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Politiker informieren sich über TINK

Wie läuft das Projekt TINK (Transportrad Initiative Nachhaltiger Kommunen) in Konstanz und Norderstedt? Darüber setzte Bürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn den Bundestagsabgeordneten Andreas Jung und den Parlamentarischen Staatssekretär Norbert Barthle aus dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) bei ihrem Besuch ins Bild.


Vor der Projektvorstellung erfolgte der Test am eigenen Leib: Andreas Jung und Norbert Barthle drehten im Hof der Stadtwerke ein paar Runden auf den neuen öffentlichen Transporträdern. „Sie lassen sich trotz des Kastenaufbaus bequem fahren und gut lenken", so Barthle. „Ich sehe die Räder ständig in der Stadt unterwegs", sagte Jung. Das TINK Transportrad-Mietsystem ist in Konstanz ein durchschlagender Erfolg, bestätigte Bürgermeister Langensteiner-Schönborn in der Präsentation. „Die Transporträder machen für sich selbst Werbung. Unser Ziel waren 1.500 Nutzer nach zwei Jahren. Nach sechs Monaten zählen wir schon 1.744 aktive Nutzer."

 

Entwicklung des Projekts

Dass sich Konstanz als kompatibel für Transporträder erweist, unterstrich 2016 eine Studie von Studierenden der Hochschule Konstanz (HTWG) unter der Leitung von Prof. Andreas Großmann von der Fakultät für Bauingenieurwesen. Der größte Teil der Konstanzer Radverkehrsinfrastruktur ist für Transportfahrräder geeignet. Konstanz ist eine Fahrradstadt mit Potential, betonte der Bürgermeister und zog als Beispiel den Radverkehr über die Fahrradbrücke heran. An Spitzenzeiten fahren bis zu 17.000 Radfahrer täglich über sie. Das Handlungsprogramm Radverkehr ist deshalb zentraler Punkt des gesamten Verkehrskonzepts.

 

Wie sich das Projekt TINK im Detail entwickelt hat, berichteten Nathalie Niekisch, in Vertretung des nationalen Projektleiters Marco Walter, und Sebastian Nadj, der die Projektleitung in Konstanz innehat. Konstanz und Norderstedt sind die beiden Modellkommunen des TINK Projektes, das durch das Bundesverkehrsministerium im Rahmen des Nationalen Radverkehrsplans 2020 (NRVP) gefördert wird. Die Gesamtausgaben für das Projekt betragen 511.000 Euro, wobei das Bundesverkehrsministerium zur Umsetzung in den Städten 80 Prozent beisteuert, Konstanz und Norderstedt übernehmen die übrigen 20 Prozent. Die Kosten verteilen sich u.a. auf das Leasing, den Unterhalt und die Wartung der Räder sowie die EDV und Distribution. Daneben erfolgt eine wissenschaftliche Begleitung und Evaluation durch das Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ).

 

Vergleich von Konstanz und Norderstedt

Der Startschuss fiel am 29.7.2016. Vor der Inbetriebnahme der Transporträder erfolgte von August 2015 bis März 2016 eine grundlegende Analyse und Konzeption. Wichtigste Punkte: „Das System musste einfach zu bedienen und kostengünstig sein sowie ein dichtes Stationsnetz bieten", erklärte Niekisch. 16 Zwei- und acht Dreiräder wurden angeschafft, die rund um die Uhr ausgeliehen werden können. Zwei weitere Räder sponserte das LAGO Shopping-Center im darauf folgenden September. „Bis Februar zählten wir 4.505 Ausleihen und 9.830 Nutzungsstunden. Ein Rad wurde gestohlen und wieder ersetzt", berichtete Niekisch. Die Räder wurden vor allem zur Kinderbeförderung, zum Einkaufen und zur Lastenbeförderung genutzt.

 

In Norderstedt wurden 154 neu registrierte Nutzer gezählt. Es kam zu 398 Ausleihen und 1.070 Nutzungsstunden. „Das in Norderstedt anvisierte Ziel sind 1.000 Nutzer nach zwei Jahren. Das Projekt ist dort auf dem geplanten Weg", so Niekisch. Die Unterschiede im Gebrauch der Transportfahrräder zwischen den fast gleich großen Städten Norderstedt und Konstanz erklärte Langensteiner-Schönborn zum einen mit der höheren Zahl an Studenten in Konstanz. Außerdem sei das Autofahren in Norderstedt attraktiver. Begleitet wurde die Einführung der Transportfahrräder in beiden Städten durch Werbemaßnahmen sowie verkehrswissenschaftliche und umweltpsychologische Studien.

 

Trotz des erfolgreichen Starts gab es in Konstanz auch Probleme, vor allem technischer Art. Schwierigkeiten bereitete die Etablierung der Bordcomputer. „Deshalb haben wir zunächst nur die Hälfte der Räder damit ausgerüstet, so dass man sie immer noch per SMS mieten kann", erklärte Nadj. Eine Hürde bildete auch die Nähe und damit Überschneidung zum Schweizer Mobilfunknetz in Konstanz, die erst ein neuer Provider lösen konnte. Abnutzungserscheinungen und technische Defekte der Räder sorgten für einen erhöhten Wartungsaufwand.

 

Ausblick

Zum Abschluss stellte sich auch die Frage nach der Zukunftsfähigkeit und Übertragbarkeit des Projekts auf andere Kommunen. „Wie wird es für andere Gemeinden wirtschaftlich", wollte Barthle wissen. Noch sei es zu früh, eine Bilanz zu ziehen, meinte Nadj. Ein Zweck des Modellprojekts bestehe darin, einen Leitfaden unter anderem zu genau dieser Frage zu erstellen. „Die Nutzung der Räder als Werbefläche ist dabei ein großer Faktor", sagte Niekisch. Während man in Norderstedt mehr Nutzer gewinnen will, hat dies in Konstanz keine Priorität. Der Praxistest in Konstanz sei bravourös bestanden, so Bürgermeister Langensteiner-Schönborn. „Jetzt müssen wir noch mehr in die Pedale treten. Wir würden TINK gerne langfristig aufs gesamte Stadtgebiet ausdehnen." Dafür müssen jedoch erst u.a. die finanziellen Voraussetzungen in Konstanz geschaffen werden.




Zuletzt aktualisiert am: 16.02.2017

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