Sechzig Jahre seines langen Lebens hat Ignaz Heinrich von Wessenberg (1774 - 1860) in Konstanz gelebt und ist durch seine Tätigkeit als reformorientierter Generalvikar und letzter Bistumsverweser bis heute unvergessen. Weitaus weniger bekannt ist Wessenbergs ausgeprägtes Interesse an der bildenden Kunst. Er hinterließ eine ansehnliche Kupferstich- und Gemäldesammlung und setzte sich nachhaltig für die Konstanzer Malerin Marie Ellenrieder ein.
Wessenbergs Sammlung ist eine typische Privatkollektion, die den Geschmack und die Neigungen desjenigen spiegelt, der sie zusammentrug. Als Kirchenmann bevorzugte er Bilder religiösen Inhalts, schätzte jedoch auch niederländische und deutsche Landschaftsdarstellungen. Die meisten Werke erwarb er auf seinen zahlreichen Reisen, darunter auffallend viele in Italien.
Anlässlich Wessenbergs 150. Todestag wird seine bemerkenswerte Sammlung, die in den letzten Jahren systematisch restauriert und erforscht wurde, nun erstmals nach 1945 in einer großen Ausstellung gezeigt. So erschließt sich nicht nur ein wichtiges Stück Konstanzer, sondern auch deutscher Geistesgeschichte des 19. Jahrhunderts.
Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog.
25. September - 21. November 2010
Handzeichnungen sind die intimen Schätze von Museen. Nur von Zeit zu Zeit dürfen die empfindlichen Werke das Dunkel des Graphikschranks verlassen. Nach fünf Jahren ist es wieder soweit: Rund 60 Zeichnungen aus der Sammlung Wilhelm Brandes, die 1907 an die Wessenberg-Galerie fiel, geben aufschlussreichen Einblick in das niederländische und flämische Kunstschaffen des 17. und beginnenden 18. Jahrhunderts.
Niemals ist wohl mehr gemalt und gezeichnet worden als in jenem „goldenen" Zeitalter der niederländischen Kunst, als man mit ungebrochener Sinnenfreude das Leben in all seinen Facetten zu erfassen suchte.
Neben klangvollen Namen wie Nicolaes Berchem, Adriaen Brouwer, Aelbert Cuyp, Jan van Huysum oder Rembrandt sind bemerkenswerte Graphiken weniger bekannter Künstler zu entdecken. Faszinierend ist die Vielfalt der zur Anwendung gelangten Techniken, aber auch die Fülle der Themen und Motive. Die bunte Vielfalt der Welt, in der nicht nur der Mensch, sondern auch Tier und Baum, Himmel und Meer zu Hauptdarstellern werden, spiegelt sich in diesen virtuosen Zeichnungen.
Eine auf die Ausstellung bezogene Installation der Züricher Künstlerin Estelle Gassmann bereichert die Schau; sie reflektiert mit den Mitteln heutiger Kunst die sinnlichen Freuden der Tafelkultur.
Zur Ausstellung ist ein Bestandskatalog erhältlich.
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 begann eine systematische Verfolgung oppositioneller Kunst und Kultur. Viele Künstler, darunter die ehemals gefeierte Avantgarde, verlieβen Deutschland und gingen ins Exil. Andere zogen sich in die innere Emigration zurück oder versuchten im Untergrund zu überleben. Jüdische oder politisch aktive KünstlerInnen waren besonders gefährdet; viele von ihnen wurden inhaftiert, in Konzentrationslager deportiert oder in den Selbstmord getrieben.
Mit der Aktion „Entartete Kunst", zu der die gleichnamige Wanderausstellung gehörte, setzten die neuen Machthaber 1937 ein deutliches Zeichen. Ihr fielen rund 20.000 Kunstwerke aus über 100 Museen und Sammlungen zum Opfer. Der überwiegende Teil wurde vernichtet, Spitzenstücke verkaufte man ins Ausland.
Die Ausstellung aus der Sammlung im Willy-Brandt-Haus in Berlin zeigt rund 70 Werke jener verhängnisvollen Zeit, die vom Freundeskreis Willy-Brandt-Haus e.V. für die SPD seit Mitte der 1990er Jahre zusammengetragen wurden. Neben bekannten Namen wie Max Beckmann, Otto Dix , Käthe Kollwitz oder Elfriede Lohse-Wächtler gibt es auch unbekanntere Künstler zu entdecken, die zu Unrecht in Vergessenheit geraten sind. Viele dieser um 1900 Geborenen zählen zur so genannten „verschollenen Generation", der es in der Nachkriegszeit nicht gelang, an die Anfänge ihrer jäh unterbrochenen Karriere anzuknüpfen.
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