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OB Uli Burchardt: "Nachhaltigkeit ist und bleibt wichtig in Konstanz "

Konstanz übernimmt mit der ZukunftsWerkStadt eine Pionierrolle. Oberbürgermeister Uli Burchardt erläutert den Sinn und Zweck des Projekts.


 

Herr Oberbürgermeister, mit dem Projekt ZukunftsWerkStadt 2.0 hat sich Konstanz eine nachhaltige Entwicklung vorgenommen. Was heißt das für Sie?

Dass der Begriff der Nachhaltigkeit heute eine erweiterte Bedeutung hat und haben muss. Es geht nicht allein um die ökologische Dimension des Ressourcenverbrauchs, sondern auch um die ökonomische Dimension des Wachstums und die soziale Dimension der Verteilungsgerechtigkeit. Wir wissen, dass wir heute hinsichtlich des Ressourcenverbrauchs über unsere Verhältnisse leben und zu kurzfristig denken. Deshalb bin ich der Meinung, dass der Begriff Nachhaltigkeit der Leitbegriff der nächsten Jahre und Jahrzehnte sein wird und auch sein muss. Das gilt ganz besonders für die Städte. Konstanz kann einen Beitrag leisten.

 

Mal ehrlich: Können Sie das Wort Nachhaltigkeit eigentlich noch hören?

Der Begriff wird für jeden Quatsch missbraucht, trotzdem ist er wichtig. Nachhaltigkeit ist für mich ein Leitmotiv. Konstanz ist eine Stadt, die es sich leisten kann und die Freude daran hat, mit Nachhaltigkeitskonzepten zu experimentieren. Nicht zuletzt deshalb habe ich meine Amtszeit unter die Überschrift Nachhaltigkeit gestellt. Konstanz ist ganz besonders darauf angewiesen, nachhaltig zu denken: vor allem aufgrund der besonderen geografischen Situation und der sensiblen Lage am See.

 

Bei der 2000-Watt-Gesellschaft und ähnlichen Initiativen denken viele zunächst einmal an Verzicht. Warum soll es bereichernd sein, weniger zu verbrauchen?

Zunächst einmal ist glaube ich unbestritten, dass wir heute von fast allem zu viel verbrauchen, das gilt ganz besonders für fossile Energieträger. Wir sind also gut beraten zu lernen, ohne dass wir wirklich in Not wären. Ich sehe die ganze Sache deshalb eher spielerisch: Die Bürgerinnen und Bürger, die Spaß daran haben, können im Rahmen des Projektes 2000-Watt-Gesellschaft Dinge ausprobieren und neue Erkenntnisse gewinnen, von denen später die ganze Gesellschaft profitieren kann. Und wenn ich Ihre Frage jetzt mal wörtlich nehme, dann ist es natürlich bereichernd weniger zu verbrauchen - denn weniger zu verbrauchen heißt auch, weniger bezahlen zu müssen.

 

Kann sich jeder einen nachhaltigen Lebensstil leisten und was sagen Sie denen, die schon mit der Bewältigung ihres Alltags genug herausgefordert sind?

Nachhaltiges Handeln kann in vielen Bereichen stattfinden. Greifen wir zwei Bereiche heraus, die jeden betreffen: Lebensmittel und Mobilität. Beim Thema Essen und Einkaufen geht es nicht allein um Nahrungsmittel aus dem Bio-Anbau, sondern zuallererst um Regionalität. Wer regionale Produkte bevorzugt, handelt nachhaltig. Und unsere Region hat von Thurgau bis Höri, von Tägermoos bis Reichenau, von Meersburg bis Haltnau wirklich eine Menge toller regionaler Produkte zu bieten. Ähnlich verhält es sich bei der Mobilität: Wer sein Auto öfter stehen lässt und stattdessen auf Rad oder Bus umsteigt, handelt ebenfalls nachhaltig. Beide Beispiele zeigen: nachhaltiges Handeln ist in den wenigsten Fällen eine Frage des Geldbeutels.

 

Wie können sich die Bürger der Stadt einbringen, wenn es um die Entwicklung ihrer Zukunft geht und warum ist die ZukunftsWerkStadt 2.0 kein Selbstzweck?

Die BürgerInnen können sich in nahezu allen Projekten einbringen, sie sind die entscheidenden Akteure, ohne sie geht gar nichts. An dieser Stelle ein großes Kompliment an die vielen engagierten Konstanzerinnen und Konstanzer, die sich bereits beim ersten Teil der ZukunftsWerkStadt 2012/2013 beteiligt haben. Dieses in Konstanz unbestritten vorhandene Potential wollen wir nun in einem zweiten Schritt noch einmal steigern. Die ZukunftsWerkStadt 2.0 ist ein anspruchsvoller Versuch, alle Dimensionen einer zukunftsfähigen Entwicklung zu beleuchten und die BürgerInnen auf diesem Weg mitzunehmen. Denn das Ziel kann nur erreicht werden, wenn sie auch bereit sind, den Weg tatsächlich mitzugehen. Und wie wir gesehen haben, sind die Konstanzerinnen und Konstanzer besonders motiviert bei der Sache. Insofern wird das Motto des Projekts „Konstanzer schaffen Klima" von den Bürgerinnen und Bürgern auf vielen Ebenen mit sehr viel Engagement und Leben erfüllt. Ich freue mich über die Experimentierfreude der KonstanzerInnen.

 

Haben Sie für sich selbst schon einmal einen der Ansätze ausprobiert, die bisher bei der ZukunftsWerkStadt entwickelt wurden?

Nachhaltiges Handeln fängt ja schon damit an, dass ich mein eigenes Handeln reflektiere. Das tue ich und versuche in vielen Bereichen einen nachhaltigen Lebensstil zu pflegen. Und ich denke, dass mir das häufig auch gelingt. Klar ist aber, Steigerungspotential gibt es immer und bei jedem.

Mein Lieblingsfortbewegungsmittel ist das Fahrrad. Ich habe immer wieder Freude daran (aber selten die Zeit dazu), regionale Produkte auf dem Markt einzukaufen, und nicht zuletzt bin ich stolzer Kunde des SeeEnergie ÖkostromPlus Tarifes unserer Konstanzer Stadtwerke, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

 

Wo hat aus Ihrer Sicht das Nachhaltigkeitsdreieck aus Ökologie, Ökonomie und Sozialem in Konstanz derzeit seinen Schwerpunkt und liegt der an der richtigen Stelle?

Ich denke, dass die Stadt Konstanz im Bereich Ökologie schon ganz gut aufgestellt ist. An der Strategie unserer Ökonomie arbeiten wir gerade, sprich: Welche Wirtschaft wird in Konstanz in 10 oder 20 Jahren die Arbeitsplätze bereitstellen und Steuern bezahlen, die für unsere Stadt so wichtig sind? Den akutesten Handlungsbedarf sehe ich im sozialen Bereich, und zwar bei der Versorgung mit bezahlbarem Wohnraum. Daran arbeiten wir mit Hochdruck, und das nicht zuletzt aus purem Eigennutz: Für eine langfristig gesunde Bevölkerungs- und Stadtentwicklung braucht die Stadt Platz für Jeden, aber in den letzten Jahren wandern uns zu viele junge Familien ab, weil sie in Konstanz keine Heimat mehr finden.

 

Was heißt das für die großen Zukunftsprojekte vom Handlungsprogramm Wohnen über das Soziale bis hin zum Handlungsprogramm Radverkehr?

Insgesamt geht es darum, viele Mosaiksteine zu einem Gesamtbild zusammenzufügen, das Konstanz zu einer nachhaltigen Stadt macht. Die Themenpalette geht weiter von der ausreichenden Betreuungsquote für unter Dreijährige bis hin zu den großen Themen Wirtschaft, Wissenschaft und Bildung. Grundpfeiler sind hier die zwei Hochschulen, die wir am Standort haben, die einen wesentlichen Teil zur Zukunftsfähigkeit unserer Stadt beitragen. Sie sorgen dafür, dass die Stadt Konstanz das „produziert", woran es der Gesellschaft und der Wirtschaft in Zukunft am meisten mangeln wird: an hochqualifiziertem Nachwuchs. Auch hier gibt es vielfältige Kooperationen und wir stehen in einem ständigen Austausch.

 

Wie wichtig ist die ZukunftsWerkStadt in der Strategieplanung für die Stadt insgesamt? Was tun Sie mit Ihrem Team dafür, dass die Ergebnisse mehr sind als unverbindliche gute Absichten?

Die ZukunftsWerkStadt kann eine Initialzündung dafür sein, dass sehr viel Neues entstehen und sich entwickeln kann. Die Stadt sieht sich in der Rolle des Koordinators und Ideengebers. Auf Augenhöhe mit der Stadtverwaltung, Gemeinderat, Wissenschaft und Forschungseinrichtungen sind die Konstanzerinnen und Konstanzer die wichtigsten Partner. Wir wollen die Menschen dazu motivieren, verantwortungsbewusst und nachhaltig mit den Ressourcen umzugehen und im eigenen Haushalt Energie zu sparen.

Zum Abschluss noch ein Satz zum Fortführen: In der ZukunftsWerkStadt werkeln wir an der Zukunft der Stadt - denn...

... Nachhaltigkeit geht uns alle an und jeder kann dazu etwas beitragen. Konstanz hat auch mit der ZukunftsWerkStadt die ganz besondere Chance, eine Pionierrolle einzunehmen und zu zeigen, wie Nachhaltigkeit kommunal konkret funktionieren kann. Jede Idee ist dabei willkommen. Denn die Zukunft liegt immer mehr in den Städten, und damit das gelingt, müssen wir Städte noch viel lernen.

Fragen: Jörg-Peter Rau, Südkurier



Zuletzt aktualisiert am: 11.03.2015

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Download

Das Interview mit OB Uli Burchardt ist als Sonderveröffentlichung der Stadt Konstanz zur ZukunftsWerkStadt in der Beilage des Südkurier am 11. März 2015 erschienen. Die komplette Publikation als Download gibt es hier:

Sonderveröffentlichung der Stadt Konstanz zur ZukunftsWerkStadt 2.0 [PDF, 1690 kb]

Als Beilage des Südkurier am 11. März 2015 erschienen