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Ausstellungen 2016/2017

"Sie gehören alle zueinander ..."

HELMUTH MACKE im Dialog mit seinen expressionistischen Künstlerfreunden

 

Vernissage am Freitag, den 16. September, 19 Uhr

 

17. September 2016 - 15. Januar 2017

 

„Sie gehören alle zueinander, Franz, August und Helmuth, und wenn man an den Einen denkt, denkt man an sie Alle, an ihre Freundschaft und Gemeinschaft, an ihre Wünsche und Ziele" - das schrieb Elisabeth Erdmann-Macke, die Witwe August Mackes, von der Zeit des künstlerischen Aufbruchs am Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Namen von Franz Marc und August Macke sind heute jedem geläufig, und ihre Kunst hat Weltgeltung erlangt. Helmuth Macke, der jüngste der drei, ist jedoch in Vergessenheit geraten und stand bereits zu Lebzeiten im Schatten seines berühmten Vetters August Macke.

 

Dabei zählte Helmuth Macke zur wegweisenden Generation der so genannten „Rheinischen Expressionisten" und damit zur damaligen Avantgarde. Mit Franz Marc, Mitbegründer des „Blauen Reiter", war er ebenso freundschaftlich verbunden wie mit dem auf Schloss Dilborn lebenden Heinrich Nauen und den „Brücke"-Malern Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff. Macke entwickelte einen eigenständigen Stil, schuf eindrucksvolle expressive Landschaften, Portraits und Stillleben und beteiligte sich an bedeutenden Ausstellungen.

 

Eine zentrale Rolle sollte Helmuth Macke bei der Entstehung jener Kunstlandschaft spielen, die sich seit den 1930er-Jahren auf der Höri, der im unteren Bodensee in der Nähe zur Schweiz gelegenen Halbinsel, entwickelte: 1933 entschloss sich der Künstler zum Rückzug in die Bodenseeregion und fand in der Alten Mühle in Hemmenhofen ein neues Domizil. Im Zuge der „inneren Emigration" ließen sich weitere mit Macke bekannte Kunst- und Kulturschaffende auf der Höri nieder. Am Bodensee begann für Helmuth Macke nochmals eine Zeit der intensiven künstlerischen Arbeit, die durch seinen tragischen Unfalltod 1936 ein jähes Ende fand.

In einem vom Kunstmuseum Ahlen, Westfalen, initiierten Kooperationsprojekt erinnern fünf deutsche Museen anlässlich seines 80. Todestages an Helmuth Macke. Die Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz steht am Anfang und legt den inhaltlichen Schwerpunkt ihrer Ausstellung auf die Jahre 1933 bis 1936, in denen der Künstler am Bodensee lebte. Dabei werden nicht nur neue, bisher nicht bekannte Erkenntnisse zu Mackes Leben und Schaffen in jener Zeit präsentiert, sondern auch sein Spätwerk erstmals grundlegend analysiert und gewürdigt.

 

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

 

Öffentliche Führungen:

Sonntag, den 25. September, 16. Oktober, 6. November, 27. November, 11. Dezember und 15. Januar, jeweils um 11 Uhr

Mittwoch, den 5. Oktober, 26. Oktober, 16. November, 30. November, 21. Dezember und 4. Januar, jeweils um 15 Uhr

Freitag, den 6. Januar um 15 Uhr

 

Happy Hour

Wir bieten Ihnen eine Abendführung durch die Ausstellung und servieren zur Einstimmung einen Apéritif. Eine verbindliche Anmeldung zu dieser Veranstaltung ist erforderlich! Telefon +49(0)7531/900 913 oder Mail an: Ursula.Benkoe@Konstanz.de

Kostenbeitrag: 5,- €

Termine: Dienstag, den 4. Oktober, 8. November, 13. Dezember und  10. Januar, jeweils um 19 Uhr 

 

Begleitprogramm

 

"Ascona - Monte Verità und seine Künstler"
Vortrag in der Wessenberg-Galerie am Mittwoch, den 23. November um 19 Uhr mit Richard Butz, Journalist und Autor  

Ascona mit seinem Monte Verità: Seit der Jahrhundertwende Tummelplatz der Bohème, der Künstler und der Aussteiger. Hans Arp, Hugo Ball, Hermann Hesse oder Rudolf von Laban sind nur einige der zahlreichen Ascona-Persönlichkeiten, die sich auf dem "Berg der Wahrheit" aufhielten. Auch Helmuth Macke kam erstmals 1929 auf der Durchreise nach Ascona und lebte dort seit 1930 einige Monate bis zu seiner Ausweisung durch die Fremdenpolizei.

Richard Butz beschäftigt sich seit der legendären Monte-Verità-Ausstellung von Harald Szeemann im Jahr 1978 mit Ascona und der dortigen Kunstszene im 20. Jahrhundert. In seinem Vortrag stellt er den zum Mythos gewordenen Berg und seine Bewohner vor.

Kostenbeitrag: 5,- €

Anmeldung erbeten unter: +(0)7531/900 913 oder Mail an Ursula.Benkoe@Konstanz.de

 

"Gottes farbige Fenster. Sakrale Glasmalerei der Moderne im Rheinland"

Vortrag im Rosgartenmuseum am Mittwoch, den 7. Dezember um 19 Uhr mit Yvonne Hildwein, Volontärin der Städtischen Museen Konstanz 

Das Rheinland, Heimat von Helmuth Macke, entwickelte sich Anfang des 20. Jahrhunderts zu einer Hochburg der Glasmalerei. In Verbindung mit der dort entstehenden modernen Architektur erlebte die Glasfenstergestaltung insbesondere von sakralen Bauten, im Zeitraum seit 1910 einen regen Aufschwung. Künstler der klassischen Moderne wie Johan Thorn Prikker oder Heinrich Campendonk, Freunde von Helmuth Macke, aber auch Georg Meistermann, Wilhelm Teuwen, Jochem Poensgen, Ludwig Schaffrath, Johannes Schreiter bis hin zu Gerhard Richter waren und sind in diesem Bereich tätig.

Kostenbeitrag: 5,- E

Anmeldung erbeten unter: +(0)7531/900 913 oder Mail an Ursula.Benkoe@Konstanz.de

 

 


Peter August Böckstiegel

Ein Expressionist zwischen Westfalen und Dresden

 

Vernissage am Donnerstag, den 26. Januar, 19 Uhr

 

27. Januar bis 16. April 2017

 

Peter August Böckstiegel (1889 - 1951) zählt als Maler zu den herausragenden Vertretern des  zweiten Generation des deutschen Expressionismus.

Böckstiegel wuchs in bäuerlichen Verhältnissen in Werther in der Nähe von Bielefeld auf. Bereits in der Schule bemerkte man sein künstlerisches Talent. Nach einer Ausbildung zum Maler und Glaser besuchte er die Handwerker- und Kunstgewerbeschule in Bielefeld. Sein Lehrer Ludwig Godewols erkannte Böckstiegels ungewöhnliches künstlerisches Talent und förderte ihn.

Böckstiegels erste datierte Bilder stammen aus dem Jahr 1910. Schon früh fand er zu seinem eigenen Stil. Dank eines privaten Stipendiums konnte er 1913 an die Akademie der Bildenden Künste in Dresden wechseln. Seine Lehrer waren Oskar Zwintscher und Otto Gussmann, bei dem er Meisterschüler wurde. Als wegweisend erwies sich die Begegnung mit dem acht Jahre jüngeren Künstler Conrad Felixmüller, der sich frühzeitig dem Expressionismus zugewandt hatte. Felixmüllers Schwester Hanna sollte Böckstiegels Frau werden.

1915 wurde Böckstiegel zum Kriegsdienst eingezogen. Er diente beim Landsturm, hatte aber die Möglichkeit, auch künstlerisch tätig zu sein. Von 1916 bis 1919 war er in Russland, Rumänien und der Ukraine stationiert - die entstandenen Aquarelle geben Einblick in den Alltag des Militärs und der Landbevölkerung.

Während des Krieges brachen Böckstiegels Kontakte zur Dresdner Szene nicht ab. 1917 schloß er sich mit Conrad Felixmüller, Bernhard Kretzschmar, Otto Lange und Constantin von Mitschke-Collande zur „Gruppe 1917" zusammen. 1919 war er Gründungsmitglied der Dresdner Sezession „Gruppe 1919", zu deren Mitgliedern unter anderem Conrad Felixmüller und Otto Dix zählten. Nach seiner Rückkehr aus dem Krieg nahm er für kurze Zeit an deren Ausstellung- und Publikationstätigkeit teil.

1920 erhielt Böckstiegel von der Dresdner Akademie der Bildenden Künste ein Reisestipendium. Ein Jahr später verlieh man ihm an Stelle des Großen Sächsischen Staatspreises, den er als Bürger Preußens nicht erhalten konnte, ein Ehrenzeugnis mit dem dazugehörigen Geldpreis.

 

Mit seiner westfälischen Heimat und seinem Elternhaus blieb Böckstiegel eng verbunden. Die Winter pflegte er in Dresden zu verbringen, im Sommer lebte er in Werther. Immer wieder hielt er seine Eltern und seine eigene Familie, aber auch die von harter Arbeit geprägte Landbevölkerung in seinen farbsprühenden Gemälden, Aquarellen und Holzschnitten fest.

Während der Zeit des «Dritten Reiches» wurde Böckstiegel zwar nicht mit Ausstellungsverbot belegt, doch seine Werke galten als «entartet», wurden beschlagnahmt oder zerstört. Die Bombardierung Dresdens im Februar 1945 vernichtete sein Atelier; viele hundert Werke gingen verloren. Zusammen mit seiner Familie kehrte er in sein Elternhaus zurück und schuf sich dort eine dauerhafte Bleibe. 1949 besuchte er noch einmal nach Dresden, wo er sich an der 2. Deutschen Kunstausstellung beteiligte und ein Ehrenatelier erhielt. Peter August Böckstiegel starb 1951 in seinem Elternhaus.

 

Die Ausstellung, die in Kooperation mit dem Peter-August-Böckstiegel-Haus in Werther entstand, gibt Einblick in das ausdrucksstarke Schaffen eines bodenständigen Malers, dessen Leben zwischen Westfalen und Dresden angesiedelt, dessen Oeuvre jedoch zeitlebens von großer Naturverbundenheit und expressivem Ausdruck geprägt war. Werke seiner Bielefelder und Dresdner Künstlerfreunde und -kollegen wie Otto Dix, Bernhard Kretzschmar, Theodor Steinkühler, Robert Sterl, Viktor Tuxhorn und Max Westhäuser, vor allem aber seine enge Beziehung zu seinem Schwager Conrad Felixmüller ergänzen die Darstellung.

 


Dem See treu

Der Maler Karl Einhart (1884 - 1967) und seine Weggefährten

Vernissage am Freitag, den 5. Mai, 19 Uhr

 

6. Mai - 27. August 2017

 

Der Konstanzer Maler Karl Einhart (1884 - 1967) hielt in seinen Gemälden und Aquarellen bevorzugt die Landschaft seiner Heimat, den Bodensee, fest. Zugleich knüpfte er ein ausgedehntes Netzwerk von künstlerischen Beziehungen rund um den See.

 

Seine Ausbildung absolvierte Karl Einhart in Konstanz, Gottlieben, Karlsruhe und in Berlin. Auch in Luxemburg, der Dachauer Künstlerkolonie, München und Zürich fand er Inspiration.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges - er war als Soldat vor allem in Frankreich eingesetzt - kehrte Einhart nach Konstanz zurück. Dort wurde er in zahlreichen Künstlergruppierungen aktiv. 1919 war er Gründungsmitglied der expressionistischen Vereinigung „Breidablik" und trat Anfang der 1920er-Jahre dem „Künstlerbund Bodensee" sowie der „Neuen Malergruppe am See" bei. Zusammen mit seinem Schwager, dem Luxemburger Schriftsteller Norbert Jacques, gründete Karl Einhart 1925 die Künstlervereinigung „Der Kreis", die bis 1937 bestand und rund um den Bodensee mehr als 30 Ausstellungen organisierte. Eine besonders enge Freundschaft verband ihn mit dem in den Sommern in Langenargen lebenden Hans Purrmann, der ihm zum künstlerischen Vorbild wurde. 

Gut vernetzt blieb Einhart auch nach dem Zweiten Weltkrieg. Noch 1962 initiierte er mit Ernst Graf, Walter Matysiak, Hans Sauerbruch, Jean Paul Schmitz, Rose-Marie Schnorrenberg, Rudolf Stuckert und anderen die Deutsch-Schweizer Künstlervereinigung „Der Kleine Kreis".

 

Karl Einhart blieb in seiner Kunst zeitlebens dem Gegenständlichen verbunden. Er malte vor allem Landschaften, Portraits, Stillleben und Akte. In seiner Geburtsstadt gestaltete er eine Anzahl von Hauszeichen; zudem war er als Buchillustrator und Keramiker aktiv.

 

Anlässlich seines 50. Todestages widmet die Städtische Wessenberg-Galerie Karl Einhart eine Retrospektive. Die Schau zeigt neben den für ihn typischen Landschaften und Stillleben bisher auch weniger bekannte Aspekte seines Oeuvres auf und präsentiert zugleich Arbeiten seiner künstlerischen Freunde und Weggefährten, unter anderem von Adolf Dietrich, Hans Purrmann, Kasia von Szadurska, Rudolf Wacker und Gustav Wolf.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

 


Künstler in München

Impressionen aus den Jahren 1810 bis 1910

Vernissage am Donnerstag, den 7. September,  19 Uhr

 

8. September - 19. November 2017

 

München galt im 19. Jahrhundert als die Kunsthauptstadt Deutschlands. „München leuchtet" - die oft zitierte Eingangspassage von Thomas Manns Novelle „Gladius Die" beschreibt die Stadt als von Kunst durchdrungen: „Die Kunst blüht, die Kunst ist an der Herrschaft".

Münchens Aufstieg zu einer der bedeutendsten Kunststädte Europas begann unter Ludwig I. von Bayern (1786 - 1868); während seiner Regentschaft entwickelte sich die Stadt zum unbestrittenen kulturellen Zentrum. Die 1808 gegründete „Königliche Akademie der bildenden Künste" war neben jener von Paris die bedeutendste Europas. Die Ausstellungen im Glaspalast zogen seit 1854 ein weltweites Publikum an, und der Kunstbetrieb entwickelte sich zu einer veritablen Industrie: Um 1860 lebten schätzungsweise zwischen 800 und 1000 Künstler in München, um 1900 waren es rund 3000!

 

Die Ausstellung, die ausschließlich aus Werken der Sammlung der Städtischen Wessenberg-Galerie Konstanz zusammengestellt wurde, unternimmt einen Streifzug durch hundert Jahre Münchner Kunstgeschichte. Sie beginnt um 1810, als die aus Konstanz stammenden Malerin Marie Ellenrieder als erste Frau an der Münchner Kunstakademie studierte. Wenig später entdeckten die Künstler die vor den Toren der Stadt liegenden Berge, aber auch das Dachauer Moos als Motiv. Malerfürsten wie Franz von Lenbach vertraten die Ideale der Gründerzeit; Lenbach residierte wie Franz von Stuck in einer herrschaftlichen Villa, beide Häuser sind heute Museen. Die bereits 1892 gegründete „Münchner Secession" rebellierte gegen den alteingesessenen Kunstbetrieb, und Zeitschriften wie „Jugend" und „Simplicissimus" trugen nicht nur zur Durchsetzung eines neuen, frischen Kunststils, dem Jugendstil, bei, sondern wandten sich mit Witz und Humor auch gegen gesellschaftliche und politische Mißstände. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges markierte das Ende der Münchner Kunstvorherrschaft, dem Berlin als die neue Hauptstadt des Deutschen Reiches mittlerweile den Rang abgelaufen hatte.

 


Ernst Würtenberger. 1868 - 1934.

Ein deutscher Maler in Zürich

Eröffnung am Freitag, den 1. Dezember, 19 Uhr

 

2. Dezember 2017 - 1. April 2018

 

Ernst Würtenberger wurde 1868 in Steißlingen geboren, wuchs jedoch in Emmishofen (heute Kreuzlingen, Schweiz) auf. Schon früh zeigte sich seine künstlerische Begabung. Er studierte an den Kunstakademien in München und Karlsruhe und bildete sich 1894/95 privat bei dem von ihm bewunderten Arnold Böcklin in Florenz fort.

1902 zog Würtenberger, der früh Zugang zur Literaturszene am Bodensee gefunden und sich in Konstanz und Umgebung bereits einen Namen als Porträtist gemacht hatte, nach Zürich. Hier unterrichtete er zunächst an Luise Stadlers „Kunst- und Gewerbeschule für Damen", bevor er sich als freischaffender Künstler etablierte. Würtenberger verfasste zahlreiche Bücher, unter anderem über Arnold Böcklin, trat aber auch als Reformer des modernen Holzschnitts hervor; seine Illustrationen von Zeitschriften und Büchern bestechen durch ihre klare, kräftige Liniensprache.

Noch im Jahr seiner Übersiedlung begann sich Ernst Würtenberger in der Zürcher Kunst-Gesellschaft zu engagieren: er war lange Zeit Mitglied der Sammlungs- und Ausstellungskommission. Wegweisende Ausstellungen wie jene über die französischen Impressionisten (1908) und Felix Vallotton (1909) wurden von ihm mitverantwortet. Würtenberger wurde zum Berater von Zürcher und Winterthurer Kunstsammlern, hatte wesentlichen Anteil an der künstlerischen Durchsetzung Ferdinand Hodlers in der Schweiz und setzte sich nachdrücklich für den Bau des Zürcher Kunsthauses ein. Von 1914 bis 1921 war er zudem Lehrer an der Zürcher Kunstgewerbeschule.

 

Ernst Würtenberger avancierte in der Schweiz zu einem gefragten Porträtisten. Wer etwas auf sich hielt, sich ließ sich oder seine Familie von ihm malen. Während seiner Zürcher Jahre, die 1921 mit seinem Wegzug nach Karlsruhe endeten, wo er an der Landeskunstschule eine Professur übernahm, schuf er mehrere hundert Bildnisse unter anderem von dem mit ihm befreundeten Künstlern und Literaten wie Ferdinand Hodler und Rudolf Koller, Hermann Hesse, Adolf Frey oder Hans Trog. Zugleich hielt er bereits verstorbene Persönlichkeiten wie Gottfried Keller oder Jeremias Gotthelf in eindrucksvollen Darstellungen fest. Ernst Würtenberger starb 1934 in Karlsruhe.

 

Die Ausstellung in der Städtischen Wessenberg-Galerie Konstanz legt den Fokus auf Ernst Würtenbergers Zürcher Jahre und sucht seine Bedeutung für die Schweizer Kunst- und Kulturszene jener Zeit herauszuarbeiten. Zeitgleich zur Konstanzer Schau beleuchtet das Hesse Museum in Gaienhofen in einer Ausstellung Ernst Würtenbergers vielfältigen Beziehungen zur literarischen Szene am Bodensee und in der Schweiz.

 

Zu den Ausstellungen erscheint ein gemeinsamer Katalog.

 

 

 


Ignaz Heinrich von Wessenberg und Italien

Kabinettausstellung im 2. OG
 

Ab 12. Februar 2016

 

Nach dem Tod von Bischof Karl von Dalberg am 10.2.1817 wählte das Konstanzer Domkapitel Ignaz Heinrich von Wessenberg einstimmig zum dessen Nachfolger. Rom erkannte die Wahl jedoch nicht an, da man Wessenberg für einen Schismatiker und Gegner des Papsttums hielt. Sein Bemühen, die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen zu entkräften und sich zu rehabilitieren, führte Wessenberg noch im Laufe des Jahres 1817 vermutlich erstmals nach Italien. Während er darauf wartete, beim Papst vorgelassen zu werden, vertrieb er sich die Zeit mit Besichtigungen und Ausflügen: Er bestieg den Vesuv und besuchte Salerno, Ischia sowie Sorrent.

Die Romreise blieb erfolglos, denn Wessenberg war nicht bereit, der Forderung des Heiligen Stuhls nachzugeben und seine Lehren und Handlungen zu widerrufen. Doch im Hinblick auf den Aufbau seiner Kunstsammlung muss dieser erste Italienaufenthalt erfolgreich gewesen sein. Die Begegnung mit den von ihm verehrten Malern der Renaissance, allen voran Raffael, entsprach Wessenbergs Vorstellung von der sittlich-didaktischen Aufgabe der Kunst. Bilder, in denen sich das Heilige mit dem Profanen mischt, lehnte er ab. Dagegen verkörperten die Figur der Maria und die Darstellung der Heiligen Familie für ihn das Ideale schlechthin.

Angesichts dieser Vorlieben begann Wessenberg mit dem Aufbau seiner Sammlung und erwarb auf seinen nachfolgenden Italienreisen zahlreiche Gemälde. Viele davon waren Kopien nach Werken großer Maler der Renaissance und des Frühbarock. Gute Kopien galten damals - anders als heute - als vollwertiger Ersatz für ein nicht erschwingliches Original. Neben dezidiert religiösen Motiven kaufte Wessenberg aber auch italianisierende Landschaftsbilder niederländischer Künstler des 17. und 18. Jahrhunderts. Maler wie Nicolaes Berchem oder Jacob Gerristz van Bemmel wussten realistische Naturschilderung mit pittoresken Versatzstücken und stimmungsvoller Atmosphäre zu verbinden. Sie bedienten damit erfolgreich eine schon damals nördlich der Alpen bestehende romantische Italiensehnsucht.

Bild: Eigentum des Landes Baden-Württemberg. Erworben mit Mitteln der Baden-Württemberg Stiftung gGmbH

Hans Meid in Italien

Kabinettausstellung im 2. Stock

 

Ab 16. Februar 2016

  

1910 zeigte Hans Meid erstmals seine Radierungen in einer Ausstellung. Dafür bekam er den „Villa-Romana-Preis", der mit einem halbjährigen Florenz-Aufenthalt verbunden war. In der Villa Romana traf er auf den Plastiker Karl Albiker, mit dem er seit den gemeinsamen Studientagen an der Karlsruher Akademie befreundet war. Meid und Albiker arbeiteten in der Villa Romana mit demselben Modell, der Italienerin Louisa Fratti. Sowohl Meids impressionistisch aufgefasster „Florentiner Halbakt" als auch Albikers lebendig modellierter „Kopf Louisa" beeindrucken durch ihre verhaltene Bewegtheit und körperliche Präsenz.

Neben seinem berühmten „Othello"-Zyklus radierte Meid in Florenz einige Einzelblätter wie „Sonntag in der Cascine von Florenz" und „Springbrunnen". Beide Graphiken kennzeichnet das flirrende Spiel des Lichts und die Vorliebe für eine barocke Ornamentik. Für das Springbrunnen-Blatt diente der Brunnen im Garten der Villa Romana als Vorlage. 

 

Nach diesem ersten, erfolgreichen Italienaufenthalt besuchte Hans Meid sein Sehnsuchtsland immer wieder. In den 1920er-Jahren fuhr er mindestens einmal im Jahr für einige Wochen in den Süden. Ziele waren Venedig, Rom, Neapel, aber auch Sizilien. Besonders liebte er den Gardasee mit seinen idyllischen Orten, die er in Zeichnungen und Radierungen festhielt.

Bis 1933 malte Meid auch Ölbilder. Von 1931 stammt das Gemälde „Via Dante in Padua mit der Albergo Costante". Die dazugehörige Radierung war schon 1929 entstanden. Auffallend ist das die Komposition beherrschende Dämmerlicht. Die fast menschenleere Gasse wird nur von einer einsamen Straβenlampe erhellt, die Arkadengänge liegen im Dunkeln, und die Fensterläden der Häuser sind geschlossen. Die Szenerie wirkt abweisend, fast ein wenig unheimlich, Bezüge zur Malerei des „magischen Realismus" klingen an.

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde das Reisen in den Süden unmöglich. Ob Hans Meid nach 1945 nochmal nach Italien fuhr, ist nicht bekannt. Fest steht, dass die landschaftliche Schönheit und romantische Stimmung des Südens bis zuletzt die Phantasie des Künstlers inspirierte.

 

 


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