Das 2009 vom Gemeinderat berufene Sachverständigengremium findet viel Anerkennung bei der Podiumsdiskussion des Baudezernats zum Thema
„Baukultur als Standortfaktor - Wer gestaltet die Stadt?"
Sechs Vertreter aus den Bereichen Architektur und Städtebau, Wirtschaft, Politik und Verwaltung diskutierten am Mittwoch, 13. Oktober, vor etwa 120 Zuhörern im Wolkensteinsaal im Kulturzentrum am Münster über das Thema „Baukultur als Standortfaktor - Wer gestaltet die Stadt?" Anlass ist die aktuelle Debatte um die Zukunft des vom Gemeinderat vor zwei Jahren zunächst nur befristet eingeführten Konstanzer Gestaltungsbeirats.
Nach einem einführenden Impulsreferat von Professor Fritz Auer, in dem er die bisherige Tätigkeit des Gestaltungsbeirats mit ca. beratenen 40 Projekten in den elf vergangenen Sitzungen seit 2009 kurz darstellte, beleuchteten die sechs Diskutanten ihren jeweils spezifischen, von eigenen Erfahrungen geprägten Zugang zur Baukultur.
Im Verlauf des Abends kristallisierte sich mehr und mehr heraus, dass die Sichtweisen von Bauherren, Investoren, Politik und Architekten keineswegs weit auseinanderliegen. Baukultur müsse in die Breite wirken, dürfe nicht an den Altstadtgrenzen halt machen und könne auf diesem Wege Identität im Wettbewerb der Städte stiften.
Als Anwalt der Baukultur setze sich der Gestaltungsbeirat für Qualität in Architektur und Freiraum ein und unterstütze durch seine Beratungen gerade auch die Wirtschaftsförderung, nicht zuletzt deshalb, weil die immer wieder genannte Gleichung „je schöner umso teurer" schlicht ins Leere laufe, so die Erfahrung des langjährigen Oberbürgermeisters von Ravensburg, Prof. Hermann Vogler. Mit dem Grundsatz, wonach es günstiger sei, „zunächst in Köpfe und Konzepte zu investieren und dann erst in Steine" unterstrich der Konstanzer Baubürgermeister Kurt Werner die Bedeutung einer nachhaltigen Planungskultur. Dabei wurde schnell deutlich, dass der Gestaltungsbeirat hier einen unverzichtbaren Beitrag leistet und es sich bei dem relativ geringen Aufkommen für den städtischen Haushalt letztlich um gut angelegtes Geld, um sinnvolle Investitionen in die Konstanzer Baukultur handelt.
Johannes Hartwich, als Architekt und Stadtrat bzw. Beisitzer in Doppelfunktion auf dem Podium, möchte sich in den politischen Gremien für die dauerhafte Einrichtung des Gestaltungsbeirats einsetzen, denn dieser tue der Stadtentwicklung ganz einfach gut.
Indes „auf Augenhöhe diskutieren", das ist Peter Kolb, Konstanzer Geschäftsmann und Inhaber des Sporthauses Gruner, ein wichtiges Anliegen. Nur so könne man den Bauherren im Planungsprozess mitnehmen und von der Wichtigkeit gestalterischer Aspekte überzeugen. Hier traf er bei den beiden Vertretern des Gremiums, Fritz Auer und Carl Fingerhuth auf einhellige Zustimmung. Beide möchten sich auch künftig für ein konstruktives Miteinander im Beirat einsetzen. Ebenfalls wichtig sei, dass der Investor durch den Gestaltungsbeirat eine Plattform vorfindet, welche die am Bau- und Planungsprozess Beteiligten zu einem frühen Zeitpunkt zusammenbringt, dem Investor ein hohes Maß an Planungssicherheit biete und ihm viele Wege durch die Verwaltung erspare.
Zentrales Anliegen müsse das öffentliche Reden über qualitätsvolle Architektur sein. Ddies wurde nicht zuletzt aus dem Publikum heraus mit Nachdruck angeregt. Dem Laie falle es mitunter schwer, gute von schlechter Architektur zu unterscheiden. Gerade auf dem Feld der Vermittlung sahen alle Diskutanten durchaus selbstkritisch gewisse Steigerungsmöglichkeiten.
Was denn passiere, wenn es im nächsten Jahr keinen Gestaltungsbeirat mehr gäbe? Diese Frage richtete der Moderator Nils Hille abschließend an Prof. Carl Fingerhuth: Dann würde umgehend eine Initiative zur Wiedereinführung gestartet. Diese lakonische Antwort unterstrich eindrucksvoll die Unverzichtbarkeit des Gestaltungsbeirats für eine nachhaltige Bau- und Planungskultur in Konstanz.
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