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Inklusion nützt allen Konstanzern

Vier behinderte Menschen schildern auf dem ersten Forum Inklusion ihren Alltag. Dabei wird deutlich: Die ersten Schritte auf dem Weg in eine inklusive Gesellschaft sind gemacht. Aber es bleibt noch viel zu tun.


Was bedeutet es im Alltag behindert zu sein? Diese Frage stand im Mittelpunkt des ersten Treffens des FORUM Inklusion am 13. März 2017 im Treffpunkt Petershausen. Das FORUM Inklusion versteht sich als Plattform für Menschen mit Behinderung und widmet sich 2017 in seinen vier Treffen den Schwerpunkten aus dem Konstanzer Aktionsplan Inklusion. Rund 40 Konstanzerinnen und Konstanzer nahmen die Chance wahr, aus erster Hand von Problemen, aber auch Erfolgen von behinderten Menschen zu hören. Moderator des Abends Stephan Grumbt, der Konstanzer Beauftragte für Menschen mit Behinderung, und sein Beirat hatten dazu vier Menschen, die an unterschiedlichen Einschränkungen leiden, eingeladen, über sich zu sprechen. „Es ist eine große Ehre für mich, dass sie den Mut finden in die Öffentlichkeit zu gehen", begrüßt Stephan Grumbt seine Gäste. „Sie schaffen damit Bewusstsein für unsere Anliegen und helfen unsere Stadt so zu gestalten, dass wir alle besser in Zukunft hier leben können."

 

Vier Lebensgeschichten

Welche Chancen der technologische Fortschritt Behinderten eröffnet, zeigt sich im ersten Gastbeitrag. Petra, die an einer neuromuskulären Erkrankung leidet und seit Juli 2016 invasiv beatmet werden muss, kommuniziert über ein Tablet mit dem Publikum, da sie nur stundenweise sprechen darf. So erfahren die Besucher, dass Petra seit 1994 in Konstanz lebt und hier Psychologie studiert hat. Ihr Alltag unterscheide sich in den wesentlichen Dingen nicht von dem Nicht-Behinderter. „Ich muss überlegen, was ich einkaufe und koche. Aber ich werde von einem Pflegeteam unterstützt", sagt Petra. Als Hobbyornithologin ist sie Schriftführerin im Verein für Kanarienzucht und Vogelfreunde in Konstanz. „Am Anfang war es nicht leicht in Kontakt mit den anderen Mitgliedern zu kommen, aber wir alle haben dazu gelernt. Diese Menschen sind mir wichtig." Ihr Ziel, anderen behinderten Menschen als Psychologin zu helfen, setzt sie ehrenamtlich um. „Leider konnte ich keine Stelle bekommen."


Die Gesprächsrunde mit den behinderten Gästen Petra (von links), Behindertenbeauftragter Stephan Grumbt, Sascha, der Betreuerin Birgit, Steffi und Manuel gab Einblicke in den Alltag mit Behinderung.© Stadt Konstanz

Sascha und Steffi haben unterschiedlich starke kognitive und körperliche Einschränkungen. Beide arbeiten in Behinderten-Werkstätten. Stolz berichtet Sascha von dem Vertrauen, das ihm der Gruppenleiter in St. Pirmin entgegen bringt. „Ich arbeite an einer Fräsmaschine und mache zum Beispiel Winkel. Ich bin ein Maschinen-Freak," sagt er lachend. Außerdem schwimmt Sascha gerne. Deutlich aufgeregt braucht Steffi ein paar Minuten, um sich zu beruhigen. Sie erklärt, dass sie im Wohnheim lebt und zeigt stolz ein Foto ihrer Kollegen in der Werkstatt Seewerk 2. Unverblümt erzählt Steffi auch von Problemen. „Der Hilfsdienst hetzt mich immer so am Morgen." Der Alltag ist anstrengend. Das mindert jedoch nicht die gute Laune von Sascha und Steffi, die auch das Publikum immer wieder mit den beiden schmunzeln und lachen lässt.

 

Als letzter der Runde spricht der sehbehinderte Manuel aus Singen. Sechs Jahre dauerte es, bis er nach seiner Ausbildung zum Kaufmann für Bürokommunikation eine Stelle fand. „Es war schwierig in den ersten Arbeitsmarkt zu kommen. Ich musste meine Hilfsmittel präsentieren, mit denen ich meinen Arbeitsalltag bewältige." Manuel erzählt, dass das Orientierungs- und Mobilitätstraining ihm ermöglicht, unabhängig zur Arbeit zu kommen. Dabei ist er sehr auf taktile Linien und Orientierungsmöglichkeiten angewiesen. „Wichtig sind zum Beispiel akustische Signale wie bei der Fußgängerampel, damit ich weiß, wann ich queren kann. Es wäre schön, wenn alle Ampeln damit ausgestattet wären."



Die Erzählungen von Petra, Sascha, Steffi und Manuel machen in Stephan Grumbts Augen vor allem eines deutlich: „Wir sind nicht anders, wir brauchen nur mehr Aufmerksamkeit." Achtzehn Prozent der Deutschen lebten mit einer Behinderung. „Neun Prozent der Konstanzer und damit fast 10.000 Menschen sind hier von einer Behinderung betroffen." Sein Satz „Jede Investition in die Belange der Schwerbehinderten kann eine Investition in die Zunft sein, denn jeder kann betroffen werden," bringt viele im Publikum zum Nachdenken. Denn Barrierefreiheit und eine bessere Stadtplanung nützt nicht nur behinderten Menschen, sondern zum Beispiel auch älteren Mitbürgern, die Probleme mit der Mobilität oder Orientierung haben.

 

 


Das nächste Treffen FORUM Inklusion findet am 19. Juni um 19 Uhr im Treffpunkt Petershausen (Georg-Elser-Platz 1) statt. Dann geht es um die Themen Freizeit und Kultur. Eine Anmeldung ist nicht notwendig.



Zuletzt aktualisiert am: 14.03.2017

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