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Ausstellungen 2015/2016

Verfolgt & vertrieben.

Deutsche Künstler im Exil 1933 bis 1945.

Werke aus der Sammlung „Memoria" Thomas B. Schumann

 

Eröffnung am Freitag, den 8. April um 19 Uhr 

 

9. April - 19. Juni 2016

  

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurde die rechtsstaatliche Verfassung der Weimarer Republik schrittweise demontiert und alle demokratischen Funktionen ausgelöscht. Zahlreiche Verordnungen und Gesetze traten in Kraft, die die Ausgrenzung, Inhaftierung und Ermordung von Juden, politisch Andersdenkenden, Homosexuellen und anderen zur Folge hatten. Daraufhin entschlossen sich zahlreiche Bürger zur Auswanderung.

Unter den 500.000 Menschen, die ihre deutsche Heimat verliessen, befanden sich rund 8.000 Kunst- und Kulturschaffende. In der trügerischen Hoffnung, bald zurückkehren zu können, suchten viele Zuflucht in den europäischen Nachbarländern. Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939 und die Besetzung und Eroberung seiner Nachbarstaaten durch Hitlerdeutschland lösten eine weitere, nun weltumspannende Fluchtwelle aus. Manche Flüchtlinge fanden eine neue Heimat, andere blieben entwurzelt und litten existentielle Not.

So vielfältig wie die Einzelschicksale der Exilanten, waren auch die von ihnen vertretenen künstlerischen Positionen. Neben bekannteren Namen wie Charlotte Berend-Corinth, Ludwig Meidner, Eugen Spiro oder Josef Scharl zählen die meisten der in der Ausstellung vorgestellten Künstlerinnen und Künstler zur so genannten „verschollenen" Generation. Sie blieben nach 1945 im Abseits des Vergessens. Erst in den 1970er-Jahren begann man, sich für sie zu interessieren und ihr vielseitiges künstlerisches Schaffen wieder zu entdecken.

Die Ausstellung versammelt höchst unterschiedliche ästhetische Positionen und erinnert an eine deutsche Künstlergeneration, die während einer besonders lebendigen, von vielfältigen Stilen geprägten Epoche tätig war.

 

Bis auf vier Leihgaben von Armin Stern und Leo Maillet stammen alle Werke aus der Sammlung „Memoria" von Thomas B. Schumann, der sich seit vielen Jahren als Autor, Verleger und Sammler intensiv mit der Exil-Thematik beschäftigt.

 

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Verlag Edition Memoria, Thomas B. Schumann, Kiefernweg 11, 50354 Hürth bei Köln, Telefon 02233-67282, E-Mail: edition.memoria@yahoo.de

 

Erhältlich während der Ausstellung an der Museumskasse zum Preis von 29,80 Euro. Verkauf über den Buchhandel für 39,80 Euro. Kein Versand durch das Museum!

 

Öffentliche Führungen:

Sonntag, 17. April, 1. Mai, 22. Mai, 5. Juni und 19. Juni, jeweils um 11 Uhr

Mittwoch, 20. April, 4. Mai, 25. Mai und 15. Juni, jeweils um 15 Uhr

  

Happy Hour:

Dienstag, 19. April, 10. Mai und 14. Juni,  jeweils um 19 Uhr Wir bieten Ihnen eine Abendführung durch die Ausstellung und servieren zur Einstimmung einen Apéritif. Eine verbindliche Anmeldung zu dieser Veranstaltung ist erforderlich! Tel. +49(0)7531/900 913 oder Mail an: ursula.benkoe@konstanz.de Kostenbeitrag: 5,-€

 

"Wo soll ich hin, wenn kalt der Nordsturm brüllt?" Vom flüchtigen Exil deutscher Autorinnen und Autoren in der Schweiz

Lesung mit Martin Dreyfus, Rüschlikon

Mittwoch, 27. April um 19 Uhr in den Räumen der Wessenberg-Galerie

Als 1933 die Nationalsozialisten zunächst in Deutschland, 1938 in Österreich und später auch in Prag, wo bis dahin zunächst noch manche deutschsprachige Autorinen und Autoren Zuflucht gefunden hatten, die Macht an sich rissen, flohen zahlreiche Schriftsteller und Dichterinnen in die Schweiz. Oft - wenn auch nicht allen Fällen - war ihnen eine dauernde Aufnahme allerdings auch hier nicht vergönnte.

Der Vortrag geht den unterschiedlichen Lebensläufen nach und zeigt die oft prekären Lebensumstände der Exilierten auf.

Kostenbeitrag: 3,- Euro

Anmeldung bei Frau Benkö (Tel. +49(0)7531/900 913  oder Ursula.Benkoe@konstanz.de  ist erwünscht.

 

Sonderführung mit dem Autor, Verleger  und Sammler Thomas B. Schuhmann

Dienstag, 7. Juni um 19 Uhr

Die Teilnehmerzahl ist auf 30 Personen begrenzt!

Kostenbeitrag; 3,- Euro

Anmeldung bei Frau Benkö (Tel. +49(0)7531/900 913  oder Ursula.Benkoe@konstanz.de  ist erforderlich.

 

"Man emigriert eben auf Lebenszeit" (Georg Stefan Troller)

Der Autor, Verleger und Sammler Thomas B. Schumann gibt Einblick in die Entstehung  und inhaltliche Ausrichtung seiner Sammlung

Mittwoch, 8. Juni um 19 Uhr in den Räumen der Wessenberg-Galerie

Kostenbeitrag: 3,- Euro Anmeldung bei Frau Benkö (Tel. +49(0)7531/900 913  oder Ursula.Benkoe@konstanz.de  ist erwünscht.


Beitrag in der Landesschau aktuell Baden-Württemberg des SWR Fernsehen "Verfolgt & vertrieben"

Erich Klossowski (1875 Ragnit/Ostpreußen - 1949 Sanary sur Mer); Bildnis der Frau des Künstlers Baladine; 1920; Öl auf Leinwand; 60,5 x 50 cm<br />
Erich Klossowski (1875 Ragnit/Ostpreußen - 1949 Sanary sur Mer); Bildnis der Frau des Künstlers Baladine; 1920; Öl auf Leinwand; 60,5 x 50 cm© Thomas B. Schumann

SWR2 Journal am Mittag Kulturgespräche mit Thomas B. Schumann

Albert Reuss (1889 Wien - 1976 Mousehole/Cornwall); Der Kunstkritiker; 1943; Öl/Leinwand; 54,5 x 64 cm<br />
Albert Reuss (1889 Wien - 1976 Mousehole/Cornwall); Der Kunstkritiker; 1943; Öl/Leinwand; 54,5 x 64 cm© Thomas B. Schumann

Aufstand der Mauerblümchen

Verborgenes aus der Sammlung

 

Eröffnung am Freitag, den 1. Juli um 19 Uhr

 

2. Juli - 4. September 2016

 

Mauerblümchen nennt man Pflanzen, die an entlegenen, schwer zugänglichen Stellen wachsen und weitgehend ein Leben im Abseits führen. Zu Unrecht werden sie kaum beachtet, denn auch sie verfügen über ganz eigene Vorzüge und Qualitäten.

Die Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz legt seit ihrer Wiedereröffnung 1998 den Schwerpunkt bewusst auf die Arbeit mit dem eigenen, reichen Sammlungsbestand, der seitdem unter verschiedenen thematischen Ansätzen gezeigt und zugleich wissenschaftlich erschlossen wird. Dennoch gibt es zahlreiche Werke, die seit den 1990er-Jahren nicht ausgestellt wurden. Diese sprichwörtlichen „Mauerblümchen" drängen in diesem Sommer nun mit Vehemenz ans Licht und überraschen einheimische wie externe Besucher in ihrer künstlerischen Vielfalt. Werke von bekannten Künstlern wie Max Beckmann, Wilhelm Gerstel oder Ingeborg Lüscher gilt es ebenso zu entdecken wie Arbeiten unbekannterer Künstler, die jedoch nicht weniger qualitätvoll sind. Zeitlich spannt sich der Bogen vom 16. Jahrhundert bis ins Heute, neben Arbeiten auf Papier und Gemälden werden auch Plastiken und Materialbilder vorgestellt.

 


"Sie gehören alle zueinander ..."

Helmuth Macke im Dialog mit seinen expressionistischen Künstlerfreunden

 

Eröffnung am Freitag, den 16. September um 19 Uhr

 

17. September 2016 - 15. Januar 2017

 

Zeitlebens stand er im Schatten seines berühmten Verwandten: Helmuth Macke, Vetter des vier Jahre älteren Malers August Macke. Der Erste Weltkrieg, später dann die nationalsozialistische Diktatur, verhinderten seinen künstlerischen Durchbruch. Dabei zählt Helmuth Macke zur wegweisenden Generation der so genannten „Rheinischen Expressionisten"; mit Franz Marc, Mitbegründer des „Blauen Reiter", war er ebenso freundschaftlich verbunden wie mit dem im Schloss Dilborn lebenden Heinrich Nauen und dem „Brücke"-Maler Erich Heckel. Mit seinem malerischen und auch kunsthandwerklichen Werk leistete Helmuth Macke einen höchst eigenständigen Beitrag zur facettenreichen Kunst jener Zeit. Eine geradezu schicksalshafte Rolle sollte er bei der Entstehung jener Kunstlandschaft spielen, die sich seit den 1930er-Jahren auf der Höri, der im unteren Bodensee in der Nähe der Schweiz gelegenen Halbinsel, entwickelte.

1933 entschloss sich Helmuth Macke aus finanziellen und politischen Gründen zum Rückzug in die Bodenseeregion. In der Alten Mühle in Hemmenhofen fand er ein

neues Domizil. Hier begann für Helmut Macke nochmals eine Zeit der intensiven künstlerischen Arbeit, wenngleich seine Malerei nun zu der von den Nationalsozialisten bekämpften „entarteten Kunst" zählte.

Es war Helmuth Macke, der den nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten entlassenen Direktor der Düsseldorfer Kunstakademie, Walter Kaesbach, 1933 zum Umzug auf die Höri animierte. In der Folge besuchten zahlreiche, mit Kaesbach und Macke bekannte, vor allem aus dem Rheinland stammende Künstler die Halbinsel. Helmuth Macke starb 1936 bei einem tragischen Bootsunglück auf dem Bodensee.

 

In einer groβen, vom Kunstmuseum Ahlen, Westfalen, initiierten Ausstellung, erinnern fünf deutsche Museen anlässlich seines 80. Todestages an Helmuth Macke. Die Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz legt den inhaltlichen Schwerpunkt ihrer Schau auf die Jahre 1933 bis 1936, in denen der Künstler am Bodensee lebte. Dabei werden nicht nur neue, bisher nicht bekannte Erkenntnisse zu Mackes Leben und Schaffen in jener Zeit präsentiert, sondern auch sein vernachlässigtes Spätwerk erstmals grundlegend analysiert und gewürdigt.

 

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

 

 


Ignaz Heinrich von Wessenberg und Italien

Kabinettausstellung im 2. OG
 

Ab 12. Februar 2016

 

Nach dem Tod von Bischof Karl von Dalberg am 10.2.1817 wählte das Konstanzer Domkapitel Ignaz Heinrich von Wessenberg einstimmig zum dessen Nachfolger. Rom erkannte die Wahl jedoch nicht an, da man Wessenberg für einen Schismatiker und Gegner des Papsttums hielt. Sein Bemühen, die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen zu entkräften und sich zu rehabilitieren, führte Wessenberg noch im Laufe des Jahres 1817 vermutlich erstmals nach Italien. Während er darauf wartete, beim Papst vorgelassen zu werden, vertrieb er sich die Zeit mit Besichtigungen und Ausflügen: Er bestieg den Vesuv und besuchte Salerno, Ischia sowie Sorrent.

Die Romreise blieb erfolglos, denn Wessenberg war nicht bereit, der Forderung des Heiligen Stuhls nachzugeben und seine Lehren und Handlungen zu widerrufen. Doch im Hinblick auf den Aufbau seiner Kunstsammlung muss dieser erste Italienaufenthalt erfolgreich gewesen sein. Die Begegnung mit den von ihm verehrten Malern der Renaissance, allen voran Raffael, entsprach Wessenbergs Vorstellung von der sittlich-didaktischen Aufgabe der Kunst. Bilder, in denen sich das Heilige mit dem Profanen mischt, lehnte er ab. Dagegen verkörperten die Figur der Maria und die Darstellung der Heiligen Familie für ihn das Ideale schlechthin.

Angesichts dieser Vorlieben begann Wessenberg mit dem Aufbau seiner Sammlung und erwarb auf seinen nachfolgenden Italienreisen zahlreiche Gemälde. Viele davon waren Kopien nach Werken großer Maler der Renaissance und des Frühbarock. Gute Kopien galten damals - anders als heute - als vollwertiger Ersatz für ein nicht erschwingliches Original. Neben dezidiert religiösen Motiven kaufte Wessenberg aber auch italianisierende Landschaftsbilder niederländischer Künstler des 17. und 18. Jahrhunderts. Maler wie Nicolaes Berchem oder Jacob Gerristz van Bemmel wussten realistische Naturschilderung mit pittoresken Versatzstücken und stimmungsvoller Atmosphäre zu verbinden. Sie bedienten damit erfolgreich eine schon damals nördlich der Alpen bestehende romantische Italiensehnsucht.

Bild: Eigentum des Landes Baden-Württemberg. Erworben mit Mitteln der Baden-Württemberg Stiftung gGmbH

Hans Meid in Italien

Kabinettausstellung im 2. Stock

 

Ab 16. Februar 2016

  

1910 zeigte Hans Meid erstmals seine Radierungen in einer Ausstellung. Dafür bekam er den „Villa-Romana-Preis", der mit einem halbjährigen Florenz-Aufenthalt verbunden war. In der Villa Romana traf er auf den Plastiker Karl Albiker, mit dem er seit den gemeinsamen Studientagen an der Karlsruher Akademie befreundet war. Meid und Albiker arbeiteten in der Villa Romana mit demselben Modell, der Italienerin Louisa Fratti. Sowohl Meids impressionistisch aufgefasster „Florentiner Halbakt" als auch Albikers lebendig modellierter „Kopf Louisa" beeindrucken durch ihre verhaltene Bewegtheit und körperliche Präsenz.

Neben seinem berühmten „Othello"-Zyklus radierte Meid in Florenz einige Einzelblätter wie „Sonntag in der Cascine von Florenz" und „Springbrunnen". Beide Graphiken kennzeichnet das flirrende Spiel des Lichts und die Vorliebe für eine barocke Ornamentik. Für das Springbrunnen-Blatt diente der Brunnen im Garten der Villa Romana als Vorlage. 

 

Nach diesem ersten, erfolgreichen Italienaufenthalt besuchte Hans Meid sein Sehnsuchtsland immer wieder. In den 1920er-Jahren fuhr er mindestens einmal im Jahr für einige Wochen in den Süden. Ziele waren Venedig, Rom, Neapel, aber auch Sizilien. Besonders liebte er den Gardasee mit seinen idyllischen Orten, die er in Zeichnungen und Radierungen festhielt.

Bis 1933 malte Meid auch Ölbilder. Von 1931 stammt das Gemälde „Via Dante in Padua mit der Albergo Costante". Die dazugehörige Radierung war schon 1929 entstanden. Auffallend ist das die Komposition beherrschende Dämmerlicht. Die fast menschenleere Gasse wird nur von einer einsamen Straβenlampe erhellt, die Arkadengänge liegen im Dunkeln, und die Fensterläden der Häuser sind geschlossen. Die Szenerie wirkt abweisend, fast ein wenig unheimlich, Bezüge zur Malerei des „magischen Realismus" klingen an.

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde das Reisen in den Süden unmöglich. Ob Hans Meid nach 1945 nochmal nach Italien fuhr, ist nicht bekannt. Fest steht, dass die landschaftliche Schönheit und romantische Stimmung des Südens bis zuletzt die Phantasie des Künstlers inspirierte.

 

 


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