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Tag des offenen Denkmals 2012

„Holz“ – unter diesem prägnanten Motto steht der deutschlandweit veranstaltete Tag des offenen Denkmals 2012. Auch in Konstanz werden am Sonntag, den 09. September 2012 zahlreiche historische Denkmale mit besonderem Blick auf dieses traditionelle Baumaterial vorgestellt. Bürgermeister Kurt Werner eröffnet die Veranstaltung offiziell um 11.00 Uhr im Speichersaal des Konzils. Für die musikalische Umrahmung sorgen Mitglieder des Streichorchesters "Concerto Constanz".


Das Material Holz ist aufs Engste mit unserer Vorstellung vom Bauen vergangener Zeiten verknüpft. Wir denken spontan an die Fachwerkromantik alter Städte und Dörfer, an spitzgiebelige Bürgerhäuser, an Scheunen und Mühlen, an Wohnstuben und Wirtshaussäle, an gotische Schnitzaltäre und barocke Täferverkleidungen. Tatsächlich war über Jahrtausende Holz das herausragende Baumaterial für die Realisierung vielfältiger Tragkonstruktionen, für Verkleidungen und Ausstattungen, war Material der Baumeister wie der Kunsthandwerker, konstruktiv erforderliches Tragglied, welches es am besten zu kaschieren galt, aber auch künstlerischer Ausdrucksträger. Und auch das Bauen unserer Zeit - geprägt von einer wahren Flut an Werkstoffen - wäre ohne das elementare Material Holz nicht vorstellbar.

Auch in Konstanz zählte Holz über Jahrhunderte hinweg zu den bevorzugten Baumaterialien. Mit Holz wurde fundamentiert, aufgerichtet, unter Dach gebracht, ausgeschmückt, möbliert und verkleidet. Für den flüchtigen Betrachter mag es heute schwer vorstellbar sein, aber die Konstanzer Altstadt ist neben ihrer Vielzahl an teils repräsentativen Steinbauten auch eine Fachwerkstadt. Dass dies heute nicht mehr so präsent ist, liegt vor allem an der Mode seit der Barockzeit, Fachwerkfassaden aus ästhetischen Gründen und wegen des Brandschutzes durch Stein zu ersetzen oder zumindest zu verputzen. Und natürlich besitzen auch Massivbauten Holzdachwerke, Balkendecken, Kreuzstockfenster und vieles mehr. Deshalb möchte der Tag des offenen Denkmals neben der Präsentation reiner, heute noch sichtbarer Holzbauten so manch verdeckter Holzkonstruktion, manch innerer Ausstattungskunst nachspüren.

„Von Pfählen, Latrinen und Bohlenstuben - archäologische Holzfunde aus Konstanz und der Bodenseeregion" - unter diesem Motto stehen spezielle Führungen im Archäologischen Landesmuseum (ALM). Gerade die Ergebnisse einer jahrzehntelangen Grabungstätigkeit im Konstanzer Stadtboden - dem „Archiv im Boden" - erzählen spannende Episoden aus der vorgeschichtlichen, antiken und mittelalterlichen Vergangenheit unserer Stadt. Die zahlreichen Holzfunde geben Auskunft über frühere Aufschüttungs- und Gründungstechniken, über Wohnausstattungen, das Leben im Alltag und vieles mehr.

Selbstverständlich wurde das Konstanzer Münster als monumentaler hochmittelalterlicher Sakralbau in Stein errichtet, und auch hölzerne Vorgängerbauten sind auszuschließen. Und dennoch kann an der altehrwürdigen Bischofskirche der Einsatz von Holz zur Lösung unterschiedlichster Aufgaben nachvollzogen werden. Das Münster zeichnet sich nicht zuletzt durch die erhaltenen mittelalterlichen Dachwerke aus, und auch die einstige Flachdecke des Mittelschiffs ist noch in Resten vorhanden. Glücklicherweise haben sich trotz des Bildersturms im 16. Jahrhundert auch herausragende Holzbildwerke aus dem Mittelalter erhalten, welche die einstige Ausstattungspracht, mit der sich das Gotteshaus bis zur Reformation präsentierte, erahnen lassen. Am Münster spannt sich der thematische Bogen am diesjährigen Tag des offenen Denkmals somit von der technisch innovativen Holzkonstruktion bis zum sakralen Holzkunstwerk. Aus aktuellem Anlass werden auch die prächtigen Glasfenster des Historismus präsentiert.

Beim größten Konstanzer Profanbau des Mittelalters fällt das verwendete Baumaterial Holz auch äußerlich sogleich ins Auge. Zur Seeseite gibt das mehrgeschossige Dachwerk des einst direkt am Wasser stehenden Konzilgebäudes ein verbrettertes Vollgeschoss frei. Der massive zweigeschossige Unterbau nimmt dreischiffige Hallen auf, ausgeführt als mächtige Holzskelette, so dass das Konzil die Konstruktionsweisen des Stein- und Holzbaus eindrucksvoll kombiniert.

Mit dem ehemaligen Domherrenhof Wessenbergstraße 32 und den unmittelbar nebeneinander stehenden Wohnhäusern Konradigasse 33 und Konradigasse 35 präsentieren sich mittelalterliche Privathäuser am diesjährigen Tag des offenen Denkmals.

Der mittelalterliche Domherrenhof Wessenbergstraße 32 direkt neben dem Münster wurde im 19. und frühen 20. Jahrhundert zum vierflügeligen Wohn- und Geschäftshaus ausgebaut. Das in Stein errichtete und erweiterte Gehöft ist auch ein Denkmal des Holzbaus, wird doch das Haupthaus von einem für den Profanbau frühen Beispiel eines Sparrendachs gedeckt, das nach dendrochronologischer Datierung um 1315 aufgeschlagen wurde. Der Hauskomplex wurde 2010-12 behutsam saniert und zeigt eine geglückte Verbindung aus historischem Bestand und modernen Elementen.

Dagegen stellen die beiden Wohnhäuser in der Konradigasse mittelalterliche Fachwerkbauten dar. Beide Häuser beziehen die älteste Konstanzer Stadtmauer, welche aus dem 10. Jahrhundert stammt, mit ein. Bei Konradigasse 33 kann das kürzlich behutsam instandgesetzte Rofendach aus dem 15. Jahrhundert besichtigt werden. Das Kleinhaus Konradigasse 35 wird derzeit umfassend restauriert. Der Bauherr und Architekt führt dabei durch eine außergewöhnliche Konstanzer Denkmalbaustelle.

Alle drei Privathäuser sind nur während der Führungen geöffnet. Die Personenzahl ist begrenzt. Voranmeldungen sind erforderlich und werden unter Tel. 07531/900-987 oder über Email an VossBDA@stadt.konstanz.de bis Freitag, 07. September, 12.00 Uhr entgegengenommen.

 

Es mag sich nicht sofort auddrängen, aber auch das prominent im See gelegene Inselhotel beinhaltet historische Zeugnisse des Gestaltens mit Holz. Als das ursprüngliche Dominikanerkloster vor 140 Jahren zum Grand Hotel umgebaut wurde, wollte man der Tradition des Ortes durch „altdeutsche" Gesellschaftsräume gerecht werden. Diese Interieurs in Holz und Stuck sind überwiegend der Sanierung von 1966 zum Opfer gefallen. Erhalten hat sich - neben den Historienbildern im Kreuzgang - die 1924 eingerichtete Dominikanerstube, die mit ihrer opulenten Holzauskleidung einem verspäteten Historismus frönt.

Auch beim neugotischen Sandsteinbau des Konstanzer Bahnhofes muss sich auf Spurensuche begeben, wer die einst prachtvolle hölzerne Innenausstattung erahnen möchte. Die heute wieder sichtbaren Reste der reich dekorierten Holzdecke des ehemaligen Wartesaales kamen erst bei der jüngsten Sanierung zum Vorschein und wurden einschließlich der farblichen Fassungen behutsam restauriert.

Anders stellt sich die Situation bei der am Seerhein gelegenen Villa der Chemischen Fabrik Gebr. Bantlin dar. Die im Stil der Neorenaissance 1883 errichtete Villa hat ihre teils aus der Bauzeit, teils aus dem Jugendstil stammende, von Dielenböden und Holztäfern geprägte Innenausstattung weitgehend bewahrt - vor allem Dank einer vorbildhaften Restaurierung, durch die manches Verlorene wieder zutage trat. Die Fabrikantenvilla wurde vor einem Jahr als Denkmalbaustelle präsentiert. Am diesjährigen Tag des offenen Denkmals kann das weitgehend vollendete Werk besichtigt werden.

Ganz aus Holz stellt sich ein weiterer Sakralbau dar, der am diesjährigen Tag des offenen Denkmals ganztägig seine Pforten öffnet - die evangelische Pauluskirche in Petershausen. Ihre Konstruktion - es handelt sich um einen verschindelten Fachwerkbau - erklärt sich aus der Tatsache, dass die 1929 eingeweihte Pauluskirche ursprünglich als Behelfskirche konzipiert war. Der Architekt, Oskar Delisle aus München, schuf indes Dauerhaftes und in seiner stereometrischen Einfachheit den ersten modernen Sakralbau in Konstanz.

Auch die historische Fähre KONSTANZ - eigentlich ein genieteter Stahlkörper - lässt sich mit Holz in Verbindung bringen. Die Holzauskleidung der Deckaufbauten mitsamt den Fenstern zählt zur wertvollen Originalausstattung und wurde unter Anleitung eines Restaurators von den Mitgliedern des Vereins „Rettet die MEERSBURG ex KONSTANZ" im Rahmen der 17jährigen Instandsetzung des Fährschiffs behutsam restauriert. Das Schiffsdeck wurde mit Dielen in Kalfatertechnik belegt. Somit präsentiert sich die älteste Binnenseeautomobilfähre Europas am Tag des offenen Denkmals unter einer speziellen Perspektive. Am Abend sticht die historische Fähre als Abschluss der diesjährigen Veranstaltungen „in See".

Der deutschlandweit durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz in Zusammenarbeit mit den staatlichen Denkmalämtern koordinierte Tag des offenen Denkmals wird wie in jedem Jahr lokal vom Baudezernat der Stadt Konstanz und verschiedenen Partnern veranstaltet. Bürgermeister Kurt Werner lädt alle Bürger und Gäste unserer Stadt am Sonntag, den 09. September 2012 zu einer außergewöhnlichen Entdeckungsreise durch ausgewählte Konstanzer Denkmalstätten ein.


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Tag des offenen Denkmals am 09.09.2012

Plakat der Deutschen Stiftung Denkmalschutz zum Tag des offenen Denkmals 2012
Plakat der Deutschen Stiftung Denkmalschutz zum Tag des offenen Denkmals 2012

Programm

Holzfunde im Archäologischen Landesmuseum
Konstanzer Münster
Konzil
Wessenbergstraße 32
Konradigasse 33
Konradigasse 35
Inselhotel
Konstanzer Bahnhof
Villa Bantlin
Pauluskirche
Fähre KONSTANZ

Programm zum Tag des offenen Denkmals 2012 [PDF, 26 kb]

Hier finden Sie das Programm zum Tag des offenen Denkmals 2012 zum Herunterladen

Programm im Münster zum Tag des offenen Denkmals 2012 [PDF, 171 kb]

Hier finden Sie das Programm im Münster zum Tag des offenen Denkmals 2012 zum Herunterladen

Lageplan zum Tag des offenen Denkmals 2012 [PDF, 12439 kb]

Hier finden Sie den Lageplan zum Tag des offenen Denkmals 2012 zum Herunterladen