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Stadtplan für Nachhaltigkeit in Konstanz

Was heißt Nachhaltigkeit für die KonstanzerInnen? Mehrere Hundert BesucherInnen holten sich bei AktionsWerkStadt Anregungen für einen nachhaltigeren Lebensstil. An 40 Ständen konnten sie sich über Konzepte und Visionen informieren. Zudem wurden die ersten Ergebnisse der großen BürgerInnenbefragung zum Thema sowie der Stadtplan der Zukunft vorgestellt. Das „grüne Branchenbuch für Konstanz" soll von den BürgerInnen weiterentwickelt werden, so OB Uli Burchardt.


Konstanz ist eine von deutschlandweit drei Städten, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Initiative ZukunftsWerkStadt  gefördert wird. Unter dem Motto „Konstanzer schaffen Klima" soll die nachhaltige Entwicklung der Stadt von den Bürgerinnen und Bürgern gemeinsam mit der Stadtverwaltung und anderen Institutionen vorangetrieben werden. Ziel der ZukunftsWerkStadt ist es, einen Überblick über die bereits auf privater wie öffentlicher Ebene existierenden Angebote und Gruppen zu gewinnen, die es zum Thema Nachhaltigkeit gibt, und sie auf einem interaktiven Stadtplan abzubilden und zu vernetzen.

 

Dieser Stadtplan wurde nun neben den vorläufigen Ergebnissen einer Bürgerbefragung auf der AktionsWerkStadt, die am vergangenen Samstag (14.3.) im Konzil stattfand, vorgestellt.  Mehrere hundert Konstanzer folgten den Vorträgen und besuchten die ergänzende Ausstellung von 40 Gruppen, Institutionen und Wirtschaftsunternehmen. Organisiert und moderiert wurde die Veranstaltung von der translake GmbH.

 

Nachhaltigkeit braucht gute Rahmenbedingungen

„‘Konstanzer schaffen Klima‘ bedeutet nicht nur Klimaschutz, sondern auch die Stärkung des sozialen Klimas und Zusammenlebens in der Stadt", erklärte OB Uli Burchardt in seiner Eröffnungsrede. Mit der ZukunftsWerkStadt 2.0 habe Konstanz eine Vorreiterrolle inne.  „Andere Städte in Deutschland beobachten genau, was in Konstanz passiert. Das ist für uns eine Anerkennung, aber auch eine Herausforderung, weiter dran zu bleiben."

Zentrales Anliegen der Stadtverwaltung war die Bürgerinnen und Bürger aktiv mit zu beteiligen. Dazu wurden 400 Bürgerinnen und Bürger zu ihren Ideen bezüglich Nachhaltigkeit im Alltag befragt und auch in welchen Bereichen sie sich bereits für eine nachhaltige Stadtentwicklung engagieren. Ziel war es dabei die Vielfalt von nachhaltigen Lebensstilen aufzuzeigen.

 

 „Der Online-Stadtplan verortet die Initiativen, die im Bereich Nachhaltigkeit in Konstanz aktiv sind. Er soll nach Projektende von den Konstanzerinnen und Konstanzern selbst weiterentwickelt werden", informierte Burchardt. Die große Herausforderung sei es heute, die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger auch zukünftig zu sichern. „Dazu kann jeder Einzelne von uns durch sein eigenes Verhalten beitragen. Wir von der Verwaltung und Politik werden dazu beitragen, dass die Rahmenbedingungen einen ressourcenschonenden Lebensstil unterstützen werden. Dazu gehören zum Beispiel unsere Investitionen in Mobilität und intelligenten flächensparenden Wohnraum," versprach der OB.

 

400 Konstanzer befragt

Was heißt Nachhaltigkeit für die Konstanzer? Wie nachhaltig leben die Menschen hier und wie kann eine nachhaltige Lebensführung unterstützt werden? Diese und andere Fragen, die individuelle Verhaltensweisen betrafen wie auch Fragen zur städtischen Entwicklung, stellten 50 freiwillige Interviewer 400 Mitbürgern. Wissenschaftlich begleitet wurde das Projekt von den beiden Konstanzer Hochschulen. 170 der Befragten wurden zufällig ausgewählt, 120 hatten sich freiwillig gemeldet und 110 wurden direkt angesprochen.  

Eine erste, vorläufige Auswertung von 160 Fragebögen stellte Dr. Stephans Grohs von der Universität Konstanz vor. Soziales, Ressourcenschonung und Umwelt verbinden Konstanzer am meisten mit dem Begriff der Nachhaltigkeit, gefolgt von Wirtschaft und Ernährung. Die Befragten setzen vor allem bei der Ernährung oder Energieeinsparung bereits nachhaltige Konzepte um. Auf das Auto und den Fleischkonsum zu verzichten, sowie die Wohnfläche zu reduzieren, kam dagegen am wenigsten in Frage. Bequemlichkeit, Finanzen und der Zwang das Auto zu benutzen sowie mangelnde Informationen und Angebote behinderten nach Ansicht der Befragten am stärksten eine nachhaltige Lebensführung.

 

Auf die Frage, wer Nachhaltigkeit in Konstanz vorantreiben soll, nannten die Befragten die Stadtverwaltung, knapp gefolgt von Vereinen, der Kommunalpolitik, der Wirtschaft und den Bildungseinrichtungen. An letzter Stelle kam das Engagement einzelner Bürger. Brennpunkte für die Befragten waren die Verkehrsproblematik, der Ausbau des ÖPNV und der Radwege. Was genau Konstanzer schon unternehmen oder zukünftig unternehmen wollen, konnten die Besucher an den Stellwänden im Konzil ablesen. Zu Ökostrom wechseln, Fahrrad statt Auto, bewusster Einkaufen, Mitarbeit in Initiativen und das Teilen von Dingen, statt sie zu besitzen - diese Aussagen zeigten die Bandbreite der Lebensbereiche, die die Befragten bewegen.

 

Konstanz und Nachhaltigkeit

Welche Vielfalt an Gruppen und Initiativen es in Konstanz gibt, spiegelte die begleitende Ausstellung wider. An 40 Ständen konnten sich Besucher und Teilnehmer der ZukunftsWerkstadt 2.0 über Konzepte und Visionen informieren. Dabei begeisterte die Besucher die Vielfalt der Angebote, die von einer neu gegründeten Wohn-Werkstatt über Bio-Essen bis hin zu studentischen Projekten reichten. „Das motiviert einen, selbst kreativ zu werden", sagte eine Konstanzerin, die ihr Samstagsbummel ins Konzil geführt hatte. Eine der Interviewten, die sich freiwillig gemeldet hatte, hatte schon länger über einen nachhaltigeren Lebensstil nachgedacht. „Ich plane jetzt den Umstieg auf Ökostrom und werde mich auch über das Food-Sharing informieren. Die AktionsWerkStadt vermittelt viele Denkanstöße." Dies beinhaltete auch kritische Ansichten zur Stadtentwicklung von Initiativen, wie die gegen die Baumfällungen im Tägermoos.

 

Der Stadtplan der Zukunft

Dass sich in Konstanz schon viel bewegt, zeigte die Präsentation des Stadtplans Zukunft durch Ralph Schiel von der Agentur naturblau+++. „Im Stadtplan geht es um das Sichtbarmachen bestehender Initiativen, Akteure, Events, Geschäfte oder Orte. Er ist ein wesentliches Instrument, um die Angebote zu vernetzen", erklärte Schiel. Den vielen dezentralen Angeboten verschaffe der Stadtplan jetzt einen zentralen Ort. 200 Gruppen, Initiativen, Geschäfte, Institutionen und Organisationen und ihre Angebote sind bereits in ihm erfasst. „Es ist quasi das grüne Branchenbuch für Konstanz."

 

Interessierte finden hier Anregungen für einen nachhaltigen Lebensstil und gewinnen einen Überblick über die Angebote. „Der Stadtplan beantwortet die Fragen, wo ich etwas machen oder anbieten kann", so Schiel. Verschiedene Kategorien sorgen für Übersichtlichkeit: Bildung und Kultur, Energie, Konsum, Mobilität, Reparieren und Wiederverwenden, Soziales, Tourismus und Wohnen stehen zur Auswahl. Mit Hilfe eines Vorschlagformulares kann man weitere Gruppen oder Angebote öffentlich machen. Eine Vernetzung mit den Sozialen Medien soll weitere Ideen generieren. Wer und was aufgeführt wird, entscheidet eine Interessensgruppe, deren Mitglieder aus den verschiedensten Bereichen kommen und für die sich jeder melden kann. Sie soll eine Verwässerung des Profils vermeiden. „Entscheidend ist, dass das Angebot nachhaltig ist und einen Mehrwert für die Region darstellt", sagte Ralph Schiel. Als eine Art Franchisesystem kann der Stadtplan von anderen Städten adaptiert werden. Die Einnahmen daraus fließen wieder ins Projekt.

 

Bürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn gab zum Schluss einen Ausblick auf die weitere Projektentwicklung. „Wir sind extrem stolz, dass uns das Bundesministerium für Bildung und Forschung für die ZukunftsWerkStadt ausgewählt hat und so 80 000 Bürger ein Branchenbuch der Nachhaltigkeit bekommen". Auf der Bilanzveranstaltung am 3. Juli soll ein Verein gegründet werden, der sich weiter um den Online-Stadtplan kümmern soll. „Damit wird der Staffelstab an die Bürger weiter gegeben", sagte Bürgermeister Langensteiner-Schönborn.

 

Konstanz als Vorbild

Gastredner Dr. Jürg Minsch plädierte in seinem Vortrag „Ressourcenleichtigkeit - Gedanken zu nachhaltiger Entwicklung und Suffizienz" mutig neue Wege einzuschlagen. Zwei Weltanschauungen bestimmten die Diskussion. „Nachhaltigkeit kann man als Nachbessern bei den vorhandenen Ressourcen sehen, aber auch als kreative Herausforderung etwas Neues zu denken und zu schaffen." Trotz aller Krisen dürfe man nicht in einem defensiven Denken verharren. Nur Ressourcen zu schonen, führe zu kurz. „Man muss Experimente wagen, neue Produkte und Geschäftsmodelle entwickeln, die nicht nur in der Öko-Nische angesiedelt sind." Nicht alles sei von der Politik zu regeln. Auch der Einzelne müsse handeln. „Ich finde ihr Experiment deshalb unglaublich wichtig." Dr. Jürg Minsch bewertete den Stadtplan der Zukunft als nachahmenswertes Modell.



Zuletzt aktualisiert am: 16.03.2015

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