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Naturschutz und Naturgewalten in Indonesien

Auf dem 30. China-Asien Netzwerktreffen erfuhren die über 60 BesucherInnen, wie man der Abholzung des Regenwaldes auf Borneo mit intelligenten Projekten entgegensteuern kann, und welche Auswirkungen Vulkanismus und Erdbeben auf das Leben in Indonesien haben.


Als gern genutzte Plattform, sich über die aktuellen Entwicklungen in Asien auszutauschen und zu informieren, hat sich das China-Asien-Netzwerktreffen etabliert. Zum 30. Treffen im historischen Ratssaal kamen am 17. April 2018 über 60 Interessierte aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, um sich die Vorträge renommierter Fachleute anzuhören und Fragen zu stellen. Unter dem Titel „Umweltschutz und Naturgewalten in Asien" referierte Johannes Schwegler, Gründer und Geschäftsführer von Fairventures Worldwide über das „One Million Trees"-Projekt in Borneo, das die Aufforstung und den Erhalt des Regenwaldes zum Ziel hat. Dr. Wolfgang Brüstle, Geophysiker und ehemaliger Leiter des Landeserdbebendienstes von Baden-Württemberg, erläuterte, warum in Indonesien so viele schwere Erdbeben auftreten, welche Rolle der Vulkanismus dabei spielt und wie sich die Menschen schützen können. Prof. Dr. Horst Werkle von der HTWG ergänzte Brüstles Vortrag als Experte für erdbebensicheres Bauen.

 

Ökonomie und Ökologie müssen Hand in Hand gehen

Die Abholzung des tropischen Regenwaldes hat auf Kalimantan (Borneo) dramatische Ausmaße angenommen. Auf eindrücklichen Luftbildern, die Johannes Schwegler zu Beginn seines Referats präsentiert, zeigt sich, wie der Naturwald schrumpft. In dem Projektgebiet auf Kalimantan verschwanden allein in den vergangenen 15 Jahren knapp 30 Prozent des Regenwaldes. Die Dayak, einheimische Stämme, leiden am meisten unter dieser Entwicklung, da ihre Lebensgrundlage zerstört wird. Ursachen für das Abholzen sind vor allem die Umwandlung von Flächen in Palmölmonokulturen, die Gewinnung von Holz und Goldminen. Daran sei Europa nicht unschuldig. Denn Palmöl wird zu Biosprit, der hier verkauft wird. „Wenn jetzt nicht gehandelt wird, wird in wenigen Jahren kein Regenwald mehr übrig sein", mahnt Schwegler aus eigener Anschauung. Er selbst lebte Jahre auf Kalimantan und zeigt sich tief schockiert angesichts der Verwüstungen. Um sowohl den Naturschutz voranzutreiben als auch den dort lebenden Menschen ein Auskommen zu ermöglichen, hat Fairventures Worldwide einen ökonomischen Ansatz im Projektgebiet entwickelt. 598 Bauern nehmen an der Bewirtschaftung der degradierten Flächen teil, die noch intakten Regenwald umgeben. Hier lernen sie, wie man den Wald wiederaufforstet und nachhaltige Landwirtschaft betreibt als Alternative zum Pflanzen von Palmöl oder das Gewinnen von Gold. Das Projekt profitiert dabei von besseren politischen Rahmenbedingungen sowie einem gestiegenen Bewusstsein der Bevölkerung für die Bedeutung des Umweltschutzes.

 

„Das Aufforsten bringt ökonomische und ökologische Vorteile. Man gewinnt langfristig Holz, das man verkaufen kann, Wasser wird zurückgehalten, landwirtschaftliche Produkte wie Bananen, Chili, Kakao oder Pfeffer zur Eigenversorgung und zum Verkauf können angebaut werden, die Luftqualität und das Klima verbessern sich und die Menschen können durch Tourismus ihr Einkommen steigern", zählt Schwegler die Vorteile auf. „Wir brauchen für die Menschen einfach eine kommerzielle Alternative zum Palmöl".

 

Für die Holzgewinnung werden schnell wachsende Pflanzen angebaut. Dieses Holz soll als Baumaterial auch das Holz der Regenwälder ersetzen. Fairventures Worldwide arbeitet eng mit Industrie- und Regierungspartnern zusammen, um den Fokus auf die gesamte Wertschöpfungskette zu richten. Dem Ziel, eine Million Bäume zu pflanzen, ist man bereits sehr nahe. Seit 2015 wurden bereits 850 000 Bäume gepflanzt. Aber immer seien es Tropfen auf den heißen Stein. „Unser Ziel ist es, bis 2015 100 Millionen Bäume zu pflanzen", erklärt Johannes Schwegler. Spenden seien wichtig, aber eine so große Summe müsse über ein Investorenmodell generiert werden, so Schwegler.


Von links das Referenten- und Organisationsteam: Claus Hirt, Referat Oberbürgermeister, Johannes Schwegler von Fairventures Worldwide, Prof. Helmut Weber von der HTWG, Geophysiker Dr. Wolfgang Brüstle und Prof. Dr. Horst Werkle von der HTWG.© Stadt Konstanz

Leben mit Naturgewalten

Wie essentiell die geographische Lage Länder prägt, zeigte Dr. Wolfgang Brüstle in seinem Vortrag „Erdbeben und Vulkane in Indonesien". Da der Inselstaat im pazifischen „ring of fire" liegt, ist er über eine Länge von rund 5000 km ständig von Vulkanausbrüchen und Erdbeben bedroht. „50 Prozent der indonesischen Bevölkerung sind von Vulkanismus betroffen", sagt Brüstle. Der Geophysiker war einige Jahre als Berater des indonesischen Erdbebendienstes tätig. Um die gewaltigen Naturkräfte, die dort herrschen, anschaulich zu machen, zeigt Brüstle Landkarten, die die Aktivitäten von Vulkanen und Erdbebengebiete zeigen, und Fotos ihrer verheerenden Auswirkungen. Kurz erklärt er, wie Erdbeben und Vulkanausbrüche zustande kommen. „Erdbeben sind Brüche im Gestein, die durch Verschiebungen der Kontinentalplatten erzeugt werden." Im Falle von Indonesien sind dies die australische und eurasische Platte. Erdbeben können auch Tsunamis hervorrufen. Brüstle erinnert an das Beben 2004 im indischen Ozean, bei dem 300.000 Menschen starben. „Heute gibt es Tsunami-Alarmsysteme, die Leben retten."

 

Vulkanausbrüche entstehen, wenn flüssiges Gestein, Magma, aus dem Erdinnern nach oben befördert wird. Bei zu hohem Druck dringt das Magma durch die Erdoberfläche, manchmal auch mit Ascheregen und Gaswolken. Beide Phänomene hängen zusammen.

 

Das Schlimmste bei Erdbeben sind die Bodenbewegungen. Wolfgang Brüstle zeigt am Beispiel des Erdbebens 2006 in Yogyakarta, wie verheerend eine schlechte Bautechnik bei Erdbeben ist. Tausende starben, vor allem auf dem Land. Dort waren viele Häuser komplett eingestürzt. Prof. Dr. Horst Werkle erläuterte in diesem Zusammenhang, wie erdbebensicheres Bauen aussehen kann. „Man kann so viele Wände einziehen, dass das Gebäude standhält, geeignetes Material benutzen oder es seismisch isolieren."

 

Der Fortschritt der Wissenschaft hat jedoch Grenzen: „Leider können wir nicht vorhersagen, wann, wo und in welcher Stärke Erdbeben auftreten werden", erklärt Wolfgang Brüstle. Aber aufgrund der Daten können Gefährdungskarten erstellt werden und Alarmsysteme warnen die Bewohner.

 

Ausblick aufs 31. China-Asien Netzwerktreffen

Vormerken können sich Interessierte das nächste, 31. China-Asien-Netzwerktreffen, am 23. Oktober 2018. Unter anderem wird der Konstanzer Förderpreisträger für junge Kunst in der Sparte Bildende Kunst, Jeremias Heppeler, sein Kunstprojekt in China vorstellen. Auf der Facebookseite Städtepartnerschaft Konstanz finden Interessierte Informationen und alle wichtigen Termine.

 



Zuletzt aktualisiert am: 18.04.2018

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