Höri, der im unteren Bodensee in der Nähe zur Schweiz gelegenen Halbinsel, entwickelte: 1933 entschloss sich der Künstler zum Rückzug in die Bodenseeregion und fand in der Alten Mühle in Hemmenhofen ein neues Domizil. Im Zuge der „inneren Emigration" ließen sich weitere mit Macke bekannte Kunst- und Kulturschaffende auf der Höri nieder. Am Bodensee begann für Helmuth Macke nochmals eine Zeit der intensiven künstlerischen Arbeit, die durch seinen tragischen Unfalltod 1936 ein jähes Ende fand.

In einem vom Kunstmuseum Ahlen, Westfalen, initiierten Kooperationsprojekt erinnern fünf deutsche Museen anlässlich seines 80. Todestages an Helmuth Macke. Die Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz steht am Anfang und legt den inhaltlichen Schwerpunkt ihrer Ausstellung auf die Jahre 1933 bis 1936, in denen der Künstler am Bodensee lebte. Dabei werden nicht nur neue, bisher nicht bekannte Erkenntnisse zu Mackes Leben und Schaffen in jener Zeit präsentiert, sondern auch sein Spätwerk erstmals grundlegend analysiert und gewürdigt.

 

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

 

 


Ignaz Heinrich von Wessenberg und Italien

Kabinettausstellung im 2. OG
 

Ab 12. Februar 2016

 

Nach dem Tod von Bischof Karl von Dalberg am 10.2.1817 wählte das Konstanzer Domkapitel Ignaz Heinrich von Wessenberg einstimmig zum dessen Nachfolger. Rom erkannte die Wahl jedoch nicht an, da man Wessenberg für einen Schismatiker und Gegner des Papsttums hielt. Sein Bemühen, die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen zu entkräften und sich zu rehabilitieren, führte Wessenberg noch im Laufe des Jahres 1817 vermutlich erstmals nach Italien. Während er darauf wartete, beim Papst vorgelassen zu werden, vertrieb er sich die Zeit mit Besichtigungen und Ausflügen: Er bestieg den Vesuv und besuchte Salerno, Ischia sowie Sorrent.

Die Romreise blieb erfolglos, denn Wessenberg war nicht bereit, der Forderung des Heiligen Stuhls nachzugeben und seine Lehren und Handlungen zu widerrufen. Doch im Hinblick auf den Aufbau seiner Kunstsammlung muss dieser erste Italienaufenthalt erfolgreich gewesen sein. Die Begegnung mit den von ihm verehrten Malern der Renaissance, allen voran Raffael, entsprach Wessenbergs Vorstellung von der sittlich-didaktischen Aufgabe der Kunst. Bilder, in denen sich das Heilige mit dem Profanen mischt, lehnte er ab. Dagegen verkörperten die Figur der Maria und die Darstellung der Heiligen Familie für ihn das Ideale schlechthin.

Angesichts dieser Vorlieben begann Wessenberg mit dem Aufbau seiner Sammlung und erwarb auf seinen nachfolgenden Italienreisen zahlreiche Gemälde. Viele davon waren Kopien nach Werken großer Maler der Renaissance und des Frühbarock. Gute Kopien galten damals - anders als heute - als vollwertiger Ersatz für ein nicht erschwingliches Original. Neben dezidiert religiösen Motiven kaufte Wessenberg aber auch italianisierende Landschaftsbilder niederländischer Künstler des 17. und 18. Jahrhunderts. Maler wie Nicolaes Berchem oder Jacob Gerristz van Bemmel wussten realistische Naturschilderung mit pittoresken Versatzstücken und stimmungsvoller Atmosphäre zu verbinden. Sie bedienten damit erfolgreich eine schon damals nördlich der Alpen bestehende romantische Italiensehnsucht.

Bild: Eigentum des Landes Baden-Württemberg. Erworben mit Mitteln der Baden-Württemberg Stiftung gGmbH

Hans Meid in Italien

Kabinettausstellung im 2. Stock

 

Ab 16. Februar 2016

  

1910 zeigte Hans Meid erstmals seine Radierungen in einer Ausstellung. Dafür bekam er den „Villa-Romana-Preis", der mit einem halbjährigen Florenz-Aufenthalt verbunden war. In der Villa Romana traf er auf den Plastiker Karl Albiker, mit dem er seit den gemeinsamen Studientagen an der Karlsruher Akademie befreundet war. Meid und Albiker arbeiteten in der Villa Romana mit demselben Modell, der Italienerin Louisa Fratti. Sowohl Meids impressionistisch aufgefasster „Florentiner Halbakt" als auch Albikers lebendig modellierter „Kopf Louisa" beeindrucken durch ihre verhaltene Bewegtheit und körperliche Präsenz.

Neben seinem berühmten „Othello"-Zyklus radierte Meid in Florenz einige Einzelblätter wie „Sonntag in der Cascine von Florenz" und „Springbrunnen". Beide Graphiken kennzeichnet das flirrende Spiel des Lichts und die Vorliebe für eine barocke Ornamentik. Für das Springbrunnen-Blatt diente der Brunnen im Garten der Villa Romana als Vorlage. 

 

Nach diesem ersten, erfolgreichen Italienaufenthalt besuchte Hans Meid sein Sehnsuchtsland immer wieder. In den 1920er-Jahren fuhr er mindestens einmal im Jahr für einige Wochen in den Süden. Ziele waren Venedig, Rom, Neapel, aber auch Sizilien. Besonders liebte er den Gardasee mit seinen idyllischen Orten, die er in Zeichnungen und Radierungen festhielt.

Bis 1933 malte Meid auch Ölbilder. Von 1931 stammt das Gemälde „Via Dante in Padua mit der Albergo Costante". Die dazugehörige Radierung war schon 1929 entstanden. Auffallend ist das die Komposition beherrschende Dämmerlicht. Die fast menschenleere Gasse wird nur von einer einsamen Straβenlampe erhellt, die Arkadengänge liegen im Dunkeln, und die Fensterläden der Häuser sind geschlossen. Die Szenerie wirkt abweisend, fast ein wenig unheimlich, Bezüge zur Malerei des „magischen Realismus" klingen an.

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde das Reisen in den Süden unmöglich. Ob Hans Meid nach 1945 nochmal nach Italien fuhr, ist nicht bekannt. Fest steht, dass die landschaftliche Schönheit und romantische Stimmung des Südens bis zuletzt die Phantasie des Künstlers inspirierte.

 

 


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